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Notebooksbilliger.de und Medimax „Ein Laden ist auch nur ein Logistikstandort“

Medimax und Notebooksbilliger.de fusionieren Quelle: imago images

Schlechte Nachrichten für Saturn und MediaMarkt: Der Elektronikhändler Medimax und das Internet-Unternehmen Notebooksbilliger.de schließen sich zusammen, um das Beste aus der Offline- und Online-Welt zu kombinieren.

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Wenn Kunden sich einen Laptop im Laden aussuchen, ihn zur Kasse bringen und mit nach Hause nehmen, nennt Arnd von Wedemeyer das nur „picking“ und „packing“. Und ihn fasziniert, dass Kunden diese Arbeit quasi „kostenlos“ übernehmen, sagt der Gründer und Chef des Online-Elektronikhändlers Notebooksbilliger.de. Denn bei einem Onlineshop müssten Mitarbeiter die Waren raussuchen (picking) und für den Versand fertigmachen (packing). Das erhöht die Betriebsausgaben.

Der Manager denkt daher schon lange drüber nach, die Kosten zu senken. Deswegen hat er seinen 2001 gegründeten Onlineshop Notebooksbilliger.de bereits 2010 in ein Storekonzept in München übersetzt. Erst vergangenen Samstag hat das Unternehmen in Stuttgart seinen fünften Laden eröffnet. Nun sollen es auf einen Schlag 125 Läden werden. Möglich machen soll das ein Joint Venture mit der stationären Handelsmarke Medimax.

Der Fachmarkt für Unterhaltungs- und Haushaltselektronik wurde 1988 gegründet und ist Teil der Unternehmensgruppe Electronic Partners mit Sitz in Düsseldorf, die 2017 einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro erwirtschaftet hat. Noch muss das Kartellamt über den Zusammenschluss entscheiden. Sollte das in den nächsten zwei Monaten gelingen, bekommen Saturn und Mediamarkt mächtige Konkurrenz. Denn beide Unternehmen wollen ihre Stärken bündeln. Mediamax ist mit zahlreichen Filialen in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Sachsen, Thüringen und Berlin stark vertreten. Notebooksbilliger.de gilt als eine der führenden Webshops für Computerzubehör.

Von Wedemeyer sieht der Zusammenarbeit daher mit großer Begeisterung entgegen. „Wir können den kundenzentrierten Ansatz im Handel ganz neu denken.“ Michael Haubrich, Vorstand und Vertreter der Medimax-Eigentümerfamilie, sagt: „Wir können unsere Kunden nun noch professioneller über die digitalen Kanäle adressieren und in Sortimentsbereichen unterstützen, in denen sich der Onliner bisher eher schwergetan hat.“ Sprich: Der Kunde soll besseren Service und eine größere Auswahl bekommen.

Damit folgen die beiden Unternehmen einem Trend, der vor wenigen Jahren noch undenkbar schien: Junge IT-Firmen mit digitalem Geschäftsmodell finden plötzlich Interesse an Traditionsunternehmen mit bundesweitem Filialgeschäft. Während die herkömmlichen Händler über weniger Kundschaft und hohe Mieten stöhnen, drängen leise aber sicher ehemals digitale Unternehmen wie Modehändler Edited, Nahrungsmittelhersteller Mymuesli und Onlineoptiker Mister Spex in die Innenstädte.

Im künftigen Gemeinschaftsunternehmen, für das noch ein Name gesucht wird, soll es etwa keine Preisunterschiede zwischen Onlineshop und Ladenlokal geben – was heute noch häufig vorkommt. „Das ist zwar technisch aufwendig“, sagt von Wedemeyer, aber eine Zusammenführung der Prozesse zwischen dem datengetriebenen Onlinehandel und dem traditionellen Einzelhandel sei in jedem Fall in mehreren Monaten möglich. „Hausaufgaben machen“, nennt er das. „Wir wollen auf keinen Fall mit der Brechstange dran gehen“, sagt er. Die Arbeitsplätze der 900 Angestellten von Notebooksbilliger.de und 2000 Angestellten von Medimax sollen erhalten bleiben. Ziel sei es vielmehr, die Märkte „zielgerichteter und effizienter“ zu gestalten werden.

Vor allem ist sich von Wedemeyer sicher, dass sein Online-Unternehmen von den Vorteilen des stationären Handels profitieren kann. „Wir müssen das Problem der letzten Meile lösen“, sagt er. Er meint damit, dass Kunden nach der Auswahl ihres Produkts möglichst schnell und bequem beliefert werden – oder es eben selbst im Geschäft abholen können. Dafür ist ein ausgebautes Ladennetz sinnvoll.

„Läden kann hier eine ganz neue Funktion zukommen“, sagt der Manager. „Statt nur für die Kunden erreichbar zu sein, kann es gleichzeitig als Logistikstandort fungieren“, sagt er. Vielleicht gibt es dann neben den normalen Shopping-Besuchern in Zukunft auch professionelle Einkäufer, die das „picking“ und „packing“ an Hand der Onlinebestellung übernehmen – wie es etwa bereits das Möbelhaus Ikea schon anbietet. Der Kunde muss dann nur noch zur Warenausgabe kommen und bezahlen.

Auch wenn die Details zur Umgestaltung noch unklar sind. Das wirtschaftliche Ziel ist gesetzt: Bis 2019 will die künftige Doppelspitze von Wedemeyer und Haubrich einen Umsatz von zwei Milliarden Euro erreichen. Dabei hat Notebooksbilliger.de selbst erst 2017 die Milliarden-Umsatz-Marke geknackt. Auch wenn der Umsatz von Medimax nicht publik gemacht wird, verrät von Wedemeyer: „Das Ziel zu erreichen, wird auf jeden Fall ein starkes Stück Arbeit.“

 

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