Preisindex Lebensmittel: UN: Weltweite Preise für Lebensmittel erneut etwas gesunken
Trotz höherer Preise für Getreide und Reis haben sich Lebensmittel weltweit wieder etwas verbilligt.
Foto: imago imagesDer globale Preisindex der Vereinten Nationen (UN) sank im September den sechsten Monat in Folge und entfernte sich damit weiter von den Rekordwerten nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine, wie die UN-Ernährungsorganisation FAO am Freitag mitteilte. Ihr Preisbarometer, das die weltweit am meisten gehandelten Lebensmittel erfasst, sank auf durchschnittlich 136,3 Punkte, nach revidiert 137,9 Zählern im August. Im März hatte es nach Beginn des Ukraine-Kriegs den Höchstwert von 159,7 Zählern erreicht. Seitdem fiel der Index, lag aber im September noch immer 5,5 Prozent höher als im Vorjahr.
Ausschlaggebend für die jüngste Entwicklung war ein Rückgang beim Preis für Pflanzenöl um 6,6 Prozent zum Vormonat, wobei das gestiegene Angebot und die niedrigeren Rohölpreise zu diesem Rückgang beitrugen. Durch den Ukraine-Krieg und daraus resultierenden Hamsterkäufen entstand in deutschen Supermärkten eine unverhältnismäßig hohe Nachfrage nach Speiseöl. Die Ukraine selbst ist von einer starken Nahrungsmittelknappheit betroffen. In den jüngst zurückeroberten Gebieten um Charkiw in der Ukraine sind nach UN-Schätzungen rund 140 000 Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die meisten hätten kaum Zugang zu Nahrungsmitteln, Wasser, Gas, Strom und medizinischer Versorgung.
Die Preise für Zucker, Molkereiprodukte und Fleisch sanken alle um weniger als einen Prozentpunkt, was den Inflationsdruck verringerte. Im Gegensatz dazu kletterte der FAO-Preisindex für Getreide von August auf September um 1,5 Prozent, wobei die Weizenpreise um 2,2 Prozent stiegen. Grund dafür sind den Angaben zufolge die Sorge um Trockenheit in Argentinien und den USA, starke EU-Exporte und die erhöhte Unsicherheit über den Zugang zu den ukrainischen Schwarzmeerhäfen nach November.
Die Vereinten Nationen hatten im Ukraine-Krieg zusammen mit der Türkei bereits erfolgreich zwischen Russland und der Ukraine verhandelt – vor allem bei dem Deal zur Ausfuhr von Millionen Tonnen Getreide aus der Ukraine über das Schwarze Meer. Der Kreml teilte zu dem Telefonat mit, beide Seiten seien sich einig, dass das ukrainische Getreide vor allem in die ärmeren Länder Afrikas, Lateinamerikas und des Nahen Ostens geliefert werden sollte. Russland kritisiert, dass angeblich ein großer Teil der Ausfuhren in Europa landet. Ein zweiter Moskauer Kritikpunkt ist, dass es immer noch Barrieren gegen russische Exporte von Getreide und Düngemitteln gebe. Die UN wollen den Ende Juli auf vier Monate abgeschlossenen Getreide-Deal verlängern. Gleichzeitig mit der Einigung war damals eine Vereinbarung mit Russland über die Erleichterung der Ausfuhren von Getreide und Dünger unterzeichnet worden. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte vergangene Woche damit gedroht, die Vereinbarung auch angesichts der eingeschränkten russischen Ausfuhren wieder platzen zu lassen.
Die Perspektiven für die Weltwirtschaft trüben sich immer mehr ein. IWF-Chefin Kristalina Georgiewa kündigte am Donnerstag in Washington an, die Prognose für das Wachstum 2023 erneut senken zu müssen. „Wir erleben eine fundamentale Veränderung der globalen Wirtschaft.“ Sie werde unberechenbarer, schwankungsanfälliger und stärker geprägt von geopolitischen Spannungen. Europa sei besonders stark von den Folgen des russischen Angriffs auf die Ukraine betroffen.
Im Juli 2022 zeigte eine Umfrage in Deutschland, dass fast jeder Händler für Nahrungs- und Genussmittel plant, seine Preise anzuheben. Bislang blieb der große Run auf die Billiganbieter jedoch aus. Mehr als eine Million Menschen in Deutschland versorgen sich nach einer Umfrage auch an Tafeln mit Lebensmitteln. Derzeit gehen die Tafeln selbst sogar von deutlich höheren Zahlen aus. Hintergrund sind der Krieg in der Ukraine und steigende Preise.
Die Preise für Reis stiegen derweil um 2,2 Prozent. Dies sei auf Auswirkungen der jüngsten schweren Überschwemmungen in Pakistan zurückzuführen. Aktuell stecken außerdem hunderttausende Tonnen Reis in indischen Häfen fest. Indien exportiert Reis in mehr als 150 Länder. Jede Verringerung der Lieferungen kann die Lebensmittelpreise weiter in die Höhe treiben, die aufgrund von Dürre, Hitzewellen und der russischen Invasion in der Ukraine bereits sehr stark steigen.
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