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5G-NetzeHerr Höttges, warum nehmen Sie Huawei so in Schutz?

Tim Höttges kämpft für einen Verbleib von Huawei im deutschen Antennennetz – mindestens für ein bis zwei weitere Jahre. Technisch ändert das wenig – nur wäre er wohl bei der Telekom nicht mehr verantwortlich. Ein Kommentar.Nele Husmann 13.10.2023 - 18:34 Uhr

Telekom-CEO Timotheus Höttges.

Foto: imago images

„Naiv, technisch unrealistisch und absolut unmöglich“. Starke Worte findet Telekom-Chef Tim Höttges gegen einen Ausbau von Huawei aus dem 5G-Netz und insbesondere dem Vorstoß von Innenministerin Nancy Faeser. Die plant, Telekommunikationsunternehmen den Austausch bis Ende 2026 vorzuschreiben. 

Fast könnte man sogar meinen, der chinesische Botschafter selbst würde sprechen: „Natürlich erwarten die Chinesen von uns auch, dass wir ihre Produkte kaufen“, sagt der Konzernlenker im Interview mit der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Schließlich lebe Deutschland vom Export und Automobilindustrie, Maschinenbau und Chemiebranche exportierten sehr stark nach China.

Höttges übersieht dabei, dass europäische Telekommunikationsanbieter nur einen marginalen Anteil beim Ausbau von Chinas 5G-Netz genießen – und dass Europa andere Güter wie Elektroautos freizügig importiert.

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Die aktuell brisante geopolitische Lage mit dem Ukraine-Krieg, den China nicht sanktioniert und die Drohgebärden gegenüber Taiwan streift Höttges nur am Rande: „Radikale Tendenzen verspüren wir global“. Der Ausbau von Huawei in der Europäischen Union ist bereits beschlossene Sache – alle Mitgliedsstaaten stimmten der 5G-Toolbox der Europäischen Union zu. 24 Mitgliedsstaaten bereiten die Umsetzung vor. Zehn haben bereits nationale Gesetze zum Ausbau von Huawei vorgelegt.

29 Euro Kosten pro Kopf für  Huawei-Rauswurf

Höttges sagt, es sei zu teuer und werfe die Digitalisierung Deutschlands zurück. Das könnte übertrieben sein: Der dänische Telekommunikationsexperte John Strand hat berechnet, dass ein Austausch in Deutschland pro Kopf 29 Euro kosten würde. Zum Vergleich: Jeder Deutsche gibt diese Summe in eineinhalb Monaten für seinen Mobilfunkanschluss aus.

Höttges argumentiert, technisch sei es naiv zu glauben, die Migration von Huawei auf einen anderen Anbieter binnen zwei Jahren zu schaffen. Dabei beweisen Nokia und Ericsson, dass sie in Indien beim Netzausbau monatlich zehntausende Antennen ausliefern – Deutschlands Bedarf macht weniger als zwei Prozent des Telekommunikationsweltmarkts aus. Die Deutsche Telekom hat weniger als 10.000 aktive 5G-Antennen auf der 3,6-Gigahertz-Frequenz im Einsatz.

Höttges sagt, der Austausch bereite wegen seiner Komplexität Probleme. Er zitiert dabei Großbritannien und dass die Briten den Migrationsprozess gerade von acht auf zehn Jahre verlängert hätten. Das erscheint übertrieben: Großbritannien ließ die Deadline, alles Huawei-Equipment bis Ende 2027 ausgetauscht zu haben, unverändert. Lediglich die Deadline, Huawei aus dem Kernnetz zu entfernen, ist um elf Monate auf Ende 2023 verschoben worden. Die Vorgabe, dass Huawei nur zu 35 Prozent im Glasfasernetz verbaut ist, wurde sogar nur um drei Monate auf Ende Oktober dieses Jahrs verschoben. Dramatische Probleme wegen der Komplexität sehen anders aus.

Er sagt, dass eine Antenne in seinen Augen keine sicherheitskritische Komponente sei. Damit spielt er die Kapazitäten von aktiven 5G-Antennen, die auf dem schnellen 3,6 Gigahertz-Spektrum funken, herunter. Hier verbauen die Anbieter sieben Nanometer-Chips, die die Effizienz und die Abdeckungsfläche deutlich verbessern – Massive MIMO heißt die nur auf ihnen mögliche Technologie, die Funkkegel formt und damit gezielt Handys ansteuert. Huawei aber, die diese leistungsstarken Chips seit 2020 nicht mehr importieren dürfen, muss sich eines Vorrats bedienen, der zu schwinden drohen dürfte. John Strand sieht erste Anzeichen einer Knappheit des Vorrats von Huawei darin, dass der Anbieter die Preise für aktive Antennen mit 7-Nanometer-Chips erhöht habe und Kunden Gerüchten zufolge vermehrt zu einer Antenne mit einem 14-Nanometer-Chip raten würde.

Höttges fordert: „Wir dürfen nicht von Boykotten abhängig sein.“ Da hatte er für die Deutsche Telekom vorgesorgt. Wie das Handelsblatt berichtete, schloss der deutsche Marktführer schon vor der Einführung des US-Boykotts einen Vertrag mit Huawei, wichtige Komponenten auf Halde zu kaufen.

Tim Höttges schlägt vor, der Telekom nur „ein bis zwei Jahre mehr Zeit einzuräumen“ – dann sei man mit der Mix-and-Match-Technologie OpenRAN so weit, dass man „jede Antenne, egal von welchem Hersteller aus Japan, Korea, China oder Europa beliebig auf die Antennenträger bringen kann“. Das ist leider Wunschdenken – immer wieder verschiebt die Deutsche Telekom den Einsatz von OpenRAN, der ursprünglich in „O-Ran Town“ in Neubrandenburg mit 25 Antennen beginnen sollte, aber vorzeitig abgebrochen wurde. Die OpenRAN-Technologie kann laut Telekommunikationsexperte Strand genauso wenig Massive MIMO bieten, wie die chinesische Antenne mit dem 14 Nanometer-Chip. Höttges dürfte das wissen. In den USA, wo der Markt ganz durch Performance und Qualität getrieben ist, setzt die Telekom einzig auf Ericsson und Nokia als Ausbaupartner. Und: Damit OpenRAN im Verbund mit dem bestehenden Netz funktioniert, müssten alle Anbieter ihre Schnittstellen öffnen.

Warum aber ist Höttges so daran gelegen, das leidige Thema Huawei-Ausbau noch ein, zwei Jahre weiter aufzuschieben? Wahrscheinlich ist dann schon der nächste Mobilfunkstandard, 6G, in aller Munde. Dann wäre er vielleicht auch schon nicht verantwortlich für das Huawei-Thema. Sein Vertrag läuft nur bis Ende 2026.

Lesen Sie auch: Warum 5G nur die Spitze des Eisbergs beim Huawei-Problem ist

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