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Zugausfälle bei der Bahn Der Warnstreik ist zu Ende, das Chaos bleibt

Ein Mann geht mit einem Rollkoffer im Dresdner Hauptbahnhof einen Bahnsteig entlang. Die Deutsche Bahn stellt wegen des Warnstreiks bundesweit den Fernverkehr ein. Quelle: dpa

Die Eisenbahnergewerkschaft EVG beendet den Warnstreik im Zugverkehr nach vier Stunden. Die Ausfälle im Fernverkehr werden sich den ganzen Tag über hinziehen.

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Bei der Deutschen Bahn hat die Gewerkschaft EVG ihren Warnstreik beendet. Das sagte ein Sprecher der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft. Kunden müssen nach Bahnangaben aber noch den ganzen Tag mit Einschränkungen rechnen, vor allem im Fernverkehr. „Die Wucht des Streiks macht deutlich, wie groß die Verärgerung der Kollegen darüber ist, dass weiter kein abschlussfähiges Angebot vorliegt“, sagte der Gewerkschaftssprecher. Sobald die Bahn schriftlich ein verbessertes Angebot vorlege, sei die EVG bereit, die Tarifverhandlungen wieder aufzunehmen.

Der vierstündige Warnstreik hatte am Morgen um 5 Uhr begonnen. ICE und Intercitys fuhren nicht, auch im Regionalverkehr kam es zu erheblichen Einschränkungen, in einzelnen Bundesländern fuhr kaum ein Zug. Auch die Reisezentren wurden bestreikt. Reisende und Pendler konnten ihre Reisen nicht antreten oder wichen auf das Auto oder andere Verkehrsmittel aus. In der Folge entwickelten sich zum Teil Dutzende Kilometer lange Staus. Der WDR etwa meldete, auf den Straßen des Ruhrgebiets gebe es insgesamt mehr als 400 Kilometer Stau.

Auch nach Beendigung des Warnstreiks wird es nach Angaben der Deutschen Bahn noch während des gesamten Tages zu massiven Einschränkungen im bundesweiten Fernverkehr kommen. Reisen sollten möglichst auf den Dienstag verschoben werden, empfiehlt die Bahn. Fernverkehrstickets behalten ihre Gültigkeit und können bis einschließlich Sonntag (16.12.) genutzt werden.

In mehreren Bundesländern war der Regionalverkehr stark von den Streiks betroffen. In Bayern kam der Zugverkehr fast vollständig zum Erliegen. Nur die Stammstrecke der S-Bahn in München sei in Betrieb, sagte eine Bahnsprecherin am Morgen. Auch in Nordrhein-Westfalen steht der Regionalverkehr weitgehend still. Es würden mehr als zwei Dutzend Stellwerke bestreikt, nur in einigen Landesteilen gebe es vereinzelt noch Zugverkehr, sagte ein Bahnsprecher. Der Warnstreik der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) trifft auch den Südwesten. „Es kommt zu sehr starken Beeinträchtigungen im gesamten Regionalverkehr“, sagte eine Sprecherin der Bahn. „Im badischen Bereich ist der Regionalverkehr momentan mehr oder weniger eingestellt.“

Erhebliche Auswirkungen gibt es auf die Berliner S-Bahn. Hier gab es während des Streiks nur noch etwa ein Drittel des normalen Angebotes, sagte ein Sprecher. „Wir bemühen uns, während des Streiks ein Angebot aufrechtzuerhalten“, teilte das Unternehmen mit. Die Fahrgäste in der Hauptstadt wurden aufgefordert, auf U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse auszuweichen. Die S-Bahn in Berlin gehört zur Deutschen Bahn.

Am Samstag waren die Tarifparteien in Hannover ohne Ergebnis auseinandergegangen. Die EVG nannte ein aus ihrer Sicht zu geringes Lohnangebot des Konzerns für rund 160.000 Beschäftigte als Anlass für die Warnstreiks. Die Bahn sprach hingegen von einer „völlig überflüssigen Eskalation“. Zum Tarifangebot gehörten nach Bahn-Angaben eine Entgelt-Erhöhung von insgesamt 5,1 Prozent in zwei Stufen und eine Einmalzahlung von 500 Euro. Anstelle der zweiten Stufe sollte den Mitarbeitern erneut die Möglichkeit eröffnet werden, mehr Freizeit zu wählen. Dies sollte nach Darstellung der EVG aber erst ab Anfang 2021 möglich sein.

Von Freitag auf Samstag hatte die Bahn die ganze Nacht hindurch mit der EVG sowie separat mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) verhandelt. Beide Gewerkschaften hatten ursprünglich 7,5 Prozent mehr Geld gefordert.

Nach dem Streik zeigt sich die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft wieder gesprächsbereit: „Wir sind bereit, ab morgen am frühen Nachmittag zu verhandeln“, sagte Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba in Berlin. Weitere Warnstreiks seien vorerst nicht geplant.

Ob die Bahn ein neues Angebot vorgelegt habe, wollte Rusch-Ziemba nicht sagen. Als möglichen Verhandlungsort nannte sie Berlin. Die Gewerkschaft hatte die Verhandlungen am Samstag abgebrochen.

Den vierstündigen Warnstreik am Morgen nannte die Gewerkschaft einen vollen Erfolg. Mehre tausend Mitglieder hätten sich beteiligt, sagte Bundesgeschäftsführer Torsten Westphal. „Es gab einen große Bereitschaft, weil es auch einen großen Unmut gab.“ Kritik am Ausmaß des Arbeitskampfes wies er zurück. „Wir halten den Warnstreik für verhältnismäßig.“ Die Aktionen seien zum großen Teil von den Mitgliedern selbst gesteuert worden.

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