Air Berlin Warum Stefan Pichler das Management umbaut

Air-Berlin-Chef Stefan Pichler macht Ernst mit dem Umbau: Er trimmt die Führung seiner Fluglinie auf Internationalität und ordnet die Abläufe neu. Dass er dazu Führungspersonal von Konkurrenten abwirbt, hat gute Gründe.

Air Berlin baut seinen Vorstand um- Quelle: dpa

Dass ihm ein Jobwechsel bevorstand, war Air-Berlin-Vorstand Marco Ciomperlik spätestens Ende Februar klar. Damals verkündete sein neuer Chef Stefan Pichler, der überflüssigste Posten in einem Unternehmen sei der des Chief Restructuring Officer, also Ciomperliks Job. Denn der Herr des Umbaus, so Pichler, ist immer nur der Chef persönlich.
Am Freitagvormittag ließ Pichler seinen Worten Taten folgen und setzte den Manager auf eine neu geschaffene Position, hinter deren etwas vagem Namen Chief Production Officer die Verantwortung für den Service steht.

Vorstandswechsel bei Air Berlin

Der Wechsel war Teil eines großen Pakets von insgesamt sechs Personalien.

Zum 1. Juni 2015 wird Julio Rodriguez (40) neuer Chief Commercial Officer (CCO) bei Air Berlin.

Die wichtigste: Pichler hat Julio Rodriguez weggelockt von seinem Job als Vorstand des Verwaltungs- und Finanzteils beim Nobel-Billigflieger Vueling aus Barcelona, die wie British Airways und Iberia zur IAG-Gruppe gehört.

Der gebürtige Rheinländer mit dem spanischen Pass soll sich vor um den Vertrieb, die richtige Preissetzung und das Digitalgeschäft kümmern. Sein Vorgänger wandert – wie der bisherigen Finanzvorstand – zum Air-Berlin-Hauptaktionär Etihad nach Abu Dhabi. Abgerundet wird der Umbau durch neuen Leiter des Flugbetriebs, einen neuen Netzplaner sowie bei der Wiener-Tochter Niki unter anderem einen neuen Chef.

Die Logik des Umbaus

Mit dem Umbau will Pichler mehr als Altlasten abbauen und Teilen der alten Führung den Laufpass geben. Zwar mokierte sich Pichler wiederholt im kleinen Kreis über deren - aus seiner Sicht - zu deutschen Einstellung und die ungeordnete Sanierungsarbeit. Der neue Air-Berlin-Chef setzt auf eine neue Managementkultur, die vor allem internationaler tickt.

Die Chronik von Air Berlin

Bisherige Vorstände stammten vor allem aus den eigenen Reihen oder kamen zuletzt vom Erzrivalen und Pichlers früherem Arbeitgeber Lufthansa. Nun kommen zwei Leute von außerhalb und noch dazu aus grundverschiedenen Lagern.

Rodriguez lernte bei Vueling die Kultur permanenter Verbesserung und der oberste Netzplaner Ole Orvér bringt von seiner Zeit bei Qatar Airways die globalisierte Kultur der Golfairlines. Deren Denke liegt irgendwo zwischen Dynamik und Hektik mit.

Das Team soll die Alltagsarbeit bei Air Berlin von Grund auf erneuern. Das beginnt bei klareren Zuständigkeiten für das Geldverdienen durch die Erfolg versprechendsten Strecken, dem Verzicht auf unnötige Preis-Schnäppchen und die richtige Verträge mit Firmenkunden. Hier hat Air Berlin aus Sicht von Pichler bislang zu viel Geld liegen gelassen, weil sie ihre Tickets meist zu billig und den falschen Leuten angeboten hat. Dabei zielt Pichler auch vermehrt auf Kunden außerhalb Deutschlands.

Am Ende ist das neue Personal auch eine Art Vertrauensbeweis für Pichler. Das rührt nicht nur daher, dass er Leute wie Rodriguez aus Barcelona an die vergleichsweise kühle Spree locken konnte. Er und die anderen scheinen das Projekt Air-Berlin-Umbau für immerhin so vielversprechend zu halten, dass sie dafür vergleichsweise sichere Jobs anderswo aufgegeben haben.

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