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Lagerfelds Katze Der Kult um Madame Choupette

Um die Birma-Dame herum schneiderte der Modekaiser eine ganz eigene Welt. Quelle: Getty Images

Hunderttausende Abonnenten bei Facebook, Twitter und Instagram machen das Haustier des Modekaisers selbst zu einem tierischen Star. Für sein Auskommen dürfte angesichts eines Millionen-Erbes gesorgt sein.

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Rein theoretisch hätte es auch ein Goldhamster sein können. Oder ein Afghanischer Windhund. Der Münchner Boutiquenbesitzer Rudolf Moshammer führte seinerzeit immerhin gern mal einen zahmen Geparden an der Leine über die Maximilianstraße. Später hielt er sich dann lieber einen Yorkshire Terrier mit dem Namen „Daisy“. Modemacher und die Tiere ihrer Wahl, das ist also ein Kapitel für sich.

Keiner jedoch machte gleich ein ganzes Buch daraus. Und keinem gelang es mit solcher Konsequenz und Professionalität, aus dem eigenen Haustier eine Marke zu machen, einen Ableger zum eigenen Personenkult, wie Karl Lagerfeld. Hamster, Hunde, Geparden – König Karl war für die Katz.

Karl Lagerfelds Wahl fiel mehr oder minder durch Zufall auf eine weiße Katzendame, die, seit sie zu seinem Haushalt gehört, auf den Namen Choupette („Die Süße“) hört. Um die Birma-Dame herum schneiderte der legendäre Modeschöpfer, der am Dienstag im Alter von 85 Jahren in Paris starb, eine ganz eigene Welt. Er machte das Tier zu einer Art Persönlichkeit, verlieh ihm eine eigene Stimme. Und baute für das flauschige Vieh eine Art Puppenstube mit Kammerzofen, Leibwächter und einer angeblichen Lieblingsspeise – Kroketten, drei Sorten jeden Tag, von denen sich das Katzentier eine auszusuchen pflegt.

Alles klug gewählte Zutaten, die vor allem einen Effekt hatten – sie machten den Vierbeiner interessant, und dank der Popularität ihres Herrchens entdeckten immer mehr Modefans Choupette für sich. Sie folgen den Abenteuern der Fashion-Katze auf den sogenannten sozialen Medien, die Lagerfeld in ihrem Namen bespielen ließ. Dort bringt es Madame Katze aktuell immerhin auf 180.000 Abonnenten beim Foto-Album Instagram, 50.700 Follower beim Kurznachrichtendienst Twitter und 46.000 Abonnenten lasen die Trauernachricht vom Dienstag auf dem Choupette-Account bei Facebook.

„Was die weltweite Aufmerksamkeit und ihre Präsenz in sozialen Medien betrifft, kann man Choupette sicher als eine Art Marke sehen“, konstatiert daher Rebecca Robins, Luxus-Marken-Expertin bei der internationalen Markenberatung Interbrand, gegenüber der WirtschaftsWoche. Den Wert dieser Marke allerdings mit einer festen Zahl zu belegen, ihn auf Heller und Pfennig auszurechnen, das sei seriös kaum möglich. Schließlich sei Choupette vor allem im Zusammenhang mit dem gesamten Chanel-Lagerfeld-Kosmos zu sehen. „Und da hängt es sehr davon ab, wie sich dieses ganz spezielle Ökosystem nun entwickelt“, sagte Robins.

Auf ihrem eigenen Instagram-Account trauert Katzen-Dame Choupette um den Modeschöpfer



Ohne Zweifel jedoch dürfte auch Choupette ihren Beitrag dazu geleistet haben, innerhalb des Lagerfeldschen Ökosystems, zu dem neben Chanel vor allem seit mehr als 50 Jahren die Marke Fendi gehörte, den Wert der einzelnen Gewerke zu erhöhen – allein schon dadurch, dass sie den Meister und sein Schaffen menschlich und nahbar erscheinen ließ. Interbrand etwa hatte im vergangenen Jahr allein für die Marke Chanel einen Wert von mehr als 20 Milliarden Dollar errechnet. Damit rangierte das über Jahrzehnte von Lagerfeld als Chefdesigner geprägte Traditionshaus unter den 25 wertvollsten Marken der Welt. Lagerfeld, meint Robins, sei ein echter Visionär gewesen, eine Ikone, ein kreatives Genie. Während viele andere Luxusmarken nach Wechseln an der Unternehmensspitze durch Gipfel und Täler gegangen seien, seien Chanel und Fendi stets aufs engste mit Lagerfelds Können verbunden gewesen: „Lagerfeld stand sowohl für Dauer wie für den Wandel“, sagte Robins der WirtschaftsWoche.

Ob das auch für die in den vergangenen Jahren aufgeblühte Marke gilt, die unter dem Namen des Designers vor allem alltagstaugliche Kleidung wie Sweatshirts, Handtaschen und gar Jogginghosen zu erschwinglicheren Preisen verkauft, wird sich zeigen. Der Vorstandschef von „Karl Lagerfeld“, Pier Paolo Righi, hat jedenfalls noch große Pläne. Statt Lagerfeld selbst, der die kreative Oberhoheit über die Kollektionen und das letzte Wort hatte, soll sich nun der Design-Direktor Hun Kim und die frühere Herausgeberin der französischen „Vogue“, Carine Roitfeld, um die Marke kümmern.

Karl und Choupette Lagerfeld gemeinsam beim Shooting für den einen Opel-Kalender. Quelle: obs

Katze Choupette dürfte dabei auch in Zukunft weiter ihre Rolle spielen. Denn schon heute findet sich das stilisierte Bild der Birma-Dame auf vielen Teilen der Kinder-Kollektion. Auch Sneaker für den Nachwuchs und verspielte Katzenohren auf einem Haarreif gehören dazu. Aber auch für Erwachsene gibt es Shirts, Schmuck und Handtäschchen mit dem Katzen-Logo.

Ob Lagerfelds Liebling in Form von Lizenzeinnahmen am Erfolg der Marke beteiligt ist, ist nicht bekannt. Allerdings dürfte im Hause Choupette das Katzenfutter nicht ausgehen. Angeblich hatte Lagerfeld dem Geschöpf die Einkünfte etwa aus einem früheren Werbevertrag mit dem Autobauer Opel und einem Buch („Choupette: Aus dem Leben einer Katze an der Seite von Karl Lagerfeld") vollständig überlassen. Dazu kommen diverse weitere Einnahmen, etwa aus Lizenzgebühren. Längst gibt es den Stubentiger auch als Steiff-Tier, natürlich in limitierter Stückzahl, zum Preis von 499 Euro. Dies, verrät die Webseite des Stofftier-Herstellers, sei „in Kürze wieder verfügbar“.

Choupette, sagte Lagerfeld daher einmal, sei „ein reiches Mädchen.“ Sie habe ihr eigenes kleines Vermögen. „Wenn mir etwas zustößt, wird die Person, die sich um sie kümmern muss, keine Not leiden.“ Alles für die Katz eben.

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