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Fraport Preisaufschlag statt Rabatt für Spohr

Wegen der massiven Verkehrseinbrüche durch die Coronakrise denken laut Schulte neben Fraport auch andere deutsche Airports über höhere Gebühren nach. Quelle: dpa

Zur Sanierung der Lufthansa hat Konzernchef Carsten Spohr einen Kampf um niedrigere Flughafengebühren angekündigt. Aber der Chef seines wichtigsten Airports Frankfurt will lieber über höhere Entgelte reden. Hinter den Kulissen des zuletzt offener denn je ausgetragenen Konflikts, rücken die Streithähne in der Krise jetzt enger zusammen. Doch Schulte warnt auch: kleineren deutschem Airports droht die Pleite.

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Beim Verhältnis zwischen dem Flughafen-Konzern Fraport und seinem wichtigsten Kunden Lufthansa lief es nie wie zwischen anderen Airports und ihre Hauptairlines. Die zankten zwar ständig ums Geld, weil Airports immer möglichst hohe Gebühren wollen und Airlines im Wettbewerb möglichst niedrige - doch am Ende einigen sie sich, weil sie gemeinsam einfach stärker sind. Anders Lufthansa und Fraport. Weil die Fluglinie mit München ein sehr entgegenkommendes Zweit-Drehkreuz hat, ließ sie ihren wichtigsten Landeplatz immer wieder spüren, wie viel besser es mit den Bayern lief. Doch Fraport-Chef Stefan Schulte blieb gelassen, weil er wusste: München kann für Lufthansa nie so wichtig werden wie Frankfurt.

Jetzt in der Coronakrise sah Lufthansa-Chef Carsten Spohr endlich die Chance, angesichts des dramatischen Verkehrseinbruchs den Druck auf Fraport zu erhöhen, „wie wir es noch nie gesehen haben“, so Spohr jüngst vor Investoren.

Doch daraus wird wohl nicht. Denn gegenüber der Wirtschaftswoche stellt Schulte jetzt klar: statt Rabatt will er eher mehr Geld als bisher. Zwar gebe es derzeit noch keine Pläne für Aufschläge. „Doch darüber müssen wir mit allen Kunden, inklusive Lufthansa reden.“ Aber einen Streit will Schulte nicht erkennen. „Im Gegenteil. Die Krise schmiedet die Lufthansa und uns enger zusammen.“

Die kühle Absage hat Spohr wohl nicht erwartet. „Bei den Flughäfen gilt wie in allen Teilen der Flugbranche: Zu wenig Gewinn für die Airlines und zu viel für andere Teile“, so Spohr im Frühjahr auf einer Investorenrunde. Dann keilte er gezielt in Richtung Fraport. „Die Gebühren in Frankfurt waren immer schon zu hoch und werden immer zu hoch sein.“ In Zeiten schwacher Nachfrage werde ihm der höhere Wettbewerb um die verbliebenen Flüge helfen, Frankfurt gegen seine anderen Drehkreuze München, Zürich, Wien und Brüssel auszuspielen. „Das System optimieren wir jetzt und achten dabei auf die Kosten“, so Spohr. Und falls es einer seiner Airportchefs bis dahin noch immer nicht verstanden hatte, stellte er klar: „Wir brauchen nicht mehr alle Flughafen-Kapazität und können sie bewegen.“

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Standort erkennen

    Das hat Schulte nicht beeindruckt. „Wenn wir weniger Verkehr haben und deshalb Verluste machen, müssten wir eigentlich die Entgelte anpassen – und zwar nach oben“, sagte Schulte der Wirtschaftswoche. Dazu zwinge ihn sein gesetzlicher Rahmen. „Die Entgelte in Frankfurt klar reguliert. Decken unsere Entgelte auf Dauer nicht die Kosten, gilt das wahrscheinlich als unzulässige Subvention.“ Dazu verweist er in leichtem Bürokratensprech darauf, wie gut Frankfurt der Lufthansa tut. „Lufthansa ist sicher klar, dass ihr Frankfurt einen Markt mit hohen Erträgen bietet und eine sehr leistungsfähige Infrastruktur, die exzellent intermodal mit anderen Verkehrsträgern verknüpft ist. Diese hohe Standortqualität ist gerade für eine Airline mit viel Umsteigeverkehr im Wettbewerb sehr wichtig.“

    Nach der Klatsche beschreibt Schulte, wie gut die Zusammenarbeit trotz Gebührenzank bereits ist, etwa mit dem neuen Joint Venture FRA-Alliance „für eine weitere Vertiefung der Systempartnerschaft hier in Frankfurt“ oder Digitalisierungsangeboten, die Lufthansa eigentlich zuerst in München einführen wollte. „Die Krise führt eben auch dazu, dass wir offener miteinander umgehen. Denn jetzt geht es mehr denn je um das harte Ergebnis“, so Schulte lächelnd.

    Mit Sorge blickt der Fraport-Chef dagegen auf die kleineren Flughäfen in Deutschland, die deutlich mehr unter der Krise leiden als die großen international vernetzten Landeplätze. Schulte, der nebenbei auch Präsident des Flughafenverbands ADV ist, glaubt dass sie anders als Fraport, die aktuellen Verluste nicht wegstecken können. Ohne staatliche Hilfen drohten gar Insolvenzen. „Für diverse Flughäfen könnte es bald sehr eng werden“, so Schulte. „Erhalten sie keine Unterstützung, droht vielen von ihnen das Ende.“

    Von der Bundesregierung fordert er darum eine Verlängerung der aktuellen Kurzarbeitsregelung um ein weiteres Jahr, die auch für den wichtigsten Fraport-Flughafen in Frankfurt gelten müsse. „Gemessen an den Passagierzahlen haben wir vereinfacht gesagt für die Hälfte der Belegschaft noch mindestens anderthalb Jahre keine Beschäftigung. Darum fordern wir als Branche eine Verlängerung der Kurzarbeit von derzeit bis zum kommenden März zumindest bis in den Sommer 2022.“

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    Fraport-Chef Schulte hat trotz der Forderung nach Gebührensenkungen ein gutes Verhältnis zu Lufthansa. Im Gespräch mit der WirtschaftsWoche fordert er eine Verlängerung der Kurzarbeit bis Sommer 2022 und befürchtet Insolvenzen bei deutschen Flughäfen. Das vollständige Interview mit Stefan Schulte lesen Sie hier.

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