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Nach AfD-WahlerfolgDie Drohung von Reinhold Würth ist der falsche Weg

Wollen Unternehmer etwas gegen die AfD tun, sollten sie das Gespräch mit Unternehmern suchen, die den Populisten nahestehen. Die richtigen Argumente könnten der AfD sogar den Geldhahn abdrehen. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Thomas Stölzel 13.06.2024 - 13:58 Uhr

Reinhold Würth, Gründer des Konzerns Würth.

Foto: dpa

Der 89-jährige Schraubenunternehmer Reinhold Würth hat am Donnerstagmorgen in einem Gespräch mit dem Deutschlandfunk gedroht, nicht mehr in der Bundesrepublik zu investieren, sollten künftig ähnlich viele oder sogar mehr Bürger die AfD oder andere rechtsextreme und rechtspopulistische Parteien wählen. Schon zuvor hatte der Unternehmer aus dem baden-württembergischen Künzelsau mehrfach deutlich vor den Gefahren für Wohlstand und Gesellschaft gewarnt, die mit der Wahl der Partei verbunden seien.

Offenbar aber ohne größere Wirkung: Am Sitz des Würth-Konzerns haben mehr als 20 Prozent der Wähler bei der Europawahl der AfD ihre Stimmen gegeben.

Auch Würths jüngste Drohung dürfte sich als eher kontraproduktiv erweisen, um die Rechtspopulisten zurückzudrängen. Es muss darum gehen, rechte Wähler davon zu überzeugen, dass Populismus, Demagogie und Fremdenfeindlichkeit Deutschland schwächen und nicht stärken. Drohungen helfen da nicht weiter.

Zumal es Würths Gedankenspiel an Glaubwürdigkeit mangelt. Wo soll das Schraubenunternehmen denn investieren? Deutschland ist umgeben von Ländern, in denen es einen ähnlichen Rechtsruck gibt. Frankreich, Niederlande, Österreich, Italien, Ungarn und die Slowakei, um nur ein paar zu nennen. Auch außerhalb Europas sieht es kaum besser aus. In den USA etwa könnte Donald Trump im nächsten Jahr Joe Biden als Präsident ablösen.

Erstmal die Fakten

Geschäftsrisiko Rechtsruck

von Sonja Álvarez

Brandmauern, wie sie auch die CDU gegenüber der AfD ausgerufen hat, sind vollkommen richtig. Und sie sind notwendig, um unsere Demokratie und die Interessen der EU zu schützen. Allerdings sollten diese Brandmauern nur bei der Kooperation innerhalb der Parlamente gelten.

Außerhalb müssen echte Demokraten aber im Gespräch bleiben und die sachliche politische Debatte suchen. Nur so lässt sich vielleicht verhindern, dass der Graben zwischen den politischen Lagern in der Bevölkerung weiter aufbricht. Bis es irgendwann unmöglich wird, sinnvolle Kompromisse für politische Probleme zu finden, die den Menschen im Lande gerecht werden. Wenn es schlecht läuft, ist dieser Punkt schon nach den Landtagswahlen im Herbst erreicht. 

Unter Unternehmern

Das gilt auch für Unternehmer. Erst recht mit solchen, die der AfD oder ihren Köpfen nahestehen. Konkret könnte Reinhold Würth mit Milch-Mogul Theo Müller diskutieren, dem Marken wie Landliebe, Weihenstephan, Müller Milch und Sachsenmilch gehören. Müller gilt als Freund von AfD-Chefin Alice Weidel, die wie er in der Schweiz lebt. Würth könnte Backwerk-Gründer Hans-Christian Limmer, einem der Mitinitiatoren des Potsdamer Treffens, seine Sorgen erklären und seine Argumente vorbringen. Oder Pharma-Unternehmer Winfried Stöcker. Oder er könnte Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer zur Rede stellen. 

Winfried Stöcker

Der Unternehmer mit dem Hakenkreuz

von Leonard Frick und Martin Seiwert

Solche Debatten, von Unternehmer zu Unternehmer, die bei deren Meinungsbildung helfen, könnten öffentlich stattfinden oder hinter verschlossener Tür (uns Journalisten wäre natürlich öffentlich lieber). Haben sie Erfolg, könnten sie dazu führen, dass der eine oder andere Mäzen nicht mehr an die AfD spendet. Die hätte dann weniger Geld in der Kasse für ihre Kampagnen, etwa in den sozialen Netzwerken.

Ob das am Ende funktioniert, wird man sehen. Aber man sollte es versuchen, sowohl bei den AfD-Unternehmern als auch in der Bevölkerung Zweifel an den vermeintlich einfachen Antworten der Partei zu säen. Etwa auf die Gefahr hinweisen, dass Nationalisten in unseren europäischen Regierungen Russland den Weg frei machen würden, ins Baltikum einzufallen, ohne Gegenwehr befürchten zu müssen. Dass die ablehnende Haltung der AfD gegenüber der Nato katastrophal ist.

Wollen Reinhold Würth oder die Führung seines Konzerns wirklich etwas gegen die AfD tun, müssen sie, statt mit Abwanderung zu drohen, die Debatte suchen. Gute Argumente gibt es reichlich. Man muss sie nur vermitteln.

Lesen Sie auch: Backwerk-Gründer hält Rechtsextremismus-Vorwürfe für „frei erfunden“

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