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Vermisster Tengelmann-ChefFamilie geht von Tod Karl-Erivan Haubs aus

Als Tengelmann-Chef Haub am vergangenen Samstag nicht von einer Skitour zurückkehrt, muss das Schlimmste befürchtet werden. Nach sechs Tagen Suche gibt die Familie die Hoffnung auf, den 58-Jährigen lebend zu finden. 13.04.2018 - 16:57 Uhr

An der Gondelstation "Goldener Steg" sendete das Smartphone des Managers das letzte Signal.

Foto: AP

Der in den Alpen vermisste Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub wird nach Einschätzung seiner Familie wohl nicht mehr lebend gefunden. Es bestehe keine Überlebenswahrscheinlichkeit mehr, teilte Tengelmann im Namen der Angehörigen mit. Die Formulierung in der Pressemitteilung klingt technisch, aber der Unterschied ist bedeutend: Es werde „mit dem heutigen Tage die Überlebendensuche auf eine Bergungssuche umgestellt“. „Dieses Unglück ist sowohl für die Familie Haub als auch das gesamte Familienunternehmen eine furchtbare und für alle unfassbare Tragödie“, sagte Tengelmann-Sprecherin Sieglinde Schuchardt.

In einem Brief wandte sich Christian Haub, der zusammen mit seinem vermissten Bruder das Unternehmen führt, an die Mitarbeiter: „Auch wenn wir die Hoffnung nicht aufgegeben haben, ihn zu finden, müssen wir uns inzwischen leider auf das Schlimmste einstellen“, heißt es in dem Schreiben. „Ihnen dies sagen zu müssen, fällt mir sehr schwer, denn mir ist sehr bewusst, dass auch Sie der Situation fassungslos und persönlich betroffen gegenüberstehen.“

Sorgen wolle Christian Haub den Mitarbeitern aber nehmen: „Unser Familienunternehmen ist solide aufgestellt und verfügt über ein stabiles und erfahrenes Führungsteam.“

Karl-Erivan Haub

Tragödie am Matterhorn

von Henryk Hielscher

Polizeisprecher Mathias Volken von der Kantonspolizei Wallis bestätigt die Entscheidung der Familie, zu einer Bergungssuche überzugehen. „Die Familie muss nun mit den Rettungskräften vor Ort schauen, wie diese Suche gestaltet wird“, sagte er. Eine Bergungssuche unterscheidet sich von einer Suche nach Überlebenden vor allem in Bezug auf das Risiko, das die Retter eingehen. „Wir waren in den vergangenen Tagen sicher oft am Limit unterwegs“, sagte der Zermatter Rettungschef Anjan Truffer. „Jetzt ist der Zeitdruck weg. Wenn das Wetter schlecht ist, riskiert man nichts. Dann wartet man, bis die Lage sich gebessert hat.“

Bei einer Bergungssuche kommen auch nur noch vereinzelt Hubschrauber zum Einsatz, etwa um Suchtrupps in abgelegene Regionen zu transportieren. „Wir haben das gesamte Gebiet ja bei inzwischen bestem Wetter mehrmals abgeflogen und keine Spur gefunden“, sagte Truffer. „Man muss jetzt eher in die Tiefe gehen.“ Beispielsweise würden weitere Gletscherspalten in Augenschein genommen. Die größten waren in den vergangenen Tagen bereits abgesucht worden. Dabei haben sich Retter unter teils prekären Bedingungen in die Spalten abgeseilt und mit Taschenlampen und Lawinensuchgerät nach Lebenszeichen geschaut.

Die Suche nach dem vermissten Tengelmann-Chef bleibt weiterhin erfolglos. Der bei einem Skiausflug spurlos verschwundene Haub habe nur noch minimale Überlebenschancen, so Bergretter. Schlechte Wetterbedingungen erschweren die Suche.

Die Air Zermatt, die die Rettungseinsätze rund um den Skiort koordiniert, habe ein Kernteam von 14 Spezialisten. Rund 50 weitere Berufsbergführer stünden aber stets auf Abruf bereit, so Truffer. Aus dieser Gruppe könnten in Absprache mit der Familie, die den Einsatz finanziert, nun kleinere Suchtrupps zusammengestellt werden.

Haub war am vergangenen Samstagmorgen allein zu einer Skitour am Klein Matterhorn in der Schweiz aufgebrochen und am Nachmittag nicht wie verabredet in ein Hotel in Zermatt zurückgekehrt. Mit einer Seilbahn war der Manager am Morgen zur Bergstation gefahren, die auf 3820 Metern liegt. Von dort aus gibt es Abfahrten Richtung Zermatt und Italien. In welche Richtung er aufbrach, ist unbekannt. Gegen 8.30 Uhr sendete sein Handy das letzte Signal. Seine Spur verlor sich.

Die Familie hatte am nächsten Morgen Alarm geschlagen und den Rettern unbegrenzte finanzielle Mittel für die Suche zur Verfügung gestellt. Die gestaltete sich vor allem wegen des Wetters schwierig. Zeitweise waren 60 Rettungskräfte auch mit Hubschraubern in dem schwierigen Terrain auf beiden Seiten der Grenze im Einsatz. In der Region gibt es Tausende Gletscherspalten, teils Hunderte Meter tief. Bereits nach vier Tagen sah der leitende Rettungsarzt Axel Mann nur noch eine minimale Überlebenschance. Haub war nur leicht bekleidet. Er wollte für ein Skirennen trainieren.

dpa
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