WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Nach dem Absturz Wo die Boeing 737 Max 8 noch fliegt

Boeing 737 Max 8: Wo sie auch nach dem Absturz noch fliegt Quelle: AP

Nach dem erneuten Absturz einer Boeing 737 Max 8 in Äthiopien lässt China die Maschinen nicht mehr abheben, in den USA fliegen sie dagegen weiter. Wo die Unglücksmaschine sonst noch im Einsatz ist.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

In Äthiopien stürzt eine Boeing 737 Max 8 ab, 157 Menschen sterben. Unter den Opfern sind Menschen aus 35 Nationen, darunter fünf Deutsche. Die Maschine war neu, das Wetter gut. Zwar wurde der Flugschreiber inzwischen gefunden, aber noch ist die Unglücksursache ungeklärt.

Dennoch verhängt China schnell ein landesweites Startverbot für das neueste Modell der erfolgreichen 737-Reihe. Auch in Äthiopien selbst dürfen diese Maschinen nicht mehr abheben, genauso in Indonesien, wo bereits im Oktober 2018 ein Flugzeug der Baureihe unter ähnlichen Bedingungen abgestürzt war. Damals starben 189 Menschen.

Die große Billigfluglinie Norwegian dagegen teilte mit, dass ihre Boeing 737 Max 8 bis auf weiteres in Betrieb blieben. Norwegian fliegt mit dem modernen Passagierjet Transatlantikflüge, allerdings nicht aus Deutschland. Deutsche Reisende können daher nur bei Umstieg im europäischen Ausland in einer solchen Maschine reisen.

Auf der anderen Seite des Meeres gibt es dann ebenfalls keine Probleme: Die US-Flugaufsicht FAA hält die 737 Max 8 nach wie vor für flugtauglich. Die größten amerikanischen Airlines Southwest und American Airlines und bisherigen Hauptabnehmer des Fliegers nutzen sie daher weiterhin.

Keine deutsche Airline fliegt mit Boeings aktuell wichtigstem Modell, wie das Verkehrsministerium in Berlin mitteilte. Die Tuifly-Fluggesellschaften in Belgien, den Niederlanden, Großbritannien und Skandinavien dagegen schon. Hier ist ein Einsatz auch für deutsche Urlauber durchaus denkbar. Ähnlich sieht es bei Kunden der Lufthansa aus: Sie gehört der Star Alliance an, die ein gemeinsames Flugnetzwerk betreibt. Viele der dort versammelten Partner nutzen die Boeing 737 Max 8 und lassen sie weiterhin fliegen – darunter die polnische LOT, Air Canada, Turkish Airlines. Wer bei der Lufthansa gebucht hat und beispielsweise in Kanada in einen innerkanadischen Flug umsteigt, kann sich also durchaus einer Maschine dieses Typs landen. Star-Alliance-Mitglied SilkAir aus Singapur dagegen lässt die Flieger nun ebenfalls am Boden. Hier sprach die zivile Luftfahrtbehörde ein landesweites Flugverbot aus. Ein solches Verbot sprach am Dienstag auch die australische Flugsicherheitsbehörde aus. Betroffen sind hier ebenfalls die SilkAir und Fiji Airways, australische Gesellschaften fliegen selbst nicht mit dem Modell.

Einen anderen Weg geht Indien, wo die Luftfahrtbehörde DGCA nun eine Flugerfahrung von mindestens 1000 Stunden für Piloten der Max 8 vorschreibt. Co-Piloten müssten mindestens 500 Stunden Flugerfahrung vorweisen. Dies sei eine vorläufige Sicherheitsmaßnahme, die für alle Flüge im indischen Luftraum gelte. Ob dort aber überhaupt Flugzeuge des Typs im Einsatz sind, ist nicht klar. Die indische Fluggesellschaft Jet Airways besitzt fünf der Maschinen, die aber aus finanziellen Gründen nicht im Einsatz seien. SpiceJet – die andere indische Fluglinie, zu deren Flotte die Boeing 737 Max 8 gehört – äußerte sich zunächst nicht zu ihren 13 Maschinen.

Auch Ethiopian Airlines, die Airline des Unglücksflugs, ist Mitglied der Star Alliance. Sie gilt als sehr zuverlässig. Ethiopian bietet weltweite Verbindungen an, auch nach Frankfurt am Main, München, London, New York, Bangkok und Dubai. Ansonsten wird die Maschine auch beim tschechischen Billigflieger Smartwings eingesetzt. Ryanair dagegen wartet noch auf seine Bestellungen und hat keines der Flugzeuge im Einsatz.

Die Liste der Besteller ist nach wie vor lang. Wie wichtig das Modell für Boeing ist, zeigt auch die Reaktion der Börsen auf den Absturz. Der Aktienkurs des US-Flugzeugbauers ist am Montag zum Handelsstart um bis zu knapp 13,5 Prozent gesunken. Das bedeutete laut der Nachrichtenagentur Bloomberg den größten Tagesverlust im Handelsverlauf seit den Terroranschlägen in New York am 11. September 2001. Zum Handelsschluss lagen die Papiere noch etwa bei einem Minus von 5,4 Prozent..

Die auf weniger Spritverbrauch getrimmte Boeing 737-Max-Reihe gilt als Verkaufsschlager. Das Modell ist eine Neuauflage der seit den 1960er Jahren gebauten Boeing 737 und wird in der neuen Form mit größeren und sparsameren Triebwerken seit 2017 ausgeliefert.

Deutsche und UN-Mitarbeiter unter Opfern bei Flugzeugabsturz in Äthiopien

Die neue Maschine war zuletzt am 4. Februar gewartet worden. Ein Routine-Check unmittelbar vor dem Start am Sonntag habe keine Probleme aufgezeigt, sagte Airline-Chef Tewolde GebreMariam. Seit dem Kauf des Flugzeugs Ende 2018 sei es rund 1200 Stunden im Einsatz gewesen. Der Pilot hatte seit 2010 für die Airline gearbeitet. Ethiopian hat noch vier weitere Maschinen des Typs Boeing 737 Max 8.

Boeing hat inzwischen angekündigt, schnell eine Erweiterung der umstrittenen Steuerungssoftware zu entwickeln. Ein automatisches Hilfssystem hatte beim ersten Absturz in Indonesien im Oktober 2018 wohl die Nase wegen eines drohenden Strömungsabrisses nach unten, die Crew versuchte aber, weiter aufzusteigen. Im Rahmen des Unglücks war die Software überarbeitet worden und soll nun auf allen 737 Max 8 installiert werden.

Für Ethiopian ist es nicht das erste Unglück eines Flugzeugs. Am 25. Januar 2010 stürzte eine Boeing 737-800 der Fluggesellschaft vor der libanesischen Küste ins Mittelmeer, die 90 Insassen starben.

Mit Material von dpa und AP.

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%