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Clemens Tönnies Von der Schlachtbank zum Fanblock

Seite 2/7

Die anständigen Schlachter

Das Fleischimperium des Clemens Tönnies

Meinen Sie den Sachverstand aus einer Branche mit kaum zu überbietendem Schmuddelimage, in der es ständig Theater wegen übler Zustände in den Ställen und Keimen und Tiermisshandlungen gibt?

Einspruch. Es gibt nicht ständig Theater. In Deutschland wird Fleisch mit hervorragender Qualität hergestellt...

...und zu solch niedrigen Preisen, dass die Nachfrage nach Fleisch und die Zahl der Skandale ständig steigen.

Die Zeiten des Immer-weiter-So gehen auch in der Fleischbranche vorbei. Wir haben schon vor 20 Jahren unsere Philosophie total geändert. Als wir dieses Unternehmen 1992 angefangen haben, da haben wir uns gesagt: Wir müssen transparent sein. Seitdem haben wir mehr als 100.000 Besucher durch alle Betriebsteile geführt. Wir haben uns intensiv um den Tierschutz gekümmert und dafür gesorgt, dass die Akzeptanz der Massentierhaltung beim Verbraucher erhalten bleibt oder sich sogar verbessert.

Wie bitte? Die Fleischbranche stand doch selten so am Pranger wie in den vergangenen beiden Jahren.

Zu Unrecht. Und das dürfen wir uns auch nicht gefallen lassen. Vieles was wir in unserem innerbetrieblichen Regime tun können, haben wir getan. In unserem Betrieb sind jetzt gerade vielleicht 5000 Schweine. Da herrscht Ruhe. Da wird nicht getrieben, nicht geschlagen. Natürlich kann man über den Weg diskutieren, an dessen Ende die Tötung eines Schweins steht. Wichtig ist aber: Wenn wir dem Tier das Leben nehmen, dann so schonend und anständig wie möglich.

Anti-Fleisch-Bücher wie „Anständig essen“ oder „Tiere essen“ sehen das anders.

Das mag sein. Die Fleischbranche steht aber nicht pauschal unter Beschuss. Man muss genau hinsehen. Wir leisten unseren Teil für das Tierwohl, können uns aber auch immer weiter verbessern.

Wieso sorgen Sie mithilfe Ihrer Nachfragemacht nicht dafür, dass sich Ihre Zulieferer, die Mäster und Ferkelzüchter, besser an die Tierschutzvorschriften halten?

Das tun wir doch. Und die halten sich auch an Vorschriften. Wir haben ja keine eigenen Ställe. Dieser Betrieb hier in Rheda wird von mehr als 18.000 Bauern im Umkreis von 100 Kilometern beliefert, kleinbäuerlich strukturiert, Familienunternehmen, richtig gute Leute. Trotzdem mussten wir dem einen oder anderen beibringen, dass er Lebensmittel produziert und nicht irgendetwas irgendwo abliefert...

...und dann kommen die Fuhrwerker auf die Höfe und transportieren die Tiere wie leblose Ware im Anhänger ab.

Aber nicht mit uns! Wir haben auch die Bedingungen bei Tiertransporten deutlich verbessert. Wir sagen dem Lieferanten haargenau, wie ein Tiertransporter auszusehen hat, sonst braucht er gar nicht bei uns auf den Hof zu fahren: von der Lüftung über Tränken bis hin zu Ladeflächen und Transportdauer.

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