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EinzelhandelWozu braucht es heute noch Bio-Märkte?

Bio war einst der Gegenentwurf zur Massenware – heute treiben Supermärkte und Discounter die Branche. Dennoch haben die Fachmärkte auch heute noch einen Nutzen.Kevin Gallant 03.08.2025 - 09:20 Uhr
Die großen konventionellen Handelsketten sind die Treiber des Bio-Umsatz in Deutschland. Foto: Imago

Von der angestaubten Nische zum Milliardenmarkt: Die Bio-Branche verkauft heute nicht mehr nur in Hofläden und Reformhäusern, auch die ganz großen Lebensmitteleinzelhändler sind längst eingestiegen – und entwickelten sich in den vergangenen Jahren zu den Treibern dieser Branche.

Vollsortimenter und Discounter waren 2024 zusammen für einen Anteil von 58 Prozent am Bio-Umsatz von 17 Milliarden Euro verantwortlich. Das zeigt der aktuelle Branchenreport des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Der Blick über die Landesgrenzen offenbart außerdem, dass hier weiteres Potenzial zu erschließen ist. Lag der Pro-Kopf-Umsatz mit Bio in Deutschland vergangenes Jahr bei 191 Euro, lag er in Österreich bei 292, in Dänemark bei 364 und in der Schweiz sogar fast bei 500 Euro.

Aber braucht es dafür überhaupt noch den klassischen Bio-Fachhandel? Immerhin zeigt auch eine Umfrage des Statistikdienstleisters Statista, dass zu den beliebtesten Bio-Marken vor allem jene Eigenmarken von Edeka, Rewe, Netto oder Aldi zählen.

Die Bio Company, ein solcher Fachhändler, will gar nicht in Konkurrenz mit Handelsgiganten wie Lidl oder Aldi stehen, sondern sich lieber auf eigene Stärken konzentrieren. „Wir haben da bei uns im Fachhandel einen ganz eindeutigen Spruch: Wachstum nicht um jeden Preis“, sagt Co-Chefin Daniela Feldt im WirtschaftsWoche-Podcast Chefgespräch und schiebt nach: „Wachstum ist nicht automatisch immer etwas Positives, es kann ja auch zu Einbußen bei Qualität, Service und Nachhaltigkeit führen.“

„Dass Bio heute für nahezu jeden zugänglich ist, ist ein Riesenerfolg“

Um genau diese Kriterien ginge es Händlern wie der Bio Company aber. Echte Nachhaltigkeit sei dort abgebildet, „mit Frische, regionaler Produktion und dem Einkaufserlebnis – bei uns kann man noch ein Gespräch an der Kasse führen“, sagt Feldt. „Wir sind ein Ort für soziale Begegnungen, die Mitarbeiter kennen ihre Kunden teilweise persönlich.“

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Sie glaubt, dass die konventionellen Handelsketten zwar grundsätzlich zum Bio-Gedanken beigetragen haben. „Aber wie nachhaltig ist das Ganze wirklich? Wie nachhaltig kann ein Unternehmen sein, das noch Fleisch der Tierwohlstufe 2 verkauft?“, fragt sie im aktuellen WirtschaftsWoche-Podcast.

Auch Kathrin Jäckel, Geschäftsführerin beim Bundesverband Naturkost und Naturwaren (BNN) sagt: „Dass Bio heute für nahezu jeden zugänglich ist, ist ein Riesenerfolg der Bio-Bewegung.“ Dennoch gibt sie zu bedenken: „Man kann aber die Frage stellen, wie nachhaltig und authentisch das ist, wenn man das in so einem großen Maßstab umsetzt.“ Ziel der Bio-Bewegung sei es immer gewesen, möglichst nahe Wertschöpfungsketten zu haben. „Und ich bezweifle zumindest, dass das die großen Akteure so schaffen wie der Biofachhandel, auch wenn ich nicht in Abrede stellen will, dass sie sich darum bemühen“, erklärt die BNN-Chefin.

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Im Gegensatz zu den großen Handelsriesen könne man in einem kleinen Hofladen jeden Beschäftigten nach dem Käse in der Theke fragen oder nach einer bestimmten Sorte Haferflocken. „Die erzählen die komplette Geschichte, die kennen in der Regel sogar die Leute, die die Waren produzieren“, erzählt Jäckel. „Im Supermarkt gibt es ein Riesensortiment, aber da kann man höchstens fragen, wo ein bestimmtes Produkt ist, mehr nicht.“

Kleine Bio-Händler geraten unter Druck

Dennoch geraten gerade kleinere Bio-Fachgeschäfte oft unter Druck. „Natürlich gibt es hier Herausforderungen“, sagt BÖLW-Chefin Tina Andres. „Die Konzentrationsprozesse im Lebensmittelsektor insgesamt machen es vielen Mittelständlern hier nicht leicht, das erleben auch kleinere Bio-Geschäfte.“

Zwar bieten Bio-Hersteller, die man früher nur aus dem entsprechenden Fachhandel kannte, ihre Waren immer öfter auch im konventionellen Handel an. Marktführer Rapunzel etwa schloss schon vor einiger Zeit eine Kooperation mit Edeka. Doch Tina Andres weiß: „Klassische Bio-Marken haben es nicht per se leicht im Regal der großen Lebensmitteleinzelhändler, weil sie da nicht unbedingt gesucht werden.“

Der Wunsch hinter dem Bio-Gedanken sei es trotzdem immer gewesen, dass er sich auf breiter Fläche durchsetzt, „nicht nur auf dem Acker, sondern auch in der Handelslandschaft“, sagt Andres und schiebt nach: „Dass das nicht nur über die Bioläden funktioniert, war immer klar.“

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