Uber: Der Fahrdienst gerät ins Schleudern
Uber-Chef Travis Kalanick steht in der Kritik.
Foto: BloombergBreitbeinig sitzt er auf der Rückbank einer Limousine, eingerahmt von zwei leicht bekleideten Damen, gelangweilt auf dem iPhone spielend, als Travis Kalanick, Chef des Taxidienstes Uber, seinen Fahrer abkanzelt: „Du gehörst zu den Leuten, die für ihre Probleme nur die Schuld bei anderen suchen.“ Kalanicks Reaktion auf die Kritik des Fahrers an Preissenkungen Ubers ließ der auf Video festhalten – und so gelangte der wenig sympathische Auftritt des Co-Gründers an die Öffentlichkeit.
Das Video wäre für Unternehmenslenker schon per se kein Ruhmesblatt, selbst für einen mit hemdsärmeligem Ruf wie Kalanick. Für den Uber-Anführer aber kann es ungünstiger kaum kommen: Gerade erst hatte er – theatralisch, mit Tränen in den Augen – besseres Benehmen gelobt, nachdem bei Uber Sexismusvorwürfe aufgetaucht waren. „Ich muss mich als Führungskraft fundamental ändern und endlich erwachsen werden“, murmelte Kalanick.
Das neue Video passt dazu eher bedingt. Es unterstreicht einmal mehr, in welch schwierige Lage der dauerpubertierende Gründer sein Unternehmen gebracht hat. Wie kein anderes Unternehmen aus dem Silicon Valley steht Uber für Expansion und Wachstum um jeden Preis, für den Angriff auf ganze Branchen, auch für Skrupellosigkeit. Seit der Gründung 2009 hat die Mitfahr-App aus San Francisco ihre oft um ein Vielfaches größeren Wettbewerber vor sich hergetrieben: Taxifahrer weltweit bangen um ihre Zukunft; Logistikkonzerne erzittern, sobald der Name Uber nur in einer Branchenstudie auftaucht. Eine Wachstumsstory, die Investoren auf eine Bewertung von fast 70 Milliarden Dollar aufgeblasen haben; kein Unternehmen der Welt, nicht Google oder Facebook, war je schon vor seinem Börsengang so teuer.
Doch der Uber-Flieger scheint vom Glück verlassen. Zur Debatte um die Unternehmenskultur hat sich Uber jetzt eine Klage von Google eingehandelt. Patente für selbstfahrende Autos sollen geklaut sein. Ohnehin kämpft Uber gegen Fahrverbote weltweit, strengere Regulierung und erfolgreiche Nachahmer. Nun werden erste Investoren nervös: Sie sehen durch die Probleme den Wert ihrer Anteile in Gefahr, sollte das Start-up bei dem für dieses Jahr geplanten Börsengang nicht den gewünschten Preis einspielen.
Zumal auch das Uber-Kerngeschäft noch immer nicht läuft: Weder dominiert Uber das Vermitteln von Personenfahrten, noch läuft es profitabel. In den ersten neun Monaten 2016 machte Uber aus 3,76 Milliarden Dollar Umsatz 2,2 Milliarden Dollar Verlust; neuere Zahlen veröffentlicht Uber noch nicht, aber sie dürften sich kaum verbessert haben.
Wie viel Potenzial steckt noch im vermeintlich wertvollsten Start-up der Welt?
Die Harte-Jungs-Kultur
Wie sehr sich Uber vom Faszinosum des Silicon Valley zum Krisenherd gewandelt hat, zeigt die Personalie Amit Singhal: Singhal sollte das neue Mastermind für Ubers Software werden. Kalanick feierte 2016 die Neuverpflichtung: Singhal galt nach 16 Jahren an der Spitze der bisher erfolgreichsten Idee des Internetzeitalters – Googles Suchmaschine – als Softwaregenie und Erfolgsgarant. Doch nach wenigen Wochen im Amt muss Kalanick ihn entlassen: Google hatte wegen sexueller Belästigung gegen Singhal ermittelt, wie erst jetzt bekannt wurde. Vor Kurzem hätte Kalanick Singhal vielleicht noch einen Klaps auf die Schulter gegeben. Doch Uber hat gerade selbst einen Belästigungsskandal am Hals.
Die Ingenieurin Susan Fowler schrieb Mitte Februar in ihrem Blog, sie sei von Vorgesetzten zum Sex gedrängt und nach einer Beschwerde in der Personalabteilung systematisch gemobbt worden. Hunderte Mitarbeiter haben seitdem die Atmosphäre bei Uber beklagt. Das Gesamtbild: Bei Uber herrsche eine vergiftete und testosterongeladene Arbeitsatmosphäre, in der sich eine Günstlingskaste umso mehr herausnimmt, je näher sie dem Co-Gründer Kalanick steht. Regeln gebe es kaum. Frauen würden als Freiwild betrachtet, Erfolge gerne mit Alkohol und Kokain gefeiert. Kalanick bestreitet all das.
Entwicklungshemmnis: Gegen Anthony Levandowski gibt es Klagen.
Foto: LaifEine „Kultur mangelnden Respekts, exklusiver Cliquen und der Duldung von Mobbing und Belästigung jeder Art“ werfen Mitch und Freada Kapor den Uber-Bossen vor. Das prominente Investorenpaar gehört zu den ersten Geldgebern Ubers. Mitch Kapor, der mit Lotus Software selbst ein Milliardenunternehmen hochzog, ist es leid, immer nur Entschuldigungen von Kalanick zu hören: „Real verändert sich nichts“, sagt er.
Dass sich Investoren der Schar der Kritiker anschließen, mag auch damit zu tun haben, dass Ubers Machokultur nicht mehr folgenlos bleibt fürs Geschäft: Weltweit rufen vor allem Frauen zum Boykott auf. Auch weil Kalanick sich, wie Elon Musk, Peter Thiel und andere Silicon-Valley-Alphamänner, im Beraterstab Donald Trumps engagierte, hagelte es Kritik. Der Kundenprotest eskalierte, als Taxifahrer in New York geschlossen wegen Trumps Einreiseverbot für Muslime streikten und Uber den Streikbrecher gab. Tausende Kunden löschten daraufhin die Uber-App von ihren Smartphones. Uber soll zudem Handy- und Kreditkartendaten auswerten, die auf Polizisten schließen lassen. Damit die nicht den Uber-Fahrern Verstöße nachweisen können, werden sie als Fahrgäste abgelehnt.
Uber fehlten „der moralische Kompass und die Strukturen, um einen solchen zu etablieren“, meint Silicon-Valley-Wagnisfinanzierer Ram Srinivasan. In so einer Atmosphäre sei es schwierig, dauerhaft Erfolg zu haben, weil man gute Mitarbeiter kaum halten könne. Lise Buyer, die Architektin von Googles Börsengang, warnt: „Wenn die Kultur als vergiftet oder unfair empfunden wird, ist das im Silicon Valley, wo ein harter Konkurrenzkampf um Ingenieure und Programmierer tobt, nahezu unmöglich.“
Während die Uber-Manager noch damit beschäftigt sind, den Imageschaden einzudämmen, kommt die nächste Breitseite: Google hat Uber nun verklagt. Die Google-Mutterholding Alphabet ist, wie die Kapors, einer der ältesten Uber-Geldgeber: 2013 investierte Google Ventures 250 Millionen Dollar in Uber. Nun aber beklagt Google, Ubers Technologie für selbstfahrende Autos, erst 2016 für 680 Millionen Dollar von einem Start-up namens Otto gekauft, beruhe auf geklauten Google-Patenten. Stimmt das, wäre dies für Uber ein empfindlicher Schlag: Selbstfahrende Taxis und Lieferwagen sind Kern von Ubers Geschäftsvisionen. Kalanick bestreitet auch diese Vorwürfe. Doch Google wird in seiner Klageschrift sehr konkret. Der Ex-Google-Manager und Otto-Gründer Anthony Levandowski habe kurz vor seiner Kündigung 14.000 technische Dokumente Googles entwendet.
Nutzer des Fahrdienst-Vermittlers Uber in der US-Stadt Pittsburgh können seit dem 14. September mit selbstfahrenden Autos unterwegs sein. Die Roboterwagen kommen auf Bestellung über die Uber-App. Die Überraschungsfahrten seien „den loyalsten Uber-Kunden“ vorbehalten, erklärte das Unternehmen in einem Blogeintrag.
Foto: APAm Steuer sitzt zur Sicherheit ein Uber-Mitarbeiter, den Fahrgästen wird zudem auf einem Tablet im Innenraum angezeigt, wie das Auto die Umgebung sieht.
Foto: APUber machte keine Angaben dazu, wie viele solcher Wagen auf die Straße kommen. In einem Video des Blogs „TechCrunch“ war rund ein Dutzend umgerüsteter Fahrzeuge des Herstellers Ford mit Kamera- und Laserradar-Aufbauten auf dem Dach zu sehen.
Uber-Chef Travis Kalanick betonte bei der Ankündigung des Dienstes, ihm gehe es darum, Google nicht das Feld bei selbstfahrenden Autos zu überlassen. Der Internet-Riese testet Roboterwagen bereits seit 2009 und schickt inzwischen auch den Prototypen eines elektrischen Zweisitzers aus eigener Entwicklung auf die Straßen, die als Roboter-Taxis eingesetzt werden können.
Uber hatte für sein Roboterwagen-Projekt zunächst rund drei Dutzend Forscher der Universität Carnegie Mellon angeheuert, die bei der Entwicklung selbstfahrender Autos sehr stark war. Inzwischen arbeiteten mehrere hundert Experten daran.
Foto: APIm Sommer kaufte Uber zudem das Start-up Otto, das herkömmliche Lastwagen mit Technik für autonomes Fahren ausstatten will. Die Firma wurde Anfang des Jahres von erfahrenen Experten gegründet, die früher unter anderem bei Google, Apple und Tesla gearbeitet hatten.
Foto: APAls erstes hatte im August das Start-up NuTonomy Tests selbstfahrender Autos mit Fahrgästen an Bord in Singapur begonnen. Ausgewählte Einwohner des Stadtstaates werden zur Fahrten eingeladen, die Routen beschränken sich aber auf einen Geschäftsbezirk.
Auch der Branchenriese Ford drückt bei der Entwicklung selbstfahrender Autos aufs Tempo - und zielt dabei vor allem auf den boomenden Markt der Fahrdienste. Bereits 2021 soll der erste vollautonome Roboterwagen für den gewerblichen Personentransport am Start sein, kündigte der zweitgrößte US-Autobauer am Mittwoch an.
Foto: APDas Fahrzeug solle ohne Lenkrad, Gas- und Bremspedal auskommen und sei speziell für Taxi-Services gedacht. Ford geht davon aus, dass bis zu 20 Prozent der verkauften Neuwagen Ende des nächsten Jahrzehnts selbstfahrende Autos sein werden.
Foto: REUTERSDer US-Branchenriese bekräftigte zudem seine Pläne, in großem Stil in Elektromobilität zu investieren. Ford will bis 2020 insgesamt 13 neue Modelle mit E- und Hybridantrieb auf den Markt bringen - das entspreche fast der Hälfte der Angebotspalette. Die Offensive wollen die Amerikaner sich 4,5 Milliarden Dollar kosten lassen. Dafür werde 2017 bewusst ein Gewinnrückgang in Kauf genommen, teilte das Unternehmen mit. Im Jahr darauf solle der Gewinn dann wieder zulegen. Bis 2018 will Ford den höheren Ausgaben mit einer Senkung der jährlichen Kosten um drei Milliarden Dollar begegnen.
Foto: obsGoogle als Gegner
Überhaupt wird der einstige Partner zum Konkurrenten. Mit seiner Navigations-App Waze greift Google sogar Ubers Herzstück an, den in Deutschland verbotenen Amateur-Mitfahrdienst UberPool. Seit Anfang vergangener Woche können sich Autofahrer mit Waze zu Fahrgemeinschaften zusammentun; die Mitfahrer bezahlen die Fahrer – wie bei UberPool. Und: Anders als viele erfolgreiche Start-ups, etwa AirBnB, Palantir oder Spotify, dominiert Uber auch acht Jahre nach seiner Gründung noch immer nicht sein Kerngeschäft. US-Konkurrent Lyft läuft Uber in einigen US-Städten inzwischen gar den Rang ab. Weltweit gerät das Kerngeschäft an Wachstumsgrenzen: In China musste Uber sich dem staatlich gestützten Konkurrenten Didi Chuxing geschlagen geben, verkaufte dort sein Geschäft gegen eine Finanzbeteiligung von 20 Prozent an Didi. Noch vor Kurzem wurde China Investoren als großer Wachstumsmarkt präsentiert. In Indien, dem diese Rolle nun zugefallen ist, hinkt man der ebenfalls bestens politisch verdrahteten Ola hinterher. „Wir müssen schlicht den besseren Service bieten“, gibt sich Uber-Indien-Manager Christian Freese kämpferisch. In einigen europäischen Ländern, darunter Deutschland, sind große Teile der Uber-Dienste bereits ganz verboten.
Platz 10: Hannover
In rund 80 Prozent der deutschen Tarifgebiete hat die Einführung des Mindestlohns zu einer Erhöhung der Taxigebühren geführt. Nicht nur die Grundgebühr, sondern auch die Kilometerpreise sind angestiegen. Das ergibt eine aktuelle Untersuchung der Taxi-Bestell-App mytaxi, die einen Überblick über die zehn teuersten Taxi-Städte gibt. Gelistet wird nach dem Preis für eine durchschnittliche Fahrt durch die Innenstadt von sechs Kilometern Länge.
Auf Platz zehn landet Hannover, die Hauptstadt Niedersachsens. Die Grundgebühr für eine Taxifahrt beträgt hier 3,20 Euro. Pro Kilometer zahlen Fahrgäste noch einmal 1,90 drauf. Damit liegen die Kosten für sechs Kilometer bei 14,60 Euro.
Quelle: mytaxi
Foto: dpaPlatz 9: Dresden
In Dresden ist die Fahrt mit einem Taxi minimal teurer: Für eine Strecke von sechs Kilometern müssen Fahrgäste insgesamt 14,70 Euro zahlen, um auf öffentliche Verkehrsmittel oder die Fahrt mit einem eigenen Pkw verzichten zu können. Der Kilometerpreis liegt hier bei 1,80 Euro, die Grundgebühr beträgt 3,90.
Foto: dpaPlatz 8: Köln
Auch in der Rheinmetropole hat die Fahrt mit dem Taxi seinen Preis: Um sechs Kilometer nach Hause kutschiert zu werden, müssen die Kölner 14,90 Euro springen lassen. Der Tarif ergibt sich aus einer Grundgebühr von 3,50 Euro und einem Preis von 1,90 Euro pro Kilometer.
Foto: dpaPlatz 7: Frankfurt
Unter 15,50 Euro kommen Taxi-Fahrgäste bei einer Strecke von sechs Kilometern in Frankfurt nicht weg. Zwei Euro pro Kilometer und eine Grundgebühr von 3,50 Euro sind hier pro Fahrt zu entrichten.
Foto: dpaPlatz 6: Hamburg
2,10 pro Kilometer zahlen Kunden für eine Taxifahrt in Hamburg. Hinzu kommt eine Grundgebühr von 3,20 Euro. Das ergibt einen Gesamttarif von 15,80 Euro für sechs Kilometer und Rang sechs im Ranking.
Foto: dpaPlatz 5: Berlin
Noch etwas mehr – nämlich 15,90 Euro – muss man in Berlin in die Hand nehmen, um sechs Kilometer mit dem Taxi gefahren zu werden. Der Kilometerpreis beträgt hier zwar nur zwei Euro, die Grundgebühr liegt dafür aber schon bei 3,90 Euro. Damit ist die Hauptstadt die fünftteuerste Taxistadt Deutschlands.
Foto: dpaPlatz 4: Essen
Wer gedacht hat, im Ruhrgebiet sei Taxifahren vergleichsweise günstig, liegt falsch. Das zumindest zeigen die Tarife in Essen, die bei insgesamt 16 Euro inklusive der Grundgebühr von vier Euro liegen. Pro Kilometer zahlen Fahrgäste zwei Euro. Ganz in der Spitzengruppe fehlen jedoch sonst recht teure Städte wie Stuttgart und München – beide liegen im Taxi-Ranking außerhalb der Top Ten.
Foto: DPA/Picture-AlliancePlatz 3: Duisburg
In die Top Ten der teuersten Taxi-Städte hat es auch eine zweite Stadt im Herzen des Ruhrgebiets geschafft: In Duisburg zahlen Fahrgäste schon eine Grundgebühr von satten 5,50 Euro. Da nützt es auch nicht viel, dass der Kilometerpreis bei 1,80 Euro vergleichsweise gering ist. Mit einem Tarif von insgesamt 16,30 Euro ist Duisburg die drittteuerste Taxi-Stadt.
Foto: dpaPlatz 2: Bielefeld
Und noch eine Großstadt in NRW hat es in das Ranking geschafft: Wer in Bielefeld Taxi fahren möchte, muss sich dies einiges kosten lassen: Satte 17,50 Euro müssen Gäste für eine sechs Kilometer lange Fahrt zahlen. Höher ist die Grundgebühr (6,10) sonst nirgendwo in Deutschland. Der Kilometerpreis beträgt 1,90 Euro.
Foto: DPA/Picture-AlliancePlatz 1: Düsseldorf
Diesen Tarif kann nur noch die Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfahlen toppen: Mit 17,70 Euro für sechs Kilometer ist Düsseldorf der Spitzenreiter im Ranking. Sowohl der Kilometerpreis (2,20 Euro) als auch die Grundgebühr (4,50 Euro) für eine Taxifahrt sind hier überdurchschnittlich hoch. Im Vergleich zur günstigsten Taxi-Stadt Bonn zahlen Fahrgäste hier satte 5,50 mehr für eine Fahrt.
Foto: dpaUber-Manager sprechen nun von Arabien, Pakistan oder Iran als „Riesenchancen“. Weil in einigen muslimischen Ländern Frauen nicht Auto fahren dürften und der öffentliche Nahverkehr oft unsicher für sie ist, verspricht sich Uber Potenzial. In Saudi-Arabien ging diese Taktik nach hinten los. Frauen brachen einen neuerlichen Proteststurm gegen Uber vom Zaun: Mit seinem Angebot festige das Unternehmen die Diskriminierungen. Uber tritt nun in fast allen wichtigen Märkten auf der Stelle. Wie wieder in den Vorwärtsgang kommen?
Artverwandte Dienste, haben sich Kalanick und seine Manager überlegt, könnten ein gutes Geschäft sein. Motto: „Wenn der Fahrer X eh mit Passagieren von A nach B unterwegs ist, kann er gleich noch eine Pizza oder ein Couvert mitnehmen.“ Klingt bestechend logisch, aber der Teufel steckt im Detail. UberEats, der Service, bei dem die Uber-Fahrer und Fahrradkuriere Essen ausfahren, ist weltweit in 67 Städten verfügbar. Doch das Geschäft ist kaum skalierbar, weil zu den Stoßzeiten mittags und abends sehr viel mehr Fahrer gebraucht werden als den ganzen Rest des Tages. In dem Markt sind neben den traditionellen Pizzafahrern schon Amazon und zahlreiche Start-ups wie Lieferando und Foodora unterwegs. Auch der Logistikmarkt ist umkämpft. UberRush, der Kurierdienst, konkurriert mit Amazon, Post, FedEx, UPS sowie lokalen Diensten.
Kürzlich veröffentlichte Uber ein 98-seitiges Whitepaper mit dem Titel „Fast-Forwarding to a Future of On-Demand Urban Air Transportation“. Darin skizziert Uber seine Pläne für die Luftlogistik, UberElevate. Dazu will Kalanick Senkrechtstarter und fliegende Autos bauen lassen. „Man muss sich fragen, ob Uber sich nicht heillos verzettelt“, schimpft ein Investor aus Menlo Park. Uber will noch 2017 Anteile für Milliarden von Dollar an die Börse bringen. Nun sorgen sich seine Investoren, dass sie mit ihren teuer eingekauften Anteilen dabei Verluste einfahren – wenn es überhaupt gelingt.
Investor Srinivasan hält einen Börsengang zwar für möglich. „Aber bei der hohen Bewertung ist er schon kompliziert genug; nun ist er bestimmt nicht einfacher geworden.“ Vor allem habe Uber „keine echte technische Barriere gegen neue Wettbewerber mehr“, sagt Srinivasan.
Aber als diese Woche Snap, die Mutter von Snapchat, an die Börse ging, sprachen die Zahlen auch gegen einen Erfolg. Aber der defizitäre Videodienst aus Los Angeles erlöste 3,4 Milliarden Dollar, ist 24 Milliarden Dollar wert. Noch zu wenig, dachten Börsianer, trieben die Aktie am ersten Handelstag um 44 Prozent nach oben. Offenbar wissen viele Investoren derzeit nicht, wohin mit ihrem Geld – und hoffen auf eine Wende defizitärer Techkonzerne, so wie Travis Kalanick auf seinen Imagewandel.