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Luftfahrt und Tourismu Chinesischem HNA-Konzern droht die Zerschlagung

Der chinesische Tourismus- und Luftfahrtkonzern HNA ist insolvent. Nun könnte der Konzern, dem auch der Flughafen Hahn gehört, aufgeteilt werden.

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Die Airlinegruppe um Hainan Airlines könnte aufgespalten werden. Quelle: AP

Das insolvente chinesische Luftfahrt- und Tourismus-Konglomerat HNA Group steht offenbar vor der Zerschlagung. Die bereits vor einem Jahr eingesetzte Arbeitsgruppe unter Führung der Provinzregierung von Hainan suche strategische Investoren für eine Vielzahl von Beteiligungen, darunter das Herzstück von HNA, Hainan Airlines, sagte eine mit den Plänen vertraute Person am Montag. Dabei würden auch einige Aktionäre aussteigen. Eine Verstaatlichung soll möglichst vermieden werden.

Die Gläubiger hatten am Freitag Insolvenzanträge gegen HNA gestellt. Am Wochenende erklärten drei börsennotierte HNA-Tochterfirmen, Aktionäre hätten rund 61,5 Milliarden Yuan (7,85 Milliarden Euro) versickern lassen. Die Aktien der Zwischenholdings Hainan Airlines, HNA Infrastructure und CCOOP gaben am Montag ebenso deutlich nach wie die von HNA Innovation, HNA Technology und Bohai Leasing. Größter Gläubiger von HNA ist die staatliche China Development Bank.

HNA hatte seine jahrelange, schuldenfinanzierte Expansion bereits vor drei Jahren auf Druck der chinesischen Regierung gestoppt. Rund 50 Milliarden Dollar hatte der verschachtelte Konzern zuvor weltweit für Beteiligungen an Unternehmen von der Deutschen Bank über die Hotelkette Hilton bis zum Elektronikhändler Ingram Micro ausgegeben. 2019 hatte HNA die letzten Deutsche-Bank-Aktien verkauft, ihr gehört aber noch der Flughafen Hahn im Hunsrück.

Nach Daten des Datenbankbetreibers Dealogic sitzt HNA auf einem Schuldenberg aus 27,5 Milliarden Dollar an Anleihen und 20 Milliarden Dollar an Krediten. Die Corona-Pandemie, in der die Luftfahrt und der Tourismus weitgehend brachliegen, hatte die Finanzprobleme von HNA verschärft.

Zu HNA gehören mehr als ein Dutzend Fluggesellschaften, darunter die größte nicht-staatliche in China, Hainan Airlines. Zusammen betreiben sie 500 Kurzstrecken- und 100 Langstrecken-Flugzeuge. Hainan litt in der Corona-Krise deutlich stärker als die staatliche Konkurrenz. Die Fluggesellschaft rechnete für 2020 mit einem Verlust von 58 bis 65 Milliarden Yuan, davon 46 Milliarden Yuan an Abschreibungen.

Abgewickelt werden soll die Insolvenz von der Anwaltskanzlei King & Wood Mallesons, wie zwei Insider sagten. Sie solle noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. „Die Sanierung wird nicht einfach“, sagte ein führender Banker in Hongkong, der in der Vergangenheit Geschäft mit HNA gemacht hatte und nicht genannt werden wollte. Der Regierung in Peking seien die aggressiven Konglomerate ohnehin ein Dorn im Auge, sagte Fraser Howie, der Bücher über Chinas Finanzsystem geschrieben hat. „Sie alle wurden zerschlagen, zerlegt und zurückgeschnitten. Diese Art von Unternehmen gehört der Vergangenheit an und kommt nicht zurück.“

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