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Spirituosenkonzern Pernod RicardZollsturm im Cognacglas

Beim französischen Spirituosen-Urgestein Pernod Ricard zeigt sich die Kehrseite des Protektionismus. Liebhaber von Cognac, Whisky und Absinth könnten das bald zu spüren bekommen.Sebastian Schug 06.02.2025 - 16:38 Uhr

Marken des Spirituosenkonzerns Pernod Ricard.

Foto: REUTERS

US-Präsident Donald Trump hat mit seinem Amtsantritt eine neue Welle von Handelskonflikten ausgelöst. Für Pernod Ricard, den Spirituosenhersteller hinter Marken wie Ramazotti, Jameson, Absolut und Martell, begann das Unheil allerdings schon im vergangenen Jahr. Als Vergeltung für EU-Zölle auf Elektroautos verhängte China Einfuhrzölle auf europäischen Brandy. Wie sich jetzt zeigt, hat dieser Schuss getroffen.

Schaut man sich die Zahlen für das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2025 an, wird deutlich, wie gezielt Peking die französischen Exporteure ins Visier genommen hat. Der Konzernumsatz in China ist im Vergleich zum Vorjahr um ein Viertel eingebrochen. Neben den Zöllen macht sich aus Sicht des Unternehmens auch die schlechte Wirtschaftslage in der Volksrepublik bemerkbar. So gebe es erste Anzeichen, dass die Umsätze rund um das chinesische Neujahrsfest hinter den Erwartungen zurückbleiben, weil die Chinesen weniger verschenken.

Aber warum Frankreich? Die Franzosen hatten sich in der EU vehement für die Strafzölle eingesetzt, um ihre Autoindustrie zu schützen. Das zeigt, dass Zollpolitik nicht nur bei Trump hoch im Kurs steht. Pernod Ricard und Konkurrent Remy Cointreau sind die Leidtragenden. Und mehr Unsicherheit zieht bereits am Horizont herauf, diesmal aus westlicher Richtung.

Zollkrieg überall

Es klingt wie eine Nachricht aus dem Jahr 2018: Die USA beginnen einen Handelskrieg mit Kanada und Mexiko. Sechs Jahre später wiederholt sich das Schauspiel und die Spirituosenhersteller könnten erneut unter die Räder kommen. Sollte das derzeit geltende einmonatige Moratorium ohne Einigung zwischen den USA und Kanada auslaufen, plant der kanadische Premierminister Justin Trudeau unter anderem Strafzölle auf Whisky. Damit sollen vor allem republikanisch regierte US-Bundesstaaten getroffen werden.

Die Branche in Nordamerika ist in Aufruhr. In einer gemeinsamen Erklärung wenden sich Kanadier, US-Amerikaner und Mexikaner an die Trump-Administration: „Seit den 1990er-Jahren ist der Handel mit Spirituosen in Nordamerika weitgehend zollfrei, was zu einem erheblichen Wachstum geführt hat. Der Handel mit Spirituosen zwischen den USA und Kanada stieg um 147 Prozent, während der Handel zwischen den USA und Mexiko um 4080 Prozent zunahm“, heißt es in dem Statement. Das zeige, wie wichtig gemeinsame Anstrengungen für die Schaffung von Arbeitsplätzen und wirtschaftliche Stabilität seien.

Die Europäer dürften das mit Argusaugen beobachten. Denn Trump hat bereits deutlich gemacht, dass auch die Verbündeten auf dem alten Kontinent wieder Ziel von Handelsbarrieren werden sollen. Strafzölle gegen Europa „werden definitiv kommen“, versprach er. Vor allem Scotch gehört zu den gefährdeten Produkten. Kein Wunder, dass die US-Großbank Goldman Sachs gleich vier europäische Spirituosenhersteller auf ihrer Liste der zollsensiblen Aktien führt. Neben Pernod Ricard und Remy sind dies die britische Diageo und die italienische Campari-Gruppe.

Zölle gegen US-Handelspartner

Während Mexiko und Kanada hoffen, kontert China bereits

Diese Risiken sind an der Börse bekannt, wie der MSCI-Index für die europäische Getränkeindustrie zeigt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Branche im Vergleich zum europäischen Gesamtmarkt liegt derzeit auf dem Niveau der Finanzkrise von 2009. Auch in absoluten Zahlen ist der Branchenindex auf Pandemieniveau zurückgefallen.

Pernod Ricard hat zu diesem Bild deutlich beigetragen. Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten ein Drittel ihres Wertes verloren und notiert aktuell bei 105 Euro. Zwar trauen Bankanalysten der Aktie laut Bloomberg im Durchschnitt einen Anstieg auf 126 Euro zu, doch dieser Zielkurs ist seit über einem Jahr auf Talfahrt. Von 25 befragten Experten empfehlen nur neun die Aktie zum Kauf, mehr als die Hälfte zum Halten und drei zum Verkauf.

Die Unsicherheit auf dem weltweit wichtigsten Markt, den USA, dürfte das Unternehmen und seinen Kurs noch einige Zeit belasten. Es sei denn, Donald Trump ändert seine Haltung zum Protektionismus. Das ist unwahrscheinlich, aber es wäre nicht die erste Kehrtwende des US-Präsidenten.

Lesen Sie auch: Bitcoin, Aktien, Anleihen: Wie Trumps Zölle jetzt die Märkte erschüttern

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