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SchadensersatzSolar Millennium will Utz Claassen verklagen

Utz Claassen muss möglicherweile mehrere Millionen Euro Schadenersatz zahlen. Sein ehemaliger Arbeitgeber Solar Millennium will den Manager verklagen - und erhebt schwere Vorwürfe gegen den Ex-Vorstandschef. Kein einziges Neugeschäft sei durch Claassen initiiert worden.Sönke Iwersen 26.07.2010 - 06:16 Uhr Quelle: Handelsblatt

Dem ehemaligen Solar-Millenium-Chef Utz Claassen droht eine Millionenstrafe.

Foto: dpa

DÜSSELDORF. Der Erlanger Solarkraftentwickler Solar Millennium will seinen ehemaligen Vorstandschef Utz Claassen auf Schadenersatz von neun Millionen Euro verklagen. "Die von uns angestrebte außergerichtliche Einigung erscheint immer unwahrscheinlicher, nachdem Utz Claassen seinen Anwälten das Mandat entzogen hat und seine neuen Rechtsberater offensichtlich auf Zeit spielen", sagte der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende von Solar-Millennium, Hannes Kuhn auf Anfrage des Handelsblattes. "Die Vorbereitungen für eine Klage sind bereits sind abgeschlossen."

Solar Millennium verlangt die Summe von 9,18 Millionen Euro brutto zurück, die das Unternehmen für den Antritt von Utz Claassen im Januar 2010 aufbringen musste. Claassen hatte einen Fünfjahresvertrag unterschrieben, das Unternehmen aber nach nur 74 Tagen wieder verlassen.

Bei den Aufräumarbeiten deckt der Aufsichtsrat nun überraschende Einzelheiten auf. Laut Kuhn konnte man bei Solar Millennium kein einziges Neugeschäft finden, das von Claassen initiiert worden wäre. Claassen sei ganze 15 Tage im Büro gewesen. "Wir haben leider Schwierigkeiten die Leistungen von Herrn Claassen überhaupt zu messen", sagt Kuhn. "Unglaublich viel Zeit wurde für Formalien aufgewendet. Organigramme waren zum Beispiel ein ganz großes Thema."

Claassen teilte über seinen Anwalt mit, seine Präsenz bei Solar Millennium sei überdurchschnittlich gewesen, Seine Arbeitseinteilung angemessen.

Für Aufsehen in Erlangen sorgen nun auch die Beraterverträge, die unter Claassens Amtsführung mit dessen Freunden abgeschlossen wurden. Allein 10 000 Euro Vorschuss erhielt der PR-Berater Jürgen Hogrefe, ein langjähriger Freund von Claassen. Dem Aufsichtsrat ist nach Aussage von Kuhn nicht bekannt, was Hogrefe hierfür leistete. Claassen ließ über einen Anwalt mitteilen, der Aufsichtsrat habe von den Beraterverträgen vorher Kenntnis gehabt. Aufsichtsrat Kuhn bestreitet dies mit Nachdruck.

25 000 Euro pro Monat für Rechtsberatung erhielt Klaus Menge, ein weiterer langjähriger Freund und bis vor kurzem Anwalt von Claassen. Menge war bis Mitte März für Solar Millennium tätig, trat aber unmittelbar danach als Anwalt von Claassen im Streit gegen Solar Millennium auf. Das Unternehmen will nun bei der Rechtsanwaltskammer Braunschweig gegen Menge eine Beschwerde wegen Parteiverrat einreichen. Menge wies gegenüber dem Handelsblatt den Vorwurf zurück. Claassen behauptet, er kenne die Konditionen der Beraterverträge nicht. Der Vertrag mit seinem langjährigen Freund, dem mehr als 70 Jahre alten Klaus Menge, sei nicht auf seinen Anstoß hin entstanden. Solar Millennium behauptet entschieden das Gegenteil.

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