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GamescomKalypso-Chefin Thun: „Nur mit dem deutschen Markt könnten wir nicht bestehen“

Nach dem frühen Tod ihres Partners führt Anika Thun den Spieleentwickler allein. Die Games wie Tropico oder Commandos werden mittlerweile weltweit gespielt.Florian Weyand 24.08.2025 - 10:13 Uhr
Railway Empire 2 ist vom Unternehmen Kalypso aus Worms entwickelt worden. Foto: Kalypso

Fans von Computerspielen tummeln sich derzeit in den Hallen der Gamescom in Köln. Auf der Spielemesse präsentiert sich auch der Entwickler Kalypso aus Worms. Mit etwa 200 Mitarbeitern, vier Studios sowie Büros in England, den Vereinigten Staaten und Japan gehört das 2006 gegründete Unternehmen bereits zu den Branchengrößen in Deutschland. Dennoch gelte ihr Unternehmen in der Szene als „Leisetreter“, sagt Geschäftsführerin Anika Thun im WirtschaftsWoche-Podcast „Chefgespräch“. „Wir stehen eher nicht als Kalypso im Vordergrund, sondern unsere Marken.“

Kalypso entwickelt und vertreibt Computerspiele. Zu den bekanntesten Produkten gehört die Tropico-Reihe, die mittlerweile in der sechsten Version erschienen ist. Dabei handelt es sich um ein Strategiespiel, bei dem der Nutzer in die Rolle des Politikers eines Inselstaates schlüpfen und sowohl als Demokrat als auch als Diktator agieren kann. An Teil sieben wird derzeit von einem Kalypso-Studio in Gütersloh gearbeitet. Weitere populäre Produkte neben Tropico sind zudem die Spielereihen Commandos oder auch Railway Empire.

Banken lehnten Finanzierung ab

Gegründet wurde Kalypso von Simon Hellwig und Stefan Marcinek. Besonders die Finanzierung der ersten Projekte gestaltete sich für die Gründer als schwierig. „Zu der Zeit haben wir keine Finanzierung bekommen, weil die Banken meinten, dass sich Videospiele nicht durchsetzen“, erinnert sich Thun, die bereits neben dem Studium für Kalypso arbeitete. So blieb als Alternative nur der Weg, langsam und Stück für Stück zu wachsen.

Anika Thun ist Chefin des Spieleentwicklers Kalypso. Foto: presse

Die Schwierigkeiten bei der Suche nach der Finanzierung mögen erwartbar gewesen sein, unvorbereitet traf das Unternehmen jedoch der Tod von Simon Hellwig im Jahr 2022. Der Kalypso-Gründer, der auch der Lebensgefährte von Anika Thun war, starb im Alter von nur 46 Jahren. „Das ist tatsächlich brutal. Ich kann es gar nicht mehr beschreiben, wie es war“, sagt Thun.

Die Frage, ob sie die Firma allein weiterführe, habe sich für sie aber nicht wirklich gestellt. Innerhalb weniger Stunden habe sie entschieden, die Herausforderung anzunehmen. „Kalypso ist ein Stück weit meine Ersatzfamilie und was ich mache, mache ich furchtbar gern“, sagt Thun.

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Das Unternehmen allein zu führen, war zu Beginn natürlich nicht leicht. „Man muss die Trauer bewältigen, die Dimensionen hat, die ich nicht beschreiben kann“, sagt Thun. Zuvor kümmerte sie sich unter anderem um das Marketing und den Vertrieb, nun kamen weitere Aufgaben wie die Spieleentwicklung und die Kontrolle der Finanzen dazu. „Ich habe dann auch Dinge zum ersten Mal gemacht, zum Beispiel einen Förderantrag zu schreiben“, sagt sie.

Seit 2019 fördert die Bundesregierung die heimische Spieleindustrie. Seitdem wurden mehr als 550 Projekte mit etwa 200 Millionen Euro subventioniert. Nachdem es 2023 einen Förderstopp gegeben hatte, kündigte die neue Forschungsministerin Dorothee Bär jetzt neue finanzielle Unterstützung für die Spieleindustrie an. Allein in den kommenden zwei Jahren soll die Branche mit 200 Millionen Euro gestützt werden. Daran gab es zuletzt viel Kritik von Medien und auch vom Bundesrechnungshof. Der Ökonom Lars Feld forderte Ministerin Dorothee Bär gegenüber der WirtschaftsWoche auf, „die Mittel zu streichen.

„Videospiele sind Kulturgut“

Auch wenn ihr Unternehmen die Fördergelder nicht zum Überleben brauche, ist Anika Thun von deren Sinnhaftigkeit überzeugt. Denn: „Die Rahmenbedingungen für Spieleentwicklung sind in Deutschland nicht besonders gut. Im Vergleich zu anderen Ländern, die auf diesem Markt eine Rolle spielen, ist Deutschland relativ teuer.“

Für ihr Unternehmen, das neben vier Entwicklungsstandorten in Deutschland Vertriebsgesellschaften in Großbritannien, den USA und Japan unterhält, ergibt sich daraus eine pragmatische Abwägung: „Ich kann das gleiche Produkt zu einem günstigeren Preis in der gleichen Qualität in Osteuropa entwickeln lassen“, sagt Thun.

Die Rahmenbedingungen für Spieleentwicklung sind in Deutschland nicht besonders gut.
Anika Thun
Geschäftsführerin von Kalypso

Genau das aber verhindere die staatliche Förderung, die den Kostennachteil ungefähr ausgleiche. Begründen lasse sich dieser Markteingriff aus ihrer Sicht gut, meint Thun: „Videospiele sind ein Kulturgut, so wie Filme auch. Deshalb ist es angemessen, die Herstellung auch staatlich zu fördern.“

Deutsche Spiele werden weltweit verkauft

Kalypso produziert Spiele nicht nur für den deutschen Markt. Die Titel der Reihen Tropico oder Commandos werden auch in den USA, Großbritannien, Australien oder Japan vermarktet. Dass die Games mittlerweile nicht mehr auf CD oder DVD, sondern digital über Kanäle wie Steam verkauft werden, sei ein großer Vorteil. „Nur mit dem deutschen Markt können wir nicht bestehen. Inzwischen sind wir global unterwegs“, sagt Thun. Daher sei sie auch viel unterwegs und schaue immer wieder, auf welchen Märkten Kalypso noch nicht vertreten sei. „Die Idee ist auf jeden Fall, dass wir weiter wachsen wollen.“

Für den weltweiten Markt sind auch die Spiele gedacht, die Kalypso auf der aktuellen Gamescom präsentiert. Etwa zwei bis vier Games bringt das Unternehmen pro Jahr heraus. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt unter anderem auf Strategie- und Rollenspielen. Neben dem Militärspiel Sudden Strike 5 werden den Besuchern erste Eindrücke des Rollenspiels Disciples: Domination gezeigt.

Und auch mit der wohl erfolgreichsten Serie des Unternehmens geht es weiter. Der siebte Teil von Tropico, dem digitalen Mix aus Wirtschaft, Städtebau und Politik, soll 2026 veröffentlicht und weltweit ausgerollt werden.

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