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X-ImperiumElon Musk beschimpft seine ehemaligen Werbekunden

Nach der Entschuldigung Musks für seinen antisemitischen Beitrag auf X, macht der Milliardär gleich weiter mit Beschimpfungen. Ob das seiner Plattform X so gut tut? 30.11.2023 - 09:34 Uhr
Foto: dpa

Große Werbekunden flüchten aus Angst um ihr Image von Elon Musks Online-Plattform X doch statt Schadensbegrenzung zu betreiben, zeigt der Tech-Milliardär ihnen verbal den Mittelfinger. „Wenn jemand versucht, mich mit Anzeigen zu erpressen? Mich mit Geld zu erpressen? Go fuck yourself!“, polterte Musk am Mittwoch auf der Bühne einer Konferenz der „New York Times“ und wiederholte die Schimpfworte gleich mehrfach. Dabei erwähnte er ausdrücklich Disney-Chef Bob Iger.

Ein Boykott durch Werbekunden werde X (ehemals Twitter) töten, sagte Musk. „Und die ganze Welt wird wissen, dass die Werbekunden das Unternehmen getötet haben“, ergänzte er. Auf die Frage, ob er als reichster Mensch der Welt die Plattform dauerhaft am Leben erhalten würde, schien Musk anzudeuten, dass er ein finanzielles Scheitern von X zu akzeptieren bereit sei.

X werde dann eben verschwinden, sagte Musk, der vor gut einem Jahr rund 44 Milliarden Dollar für Twitter bezahlt hatte. Das Geld kam größtenteils aus dem Verkauf seiner Aktien des Elektroautobauers Tesla. Etwa 13 Milliarden stammten aber aus Banken-Krediten, die nun auf X lasten. Musk sagte zuvor, er habe schon Geld beim Online-Dienst reinschießen müssen. Der Finanzdienst Bloomberg schätzt sein Vermögen auf 228 Milliarden Dollar es besteht aber fast nur aus Aktien.

Exodus der Werbekunden

„Twitter passt nicht mehr zu unserer Unternehmenskultur“

Zahlreiche namhafte Werbekunden verabschieden sich gerade von X, ehemals Twitter. Das gilt auch für deutsche Unternehmen. Selbst jene, die X als Testimonials für sein Werbegeschäft aufführt. Mit einer Ausnahme.

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Verschiedene große Unternehmen hatten Anzeigen auf X gestoppt, nachdem Musk einen Beitrag als „tatsächliche Wahrheit“ bezeichnet hatte, in dem es unter anderem hieß, jüdische Organisationen verbreiteten Hass gegen Weiße. Einen Tag später demonstrierten Hassrede-Forscher in einem Bericht, wie Werbung bekannter Marken bei X neben Nazi-Beiträgen auftauchte. X behauptet in einer Klage, die Platzierung sei durch häufige Abrufe künstlich herbeigeführt worden.

Interview mit Elon Musk: „Meiner Ansicht nach ist KI gefährlicher als Atombomben“

Musk sagte nach der wochenlangen Kontroverse erstmals, dass der „Wahrheits“-Post ein Fehler gewesen sei, „vielleicht der schlimmste und dümmste Beitrag, den ich je veröffentlich habe“. Seine Ansichten seien missverstanden worden. Er habe lediglich an die Adresse jüdischer Organisationen sagen wollen, dass es nicht klug sei, radikale Islamisten zu unterstützen, die ihre Vernichtung wollten.

Musks X-Beitrag war unter anderem vom Weißen Haus verurteilt worden und hatte Zustimmung in antisemitischen Kreisen geerntet. Er selbst betonte danach wiederholt, er sei kein Antisemit. Am Montag wurde Musk in Israel empfangen. Dort besuchte er unter anderem mit Ministerpräsident Benjamin Netanyahu einen von der islamistischen Hamas am 7. Oktober überfallen Kibbuz. Musk betonte am Mittwoch, der Besuch habe nichts mit der Kontroverse um seinen X-Beitrag zu tun.

Kurznachrichtendienst

Ein Jahr Twitter unter Elon Musk – eine Bilanz in fünf Grafiken

von Tobias Gürtler

In dem 90 Minuten langen Interview schaffte Finanzjournalist Andrew Ross Sorkin mit steten Nachfragen ungewöhnlich tiefe Einblicke in die Denkweise und Motivationen von Musk. Einige Highlights:

  • Drei Jahre bis zur Künstlichen Super-Intelligenz: Musk schätzt, dass es nur drei Jahre dauern werde, bis ein KI-Programm besser in einzelnen Aufgaben sein werde als die Menschen, die darin am besten seien: „Einen Roman so gut wie J.K. Rowling schreiben, neue Physik entdecken oder neue Technologie erfinden“. Die Gefahren Künstlicher Intelligenz hätten ihm früher den Schlaf geraubt: „Meiner Ansicht nach ist KI gefährlicher als Atombomben.“
  • „Digitaler Gott“ kommt: Musk hält nicht viel von Versuchen etwa von Künstlern und der Verlagsbranche den Einsatz urheberrechtlich geschützter Werke zum Anlernen Künstlicher Intelligenz vor Gericht zu stoppen. „Bis über diese Klagen entschieden wird, werden wir einen digitalen Gott haben“, sagte er. Er bestritt nicht, dass die Fülle von Beiträgen aus 17 Jahren von Twitter eine einzigartige Datenbasis für seine eigene KI-Firma X.AI darstellt.
So wurde Elon Musk zum Multimilliardär
Elon Musk wurde 1971 im Südafrikanischen Pretoria als Sohn seiner kanadischen Mutter Maye Musk und seines südafrikanischen Vaters Errol Musk geboren. Bereits in seiner Kindheit entwickelte er ein großes Interesse fürs Programmieren, sodass er mit zwölf Jahren sein erstes Computerspiel entwickelte und für 500 Dollar verkaufte. Kurz vor seinem 18. Geburtstag wandert er nach Kanada aus, um der südafrikanischen Wehrpflicht zu entgehen. Nach zwei Jahren an der Queens University im kanadischen Kingston wechselt er an die University of Pennsylvania, wo er seinen Bachelor in Physik und Wirtschaft abschließt. Sein anschließendes Studium an der Stanford University in Kalifornien brach er nach nur zwei Tagen ab und widmete sich seinem ersten Start-up Zip2.
Das Internet-Medienunternehmen Zip2 wurde von Musk, seinem Bruder Kimbal und Greg Kouri gegründet. Sie entwickelten eine Online-Stadtführer-Software, die sie an Zeitungen lizenzierten. 1999 wurde es für 305 Millionen Dollar von Compaq Computer übernommen. Musk erhielt für seine Anteile 22 Millionen Dollar.
Musk startete den Online-Bezahldienst X.com, aus dem später PayPal wurde. 2002 kaufte eBay die Firma für 1,5 Milliarden Dollar. Musk kassierte für seine Anteile knapp 175 Millionen Dollar.
Mit 100 Millionen Dollar aus seinem eigenen Vermögen gründete er das Raumfahrtunternehmen SpaceX. Mehrere Fehlstarts führten dazu, dass Musk und seinem Unternehmen fast das Geld ausging. Doch nach dem erfolgreichen Start der Falcon 1 erhielt SpaceX 1,6 Milliarden Dollar für 12 Flüge von der NASA. In den folgenden Jahren arbeitete das Unternehmen an wiederverwendbaren Raketen. Im Jahr 2020 brachte SpaceX als erstes Privatunternehmen Astronauten zur ISS.
Musk beteiligt sich zuerst als Investor am Elektroautohersteller und wird später Mitgründer und CEO. Teslas erstes E-Auto war der Tesla Roadster aus dem Jahr 2008. 2012 begann Tesla dann mit der Auslieferung ihrer Model S Limousine. In den folgenden Jahren stieg Tesla zum wertvollsten Autohersteller der Welt auf. Durch den stark steigenden Kurs der Teslaaktie vervielfachte sich auch das Vermögen von Großaktionär und CEO Elon Musk.
2006: Musk kofinanzierte das Solar-Start-Up SolarCity seiner beiden Cousins. Der Anbieter für Solaranlagen wurde 2016 von Tesla übernommen. 2015: OpenAI wurde gegründet, um an künstlichen Intelligenzen zu forschen. Musk finanzierte das Projekt zusammen mit anderen Investoren. 2016: Musk gründete Neuralink, welches die Vernetzung des menschlichen Gehirns mit Maschinen vorantreibt. 2016: Das von Musk gegründete Unternehmen The Boring Company hat sich zum Ziel gesetzt, unterirdische "Hyperloop"-Tunnelsysteme zum schnellen Transport zwischen Städten wie New York und Washington zu errichten.
Im Oktober 2022 übernahm Elon Musk den Kurznachrichtendienst Twitter für knapp 44 Milliarden US-Dollar. Infolge seiner Übernahme entließ er einen großen Teil der Belegschaft und baute die in X umbenannte Plattform seitdem nach seinen Vorstellungen um. Seitdem geht es stetig bergab: Die Nutzerzahlen sanken rapide, Werbekunden brachen weg und Musk hat Milliarden an Schulden aufgeladen.(Stand: März 2024)
  • Musk wird nicht für Joe Biden stimmen: Vom heutigen US-Präsidenten fühlt sich der Tech-Milliardär beleidigt. Musk beschwerte sich, Biden habe zu Beginn seiner Amtszeit einen Elektroauto-Gipfel ohne Tesla veranstalten wollen und habe dann auch noch den Konkurrenten General Motors als Taktgeber der Elektro-Mobilität bezeichnet. „In dem Quartal baute Tesla 300.000 Elektroautos und GM 26. Kommt ihnen das fair vor?“, regte sich Musk auf. „Ich denke nicht, dass ich für Biden stimmen werde“ selbst wenn die Wahl im November 2024 zwischen ihm und Donald Trump wäre. „Ich sage nicht, dass ich für Trump stimmen würde. Es ist eine schwierige Entscheidung.“
  • Ausweichmanöver beim Thema China: Mit einigen wichtigen Fragen biss Sorkin bei Musk auf Granit. So wollte er wissen, ob China Druck auf Musk ausüben könne, weil Tesla dort ein großes Werk habe und der Markt eine wichtige Rolle spiele. Musk sagte ausweichend, das gelte dann ja auch für die anderen Autobauer. Unbeantwortet blieb auch die Frage, ob es nicht scheinheilig sei, sich als Verfechter der Redefreiheit darzustellen, während er Geschäfte in China mache, wo solche Rechte missachtet würden.
  • Musk wollte auch nicht darüber reden, ob sein Satelliten-Kommunikationsdienst Starlink ihm nicht zu viel politische Macht verschaffe. Vor einigen Monaten wurde bekannt, dass er durch Verweigerung der Starlink-Unterstützung einen ukrainischen Angriff auf die russische Schwarzmeerflotte auf der Krim verhinderte. Zugleich hatte er der Ukraine zu Beginn der russischen Invasion zahlreiche Starlink-Terminals liefern lassen, die ukrainischen Truppen halfen.
  • „Affen-Paradies“ bei Forschung für Gehirn-Implantate: Musk wies Berichte über die Misshandlung von Tieren bei seiner Firma Neuralink zurück. „Neuralink hat nie den Tod eines Affen verursacht“, sagte er. „Es ist wie ein Affen-Paradies.“ Neuralink will die Chips bald an Menschen testen. Die Technik soll helfen, Lähmungen aufzuheben und auch die Sicht zum Beispiel bei Schäden am Sehnerv zu ermöglichen.

    Lesen Sie auch: Teslas erster elektrischer Pick-up-Truck – eine Mischung aus Raumgleiter und Geldtransporter
dpa
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