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Sand im GetriebeUnklarer Etihad-Kurs verschärft Air-Berlin-Krise

Air Berlins Großaktionär Etihad will das Touristikgeschäft der Fluggesellschaft mit dem Ferienflieger Tuifly zusammenlegen. Doch der Deal ist weder genehmigt noch vollzogen. Das spüren Kunden von Air Berlin schon jetzt. 08.06.2017 - 09:32 Uhr

Air Berlin

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft ist seit Jahren einer der größten Geldvernichter der europäischen Luftfahrt. Im vergangenen Jahr betrug die operative Marge minus 7,5 Prozent. Fehlende Integration der zahlreichen Zukäufe und ein zu unklares Geschäftsmodell sind die Ursachen.

Foto: dpa

Air France-KLM

Der Zusammenschluss der französischen Air France mit der niederländischen KLM im Jahr 2004 war die erste große Fusion in der europäischen Branche. Wirtschaftlich weiter gebracht hat sie beide Unternehmen nicht. Mit einer Marge von gerade einmal 4,28 Prozent ist die Airline eher schwach aufgestellt. Vor allem das streikfreudige Personal in Frankreich verhindert bislang harte Reformen.

Foto: AP

Lufthansa

Der deutsche Branchenprimus, zugleich nach Umsatz und Passagierzahlen die größte europäische Airline, wird seit Jahren umgebaut. Doch der Prozess dauert, auch weil die Mitarbeiter sich von früheren Zusagen zum Beispiel bei der Altersversorgung verabschieden müssen. Doch der Kurs zahlt sich langsam aus, die Marge lag 2015 bei 4,85 Prozent.

Foto: dpa

Emirates

Die älteste der drei Airlines vom Persischen Golf schaffte im vergangenen Jahr die ansehnliche Marge von 9,80 Prozent. Ihr Vorteil: Mit dem Drehkreuz in Dubai und einer überwiegend aus Langstreckenmaschinen bestehenden Flotte arbeitet sie sehr effizient. Zudem bekommt die Airline volle Rückendeckung durch die Regierung.

Foto: REUTERS

IAG

Die Gesellschaft entstand Anfang 2011 durch den Zusammenschluss der britischen British Airways und der spanischen Iberia. Hartes Management und weitere Übernahmen wie etwa die der Billig-Airline Vueling und der irischen Aer Lingus machten aus der Gruppe eine der renditeträchtigsten Airlines in Europa mit einer Marge von 10,22 Prozent im vergangenen Jahr. Inwieweit dieser Wert nach dem Brexit-Votum der Briten gehalten werden kann, ist allerdings offen.

Foto: AP

Turkish Airlines

Gleichauf bei der Rendite mit der IAG liegt Turkish Airlines (10,22 Prozent). Die Fluggesellschaft ist in den zurückliegenden Jahren rasant gewachsen. Ähnlich wie am Persischen Golf wird sie stark von der Regierung unterstützt, die sie als Treiber des Wirtschaftswachstums sieht. Offen ist, welche Folgen die zunehmende Isolation der Türkei für die Airline haben wird.

Foto: REUTERS

United Continental

United Continental entstand 2010 durch die Fusion von United Airlines mit Continental Airlines. Der Zusammenschluss zog sich über mehrere Jahre hin, zum Beispiel flogen noch bis 2015 beide Airlines mit eigenem Personal. Auch die Integration der Informationstechnik dauerte. Das ging zu Lasten der Marge, United ist mit 13,64 Prozent das Schlusslicht unter den vier großen US-Airlines.

Foto: AP

Easyjet

Die britische Billigfluggesellschaft Easyjet verfolgt einen ganz eigenen Ansatz. Anders als viele Rivalen steuert die Airline große und damit bei den Gebühren teure Flughäfen an. Damit ist sie zwar auch für Geschäftskunden interessant, doch das geht zu Lasten der Marge. Die lag 2015 mit 14,64 Prozent deutlich unter der des Erzrivalen Ryanair.

Foto: dpa

American Airlines

Die Gesellschaft entstand Ende 2013 durch die Fusion von American Airlines mit US Airways. Mit dem Zusammenschluss verließ American zugleich das Insolvenzverfahren, das die Gesellschaft 2011 angemeldet hatte und in Folge dessen sie die Kosten massiv drücken konnte. 2015 erreichte American Airlines eine operative Marge von 15,14 Prozent.

Foto: REUTERS

Southwest Airlines

Southwest gilt als Pionier der Billig-Fluggesellschaften. 1967 gegründet verzögerten Proteste der etablierten US-Anbieter den Start um vier Jahre. Das konnte den Erfolg der Airline aber nicht stoppen, die heute die weltweit größte Billig-Fluggesellschaft der Welt ist. Sie erreichte im vergangenen Jahr eine Marge von 20,77 Prozent.

Foto: AP

Ryanair

Kopien sind manchmal erfolgreicher als das Original. Das hat die irische Billig-Fluggesellschaft Ryanair bewiesen. Aufgebaut nach dem US-Vorbild Southwest hat Ryanair die europäische Luftfahrt revolutioniert. Das Unternehmen wächst so aggressiv wie keine andere Airline und verdient dabei prächtig. Mit einer Marge von 22,34 Prozent ist sie der Renditekönig in unserem Ranking.

Foto: dpa

Die Neuordnung der Luftfahrt in Deutschland gerät ins Stocken. Ein wichtiges Abkommen für die Sanierung der hoch verschuldeten zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin zwischen Etihad und dem Tui-Reisekonzern über einen neuen Ferienflieger verliert an Dynamik. Die Folgen bekommen derzeit auch die Kunden von Air Berlin zu spüren, die sich auf die Flugpläne nicht mehr verlassen können. Der Hintergrund: Bei Staatskonzern aus dem Emirat Abu Dhabi dreht sich gerade das Personalkarussell. So ist der langjährige Etihad-Chef James Hogan gegangen, ein Nachfolger für den Posten steht noch nicht fest - es gibt lediglich eine Übergangslösung. Auch der Posten des Finanzchefs soll neu besetzt werden. „Etihad, der Mehrheitseigner von Air Berlin, benötigt nach den Veränderungen im Management offenbar mehr Zeit bei den Verhandlungen“, sagte Tui-Chef Friedrich Joussen der Wirtschaftszeitung „Euro“. Die neue Airline-Plattform solle nachhaltig sein - Gründlichkeit gehe deshalb vor Schnelligkeit.

Doch hinter vorgehaltener Hand sprechen ranghohe Manager mittlerweile von einer Menge Sand im Getriebe. „Das Etihad-Management muss selber wissen, was es will - aber das ist angesichts des Führungswechsels momentan nicht so richtig erkennbar“, sagt der Bonner Luftfahrtexperte Volker Thomalla. Die diplomatische Krise um Katar, die auch die internationale Luftfahrt durcheinanderwirbelt, dürfte weitere Kapazitäten binden.

Dabei hat sich der angepeilte Starttermin für den neuen Ferienflieger schon jetzt deutlich verschoben: Zunächst sollte die Airline zum Sommerflugplan Ende März loslegen. Die Tuifly-Mutter Tui, Air Berlin und Etihad hatten ursprünglich im Oktober 2016 Pläne für die neue Gesellschaft durch eine Verschmelzung der Tuifly-Flugzeugflotte mit der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki bekanntgegeben.

Skytrax-Ranking: Die besten Airlines der Welt
Garuda IndonesiaVorjahr: Rang 11Quelle: Skytrax
Hainan AirlinesVorjahr: Rang 12
Etihad AirwaysVorjahr: Rang 6
LufthansaVorjahr: Rang 10
EVA AirVorjahr: Rang 8
Cathay PacificVorjahr: Rang 4
EmiratesVorjahr: Rang 1
ANA All Nippon AirwaysVorjahr: Rang 5
Singapore AirlinesVorjahr: Rang 3
Qatar AirwaysVorjahr: Rang 2

Wenn die Verhandlungen erfolgreich beendet sein werden, sollen Tuifly und Niki nach den Plänen mit rund 60 Flugzeugen ein Streckennetz von wichtigen Abflughäfen in Deutschland, Österreich und der Schweiz bedienen. Tuifly ist mit 41 Jets die deutsche Tochter des weltgrößten Reisekonzerns Tui aus Hannover, der eine Flotte von 140 Flugzeugen betreibt. Als viertgrößte deutsche Airline kommt sie auf 2400 Mitarbeiter - darunter 1700 Flugbegleiter und Piloten.

Dass der Aufbau des Ferienfliegers nun länger dauert, ist einer von mehreren Gründen, die Air Berlin für die derzeitigen Probleme in ihrem Flugbetrieb nennt. Die anderen Ursachen: „Mangelhafte Planungen“ hätten „immer wieder zu Engpässen bei den Crews, zu Verspätungen und Umleitungen“ geführt. Hinzu gekommen seien Gepäckstaus in Berlin-Tegel, weil der neu engagierte Bodendienstleister Aeroground in den ersten Wochen seine Arbeit nicht geschafft habe.

Zum Ferienflieger hält sich Etihad bedeckt: „Das vorgeschlagene Joint-Venture ist komplex; beide Seiten streben eine eher stabile als überstürzte Lösung an. Kein weiterer Kommentar dazu, solange die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen sind“, erklärte ein Sprecher.

Europas größte Fluglinien: Anzahl der beförderten Fluggäste 2016
easyJetPassagiere: 70,4 Millionen Quelle: StatistaStand: Januar 2017
Air France KLMPassagiere: 90,3 Millionen
International Airlines Group (IAG)Passagiere: 101 Millionen
LufthansaPassagiere: 110 Millionen
RyanairPassagiere: 117 Millionen

Experten werden deutlicher. „Ich gehe davon aus, dass große strategische Entscheidungen frühestens getroffen werden, wenn Hogans Nachfolger bei Etihad im Amt ist und sich eine erste Übersicht verschafft hat - ein Interims-Chef wird Entscheidungen solcher Tragweite kaum treffen“, sagt Luftfahrtexperte Thomalla, der für den geplanten Ferienflieger daher den Startermin kaum vor Herbst sieht. Der Tui-Konzern in Hannover gibt sich indes mit Hinweis auf die Grundsatzvereinbarung mit den Etihad-Gesellschaftern noch gelassen: „Wir haben keinen Handlungsdruck“, stellt ein Manager fest.

Dieser liegt bei Air Berlin. Die Fluggesellschaft hatte Anfang Mai angekündigt, dass der Abschluss des Deals über die Gründung des neuen europäischen Urlaubsfliegers binnen der nächsten zwölf Monate zu erwarten sei. Seine von Tuifly mitsamt der Crew geleasten 14 Boeing 737 hat Air Berlin bereits an die Tochter Niki weitergereicht - und bezahlt nach Tui-Angaben weiter dafür.

dpa
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