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ÜbernahmeHenkel verstärkt Schönheitsgeschäft in den USA

Henkel baut sein Geschäft in den USA aus und kauft die nordamerikanische Friseursparte von Shiseido für knapp eine halbe Milliarde US-Dollar. Die Übernahme ist allerdings noch nicht durch. 27.10.2017 - 13:09 Uhr aktualisiert

Henkel ist auf Einkaufskurs in den USA.

Foto: REUTERS

Der Klebstoff- und Konsumgüterhersteller Henkel verstärkt sein Schönheitsproduktegeschäft in den USA. Für einen Kaufpreis von 485 Millionen US-Dollar übernimmt Henkel Zotos International, das nordamerikanische Friseurgeschäft von Shiseido. Die Akquisition umfasst führende Hair-Professional-Marken wie Joico und Zotos Professional. Die Deutschen erhoffen sich dadurch eine bessere Position im nordamerikanischen Markt. Die Behörden müssen der Übernahme aber noch zustimmen.

2016 kam Zotos International den Angaben zufolge mit 700 Mitarbeitern auf einen Umsatz von rund 230 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen habe einen starken Fokus auf den US-Markt und betreibe dort einen Produktionsstandort sowie eine Forschungs- und Entwicklungseinrichtung. Analysten halten jedoch auch eine größere Übernahme für möglich. Henkel bleibt trotz des Zukaufs ein eher kleiner Player im US-Friseurgeschäft. Die Konkurrenten L'Oreal und Unilever sind deutlich stärker vertreten.

"Diese Akquisition ist Teil unserer Strategie, die Position von Henkel in attraktiven Märkten und Kategorien auszubauen", sagte Van Bylen. Henkel hat in den USA in den vergangenen Jahren bereits im Friseurgeschäft zugekauft, darunter die Firmen Sexy Hair, Alterna, Kenra sowie Nattura Laboratorios mit der Marke Pravana.

1876: Unternehmensgründung

Vor 140 Jahren gründet der ausgebildete Kaufmann Fritz Henkel, der sein Handwerk bei einer Farben- und Lackfabrik in Wuppertal gelernt hatte, zusammen mit zwei Geschäftspartnern das Unternehmen Henkel in Aachen (hier im Bild zu sehen). 1899 verlegte er den Firmensitz (als nun alleiniger Inhaber) nach Düsseldorf-Holthausen. Das weitläufige Grundstück fungiert bis heute - trotz internationaler Ausrichtung - als größter Produktionsstandort.

Foto: Presse

1876: Das erste Universalwaschmittel kommt auf den Markt

Den ersten Unternehmenserfolg feiert der Industrieriese, als 1876 das erste Universalwaschmittel auf den Markt kommt. Zwei Jahre später, 1878, wird als das erste Markenprodukt "Bleich-Soda" eingeführt und auch ins Ausland exportiert. "Bleich-Soda" stammt damals noch von Firmeninhaber Fritz Henkel persönlich und setzt sich aus leicht löslichem Wasserglas und kalzinierter Soda zusammen. Das Innovative gegenüber anderen Bleichmitteln der Zeit: Im Vergleich zur Wäsche, die mit handelsüblicher Kristallsoda gereinigt wurde, erscheint die mit "Bleich-Soda" gereinigte weißer.

Foto: Presse

1907: Einführung von Persil

Der endgültige Durchbruch lässt noch ein paar Jahre auf sich warten - mit der Erfindung des selbsttätigen Waschmittels Persil kommt er dann im Jahr 1907. Ein Pionier der Zeit ist Persil deshalb, weil das Waschmittel die Kleidung in einem Vorgang bleicht und reinigt, sodass händisches reiben und kneten entfällt. Neben der Vereinfachung des Waschprozesses verhelfen Werbekampagnen dem Waschmittelhersteller zu moderner Markenführung.

Foto: Presse

Zwanzigerjahre: Ausweitung der Geschäftsaktivitäten

In den 1920er Jahren beginnt das Familienunternehmen mit der Ausweitung seiner Geschäftsaktivitäten. Henkel, das heute zu den weltweit führenden Unternehmen für Klebstoffe, Dichtstoffe und Funktionsbeschichtungen gehört, fängt 1922 mit der Herstellung von Klebstoffen für den Eigenbedarf an. Der Einstieg in den Handel erfolgt ein Jahr darauf. Der bekannte Pritt-Klebestift (auf dem Bild zu sehen) kommt Ende der 60er Jahre auf den Markt - als erster, nicht flüssiger Klebstoff revolutioniert er den Markt. Heute produziert Henkel 90 Millionen Pritt-Stifte pro Jahr.

Foto: Presse

Ausweitung des Geschäfts

Eine weitere Ausweitung der Geschäftsaktivitäten erfolgt 1924 mit der Beteiligung Henkels an der Krefelder Seifenfirma Dreiring-Werke, die Henkel 1953 vollständig übernimmt. Zusammen mit dem Kauf der TheraChemie in Düsseldorf gelingt dem Konzern die Einführung der Kosmetiksparte. Auf dem deutschen Markt sind die Polycolor-Haarfarben und -Blondierungen besonders ertragreich.

Foto: Presse

Sechzigerjahre: Internationalisierung

85 Prozent des Umsatzes von Henkel werden heute in ausländischen Märkten erwirtschaftet. Dieses Wachstum hat seine Wurzeln in den 60er Jahren, als die internationale Ausrichtung des Konzerns unter der Geschäftsführung von Konrad Henkel begann, dem Enkel des Firmengründers Fritz Henkel. Er trieb die Internationalisierung in Europa, den USA, Lateinamerika und Asien entscheidend voran und leistete einen großen Beitrag zur heutigen Stellung des Unternehmens auf dem Weltmarkt.

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1985: Börsengang

Am 11. Oktober 1985 wagt Henkel den Börsengang mit dem Ziel, Unternehmenswachstum und Internationalisierung weiter zu stärken. Die Idee scheint aufzugehen. Seit der Ausgabe der Aktie steigt der Umsatz von Henkel stetig an. Im vergangenen Geschäftsjahr belief er sich auf 18,1 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 1985 lag er umgerechnet noch bei 4,7 Milliarden Euro.

Foto: Presse

Weitere Übernahmen folgen

Zum Preis von 25 Pfennig wirbt Schwarzkopf für das Haarshampoo, das heute ebenfalls zur Produktsparte von Henkel gehört. Die Übernahme von Schwarzkopf (1995) gehört neben dem Kauf der Klebstoff- und Elektronik-Geschäfte von National Starch zu den wichtigsten Übernahmen der Unternehmensgeschichte. Zusammen mit Loctite, das Henkel 1997 zukaufte, zählen Persil und Schwarzkopf heute zu den umsatzstärksten Marken des Konzerns.

Foto: Presse

Fokus auf Nachhaltigkeit

Neben dem eigentlichen Produktsortiment legt Henkel eigenen Angaben zufolge bereits seit Ende der Fünfzigerjahre Wert auf die „Balance zwischen wirtschaftlichem Erfolg sowie ökologischer und gesellschaftlicher Verantwortung", für die sich besonders Konrad Henkel engagierte. Durch neue, nachhaltige Produktionsverfahren wird "Persil phosphatfrei" entwickelt, das nach langjähriger und kostenintensiver Forschung 1986 auf den Markt kommt. Bis heute formuliert Henkel regelmäßig Nachhaltigkeitsberichte, in der Strategien zum Schutz der Umwelt offen gelegt werden.

Foto: Presse

Und wie steht es um die Zukunft des Konzerns?

Am historischen Brexit-Tag verkündete der neue Henkel-Chef Hans Van Bylen die nächste frohe Botschaft: für 3,6 Milliarden Euro kaufte Henkel den amerikanischen Waschmittelhersteller Sun Products auf. Damit rücken die Düsseldorfer zur Nummer zwei im nordamerikanischen Waschmittelmarkt auf und erreichen dort den flächendeckenden Zugang in die Regale der großen US-Ketten. Und damit nicht genug. „Wenn ein Unternehmen strategisch zu unseren Geschäften passt und zu einem angemessenen Preis verfügbar ist, sind auch weitere, gezielte Akquisitionen möglich“, sagte van Bylen der „Rheinischen Post“. Weitere Zukäufe sind also nicht unwahrscheinlich.

Foto: Presse

Die Henkel-Aktie legte zum Wochenschluss etwa einen halben Prozentpunkt zu.

Henkel hatte im ersten Halbjahr auch dank seiner Zukäufe Gewinn und Umsatz deutlich gesteigert und damit auf Rekordkurs gelegen. Die Zahlen für das dritte Quartal will das Unternehmen am 14. November vorlegen.

dpa
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