1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Mittelstand
  4. Hannover Messe: Welche Chancen die USA für deutsche Firmen bieten

Hannover MesseWelche Chancen die USA für deutsche Firmen bieten

Noch-Präsident Barack Obama treibt die Re-Industrialisierung der USA voran. Für deutsche Industrieunternehmen bietet das Land enorme Chancen – wenn sie einige Hürden nehmen und gewisse Eigenheiten beachten.Sebastian Schaal 25.04.2016 - 17:47 Uhr

US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel beim gemeinsamen Rundgang auf der Hannover Messe.

Foto: dpa Picture-Alliance

„Buy made in America!“ Den kleinen Seitenhieb auf Angela Merkel konnte sich US-Präsident Barack Obama nicht verkneifen – auch wenn er mit einem Schmunzeln kam. Die Bundeskanzlerin hatte sich am Sonntag zur Eröffnung der Messe für bessere Handelsmöglichkeiten deutscher Unternehmen in den USA ausgesprochen: „Buy German ist auch schön.“

Damit spielte sie auf bestehende US-Handelshürden für Importe an: Bei vielen Ausschreibungen sind US-Produkte zu bevorzugen. Das Verkaufstalent Obama griff die Spitze bei dem Messerundgang am Montag auf – und konnte gleichzeitig für die Leistungsfähigkeit der amerikanischen Industrie werben.

Nach der verbalen Spitze vom Vorabend war Merkel in Hannover um einen freundlichen Umgang bemüht: „Wir begrüßen Sie als Freunde, die stark sind.“ In diesem Jahr werde man „die Weltspitze in geballter Form“ erleben. Deutsche und amerikanische Firmen könnten voneinander lernen.

Europa

Obama ruft Verbündete zu Einheit auf

Die Sticheleien in Hannover verdeutlichen die ambivalente Beziehung der deutschen und der amerikanischen Wirtschaft. Man ist auf die starke Partnerschaft angewiesen – die USA haben im vergangenen Jahr erstmals Frankreich als wichtigsten Außenhandelspartner Deutschlands abgelöst. Im auf der Hannover Messe so wichtigen Maschinenbau haben die USA ebenfalls den Spitzenplatz von China zurückerobert.

Andererseits ist man sich nicht in allen Punkten einig. So ähnlich die Kulturräume auch sein mögen, im Alltag kommen immer wieder die Unterschiede ans Tageslicht. Das zeigt ein Besuch bei den US-Niederlassungen europäischer Unternehmen.

Der Tag in Hannover begann erst einmal mit einem Groß-Aufgebot der Polizei: US-Präsident Barack Obama machte sich von seiner Unterkunft auf zum Messegelände, wo er sich mit Kanzlerin Angela Merkel zu dem obligatorischen Messe-Rundgang traf. In welcher der beiden Staatskarossen von Cadillac (Spitzname: "The Beast") Obama sitzt, ist aus Sicherheitsgründen immer geheim.

Foto: dpa

Auf dem Messegelände traten die beiden Staatschefs kurz vor die Presse. Bereits am Sonntag hatten sich Merkel und Obama den Medien gestellt, bevor sie am Abend mit einem Festakt die diesjährige Hannover Messe eröffnet haben. Nach den Statements ging es zu dem Rundgang durch einige der Hannoveraner Messehallen, den traditionell die Bundeskanzlerin und der Regierungschef des Partnerlandes unternehmen.

Foto: dpa

Eine der ersten Stationen war der Stand von Los Angeles. Hier lassen sich Merkel und Obama ein kleines Gerät erklären, dass Objekte nur über Reibung und Unterdruck halten kann, ohne es mechanisch zu greifen. Als Vorbild dienten die Füße eines Gecko.

Foto: AP

Dieses kleine Gerät ist ein Mini-Satellit, der Informationen im Weltraum sammeln soll. So recht überzeugt wirken aber weder Merkel noch Obama.

Foto: AP

Am Stand der kalifornischen Software-Firma Autodesk, die sich auf digitales 2D- und 3D-Design spezialisiert hat, war der Praxisnutzen des Exponats offensichtlicher als bei dem Mini-Satelliten: Die mithilfe von Autodesk-Software erstellte Prothese passt perfekt an das Bein der deutschen Paracycling-Sportlerin Denise Schindler. Der digitale Austausch von Scan-Daten macht eine individuelle Fertigung von Prothesen möglich – ohne auf eine teure Einzelanfertigung setzen zu müssen.

Foto: dpa

Am Stand des deutschen Industire-Stecker-Spezialisten Phoenix Contact erklären Geschäftsführer Frank Stührenberg (links) und US-Chef Jack Nehlig (rechts) Merkel und Obama, wie sich das Unternehmen aus dem westfälischen Blomberg eine Lade-Lösung für Elektroautos vorstellt.

Foto: REUTERS

Etwas abstrakter als bei Phoenix Contact wurde es am Stand von PMD. US-Präsident Obama und Kanzlerin Merkel probieren hier noch ein eigenes 3D-Gerät von PMD aus. Künftig will das Unternehmen mit Sitz in Siegen die 3D-Sensoren auch in Smartphones einbauen. So kann auch die Umgebung in 3D-Spiele einbezogen werden. Weitere Anwendungen der zusammen mit Infineon entwickelten Technologie sind die Vermessung von Räumen und Objekten, die Indoor-Navigation und die Umsetzung von speziellen Foto-Effekten. 

Foto: AP

Bei Weidmüller ging es um den Kern der diesjährigen Hannover Messe – in den USA ist von Integrated Industry die Rede, in Deutschland von Industrie 4.0. Gemeint ist aber ein und dasselbe: die Vernetzung der Fabrik, Produktion, Entwicklung und Logistik.

Foto: dpa

Die USA sind für Siemens ein wichtiger Markt, der deutsche Konzern hat zum Beispiel die Zentrale seiner Energiesparte nach Amerika verlegt. Auf der Hannover Messe überreichte Siemens-Chef Joe Kaeser Merkel und Obama einen Golfschläger. Auf der einen Seite mit dem Merkel-Zitat "Wir schaffen das!" beschriftet, auf der anderen...

Foto: dpa

... mit Obamas ursprünglichem Wahlspruch "Yes, we can!" von der US-Wahl 2008.

Foto: REUTERS

Der Andrang bei dem Rundgang war doch etwas größer als im vergangenen Jahr. Damals gingen Merkel und Indiens Präsident Narendra Modi durch die Messehallen. 2016 wollte möglichst jeder, der es durch die aufwändigen Sicherheitskontrollen geschafft hatte, auch ein Foto von Obama – auch wenn es nur ein verwackelter Schnappschuss mit verdammt vielen anderen Smartphones im Bild wird.

Foto: AP

ABB-Chef Ulrich Spiesshofer präsentiert Obama und Merkel einen Nachrüst-Sensor. Mit dem kleinen Gerät von der Größe einer Zigarettenschachtel können auch bestehende Elektromotoren für die Smart Factory aufgerüstet werden. Der Sensor, vorne im Bild zu sehen, wird auf den Motor aufgeklebt und kann anhand von Messwerten wie der Vibration, Temperatur, Energieverbrauch und Umdrehungszahl Aussagen über den Zustand des Motors treffen.

Foto: REUTERS

Einer, der den US-Markt mit seinen Eigenheiten gut kennt, ist Rainer Hundsdörfer. Heute ist der Schwabe Geschäftsführer des weltgrößten Ventilatoren-Herstellers ebm papst. In den 90er Jahren war Hundsdörfer US-Chef des Laserspezialisten Trumpf.

In all den Jahren konnte Hundsdörfer sich sein Urteil über den US-Markt bilden – was sein Handeln bis heute prägt. „Die USA sind ein eigenständiger Markt mit eigenen Regeln“, sagt der Manager. Die Amerikaner seien Billigheimer. „Das Bewusstsein, dass sie bei der Energieeffizienz etwas tun müssen, wächst nur langsam.“

Die Entwicklung der Industrie
Industrieära: 1784Technologische Revolution: Mechanische Produktion mit Wasser-/DampfkraftTransformatorischer Wandel: Substitution von Arbeit durch Kapital,; Prozessstabilität und GeschwindigkeitQuelle: "Digital Industry – Connecting the Dots" von Oliver Wyman
Industrieära: 1870Technologische Revolution: Elektrisch betriebene MassenproduktionTransformatorischer Wandel: Arbeitsteilung ("Taylorismus"); Durchgängigkeit von Prozessen
Industrieära: 1969Technologische Revolution: Produktionsautomatisierung durch Elektronik und ITTransformatorischer Wandel: Business Process Reengineering; Prozessqualität und Lean
Industrieära: heuteTechnologische Revolution: Digitalisierung durch cyber-physische Seyteme, Vernetzung und Big DataTransformatorischer Wandel: "Digitale Industrie"; Die technologische Revolution schafft die Voraussetzung für die Hebung des wahren Werts durch Prozessverbesserung

Sein Unternehmen hat sich auf die Fahnen geschrieben, für jeden Kunden die optimale Lösung anzubieten – sprich: keine billige Massenware. „In den USA müssen Sie aber marktgerechte Produkte anbieten“, so der ebm-papst-Geschäftsführer. „Der Mindeststandard reicht oft aus, auch wenn das mit unserer Mentalität oft nicht vereinbar ist.“

Seine Lösung: Eigene Entwicklungsingenieure in den USA – die Tüftler im schwäbischen Mulfingen sind für „Good enough“-Lösungen nicht geeignet.

Hannover Messe

Woran TTIP noch scheitern könnte

von Sebastian Schaal und Niklas Dummer

Der Preis zählt, die Funktion ist nur zweitrangig – auch das spiegelt die Ambivalenz der deutsch-amerikanischen Beziehungen im Maschinenbau wieder. Der Hunger auf deutsche Spitzentechnologie ist groß in den USA, US-Präsident Obama hatte mit seiner Re-Industrialisierungs-Kampagne den Appetit noch zusätzlich erhöht. Der Markt ist riesig, genauso wie die Chancen. Doch um diese Chancen zu nutzen, muss ein Unternehmen auch bereit sein, wie Hundsdörfer auf die Eigenheiten einzugehen.

Ein weiteres Beispiel: die Lieferzeiten. Greg Scheu, Amerika-Chef des Schweizer Technologiekonzerns ABB, nennt als Beispiel eine Keksfabrik: „Wenn der Kunde von dem Business Case überzeugt ist, dass die Kekse vor der Verpackung von einem Roboter sortiert werden sollen, will er die Maschine innerhalb von wenigen Wochen“, sagt Scheu. „In einer europäischen Autofabrik hingegen wird der Einsatz von Robotern auf Jahre hinaus geplant – entsprechend unterscheiden sich auch die Lieferzeiten.“

Obama in Hannover

Mit allem Charme für TTIP

von Florian Willershausen

Dass Scheu auf diese spezifischen Anforderungen eingeht, zahlt sich aus: Die USA sind für ABB der am schnellsten wachsende Einzelmarkt, fast ein Drittel seines Umsatzes erwirtschaftet der Siemens-Konkurrent zwischen San Francisco und New York. Was Scheu dabei entgegenkommt: „Amerika hat eine sehr optimistische Gesellschaft. Die Bereitschaft, neue Wege zu gehen und auch mal zu scheitern, ist viel stärker ausgeprägt als in Europa.“

Das gehe so weit, dass selbst ein europäisch geprägter Konzern wie ABB in den USA agiler ist. Auch die Bereitschaft, das eigene Geschäftsmodell infrage zu stellen, sei höher.

ABB etwa produziert in den USA rund 1.000 Elektromotoren pro Tag. Noch werden diese Motoren verkauft und auf Wunsch auch der Service dazu. Ob das so bleibt, wird aber regelmäßig auf den Prüfstand gestellt. „Noch sind wir nicht an dem Punkt, an dem wir anstelle des Motors eine bereitgestellte Laufzeit verkaufen“, sagt Scheu. Denkbar aber ist das Alternativ-Modell.

Wo die Maschine den Mensch ersetzt
Die folgenden Branchen und Berufe werden laut der Studie "The future of employment" von Forschern der Oxford University mit hoher Wahrscheinlichkeit in einigen Jahren von Automatisierung erfasst werden – in Gestalt von Maschinen, Robotern oder Programmen, ganz oder in Teilen.
TaxifahrerChauffeureBusfahrer, allgemeine Beförderung, U-BahnenKurierePiloten Quelle: The future of employment, Oxford University
SchwertransporteLokführerKranführerBaggerfahrerLogistiker, Disponenten, Lagertätigkeiten
AnalystenFinanzmathematikerBuchhaltung/RechnungswesenSteuerberaterController
gefährliche BerufeArbeiter in Diamant- und MetallminenBuchhaltung/RechnungswesenKonstruktion, Wartung, Reparatur, InstallationVerpackungswesenUhrreparaturenController
LaborarbeitenDiagnostikBiologenPflegekräfteOperateure in der Medizin
BedienungenCall-Center (alle Bereiche), TelefonagentenMaklerLandschaftsgärtnerParkwächter
Düngen, Säen, Ernten
Einzelhandel: Verkäufer, KassiererJournalisten (Teile der Sportberichterstattung, Roboterjournalismus)Anwälte, AnwaltsgehilfenBerufe in Hotels und GroßküchenBibliothekareStraßenbau

Ein Industrieunternehmen, das grundsätzlich bereit ist, nur noch Services anstatt Maschinen zu verkaufen – ein fundamentaler Wandel. Für Frank Riemensperger liegt in diesem Paradigmenwechsel ein großes Risiko für die deutsche Industrie. „In Deutschland haben wir Industrie 4.0 auf unsere Produktionskompetenzen aufgebaut“, sagt der Geschäftsführer der Unternehmensberatung Accenture. „In den USA hat das Industrial Internet Consortium von Anfang an auf die Services gesetzt, die rund um Produktion und Produkt entstehen – die Fabrik und die Maschinen darin standen nie so im Fokus wie in Deutschland.“ Seine Analyse: Das IIC und die daran beteiligten Firmen wurden den deutschen Unternehmen keinen Wettbewerb bei der Produktion machen. Aber: „Die Services sind der wahre Angriff auf unsere Wertschöpfung.“

Wie solche Services aussehen können, zeigt Bosch Rexroth in den USA. Die Industrie-Tochter des Bosch-Konzerns führt in den USA ein Pilotprojekt mit Augmented-Reality-Brillen durch. Kann ein Monteur ein technisches Problem mit einem Motor oder Getriebe nicht lösen, hilft ihm ein über die Datenbrille zugeschalteter Ingenieur, der tausende Kilometer entfernt sein kann. Der Ingenieur sieht über das System das Sichtfeld des Monteurs – und kann dank der Datenbrille direkt Anweisungen geben.

Hannover Messe

Amerika macht der Industrie das Leben schwer

von Tim Rahmann

„In den USA gibt es eine hohe IT-Affinität“, sagt Steffen Haack, Bereichsvorstand für Industrie-Anwendungen bei Bosch Rexroth. „Das macht es leichter, Kunden zu überzeugen.“ Mit dem System sollen nicht nur Wartung und Montage vereinfacht werden, sondern auch günstiger – weil der Ingenieur nicht erst ins Flugzeug steigen muss, sondern über das Internet assistieren kann. Zudem kann er ohne Reisezeit sofort reagieren, Ausfallzeiten werden minimiert. „Je besser der Service, desto mehr Kunden entscheiden sich für uns“, so Haack.

Festo – Wo die Natur Antworten liefert

Jedes Jahr stellt Festo auf der Hannover Messe ein neues Bionik-Konzept vor. Auf dem Messestand des Industrieautomatisierers aus Esslingen werden Ameisen zu sehen sein – kybernetische natürlich. Die BionicANTs – „ANT“ (das englische Wort für Ameise) steht dabei sowohl für das natürliche Vorbild als auch für „Autonomous Networking Technologies“ – imitieren das Staatenverhalten der Ameisen. Erstmals wird damit das kooperative Verhalten von Tieren mittels komplexer Regelalgorithmen in die Welt der Technik übertragen.

Foto: PR

TU Wien – Alu in Pulverform

Bei Stahl und Titan ist das Sintern als Produktionsverfahren bekannt und erprobt. Forscher der TU Wien wollen das Spritzgussverfahren jetzt auch auf Aluminium-Legierungen übertragen.

Wer heute ein kompliziertes Metallteil herstellen will, greift meist auf das Sintern genannte Metallpulver-Spritzgussverfahren zurück, bei dem Metallpulver mit Kunststoff versetzt, in Form gepresst und bei hohen Temperaturen zu einem soliden Metallwerkstück zusammengebacken wird. Bislang funktionierte diese Technik jedoch nicht mit Aluminium.

Das neue pulvermetallurgische Verfahren soll es erlauben, komplizierte Formen herzustellen, die auf andere Weise gar nicht oder nur mit großem Aufwand realisierbar wären. Da das pulverförmige Ausgangsmaterial relativ preiswert ist, können bei überschaubaren Kosten auch relativ große Bauteile produziert werden, sodass in der Massenproduktion im Vergleich zur konventionellen Fertigung Material- und Gewichtseinsparungen von mehr als 50 Prozent möglich sind.

Foto: PR

Weippert – Das Gewicht herunterschrauben

In nahezu jeder Maschine stecken unzählige Schrauben in den unterschiedlichsten Größen – sie halten die Produktionsanlagen quasi zusammen. Hier Gewicht zu sparen, kann sich positiv auf die gesamte Maschine auswirken. Die Firma Weippert stellt auf der Hannover Messe neue WT-Kunststoffschrauben vor, die – bei Beachtung der technischen Anforderungen – im Vergleich zu Alu- und Edelstahlschrauben bis zu 70 Prozent leichter sein sollen.

Die Ingenieure von Weippert stellen einen ganz einfachen Vergleich an: Während ihre WT-Kunststoffschraube M6x40 aus PA6 GF30 lediglich 1,6 Gramm wiegt und aus PA6 GF50 gerade einmal 1,8 Gramm, bringt die gleiche Metallschraube aus A2 satte 9,3 Gramm auf die Waage. Dass Kunststoffschrauben nicht die gleiche Festigkeit wie Stahlschrauben aufweisen, sei dabei nicht immer ein Problem. Denn mit einer individuellen Konstruktionsanpassung unter Berücksichtigung der mechanischen Eigenschaften könnten meist auch Kunststoffschrauben statt Stahlschrauben verwendet werden, so Weippert.

Selbst wenn die Kunststoffschraube eine Nummer größer dimensioniert wird als die Stahlschraube, wenn also beispielsweise statt einer M4 eine M6 zum Einsatz kommt, ist die Gewichtseinsparung immer noch deutlich.

Foto: PR

Sonotec – Vorbeugen statt heilen

Eines der großen Themen der Industrie 4.0 ist die Predictive Maintenance, also die vorbeugende Instandhaltung. Der Ultraschallspezialist Sonotec stellt mit dem Sonaphone auf der Hannover Messe ein neues Gerät vor, dass die Wartung einfacher machen soll.

Die möglichst genaue Vorhersage eines optimalen Wartungszeitpunktes gewinnt in der Wertschöpfungskette zunehmend an Bedeutung. Die mobilen Ultraschallmessgeräte, die zur Grundausstattung vieler Instandhalter gehören, tragen damit maßgeblich zu einer erhöhten Anlagensicherheit und -verfügbarkeit bei. Auf der Sonderausstellung Predictive Maintenance 4.0 will Sonotec zeigen, wie Unternehmen Energie einsparen und die Effizienz der gesamten Produktion mit Ultraschallmessgeräten verbessern können.

Foto: PR

Bionic Robotics – Arm mit Charme

Bionic Robotics präsentiert auf der Hannover Messe einen Leichtbauroboter, dessen Bewegungsablauf und Größe sich an einem außerordentlich erfolgreichen Vorbild orientiert – dem menschlichen Arm. Die Bionic Robotics GmbH, 2010 als Spin-Off der TU Darmstadt gegründet, setzt als innovationsgetriebenes Unternehmen vor allem auf die Entwicklung und Produktion von extrem leichten Roboterarmen. Vergleichbar elastisch und mit seinen vier bis fünf Gelenken besonders flexibel im Aufbau, sorgen die in die Basis des BioRob verlegten Antriebe zudem für eine geringe bewegte Masse im Roboterarm. Damit ist der BioRob prädestiniert für den Einsatz in der industriellen Automation, wo er Transport-, Pick & Place-, Palettier- oder wechselnde Handhabungsaufgaben mit kleinen und mittleren Losgrößen übernehmen kann.

Laut dem Unternehmen ist BioRob der einzige kollaborative Roboter – er darf also ohne Schutzkäfig direkt mit Menschen zusammenarbeiten –, der ohne aufwändige Sensortechnologie und Steuerungstechnik auskommt. Selbst bei hohen Bewegungsgeschwindigkeiten würden die Kräfte im Falle eines ungewollten Kontaktes mit menschlichen Arbeitskollegen bauartbedingt so weit reduziert, dass keinerlei Verletzungsgefahr besteht – die besonders leichte und nachgiebige Struktur des BioRob macht es möglich.

Foto: PR

Fluid Dynamix – Der unbewegte Beweger

Das Berliner Start-up FDX Fluid Dynamix feiert auf der Hannover Messe die Premiere seiner einzigartigen OcsiJet-Düse, mit der es dank eines fluidischen Oszillators erstmals möglich ist, einen bewegten Strahl ganz ohne bewegliche Teile zu erzeugen.

Um für eine gute Durchmischung von Gasen und Flüssigkeiten zu sorgen, kommen die dafür verwendeten Komponenten so gut wie nie ohne bewegliche Bauteile aus, woraus beinah schon zwangsläufig eine gewisse Reparaturanfälligkeit und ein erhöhter Wartungsbedarf resultieren. Die neue Düse von FDX erzeugt den schwingenden Fluidstrahl jedoch ohne bewegliche Teile. Mit einem schnell, effizient und genau anpassbaren Frequenzspektrum, welches von wenigen Schwingungen pro Sekunde bis fast in den Ultraschallbereich reicht, liefert die OsciJet-Düse für beinah jeden Prozess den notwendigen Frequenzbereich – ob Kraftstoff-Luft-Mischungen in Motoren oder der Wasserstrahl in Geschirrspülmaschinen.

Foto: PR

MediGlove – Heilende Handschuhe
Auf dem Stand der Hochschule Anhalt zeigen die Designer Thomas Kores und Philipp Rösler aus Dessau erstmalig einen vollen interaktiven Prototyp eines medizinischen Diagnostik-Handschuhs, der die Funktionen von Stethoskop, Thermometer und Pulsmesser vereint.

Mit MediGlove sollen nicht nur die Untersuchungen intuitiver „von der Hand gehen“, sondern über natürliche Gesten auch hochauflösende Messwerte ermittelt und automatisch in eine digitale Krankenakte eingepflegt werden können, um sie so längerfristig und ganzheitlich nachvollziehbar zu machen. Der als Design-Projekt der Hochschule Anhalt konzipierte MediGlove ist bereits mit zwei Sonderpreisen ausgezeichnet worden.

Foto: PR

ABB – Produktivität steigern

Der Schweizer Mischkonzern ABB hat seine eigene Definition des Internets der Dinge: Das IoT wird zum „Internet of Things, Services and People“ erweitert – und soll so Chancen bieten, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. „Wir verbinden Komponenten – also Things – der Industrieautomation und Energieversorgung mit dem Internet und fördern durch fortschrittliche Softwarelösungen deren perfekte Zusammenarbeit“, sagt ABB-Chef Ulrich Spiesshofer. „Das führt zu neuen Serviceangeboten und verschafft unseren Kunden einen klaren Wettbewerbsvorsprung.“

Eine der Neuheiten an dem 1700 Quadratmeter großen Messestand ist ein neuer Sensor, mit dem bestehende Motoren mit der Smart Factory angebunden werden können. Der Sensor – in etwa so groß wie eine Zigarettenschachtel – wird an dem vorhandenen Elektromotor befestigt, misst Zustandsdaten wie Temperatur, Vibration oder Magnetfeld und sendet sie an einen Server. Aus diesen kontinuierlich erhobenen Daten können genaue Analysen über den Zustand des Motors erstellt werden. Produktivität und Verfügbarkeit lassen sich so verbessern und Produktionsunterbrechungen durch vorausschauende Wartung vermeiden.

Foto: PR

Fraunhofer IWU – Die Miniaturfabrik

Das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) präsentiert auf der Messe mit seinem Forschungsprojekt „Presswerk 4.0“ erstmals ein Miniaturfabrikmodell, das Messebesucher dank Augmented Reality bei einem virtuellen Rundgang erkunden können.

Den einzelnen Produktionsschritten folgend, wird den Besuchern dort anhand der Fertigung von Beispielbauteilen interaktiv und gut nachvollziehbar die intelligente Vernetzung von Prozess, Maschine, Anlage und Mensch vermittelt. Zudem wird deutlich, wie diese Vernetzung hilft, Zeit, Energie und Material zu sparen und die Produktion schneller und flexibler auf Marktveränderungen reagieren zu lassen.

Foto: PR

Institut für Integrierte Produktion Hannover – „Heb mich hoch, Scottie!“

Autonome Fahrzeuge sind nicht nur in der Autoindustrie ein Thema. In modernen Produktionsstätten und Lagerhallen werden sich die Mitarbeiter nicht mehr selbst ans Steuer eines Gabelstaplers setzen, sondern ihre Arbeitsaufträge an intelligente fahrerlose Transportfahrzeuge übergeben. Was zur Kommunikation zwischen Mensch und Stapler nötig ist, zeigt das Institut für Integrierte Produktion Hannover: Die gemeinsam mit Jungheinrich und weiteren Partnern entwickelten fahrerlosen Schubmaststapler, die menschliche Sprache verstehen und Gesten deuten können, dürfen von den Messebesuchern auf dem niedersächsischen Gemeinschaftsstand in Halle 2 sogar selbst ausprobiert werden.

Mithilfe von 3D-Kameras erfassen sie ihre Umgebung und orientieren sich ähnlich wie ein Mensch, indem sie sich markante Punkte im Raum merken. Bei räumlichen Veränderungen – zum Beispiel, weil ein Regal zur Seite gerückt wurde oder eine Palette den sonst üblichen Weg versperrt – wird sich das Fahrzeug daran anpassen, ganz im Sinne der Industrie 4.0. Im Gegensatz zu bisherigen fahrerlosen Transportsystemen benötigt es keinerlei vorgegebene Wege, etwa in Form von Magnetsensoren oder Führungslinien auf dem Boden, sondern kann sich frei bewegen. Durch den Wegfall von Investitionen für Leitsysteme kann sich die neue Technologie auch für kleine und mittlere Unternehmen lohnen.

Foto: PR

Pilz – Sichere Automation

Pilz aus dem schwäbischen Ostfildern hat sich für die Hannover Messe ein eigenes Motto gesetzt: „Wir automatisieren. Sicher.“ Auf dem Messestand demonstriert Pilz den Besuchern, wie Mensch und Roboter künftig sicher eng zusammenarbeiten können. Der Roboter arbeitet ohne Trennwände mit dem Menschen zusammen – ein Trend, der sich über die gesamte Hannover Messe zieht.

Foto: PR

Harting – Kleine Box mit heißem Inhalt

Der Höhepunkt der diesjährigen Hannover Messe könnte für die ostwestfälische Harting Technologiegruppe bereits vor Messestart stattfinden: Mit Mica gehört das Unternehmen zu den fünf Nominierten für den Hermes Award, der am Vorabend der Messe in Anwesenheit von US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel verliehen wird.

Mica steht für „Modular Industry Computing Architecture“. Das System ermöglicht, Daten im direkten Umfeld von bereits existierenden Maschinen auszuwerten und mit dem IT-System eines Betriebes zu vernetzen. Sprich: Auch bestehende Maschinenparks können an die Smart Factory angebunden werden.

Foto: PR

Rethink Robotics – Kollege Cobot!

„Cobots“ (Collaborative Robots) stehen für ein neues Konzept in der Produktion: Ein Roboter soll den Mensch nicht ersetzen, sondern mit ihm produktiv zusammenarbeiten. Ein wesentlicher Aspekt in seiner Entwicklung war daher von Anfang an die sichere und bedenkenlose Zusammenarbeit von Mensch und Maschine – und zwar ohne trennende Schutzeinrichtungen.

Für diese neue Arbeitswelt stellt das US-Unternehmen Rethink Robotics mit seinen deutschen Partnern Hahn und Freise Automation in Hannover „Sawyer“ vor. Laut dem Unternehmen setzen der Grad an Intelligenz und Einfühlungsvermögen neue Maßstäbe in der Robotik. Am Ende soll diese neue Technologie für eine Win-Win-Situationen sorgen: Entlastete Mitarbeiter widmen sich komplexeren Aufgaben und steigern damit nachhaltig die Wertschöpfung des gesamten Unternehmens.

Foto: PR

Schaeffler –Werkzeugmaschine 4.0

Auf der Industriemesse präsentiert Schaeffler ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Werkzeugmaschinenhersteller DMG Mori: die Werkzeugmaschine 4.0. Die voll vernetzte Maschine stellt, ausgehend von sensorisierten Schaeffler-Komponenten sowie einer Cloud-basierten Software und Auswerteeinheit, einen konkreten Schritt in Richtung digitalisierte Produktion dar - lassen sich doch die Erfahrungen aus diesem Projekt auch auf andere Maschinen und Anlagen übertragen.

Auf der Sonderschau Predictive Maintenance 4.0 demonstriert Schaeffler mit dem Antriebsstrang 4.0 in Live-Vorführungen, welchen Mehrwert aus Unternehmenssicht die Cloud-basierten Services bieten können.

Foto: PR

Siemens – Die Würfel sind gefallen

In vier „Highlight-Cubes“ präsentiert Siemens seine Neuheiten in Hannover – die Würfel sollen die Themenschwerpunkte auf der 3500 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche auch optisch gliedern. Überschrieben sind diese vier Bereiche mit den Schwerpunktthemen „Nachhaltige Energie für digitale Unternehmen“, „Neue Chancen für die Fiber Industry durch Digitalisierung“, „Auf dem Weg zur individualisierten Massenproduktion“ sowie „Automobilhersteller: Mit Digitalisierung auf der Überholspur“.

Im Kern aller Schwerpunkte steht die Verschmelzung der realen und virtuellen Welt.

Foto: PR

Dass auch ein deutsches Unternehmen an solche Services denkt, ist für Industrie-Experte Riemensperger ein gutes Zeichen. „Die deutsche Industrie ist inzwischen aufgewacht und hat die Renditemöglichkeiten bei den Services erkannt“, sagt der Unternehmensberater. „Deshalb ist auch die Zusammenarbeit mit dem IIC richtig – alleine schon, um die andere Denkweise zu verstehen.“

Hannover Messe

Die Weltbühne der vernetzten Industrie

Die Denkweise ist auch für Haack ein zentraler Punkt für den Erfolg in den USA. „Im Land der Daten ticken die Geschäfte anders. Da müssen wir unseren Landesgesellschaften freie Hand lassen, sich an die jeweiligen Umstände anzupassen. Dazu zählt auch der Umgang mit Daten.“ Angst vor den amerikanischen Software-Unternehmen hat der Maschinenbauer aber nicht. „Jeder braucht das Wissen des anderen“, sagt Haack. „Der beste Schutz ist die tiefe Kenntnis der Produkte. Ohne dieses Wissen können andere mit den Daten gar nichts anfangen – sie können sie erfassen und verarbeiten, sinnvolle Analysen können aber nur wir daraus ziehen.“

Doch nicht nur in der Produktion gewinnen Daten an Bedeutung, auch der Vertrieb ist mehr und mehr datengestützt. In den USA mit einem entscheidenden Unterschied: Der in Europa dominierende Direktvertrieb ist kaum verbreitet, in Amerika läuft vieles über Zwischenhändler. Der Produzent weiß also zunächst wenig über seinen Endkunden, weil der nicht bei ihm bestellt.

Für Unternehmen wie den Stecker-Spezialisten Phoenix Contact aus dem westfälischen Blomberg macht das die Arbeit etwas schwerer. Der US-Fokus auf die Daten hat für Stührenberg auch Vorteile: „Software-Entwickler sind hier leichter zu finden.“ Am US-Standort in Harrisburg, Pennsylvania, arbeiten rund 125 Entwickler, unter anderem an einer eigenen Cloud-Lösung. „Wer ein Internet oh Things will, muss auch die Hardware darauf vorbereiten“, ergänzt US-Chef Jack Nehling. „Nur so gibt es eine sichere vernetzte Welt.“

Am Ende muss der Kunde aber noch bereit sein, dafür zu zahlen. Eine Beobachtung, die nicht nur ebm-papst-Chef Hundsdörfer gemacht hat, sondern auch Gregg Holst, US-Geschäftsführer des hessischen Schaltschrank-Herstellers Rittal. „In Europa werden meist die ‚Total Cost of Ownership‘ beachtet“ sagt Holst. In den USA zähle aber das Preisschild am Anfang des Investments, die Betriebskosten seien zweitrangig.

Das macht viel Überzeugungsarbeit nötig, wenn man mit der technisch besseren Lösung in der Anschaffung etwas teurer ist. Holst arbeitet zum Beispiel mit einem Online-Kalkulator, der anhand einiger Kennzahlen die deutlich günstigeren Gesamtkosten veranschaulichen soll. Dennoch kein leichtes Unterfangen: „Neue und bessere Produkte verkaufen sich nicht von selbst, auch wenn die Vorteile überwiegen.“

Für einen deutschen Mittelständler, der seinen Maschinenpark auch als Statussymbol sieht, wohl nur schwer vorstellbar. Wer allerdings ein Stück von dem 114 Milliarden Euro großen Export-Kuchen in die USA haben will, muss eben über den ein oder anderen Schatten springen. Die Markteintrittshürden sind hoch, der Markt fragmentiert. Ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten sind die USA für Maschinenbauer nicht. Aber eines mit sehr großen Chancen.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick