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Deutsche Telekom Der Staat treibt den Preis für die 5G-Netze hoch

Telekom: Staat treibt den Preis für die 5G-Netze hoch Quelle: dpa

Telekom-Konzernchef Tim Höttges macht die Hauptversammlung zur Lehrstunde über superschnelle 5G-Mobilfunknetze. Warum Deutschland hier Österreich hinterher hinkt.

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Wenn Telekom-Chef Tim Höttges die Hauptversammlung eröffnet, dann nutzt er seine Rede auch zu einer Lehrstunde für nicht so technikaffine T-Aktionäre. Dann wird – wie Donnerstag im Bonner World Conference Centrum – ein 5G-Funkmast des Technologielieferanten Ericsson auf dem Podium aufgestellt. „Wie funktioniert Mobilfunk?“ fragt Höttges und liefert die Antwort gleich mit. Wenn mit den gerade in Mainz versteigerten Frequenzen ein deutschlandweites 5G-Mobilfunknetz aufgebaut werden soll, dann müsste alle 500 Meter ein neuer Sendemast aufgestellt werden, rechnet der Telekom-Chef vor. Statt der exakt 28.783 Funktürme, die heute im Einsatz sind, wären dann 100.000 Sendemasten erforderlich. Der Bau eines flächendeckenden 5G-Netzes sei deshalb mit den jetzt versteigerten Frequenzen überhaupt nicht möglich. „Wir wollen da ausbauen, wo der Datenbedarf hoch ist“, verspricht Höttges.

Der Telekom-Chef steht unter Zugzwang. Noch nie hat das Unternehmen so viel in die Netzinfrastruktur investiert. 12,2 Milliarden Euro waren es allein im vergangenen Geschäftsjahr, 5,4 Milliarden Euro davon in Deutschland. Doch diese Investitionen reichen offensichtlich nicht aus, um alle Funklöcher zu schließen. Vor allem in Deutschland ist das schwierig.

Doch die Schuld sieht Höttges nicht bei der Telekom, sondern bei all denen, die ihm Steine in den Weg legen. 2000 neue Antennenmasten wolle die Telekom jedes Jahr aufstellen. Aber die kommunalen Aufsichtsbehörden seien darauf nicht vorbereitet, moniert er. Die benötigten Genehmigungen kämen oft erst nach zwei Jahren und manchmal sogar noch später. „Viele Antennen werden nie genehmigt“, schimpft Höttges.

Auch bei den vielen Gesprächsabbrüchen in Zügen zeigt die Telekom mit dem Finger auf die Deutsche Bahn. Viele Bahntrassen versorge die Telekom bereits mit LTE. „Aber nur einen Teil der Waggons rüstet die Bahn mit Verstärkern aus.“ Der dritte Spielverderber sei die Bundesnetzagentur. Ein Viertel der zur Verfügung stehenden Frequenzen werde überhaupt nicht versteigert, kritisiert Höttges. „Die Frequenzen werden künstlich verknappt. Das treibt den Preis hoch“. Dieses Geld fehle dann für den Netzausbau. Höttges: „Maximal investieren und maximal regulieren schließen sich gegenseitig aus.“ In Österreich ist das offenbar einfacher. Vorgestern, wenige Tage nach Abschluss der dortigen 5G-Auktion, stellte die Telekom-Tochter T-Mobile bereits die ersten 5G-Sendemasten auf. In der internen Telekom-Hierarchie steigt Österreich jetzt zum „Pionierland“ auf, kündigt der Europa-Chef der Telekom, Srini Gopalan, an.

Österreich startete nicht nur schneller als Deutschland mit der 5G-Auktion. Die Staatskasse begnügte sich auch noch mit einem Erlös von mageren 188 Millionen Euro. Das schafft Spielräume für höhere Investitionen. Nach den Plänen der österreichischen Regierung sollen in der Alpenrepublik bis Ende 2025 superschnelle 5G-Mobilfunknetze flächendeckend zur Verfügung stehen. Damit das klappt, legt die Telekom sofort los. Bereits am vergangenen Dienstag nahm T-Mobile die ersten 25 5G-Funkstationen in 17 Gemeinden in Betrieb.

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