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Kasper Rorsted und Heinrich Hiesinger Was die Chefs von Adidas und Thyssenkrupp besser machen

Kasper Rorsted und Heinrich Hiesinger Quelle: Stefan Obermeier

Thyssenkrupp steht für die deutsche Ingenieurskunst. Adidas treibt den Aufbau datengestützter Geschäftsmodelle voran. Im Doppel-Interview erklären die Chefs, welche Zutaten die deutsche Wirtschaft braucht.

Strenggenommen, sagt Adidas-Chef Kasper Rorsted, sei Thyssenkrupp ein Wettbewerber: „Je mehr Aufzüge die bauen, desto weniger Leute laufen mit unseren Schuhen die Treppe hoch.“ Tatsächlich aber kennen und schätzen sich Rorsted und Heinrich Hiesinger, der den Essener Traditionskonzerns seit 2011 lenkt, seit langem. Und die beiden Manager stehen vor ähnlichen Aufgaben: Ob Stahl oder Schuh – beide müssen ihre Produkte smarter machen. Und sie müssen dafür vertrauensvolle Partner finden.

Mit Turnschuhen erwirtschaftet Adidas etwa die Hälfte seines Umsatzes von jährlich 20 Milliarden Euro. Um seinen Kunden etwas Besonderes zu bieten, erfasst er über verschiedene Apps ihre Laufgewohnheiten. So kann Adidas die Turnschuhe an spezielle Anforderungen anpassen. Gefertigt werden diese individuellen Modelle derzeit in der Speedfactory, einer vernetzten Werkshalle, die Adidas 2017 in Ansbach eröffnet hat. Im kommenden Jahr will der Konzern erstmals in einzelnen Läden Turnschuhe zum Ausdrucken anbieten. „Wir wollen damit experimentieren und wahrscheinlich im nächsten Jahr mit Testaktionen in ausgewählten Läden starten“, sagte Rorsted, 56, im Gespräch mit der WirtschaftsWoche.

Trotz der aktuellen Debatte rund um Facebook und die Verwertung von Daten in Apps sieht der Adidas-Chef keinen Handlungsbedarf in diesem Geschäft: „In Bezug darauf, wie Daten gesammelt werden, ist Europa ja schon bei Weitem die restriktivste Region der Welt“, betonte Rorsted, der den Sportkonzern seit eineinhalb Jahren führt. Gleichwohl äußerte er seine Sorge, dass sich Europa mit diesem strengen Datenschutz seine Wettbewerbsfähigkeit verbaut. „Man sieht das auch daran, dass die führenden Technologiefirmen nicht aus Europa kommen. Das ist kein Zufall.“

Diese Sorge treibt auch Hiesinger um. „In Europa neigen wir dazu, Daten gar nicht erst zu sammeln. Das funktioniert nicht mehr“, sagte er in dem gemeinsamen Gespräch mit der WirtschaftsWoche. Zur Erprobung datengetriebener Geschäfte startet sein Konzern den Piloten häufig außerhalb von Europa. „Das geht unkomplizierter. Dadurch sind die Lernkurven steiler.“ Für die deutsche Wirtschaft bedeutet dies: Sie hinkt bei wichtigen Entwicklungen hinterher. „Bei unseren Aufzügen, in die wir Sensorik einbauen, damit wir vorausschauend warten können, sind wir in den USA etwa eineinhalb Jahre voraus“, erläuterte Hiesinger.

Für die vorausschauende Wartung bei den Aufzügen arbeitet Thyssenkrupp mit dem US-Konzern Microsoft zusammen; Adidas setzt in der Speedfactory ebenfalls auf die Technologie eines amerikanischen Unternehmens. Rorsted aber glaubt, dass dies gerade für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Zukunft nicht mehr unbedingt reicht. „In China gibt es unheimlich gute Leute. Wir werden uns deshalb mehr und mehr auch auf Partner aus Asien besinnen.“ Viele deutsche Manager hingegen sind alarmiert, seit die chinesische Regierung vorschreibt, dass Daten auf chinesischen Servern gespeichert werden müssen. Auch Heinrich Hiesinger betont: „Wir würden nie alle Daten dort hingeben. Das wäre naiv.“

Wie Hiesinger und Rorsted mit ungeduldigen Investoren umgehen, wie groß ihre Sorge vor einem Handelskrieg ist – und welche Hoffnungen beide auf den französischen Präsidenten Emmanuel Macron setzen, lesen Sie hier im Interview.

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