775 Jobs bleiben erhalten: Käufer für Lilium gefunden
Das Start-up-Unternehmen Lilium hat in den vergangenen Jahren ein elektrisch betriebenes Kleinflugzeug entwickelt, das senkrecht startet und landet.
Foto: imago imagesDie Nachrufe für den Elektro-Flugzeugbauer Lilium waren schon verfasst. Auch das Start-up selbst hatte bereits angekündigt, den Geschäftsbetrieb einzustellen, und allen 1000 Mitarbeitern gekündigt. Doch im Hintergrund liefen die Verhandlungen weiter. In der Nacht zum 24. Dezember gab es nun einen Durchbruch: Statt der geplanten Abwicklung wird Lilium nun doch übernommen, der Großteil der Jobs bleibt erhalten.
Käufer ist nach Informationen der WirtschaftsWoche die MUC Mobile Uplift Corporation, hinter der ein Investoren-Konsortium steht. 775 Arbeitsplätze sollen durch den Deal nun zunächst gerettet werden. Der Käufer will offenbar das im Sanierungsverfahren entwickelte Managementkonzept umsetzen.
Alle Hebel in Bewegung gesetzt
Lilium hatte Ende Oktober für die beiden wichtigsten operativen Tochtergesellschaften einen Insolvenzantrag gestellt, wenig später meldete auch die börsennotierte Muttergesellschaft Insolvenz an. Das Amtsgericht Weilheim gab einem Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung statt und bestellte den Rechtsanwalt Ivo-Meinert Willrodt von der Kanzlei Pluta zum vorläufigen Sachwalter. Zudem wurden die Restrukturierungsjuristen Thorsten Bieg und Gerrit Hölzle, beide Partner der Kanzlei Görg, für das Sanierungsverfahren neu in die Geschäftsführung berufen.
Bieg und Hölzle steuern seither die operative Sanierung von Lilium und setzten in den vergangenen Tagen gemeinsam mit den Beratern von KPMG alle Hebel in Bewegung, um doch noch eine Lösung zu finden – am Ende mit Erfolg.
Das Start-up-Unternehmen hat in den vergangenen Jahren ein elektrisch betriebenes Kleinflugzeug entwickelt, das senkrecht startet und landet. Der erste bemannte Flug war zuletzt für Anfang 2025, die erste Auslieferung an Kunden für 2026 geplant.
Kunden und Kapitalanleger haben in das Unternehmen bereits 1,5 Milliarden Euro investiert.
Einen Antrag auf eine Kreditbürgschaft des Bundes in Höhe von 50 Millionen Euro für einen KfW-Kredit hatte die Regierungskoalition in Berlin im Oktober aber abgelehnt. SPD und FDP waren zwar mehrheitlich dafür, die Grünen jedoch dagegen. Daraufhin waren auch die Vereinbarungen mit dem Freistaat Bayern, der ebenfalls für 50 Millionen Euro bürgen wollte, gescheitert und Lilium musste Insolvenz anmelden.
Durch den Verkauf ist die Gesellschaft dem Vernehmen nach nun nachhaltig finanziert, um die Entwicklung des Elektro-Jets weiter voranzutreiben.
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