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Rewe, Edeka und das Kartellamt Worum es im Fall Tengelmann wirklich geht

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Kritik am Kartellamt und die Sieger des Streits

Bekommt das Kartellamt keinen Gegenwind?

Oh doch. Zwar teilen viele Branchenkenner und Politiker die Einschätzung, dass die wachsende Macht der großen Lebensmittelhändler in der Branche zum Problem wird. Für Andere überspannt die Kartellbehörde beim Umgang mit Kaiser’s Tengelmann und dessen 0,6 Prozent Marktanteil den Bogen jedoch. Dass sich die Fusionskontrolle ausschließlich auf den Erhalt des deutschen beziehungsweise regionalen Wettbewerbs konzentriert, ruft ebenfalls Kritik hervor. Denn dem Kartellamt ist vorerst egal, ob die Unternehmen profitabel arbeiten oder Verlustbringer sind, ob Arbeitsplätze erhalten werden oder verloren gehen, ob die potentiellen Fusionspartner allein eine Chance gegen ausländische Wettbewerber haben. Die Behörde sichert vorrangig die bestehende Machtstruktur.

Was sagen die Arbeitnehmer zu den Plänen?

Die Betriebsräte und Gewerkschafter bei Tengelmann sind im Zwiespalt. Einerseits befürchten sie drastische Einschnitte und Schließungen, sollte das Kartellamt die Fusion kippen. Andererseits sind sie auch von der Übernahme wenig angetan. „Edeka steht für Filial-Privatisierungen, was mit Tarifflucht und Aushebelung der Mitbestimmung einhergeht“, kritisierte die Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Kaiser’s-Tengelmann, Janetta Jöckertitz, in der Verdi-Zeitung „Publik“. Mitte März war auch Verdi-Chef Frank Bsirske bei einer Betriebsversammlung  dabei. Er soll sowohl mahnende Worte für die Führungsspitze der Unternehmen als auch für das Kartellamt gefunden haben und forderte, das Genehmigungsverfahren mit einer Prüfung tariflicher Standards zu verbinden.

Warum tut sich Edeka das Gefeilsche überhaupt an?

Zusammen mit dem konzerneigenen Billigheimer Netto Markendiscount hat Edeka ein Netz von rund 11.600 Märkten über Deutschland gespannt. Beim Flächenwachstum hat Edeka damit wohl die Grenze erreicht. Zusätzliche Märkte lassen sich in Deutschland kaum eröffnen, ohne bereits bestehenden Filialen Kunden abzujagen. Da kämen die bestehenden Tengelmann-Filialen vor allem in München und Berlin gerade recht, zumal Edeka keine Chance hat, kurzfristig Wachstum im Ausland zu generieren – anders als die Wettbewerber. So ist die Kölner Rewe-Gruppe mittlerweile in 16 Ländern aktiv.

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Der Düsseldorfer Metro-Konzern erzielt rund 60 Prozent des Umsatzes jenseits der deutschen Grenzen. Edeka ist dagegen nur in Deutschland aktiv. Eine internationale Aufholjagd wäre für den Konzern ungleich aufwendiger als mithilfe von Tengelmann zu wachsen. Das hätte sogar einen schönen Nebeneffekt: Denn mit der geplanten teilweisen Weitergabe der Kaiser’s-Tengelmann-Länden an erfolgshungrige Edeka-Kaufleute könnte Mosa bei seiner genossenschaftlich organisierten Basis punkten.

Wer sind die Gewinner des Gezänks?

Untersagt das Kartellamt die Fusion, punktet Edekas Wettbewerber Rewe. Legt die Behörde kein Veto ein, zählen Haub und Mosa zu den Gewinnern. In jedem Fall dürften die beteiligten Kartellrechtler als finanzielle Sieger vom Platz gehen. Sowohl Tengelmann als auch Rewe haben angekündigt, gegen die Entscheidung des Kartellamtes zu klagen, sollte sie zu ihren Ungusten ausgehen. Die Juristen von Edekas Stammkanzlei White&Case und ihre Gegenspieler bei der Rewe-Kanzlei Freshfields dürften also noch etliche Beratungsstunden abrechnen können.

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