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Mode Deutsche Modemarken: Begehrt bei Ästheten und Heuschrecken

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Hochprofitable Unternehmen auch jenseits der Supermarken

Bei einer Weltmarke wie Adidas läuft es hervorragend, und auch wenn Puma und Boss beim operativen Ergebnis des ersten Halbjahres hinter den Vorjahreszeitraum zurückfielen, stehen beide gesund da. Jil Sander scheint unter Kreativchef Raf Simons aus der Schieflage herauszukommen, sodass der japanische Modehersteller Onward vor wenigen Tagen bereit war, das Hamburger Unternehmen der britischen Beteiligungsgesellschaft Change Capital Partners abzukaufen. Ebenso geht es mit der Nobelmarke Strenesse wieder aufwärts. Doch auch jenseits der Supermarken haben sich klammheimlich eine Reihe von hochprofitablen Modeunternehmen etabliert, die teilweise seit Jahren beim Umsatz zweistellig zulegen. „Deutschland ist ein unterschätztes Modeland“, sagt Philip Beil, Modeexperte bei der Münchner Beratung Roland Berger. Tatsächlich rangiert Deutschland weltweit als zweitgrößtes Modeexportland direkt hinter Italien.

Unternehmen wie die beiden Sportmarken Adidas und Puma, wie Boss und der in Hongkong an der Börse notierte Esprit-Konzern aus Ratingen bei Düsseldorf machen mehr als 70 Prozent ihres Geschäftes jenseits der deutschen Grenzen. Marken wie Joop, Tom Tailor oder Gerry Weber kommen immerhin auf über 40 Prozent Auslandsumsatz – Tendenz steigend.

Lange fehlte der heimischen Modeszene der Kern. Es fehlte der Ort, an dem die Fäden zusammenlaufen, ein Kreativzentrum vergleichbar mit Paris, Mailand oder New York. Zwar findet seit jeher mit der CPD die weltweit bedeutendste Modemesse in Düsseldorf statt. Doch die Schauen in der Rheinstadt spielen in puncto Glamour stets in einer anderen Liga als die Fashionshows in den internationalen Modehochburgen.

Berliner Fashion Week hat sich etabliert

Doch langsam fängt Deutschlands Modeszene an, glanzvolle Ereignisse zu entwickeln. So besteht Hoffnung, dass die halbjährlich stattfindende Berlin Fashion Week, erst im vergangenen Sommer gestartet, sich neben den großen Plätzen etabliert. Bei der Gründung hatten viele Modeleute das baldige Ende der Schau vorausgesagt. Selbst Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hatte bei der ersten Fashion Week darauf verwiesen, dass „New York auch Jahrzehnte brauchte, um die Modemetropole zu werden, die sie heute ist“.

Von einem Ende redet keiner mehr. Jetzt schon, nach der dritten Runde, gilt die Berlin Fashion Week in der internationalen Modeszene als unverbrauchte Schau – auch wegen ihrer Laufstege durch das Brandenburger Tor oder mitten auf Berlins Prachtallee Unter den Linden.

Längst verstummt ist auch das Genöle über deutsche Mode, die in Madrid, Moskau und erst recht in Mailand nicht an die Frau oder den Mann zu bringen sei, weil Deutschland als Modeland schlicht unsexy sei. Heute gehen die Marken mit ihrer deutschen Herkunft ganz entspannt um. Oder sie schmücken sich geradezu damit wie Joop. „Unsere deutsche Herkunft ist wichtig für uns, sie ist integraler Teil unserer Marke“, sagt Joop-Chef Lars Schöneweiß.

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