Flughafen Hahn: Die großen Rätsel um den Ryanair-Flughafen
Flughafen Frankfurt-Hahn
Fluggäste 2015: 2,6 Millionen
2014: 2,38 Millionen
Zuwachs: ca. 9 Prozent
Noch ein Ryanair-abhängiger Flughafen: Der Hunsrück-Airport Frankfurt-Hahn hat nach eigener Prognose 2015 bei den Passagieren wieder zugelegt. Unter dem Strich bleiben die Ergebniszahlen für den krisengeschüttelten Regionalflughafen dennoch wohl tiefrot. In seiner Hochphase hatte der Hahn mehr als vier Millionen Passagiere. Jetzt übernimmt ein Investor aus China hier das Ruder.
Foto: dpaFlughafen Tegel (Berlin)
Fluggäste 2015: 21,01 Millionen
2014: 20,69 Millionen
Zuwachs: 1,5 Prozent
Der neue Hauptstadtflughafen BER lässt weiterhin auf sich warten. Die zwei aktuellen Berliner Airports arbeiten daher seit Jahren an der Kapazitätsgrenze – und können sich kaum weiter steigern. Der Stadt-Flughafen Tegel legt 2015 gegenüber dem Vorjahr dennoch leicht zu. Doch viel mehr Passagiere sind kaum möglich.
Foto: REUTERSFlughafen Schönefeld (Berlin)
Fluggäste 2015: 8,53 Millionen
2014: 7,29 Millionen
Zuwachs: 16,9 Prozent
Auch der frühere DDR-Zentralflughafen Schönefeld boomt: 2015 wurden rund 1,2 Millionen Fluggäste mehr abgefertigt. 2016 soll die Passagierzahl an den Altflughäfen Tegel und Schönefeld insgesamt erstmals über 30 Millionen liegen. Das stellt den BER vor ein Problem, denn das sind deutlich mehr, als der noch nicht eröffnete Airport zunächst bewältigen kann. Der neue Hauptstadtflughafen soll Ende 2017 in Betrieb gehen und fasst in seiner jetzigen Form zum Start 22, später 27 Millionen Passagiere pro Jahr. Anders als ursprünglich geplant sollen daher die benachbarten alten Schönefelder Terminals ausgebaut und über 2017 hinaus zunächst in Betrieb bleiben.
Foto: dpaFlughafen Düsseldorf
Fluggäste 2015: 22,45 Millionen
2014: 21,85 Millionen
Zuwachs: 3,2 Prozent
Auch der Düsseldorfer Flughafen kann bei den Passagierzahlen zulegen. Er ist der drittgrößte Flughafen Deutschlands und der größte von Nordrhein-Westfalen. 1996 kam es in Folge von Schweißarbeiten zu einem Großbrand, bei dem 17 Menschen starben und 88 verletzt wurden. Nach der Brandkatstrophe wurde umfangreichen neugebaut und saniert.
Foto: dpaFlughafen Köln-Bonn
Fluggäste 2015: 10,3 Millionen
2014: 9,5 Millionen
Zuwachs: 9,4 Prozent
Der Flughafen Köln-Bonn ist die Heimat der neuen Lufthansa-Billigtochter Eurowings. Von hier aus bietet die Airline seit November 2015 auch Low-Cost-Langstreckenflüge an. 2015 legte Köln-Bonn noch einmal ordentlich zu und durchbrach die Zehn-Millionen-Marke bei den Passagieren. Besonders groß war der Zuwachs im letzten Quartal. „Wir setzen sehr konsequent auf Low-Cost-Verkehre. Ich denke, der Erfolg gibt uns Recht“, sagte Flughafenchef Michael Garvens. 2016 soll die Zahl der Fluggäste erstmals über elf Millionen steigen.
Foto: dpaFlughafen Hamburg
Fluggäste 2015: 15,6 Millionen
2014: 14,76 Millionen
Zuwachs: 5,8 Prozent
Der Flughafen Hamburger steigert sich weiter und profitiert dabei vor allem vom Trend zu größeren Flugzeugen. Die Zahl der Starts und Landungen lag laut Airport 2015 unter dem Niveau des Jahres 2000. Damals seien jedoch lediglich zehn Millionen Fluggäste in der Hansestadt abgefertigt worden. 2016 soll die Passagierzahl weiter steigen, aber langsamer als bisher. Der Flughafen setzt dabei auf neue Verbindungen von Eurowings, Easyjet, Ryanair, Blue Air, Germania, Sunexpress und VLM.
Foto: dpaFlughafen Memmingen
Fluggäste 2015: 883.000
2014: 750.000
Zuwachs: 17,8 Prozent
Starkes Wachstum auf niedrigem Niveau: Der „Allgäu Airport“ legt dank des Osteuropa-Billigfliegers Wizz Air deutlich zu. Langfristig gibt der Flughafen Memmingen eine Million Passagiere als Ziel aus. Der Airport ist nicht unumstritten, Kritiker bemängeln die Nähe zum internationalen Großflughafen in München. Doch zwei Bürgerentscheide geben Rückenwind: Das Geld aus Grundstücksverkäufen an die Stadt Memmingen und den Landkreis Unterallgäu soll in die Modernisierung des Airports fließen. Die Vergrößerung des Terminals wird in Betracht gezogen, falls die Passagierzahlen weiter wachsen.
Foto: imago imagesFlughafen Karlsruhe/Baden-Baden
Fluggäste 2015: 1,06 Millionen
2014: 997.000
Zuwachs: 6,7 Prozent
Der „Baden-Airpark“ überspringt die Marke von einer Million Passagiere. Der ungarische Billigflieger Wizz Air soll auch 2016 für Wachstum sorgen, große Sprünge sind aber nicht drin: Der Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden peilt eine Passagierzahl von mehr als 1,1 Millionen an.
Foto: dpa/dpawebFlughafen Weeze
Fluggäste 2015: 1,91 Millionen
2014: 1,81 Millionen
Zuwachs: 5,5 Prozent
Der Airport am Niederrhein lebt vom irischen Billig-König Ryanair und hatte daher in den vergangenen Jahren mit stark schwankenden Passagierzahlen zu kämpfen. Doch Weeze rühmt sich, als privatwirtschaftliches Unternehmen schwarze Zahlen zu schreiben – im Gegensatz zu anderen Flughäfen mit kommunalen Anteilseignern. 2015 lief es nach dem Einbruch im Vorjahr besser, 2016 sollen die Passagierzahlen stabil bleiben.
Foto: dpaFlughafen Stuttgart
Fluggäste 2015: 10,5 Millionen
2014: 9,73 Millionen
Zuwachs: 8,2 Prozent
Neuer Rekord in Stuttgart: Der Flughafen übertrifft die bisherige Bestmarke aus dem Vor-Finanzkrisen-Jahr 2007. Mit drei Prozent Wachstum bei den Passagieren soll es 2016 weitergehen. Airport-Chef Georg Fundel sieht – wen wundert's – die Elf-Millionen-Marke in Reichweite.
Foto: dpaFlughafen Kassel-Calden
Fluggäste 2015: 65.000
2014: 47.000
Zuwachs: 38 Prozent
Riesenwachstum in Nordhessen. Wenn einem bei dem Passagieraufkommen nicht glatt die Tränen kommen würden, könnte man sich über das Plus freuen. 2015 wurden gerade einmal 65.000 Fluggäste abgefertigt. Allein zehn Prozent der Passagiere sind momentan laut Flughafenchef Ralf Schustereder abgelehnte Asylbewerber, die in ihre Herkunftsländer zurückgeflogen werden. Der Flughafen Kassel-Calden, der sich mittlerweile Kassel Airport nennt, war erst 2013 eröffnet worden. Ursprünglich sollten 2020 bereits 640.000 Passagiere in Nordhessen aufschlagen, mittlerweile werden nur noch knapp 500.000 in 2024 prognostiziert.
Foto: dpaFlughafen Dortmund
Fluggäste 2015: 1,99 Millionen
2014: 1,97 Millionen
Zuwachs: 1 Prozent
Die Zwei-Millionen-Marke knapp verfehlt hat der Ruhrgebiets-Airport Dortmund. Doch für den Regionalflughafen ist es ein Erfolg, vor Weeze gelandet und damit hinter Düsseldorf und Köln/Bonn weiterhin der drittgrößte Flugplatz in NRW zu sein. Die Streichung von Air-Berlin-Flügen nach Mallorca verhinderte ein größeres Wachstum. Mehr als die Hälfte des Verkehrs machen die Verbindungen des Osteuropa-Fliegers Wizz Air aus: Beliebtestes Ziel war daher 2015 das polnische Kattowitz. 2016 soll erstmals seit 2008 wieder die Zwei-Millionen-Marke geknackt werden.
Foto: dpaFlughafen München
Fluggäste 2015: 40,8 Millionen
2014: 39,7 Millionen
Zuwachs: 2,8 Prozent
Der Münchner Flughafen liegt bei den Passagierzahlen unter Deutschlands Flughäfen auf Platz zwei. Er ist nach dem bayerischen Landesvater und CSU-Politiker Franz Josef Strauß benannt.
Foto: dpaFlughafen Hannover
Fluggäste 2015: 5,43 Millionen
2014: 5,29 Millionen
Zuwachs: 2,8 Prozent
Der Flughafen Hannover landet beim Passagieraufkommen auf dem neunten Platz unter deutschen Flughäfen. Er ist Heimatbasis der Fluggesellschaft Tuifly. Bis 1990 fand auf dem Gelände die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) statt.
Foto: imago imagesFlughafen Nürnberg
Fluggäste 2015: 3,36 Millionen
2014: 3,26 Millionen
Zuwachs: 3,3 Prozent
Der Flughafen Nürnberg ist der zweitgrößte des Freistaats Bayern, ist allerdings seit Jahren hochverschuldet.
Foto: dpaFluggäste 2015: 2,65 Millionen
2014: 2,77 Millionen
Rückgang: 3,9 Prozent
Der Flughafen der Hansestadt gehört zu den Absteigern bei der Anzahl der Passagiere: 14 Airlines fliegen von Bremen aus zu 48 Zielen in 23 Länder Europas, Nord-Afrikas und Asiens. Auch Ryanair fliegt von hier.
Foto: APDie Ungewöhnlichkeiten beginnen, als das Geschäft eigentlich längst Geschichte ist. Am 6. Juni verkündet der Innenminister des Landes Rheinland-Pfalz, Roger Lewentz (SPD), den Verkauf des Flughafens Frankfurt-Hahn: „Mit der Übernahme durch einen Privatinvestor beginnt ein neues Kapitel am Hahn, das für weiteren Schub bei der Entwicklung des Flughafens sorgen wird.“
An seiner Seite hat er seinen Staatssekretär und die Vertreter der Investoren, die den Flughafen kaufen: zwei Herren mit randlosen Brillen, der eine kleiner und jünger, Kyle Wang; der andere älter und größer, Dr. Yu Tao Chou. Es wird das bis heute letzte Mal sein, dass die Öffentlichkeit die beiden zu Gesicht bekommt, Kontaktdaten oder eine Visitenkarte hinterlässt keiner von ihnen.
Zuvor waren sie der Belegschaft vorgestellt worden, bei der folgenden Veranstaltung für die Geschäftspartner am Standort sind sie schon nicht mehr anwesend. Stattdessen wird der Deal, immerhin die größte Privatisierung des Landes Rheinland-Pfalz in den vergangenen Jahren, an einem Flipchart präsentiert; drei Namen, handgeschrieben in geschwungenen Lettern. Sonst nichts.
Keine geschriebenen Zahlen, keine Pläne, keine Ziele.
Die ungewöhnliche Präsentation soll Fragen überflüssig machen und wirft sie doch erst auf: Denn zu keinem der Namen finden sich im Internet nähere Informationen, die Gesellschaften sind selbst in der Branche völlig unbekannt. Dennoch will die Landesregierung von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) das Geschäft schnell vollenden, schon im Juli solle das Parlament ein Veräußerungsgesetz beschließen, der Deal wäre dann endgültig rechtskräftig.
Hahn ist ein wirtschaftlicher Sorgenfall
Für Dreyer ist das Projekt von großer Bedeutung. Hahn ist Deutschlands größter Regionalflughafen, aber auch ein wirtschaftlicher Sorgenfall: Allein 2015 standen 15 Millionen Euro Verlust. Am Beispiel des Flughafens will das Land nun beweisen, dass es zu betriebswirtschaftlicher Vernunft fähig ist. Aus einer mit Steuermitteln am Leben gehaltenen Piste soll ein profitables Unternehmen werden, das die Region mit Arbeitsplätzen versorgt, so der Plan. Innerhalb weniger Jahre, versprechen die Investoren, werden aus den Verlusten des Flughafens Gewinne, mehr Fracht und Pauschaltouristen sollen ihn in eine profitable Zukunft führen, kein einziger Mitarbeiter soll dabei seinen Job verlieren.
Der Verkauf würde damit nicht nur zum Modell für eine neue Wirtschaftspolitik in Rheinland-Pfalz, sondern auch zum Vorbild für sieche Regionalflughäfen im ganzen Land.
Gut zwei Wochen sind vergangenen, da muss die Regierung schon die Notbremse ziehen. „Eine den Käufern gesetzte Frist zur Vorlage von prüfbaren Belegen“ in Zusammenhang mit der Zahlung des Kaufpreises sei verstrichen, schreibt Innenminister Lewentz in einem Brief an die Fraktionschefs des Landtags. Der Verkaufsprozess werde „ausgesetzt“. Man könnte jetzt aufatmen, immerhin ist der Vertrag noch nicht vollzogen.
Wer sich den Käufer, der nach wie vor über einen gültigen Kaufvertrag verfügt, ein bisschen genauer anschaut, der kann sich aber nur fragen: Wie konnte sich die Regierung überhaupt jemals auf diesen Partner einlassen?
Die Regierung selbst hatte nach der „Präsentation“ jenes Flipcharts noch ein paar Fakten hinterhergeschickt, am Ende stand die Information, dass die 82,5 Prozent Anteile des Landes am Flughafen an die Shanghai Yiqian Trading (SYT) verkauft werden sollen, das Land Hessen macht mit seinen 17,5 Prozent das Gleiche. Das Unternehmen handele mit Baumaterialien, Textilien und Elektronikprodukten. Der Preis liege im niedrigen zweistelligen Millionenbereich.
Hinter der Gesellschaft der beiden Chinesen des Ministertermins stehe der Investor Zhu Qing mit seiner Shanghai Guo Qing Investment Ltd., der mit seiner Frau 90 Prozent der Anteile halte, die restlichen zehn Prozent gehören eben Kyle Wang, dem jüngeren Herrn von der Pressekonferenz. Dr. Yu, mit dem die deutschen Beamten den Deal aushandelten, hält selbst keine Anteile an der Unternehmung. Mehr Informationen?
Hat keiner der Beteiligten über die Investoren aus China.
Das Land hat viel investiert
Seit Mitte der Neunzigerjahre hat das Land viel Geld in den Flughafen investiert, Straßen ausgebaut, die Startbahn verlängert, um die regionale Wirtschaft nach vorne zu bringen. Alles in allem seien rund 100 Millionen Euro in den ehemaligen Militärflughafen und das Umland investiert worden, schätzt der Steuerzahlerbund. Heute würde man das vielleicht nicht noch einmal so machen, aber jetzt ist das Geld nun mal ausgegeben, Arbeitsplätze sind entstanden, obgleich zu teuer bezahlt.
Steht das Land damit nicht auch in der Pflicht, die Investitionen der Vergangenheit am Leben zu erhalten?
Jahrzehntelang war diese Denkweise in Deutschland selbstverständlich. So wurden Milliarden versenkt, nicht nur am Nürburgring, sondern auch am Weltkongresszentrum in Bonn, für Binnenhäfen in Ostdeutschland, Kongresszentren zwischen Schweinfurt und Magdeburg, um ein paar Beispiele zu nennen. Und noch aus den Worten des rheinland-pfälzischen Innenministers, der ja nicht bloß einen guten Preis, sondern einen „Schub für den Flughafen“ verspricht, klingt sie heraus.
Seit einiger Zeit aber gibt es ein Umdenken, nicht nur in Rheinland-Pfalz: Anstatt dem bereits versenkten Geld immer weiteres nachzuwerfen, wählt man das abrupte Ende.
Das mag zwar wehtun, spart aber langfristig Geld. Lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende, so lautet die passende rhetorische Schleife für die fällige Ministeransprache. Verstärkt wird diese Entwicklung durch die strenge Aufsicht aus Brüssel. Die Europäische Kommission verfolgt inzwischen fast jede Subvention auf dem Kontinent, insbesondere für Verkehrsprojekte, als unerlaubte Beihilfe.
Deshalb hält man es auch in Hahn mit dem schrecklichen, dafür aber hoffentlich endgültigen Ende. Eine erste Ausschreibung, die sich noch heute im Vergabeportal der Europäischen Kommission findet, hatte eine Beurteilung des Geschäftsmodells möglicher Investoren vorgesehen. Die verwarf man in Mainz im Laufe des Verfahrens, auf Anraten der Kommission. Zu kompliziert. „Bei Verkauf öffentlicher Unternehmen darf das Land als Verkäufer nur den Kaufpreis als Kriterium zugrunde legen“, lässt Staatssekretär Randolf Stich mitteilen. Von einer Pflicht aber entlastet auch der Verweis auf „Europa“ nicht: die Prüfung der Seriosität der Angebote.
Neben dem siegreichen Bieter, der SYT, gab es der Landesregierung zufolge zwei weitere Angebote, eines wurde öffentlich bekannt und stammte von einem ehemaligen Staatssekretär, der eine große chinesische Airline als Partner im Boot hatte. Marktkreisen zufolge bot diese Investorengemeinschaft genau wie der andere Anbieter ungefähr das Gleiche: einen symbolischen Kleinstbetrag plus den Kassenbestand des Flughafens – vom siegreichen dritten Angebot liegt beides mindestens zehn Millionen Euro entfernt.
Aus dieser Diskrepanz aber ergeben sich zwei Fragen: Wie kommt die SYT zu einer so viel optimistischeren Einschätzung des Investitionsobjekts Hahn? Und: Kann sie den Preis zahlen? Die Antworten aus der Landeshauptstadt Mainz lauteten, kurzgefasst: Uns doch egal. Und: Wir gehen davon aus. Im Beamtendeutsch las sich das so: „Eine Bewertung der Geschäftsmodelle war aus beihilferechtlichen Gründen nicht möglich.“
Und: „Von allen Bietern wurden mit Einreichung der Angebote Liquiditätsnachweise über die Fähigkeit zur Kaufpreiszahlung eingeholt. Diese wurden in Form von Kontoauszügen erbracht.“
SYT schweigt bis heute
Inzwischen ist klar: Zweimal lag man völlig daneben. Dabei schien auch die Regierung selbst schon früh Zweifel am Käufer gehegt zu haben. Aus den Unterlagen zum Vertragsschluss gehe hervor, dass eine Bonitätsbewertung der Gesellschaft noch zwei Monate vor Vertragsschluss ein negatives Ergebnis, dargestellt als „rote Lampe“, ergeben habe, berichten diejenigen, die den Vertrag zu Gesicht bekommen haben. Auch das Ministerium merkt an: „Im Falle des Bieters SYT wurde direkt vor Unterzeichnung des Kaufvertrages eine erneute Bestätigung der erforderlichen Liquidität der Gesellschaft per Bankauszug eingeholt.“
Platz 20: Bangkok
Am Suvarnabhumi International Airport in der Hauptstadt von Thailand wurden 2016 knapp 55,9 Millionen Fluggäste registriert und damit 5,7 Prozent mehr als im Vorjahr.
Quelle: International Air Transport Association
Foto: dpaPlatz 19: Incheon
Gut 57,8 Millionen Passagiere flogen im vergangenen Jahr vom Incheon Airport in Südkorea. Damit stieg die Zahl der Reisenden gegenüber dem Vorjahr um 17,1 Prozent. Bislang war der Airport westlich von Seoul auf dem 22. Platz der Rangliste.
Foto: dpa
Platz 18: Denver
Der internationale Airport im US-Bundesstaat Colorado begrüßte zuletzt rund 58,3 Millionen Reisende. Dies ist ein Zuwachs um gut acht Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Foto: REUTERSPlatz 17: Singapur
Der Flughafen des asiatischen Stadtstaats Singapur fiel im Ranking um einen Rang. Im vergangenen Jahr landeten und starteten dort gut 58,7 Millionen Menschen.
Foto: dpaPlatz 16: New York JFK
Der JFK Airport in New York kletterte durch einen Zuwachs von 3,5 Prozent einen Rang nach oben. 2016 starteten oder landeten dort gut 58,9 Millionen Reisende.
Foto: REUTERSPlatz 15: Guangzhou
Der südchinesische Airport darf sich ebenfalls über Zuwächse freuen. Mit einem Plus von 8,2 Prozent kletterte um zwei Plätze nach oben. Im vergangenen Jahr waren dort gut 59,7 Millionen Passagiere zu Gast.
Foto: dpaPlatz 14: Istanbul
Der Atatürk-Airport begrüßte im vergangenen Jahr gut 60,1 Millionen Reisende. Das war ein Rückgang um 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Foto: REUTERSPlatz 13: Frankfurt
Auch Frankfurt verzeichnet einen Rückgang der Passagierzahlen. Gegenüber dem Vorjahr sank die Zahl um 0,4 Prozent auf gut 60,8 Millionen Reisende.
Foto: CLARK/obsPlatz 12: Amsterdam
Der Airport Schiphol verzeichnete ein Plus von 9,2 Prozent und kletterte zwei Plätze nach oben. Rund 63,6 Millionen Passagiere starteten oder landeten dort im vergangenen Jahr.
Foto: picture alliancePlatz 11: Dallas/Fort Worth
An dem Flughafen in Texas landeten oder starteten im vergangenen Jahr gut 65,7 Millionen Passagiere. Dies ist ein Plus von 0,2 Prozent im Vergleich zu 2015.
Foto: dpaPlatz 10: Paris Charles de Gaulle
Der Charles-de-Gaulle-Flughafen kletterte im Ranking durch einen Zuwachs von 0,3 Prozent um einen Platz nach oben. Insgesamt 65,9 Millionen Reisenden waren dort im vergangenen Jahr zu Gast.
Foto: REUTERSPlatz 9: Schanghai Pudong
Ein weiterer chinesischer Flughafen unter den Top 20. Gut 66 Millionen Passagiere waren dort 2016 zu Gast, dies ist ein Plus von 9,8 Prozent. Im Ranking kletterte der Pudong Airport von Platz 13 auf 9.
Foto: REUTERSPlatz 8: Hongkong
Rund 70,3 Millionen Fluggäste starteten oder landeten dort im vergangenen Jahr. Dies ist ein Plus von drei Prozent.
Foto: dpaPlatz 7: London-Heathrow
Der größte britische Airport begrüßte 2016 rund 75,7 Millionen Passagiere. Dies ist ein Zuwachs von einem Prozent.
Foto: REUTERSPlatz 6: Chicago O'Hare
Trotz eines Zuwachses von 1,3 Prozent rutschte der Airport der US-Großstadt vom vierten auf den sechsten Platz. Gut 77,9 Millionen Passagiere waren dort 2016 zu Gast.
Foto: REUTERSPlatz 5: Tokio-Haneda
Am größten Flughafen der japanischen Hauptstadt landeten und starteten 2016 gut 79,7 Millionen Passagiere. Dies war ein Zuwachs von 5,5 Prozent, an der Platzierung ändert dies aber nichts.
Foto: dpaPlatz 4: Los Angeles
Der Airport in L.A. verzeichnet einen satten Zuwachs von acht Prozent. Damit kletterte der Flughafen von Rang sieben auf den vierten Platz. Gut 80,1 Millionen Passagiere nutzten 2016 den Airport.
Foto: APPlatz 3: Dubai
Der Flughafen in den Vereinigten Arabischen Emiraten bleibt auf dem dritten Platz. Mit einem Zuwachs von 7,2 Prozent wurde die Zahl der Passagiere auf 83,7 Millionen gesteigert.
Foto: APPlatz 2: Peking
Auch der Flughafen der chinesischen Hauptstadt verteidigt seinen Spitzenplatz. Der Zuwachs lag 2016 bei fünf Prozent, insgesamt gut 94,4 Millionen Reisende waren dort im vergangenen Jahr zu Gast.
Foto: REUTERSPlatz 1: Atlanta
Der Airport im US-Bundesstaat Georgia verteidigt seinen Spitzenplatz. Mit einem Zuwachs von 2,6 Prozent stieg die Zahl der Passagiere 2016 auf rund 104,2 Millionen.
Foto: dpa
So als glaube man selbst nicht ganz, dass jemand bereit sein könnte, für diesen Flughafen, der derzeit im Betrieb jährlich ein zweistelliges Millionenminus einfährt, einen Betrag in ähnlicher Größenordnung zu bezahlen. „Mondpreis“, lästern Konkurrenten.
Direkt vom Bieter ist bis heute nichts zu erfahren. Was daran liegen könnte, dass er nicht ganz einfach zu erreichen ist: Offizielle Kontaktdaten hat das chinesische Duo bei seinem Auftritt mit dem Innenminister nicht hinterlassen, das Ministerium nennt als Ansprechpartner den Frankfurter Anwalt Gunther Weiss, der die SYT berät und seine Räumlichkeiten für den Vertragsschluss zur Verfügung stellte. Er aber wimmelt ab: „Der Investor möchte sich vor Vollzug des Vertrags nicht öffentlich äußern.“ Man könne aber Fragen schicken, er werde sich melden. Was nicht passiert.
In Shanghai ist es nicht leichter. An der Adresse der SYT fehlt in der Lobby ein Hinweis auf die Firma, am Büroeingang im 17. Stock ebenfalls. Eine Frau um die 30 öffnet die Tür. Sie scheint nicht überrascht, dass Journalisten hierherkommen und nach der Firma fragen. Reden will sie aber nicht. Sie nennt weder ihren eigenen Namen, noch will sie den Namen ihres Chefs bestätigen oder Angaben über die Anzahl der Mitarbeiter machen. Sie erklärt lediglich, dass es sich tatsächlich um die Shanghai Yiqian Trading Company handele.
Von den Plänen, einen Flughafen in Deutschland zu kaufen, habe sie zwar gehört, aber mehr wisse sie nicht, erklärt sie. Ihr Chef sei im Ausland auf Reisen. Sie verspricht, dass er sich melden werde, wenn er Zeit findet. Was auch nie passiert.
Noch komplizierter gestaltet sich die Suche nach dem Geldgeber hinter der SYT: Zhu Qing und seine Investmentgesellschaft Shanghai Guo Qing Investment. „Seid ihr auch betrogen worden?“, fragt der junge Mann, als er die Besucher entdeckt, die ein wenig hilflos vor seinem Laden herumstreunen.
Verwirrung um Airline-Schreiben
Pang sei sein Name, er arbeitet in der Reifenhandlung im Untergeschoss, hier am Rande des alten Industriehafens von Shanghai. Immer wieder kämen geprellte Kunden zu ihm, die nach einer Investmentgesellschaft in der Adresse über dem Geschäft suchten: Minlei Road, Nummer 319, Raum 21, Block H. Dabei stehe das Bürogebäude über dem Laden seit 2014 leer, sagt Pang. „Die waren alle ziemlich sauer“, erzählt er. Sie hätten viel Geld verloren und seien hierher gekommen, um mit jemanden von der Firma zu sprechen. „Sie haben dann meist die Polizei gerufen, aber auch die konnte nicht helfen.“
Besonders viele seien es Ende vergangenen Jahres gewesen, als in China die Börsen bebten.
Im Hunsrück hingegen gab es längst wilde Gerüchte über die neuen Eigner, besonders ihren Rechtsvertreter Dr. Yu. Er sei zehn Jahre lang als Pilot der Frachtgesellschaft Yangtze River Express nach Hahn geflogen, erzählt man sich. Bei der Vorstellung des Flughafendeals schmückt er sich mit einem Schreiben der Airline, das deren Interesse dokumentieren sollte, den Flughafen intensiv zu nutzen. Doch die Airline widersprach sofort, das Papier sei eine reine Geste der Höflichkeit und nicht konkret zu verstehen. Der Doktortitel des Dr. Yu soll aus einer früheren Tätigkeit als Mediziner stammen.
In jedem Fall aber hat er in den zehn Jahren offenbar Kontakte zu Ortsansässigen geknüpft. So wunderten sich schon bei der Vorstellung des Verkaufs am Flughafen Hahn einige der Beschäftigten, dass neben Dr. Yu auch ein Edelsteinhändler aus Idar-Oberstein unter den Anwesenden war. Kenner des Vertragswerks und seiner Anhänge, die im Leseraum des Landtags ausliegen, meinen, den Schleier lüften zu können: Hans-Werner Müller, auf Bernstein spezialisierter Schleifer und Händler, habe die Verträge für Dr. Yu unterschrieben und könnte auch die Geschäfte führen, wenn der Vertrag erst mal vollzogen ist. Mehr über den Käufer verraten will aber auch er nicht. An seiner Geschäftsadresse findet sich noch nicht mal eine Klingel, am Telefon streitet Müller ab, den Investor überhaupt zu kennen.
So blieb das Bild von einem Käufer wie ein Regenbogen: Schon aus der Ferne sehr bunt, doch je näher man ihm kommt, desto mehr verschwimmen die Konturen. Am Ende des Regenbogens angekommen, muss auch die Landesregierung jetzt einsehen: Statt eines Topfs voll Gold wartet dort nur feuchtwarme Luft.