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Innovationen Wie Mittelständler mit Digitalisierung umgehen

Gipfeltreffen der Weltmarktführer Quelle: Sebastian Muth für WirtschaftsWoche

Früher galt Deutschlands Mittelstand als Synonym für Innovation, heute blicken alle ins Silicon Valley. Beim Weltmarktführer-Gipfel der WirtschaftsWoche diskutieren Mittelständler die Disruption des eigenen Geschäfts.

Es ist eine schwierige Lage: Innovation – vor allem bei Hardware – hat den deutschen Mittelstand groß gemacht. Sehr groß. 56 Prozent des deutschen BIP kommen aus dem Mittelstand.

Doch redet man heute über Innovationen, fallen nicht mehr Stichworte wie Präzision, Qualität oder deutsche Wertarbeit. Die Keywords sind Disruption, Silicon Valley, Digitalisierung und Globalisierung.

Das ist auch auf dem Weltmarktführer-Gipfel der WirtschaftsWoche in Schwäbisch Hall zu spüren. Noch vor wenigen Jahren hätte Till Reuter als Chef des Augsburger Roboterherstellers Kuka wohl darüber gesprochen, wie er die Produktion für seine Kunden effizienter gestalten kann. Eine inkrementelle Verbesserung des über Jahre etablierten Produkts stand im Mittelpunkt des Handelns in den meisten Chefetagen.

Osram-Chef Olaf Berlien: "Innovation kann man nicht anordnen."

Heute klingt das anders. „Wir suchen immer die Killer-Applikation“, sagt Reuter im Gespräch mit WirtschaftsWoche-Herausgeberin Miriam Meckel. „Wo steckt eine Funktion, die wir millionenfach einsetzen können?“ Reuter sucht die Disruption des eigenen Geschäfts. Bevor es ein anderer tut.

Hagen Rickmann hat Disruption am eigenen Leib erfahren. Die Deutsche Telekom war in Deutschland unangefochtener Marktführer bei SMS-Kurznachrichten. Ein Angebot, bei dem kleinen Dienst WhatsApp einzusteigen, haben die Bonner damals abgelehnt. „Quasi mit einem Fingerschnipp hat ein Unternehmen mit damals 46 Mitarbeitern uns innerhalb weniger Jahre ein Multi-Millionen-Geschäft weggenommen“, sagt der Geschäftsführer Geschäftskunden bei der Telekom Deutschland GmbH.

„Im Silicon Valley herrscht ein Gedanke vor: Wie kann ich die Strukturen kreativ zerstören und mit Technologie den Kunden ein besseres Erlebnis bieten?“, sagt Rickmann. „Damit setze ich mich an die Spitze der Nahrungskette.“ Und an der Spitze gibt es die höchsten Umsätze und größere Chancen auf Wachstum.

Das Vorabend-Event in Schwäbisch Hall
Einlass beim Weltmarktführer-Gipfel in Schwäbisch Hall. Quelle: Sebastian Muth für WirtschaftsWoche
Dr. Walter Döring zeigt Kent D. Logsdon das Gebäude. Quelle: Sebastian Muth für WirtschaftsWoche
Dr. Walter Döring (r) im Gespräch mit Rüdiger von Fritsch (m), dem deutschen Botschafter in Russland. Quelle: Sebastian Muth für WirtschaftsWoche
Léa Steinacker und Daniel Rettig Quelle: Sebastian Muth für WirtschaftsWoche
Begrüßung durch Dr. Walter Döring. Quelle: Sebastian Muth für WirtschaftsWoche
Reinhold Würth Quelle: Sebastian Muth für WirtschaftsWoche
WirtschaftsWoche-Chefredakteur Beat Balzli (l) und Würth-Sprecher Robert Friedmann (r). Quelle: Sebastian Muth für WirtschaftsWoche

Ähnliches treibt auch Maximilian Viessmann an. Als Co-CEO des Heiztechnik-Spezialisten Viessmann könnte er sich mit einer besonders energieeffizienten Heizung beschäftigen – das Geschäft brummt, zuletzt mit 2,25 Milliarden Euro Umsatz. Doch stattdessen treibt der 28-Jährige zusammen mit seinem Vater Martin die Digitalisierung im Unternehmen voran.

„Wenn sich der Kontext verändert, muss man andere Entscheidungen treffen“, sagt Viessmann auf der Bühne in Schwäbisch Hall. „Durch die Digitalisierung hat sich der Kontext für unser Unternehmen enorm geändert. Deshalb brauchen wir auch neues Knowhow – in der Unternehmensführung, Entwicklung und Produktion.“

Das hat im vergangenen Jahr zu der größten Einzelinvestition in der über 100-jährigen Unternehmensgeschichte geführt: Im April 2017 hat Viessmann im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel an seinem Stammsitz im nordhessischen Allendorf das neue Entwicklungszentrum „Technikum“ eröffnet. In dem für 50 Millionen Euro errichteten Gebäude arbeiten 100 Entwickler an Heiz-, Industrie- und Kühlsystemen der Zukunft. Bei Bedarf können sie teamübergreifend von 60 weiteren Mitarbeitern unterstützt werden. Viessmann selbst feiert das als „Meilenstein für die interdisziplinäre Entwicklung von Innovationen“.

Das war der erste Tag
Gipfeltreffen der Weltmarktführer Quelle: Sebastian Muth für WirtschaftsWoche
Walter Döring Quelle: Sebastian Muth für WirtschaftsWoche
Beat Balzli Quelle: Sebastian Muth für WirtschaftsWoche
Jürgen Gießler Quelle: Sebastian Muth für WirtschaftsWoche
Publikum Quelle: Sebastian Muth für WirtschaftsWoche
Norbert Lammert. Quelle: Sebastian Muth für WirtschaftsWoche
Norbert Lammert. Quelle: Sebastian Muth für WirtschaftsWoche

Viessmann Junior sieht seine Rolle beim Innovationsmanagement eher in der Organisation: „Man selbst kann Impulse setzen. Um das umzusetzen, braucht man aber ein sehr starkes Team.“

Kuka-Chef Reuter würde diese Aussage wohl um „starke Partnerschaften“ ergänzen. „Viele Innovationen kommen aus unseren gewachsenen Partnerschaften, direkt von unseren Kunden aus der Autoindustrie“, sagt Reuter. „Davon können auch andere Bereiche profitieren.“ Sprich: Wird etwa für einen Autobauer eine Roboterhand entwickelt, die ohne Schutzkäfig mit einem Produktionsarbeiter zusammenarbeiten kann, dient das womöglich als Basis für einen Assistenzroboter in einem OP-Saal.

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