Dow Chemical und DuPont: Wie BASF von der Fusion profitieren will
Rund um ihre Pflanzenschutzlabors im hessischen Lampertheim züchten BASF-Forscher Erdbeeren, Kürbisse, und Mais. Und machen damit Werbung: Auf einem Maisfeld wachsen kleine, blasse Pflanzen, auf dem anderen kräftigere. Der blasse Mais ist unbehandelt, der andere wird von BASF-Chemie geschützt, verraten Schilder vor den Feldern. Die Botschaft ist deutlich: Mit unseren Pflanzenschutzmitteln gedeiht der Mais, wird größer, prächtiger und bringt mehr Nahrung.
Nur große Konzerne können die Weltbevölkerung ernähren – die These gilt als wichtiges Argument für die gewaltigen Übernahmen in der Branche: Bayer will Monsanto für mehr als 60 Milliarden Dollar übernehmen, die US-Konzerne Dow Chemical und DuPont wollen sich zusammenschließen. Und ChemChina möchte für 47 Milliarden Dollar die Schweizer Syngenta kaufen.
Nur BASF bleibt bislang abseits. Vorstandschef Kurt Bock verkauft das als Strategie. Sein Plan: BASF soll kaufen, was die Konkurrenz auf Druck der Kartellwächter bei ihren Fusionen abstoßen muss. Intern sondieren die BASF-Manager, was für sie abfallen könnte. Noch hat der Aufsichtsrat keine konkreten Angebote besprochen, erfuhr die WirtschaftsWoche aus Unternehmenskreisen.
Die Monsanto-Forscher sind überzeugt von dem, was sie tun. Besonders eifrige Mitarbeiter haben die hehren Ziele sogar schriftlich festgehalten: Mehr Nachhaltigkeit und höhere Produktivität für die Bauern dieser Welt.
Foto: WirtschaftsWocheIn seinen Laborräumen experimentiert Monsanto mit Mikroben. Dabei wird das Saatgut mit Pilzsporen behandelt, damit gelangt mehr Phosphor in die Wurzeln der Pflanzen. Der Landwirt muss dann weniger düngen. Wenn es denn alles so funktioniert.
Foto: WirtschaftsWocheJay Silverman, Biologe und IT-Spezialist, arbeitet seit fünf Jahren für Monsanto. Er untersucht das Saatgut von Pflanzen, ob es über eine geeignete DNA verfügt, um widerstandsfähigere und ertragreichere Pflanzen zu bilden.
Foto: WirtschaftsWocheIn speziellen Wachstumskammern züchten die Monsanto-Forscher Pflanzen unter verschiedenen klimatischen Bedingungen. Temperatur und Luftfeuchtigkeit können automatisch eingestellt werden.
Foto: WirtschaftsWocheUm Schadinsekten zu töten, schleusen die Monsanto-Forscher in Sojapflanzen entsprechende Proteine ein. Die Sojapflanze ganz oben wurde allerdings nicht mit einem Protein behandelt, die Insekten hatten leichtes Spiel.
Foto: WirtschaftsWocheUm Platz zu sparen, hat Monsanto 36 neue Gewächshäuser auf dem Dach seines Forschungszentrums errichtet. Die Einweihung war im November. Nachts leuchten die Gewächshäuser im Dunkeln.
Foto: WirtschaftsWocheJedes einzelne Gewächshaus ist ungefähr so groß wie ein Handballfeld. Hier werden unter anderem neue Pflanzenschutzmittel für Mais getestet. Licht, Temperatur und Belüftung können variiert werden.
Foto: WirtschaftsWocheMonsanto-Manager Ed Fischer erklärt die nächsten Versuche. Künftig sollen die Monsanto-Manager noch enger zusammenarbeiten. Über eine Brücke sind die Gewächshäuser mit den Laborräumen verbunden.
Foto: WirtschaftsWocheEin Teil im neuen Gewächshaus-Komplex ist für Bienen reserviert. In diesem Fall will Monsanto den Bienen sogar helfen. Der US-Konzern testet ein neues Verfahren, um einen gefährlichen Parasit, die Varroa-Milbe, unschädlich zu machen. Die Milbe soll hauptverantwortlich für das Bienensterben sein.
Foto: WirtschaftsWocheErbgutschnipsel, vermischt mit Zuckerwasser, sollen den gefährlichen Bienen-Parasiten zur Strecke bringen. Statt Gifte wollen die Monsanto-Forscher künftig Biomoleküle versprühen, um gefährliche Schadinsekten auszuschalten.
Foto: WirtschaftsWocheMonsanto-Manager Mike Stern will die Digitalisierung der Landwirtschaft vorantreiben. Satelliten überwachen Felder, Sensoren werten Daten zu Pflanzen und Böden aus. Algorithmen werten die Informationen aus. Und am Ende teilen sie den Bauern mit, wo auf ihren Feldern sie wieviel Saatgut, Dünger oder Pflanzenschutzmittel einsetzen sollen.
Foto: WirtschaftsWocheGefahrstufe Rot: Das iPad zeigt den Umriss einer Farm in Green Valley im US-Bundesstaat Illinois. An den roten Stellen sollen die Bauern mehr Saatgut und Pflanzenschutzmittel verwenden. Von seinem Digitalprojekt verspricht sich Monsanto ein großes Geschäft. Bislang nutzen die meisten Bauern allerdings bloß die kostenlose Basisversion.
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Doch die Spannung steigt. Gleich zu Beginn dieser Woche hat die EU-Kommission den Zusammenschluss der US-Konzerne DuPont und Dow Chemical genehmigt, allerdings unter Auflagen. Als nächstes steht die Prüfung der Übernahme der Schweizer Syngenta durch ChemChina an. Die kartellrechtliche Freigabe der Übernahme von Monsanto durch Bayer soll Ende 2017 folgen.
Durch Resteverwertung zum Erfolg – geht Bocks Plan auf? Der Konzern steht unter großem Druck. Durch die Fusionen rutscht BASF auf einen abgeschlagenen Platz vier auf der Weltrangliste. Und wenn sich das Unternehmen nicht verstärkt, dann könnte der Abstand schnell noch größer werden.
Schon im vergangenen Jahr sollen die Ludwigshafener den Kauf des US-Pflanzenschutzspezialisten FMC geprüft haben, berichten Insider gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Der Konzern reagiert gewohnt schmallippig: Man prüfe ständig Übernahmen und Desinvestitionen, erklärt eine Sprecherin.
Das zeigt: Der Druck ist groß, schnell einen geeigneten Übernahmekandidaten zu finden. Denn Bocks Strategie ist auch aus der Not heraus entstanden. Gern hätten auch die Ludwigshafener Syngenta gekauft, auch mit Monsanto soll es Gespräche gegeben haben. Am Ende legten die anderen mehr Geld auf den Tisch. Eine Übernahme von FMC wäre mit solchen Deals kaum vergleichbar. Wohl auch deshalb schaut sich der Vorstand nun erst mal nach anderen Möglichkeiten um.
BASF-Chef Bock hofft, in der nächsten Runde zum Zuge zu kommen und sich an den Konkurrenten bereichern zu können. Chancen gibt es dazu reichlich: Bayer und Monsanto wollen wohl Unternehmensteile für 2,5 Milliarden Euro abgeben, noch bevor Bayer die Übernahme offiziell bei der EU anmeldet. Ursprünglich wollte Bayer-Chef Werner Baumann die Übernahme von Monsanto bis Ende März zur Genehmigung bei der EU-Kartellbehörde vorlegen. Nun verzögert sich das Vorhaben um einige Wochen, weil die Behörde noch Fragen hat, die im Vorfeld zu klären sind. Dabei geht es dem Vernehmen nach vor allem darum, ob der Zusammenschluss künftige Innovationen behindern könnte.
Nicht nur bei Bayer und Monsanto wird einiges abfallen: DuPont muss nun auf Geheiß der EU-Kommission einen Großteil seiner Pflanzenschutz-Sparte abgeben – einschließlich der dazugehörigen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten. Früheren Schätzungen zufolge könnte davon ein Umsatz von bis zu drei Milliarden Euro betroffen sein. Branchenübliche Kaufpreise liegen hier zwischen dem Drei- und Fünffachen des Umsatzes.
Für BASF wäre das kein Problem: „BASF ist stark genug, um solche Übernahmen zu schultern“, sagt ein Aufsichtsrat. Ein bisschen zusätzliches Kleingeld hat BASF gerade eingesammelt, indem sie ihre Lederchemikalien an die niederländische Stahl Group im Gegenzug für einen Minderheitsanteil übergeben hat. Insgesamt könnte der Konzern bis zu zehn Milliarden Euro für Übernahmen ausgeben, ohne seine finanzielle Stabilität zu gefährden, schätzen Analysten. Nur, wofür?
„Wir sind sehr groß bei Fungiziden, relativ schwach bei Insektiziden, und wir haben eine vernünftige Position bei Herbiziden“, analysierte Bock zuletzt. Daraus ergibt sich automatisch ein Schlachtplan: Bei Pilzmitteln kein Bedarf, bei Insektenmitteln würde Bock gerne zukaufen, und auch bei Unkrautvernichtern könnte BASF stärker sein.
Aus dieser Perspektive ist vor allem das Portfolio von DuPont interessant: Die EU-Kartellwächter äußerten zuvor Bedenken über die Marktmacht von Dow und DuPont bei Insektenvernichtern, die gegen kauende Schädlinge wie Raupen und Heuschrecken wirken. Und bei Unkrautvernichtern für Getreide, Rüben und Raps.
Bayer hingegen wird womöglich sein Saatgutgeschäft für Raps in Kanada und für Baumwolle in den USA verkaufen müssen. Und auch Liberty Link könnte abfallen, Bayers Unkraut-Massenvernichtungswaffe, die Monsantos Glyphosat ähnelt. Liberty Link wirkt allerdings nur in Kombination mit genverändertem Saatgut – und BASF hat als einziger großer Spieler kein Saatgut im Angebot. Bayer, Monsanto und Co. hingegen wollen den Bauern erst Saatgut verkaufen, um danach das passende Pflanzenschutzmittel anzubieten. „Wir haben vor Jahren entschieden, kein eigenes Saatgutgeschäft aufzubauen“, sagt Konzernchef Bock.
Vor eineinhalb Jahren klang das noch anders: Für BASF seien Investitionen in Saatgut sinnvoll, wenn der Konzern auf eine kritische Größe bei Soja oder Mais käme, sagte Spartenmanager Markus Heldt öffentlich. „Ich denke nicht, dass Herr Bock Saatgut kategorisch ausschließt“, sagt ein Aufsichtsrat. Doch bisher sieht es nicht so aus, als würden DuPont oder Bayer ausgerechnet solche Geschäfte abstoßen.
Und selbst wenn, BASF wäre auch damit nur ein kleiner Spieler. „Ein Befreiungsschlag wäre das noch nicht“, sagt ein Analyst.