Trumps Autozölle: In den USA produziert – mit zwei Drittel Teilen aus anderen Ländern
US-Präsident Donald Trump zumindest hat keinen Zweifel an der heilsamen Wirkung seiner Zölle: „Ich denke, unsere Automobilbranche wird florieren wie noch nie zuvor“, so kommentierte Trump die Ankündigung erhöhter Abgaben auf den Import von Autos und Autoteilen. Ab dem 2. April soll auf diese bei Einfuhr in die USA eine Abgabe von 25 Prozent fällig werden. Bislang lag der Satz für Importe aus Europa bei 2,5 Prozent, für SUVs und Pickups waren bereits deutlich höhere Sätze fällig. Importe aus Mexiko und Kanada waren ganz von Zöllen befreit.
Welche Folgen diese Abgaben aber tatsächlich haben werden, darüber existieren unter Ökonomen sehr unterschiedliche Ansichten. Die Autopreise in den USA dürften steigen, die Importe sinken. Aber in welchem Maße? Und mit welchen Folgen? Aus Trumps Sicht ist die Sache klar: „Wenn Sie Ihr Auto in den Vereinigten Staaten bauen, gibt es keinen Zoll“, so der US-Präsident in Richtung der Autohersteller. Ergo würden all jene Konzerne, die bisher Autos in die USA importieren, dort nun neue Fabriken errichten und Arbeitsplätze schaffen.
Fakt ist: Nahezu alle Autokonzerne sind von dem neuen Zoll betroffen, ja, vermutlich wohl gar fast alle Modelle. Das ergibt sich aus einer Analyse, welche die US-Verkehrsbehörde NHTSA vor einigen Wochen durchgeführt hat. Untersucht haben die Beamten dabei für jedes in den USA verkaufte Automodell, wie groß der Anteil von Teilen ist, die nicht in den USA hergestellt sind.
Klar, Autos, die vollständig aus anderen Ländern importiert werden, wie die Modelle von Audi und Porsche, trifft der Zoll komplett. Bei der Lektüre der Tabelle zeigt sich aber auch: Ganz zollfrei produziert wird vermutlich fast kein Automodell. Sogar vermeintlich in den USA hergestellte Autos enthalten bedeutende Anteile von Importteilen und dürften daher vom Zollregime erfasst werden.
Das gilt etwa für den BMW X4. Bislang galt BMW als einer jener Konzerne, die von den US-Zöllen eher wenig getroffen werden, da der Konzern in Spartanburg im Bundesstaat South Carolina sein weltweit größtes Werk unterhält, von dem auch in großem Maße Autos exportiert werden. Aus dem NHTSA-Dokument aber geht nun hervor, dass etwa der X4, der final in Spartanburg ausgestattet wird, nur zu 32 Prozent aus US-amerikanischen Teilen besteht.
Auch wenn die konkrete Ausgestaltung der Zölle noch ein wenig unklar ist, könnte sich daraus ein Zoll von 17 Prozent ergeben. Die anderen formell in den USA gefertigten BMW-Modelle X3, X5, X6 und X7 halten den Behördendokumenten zufolge gar nur zwischen 25 und 30 Prozent US-Teile.
22,5 Prozent Zoll auf US-Mercedes-Modelle?
Noch höher dürften die Zollwirkungen auf die Autos von Mercedes sein. Auch der Konzern betreibt in den USA ein Werk in Tuscaloosa, Alabama. Gefertigt wird dort das Modell GLE. Es als amerikanisches Auto zu bezeichnen, dürfte den Dokumenten zufolge dennoch eine Irreführung sein: Nur 10 Prozent der Wertschöpfung finden der NHTSA zufolge in den USA statt. Der Zoll auf das Modell müsste einer provisorischen Rechnung nach somit bei 22,5 liegen – unwesentlich weniger als bei vollständig importierten Autos.
Ein wenig günstiger fällt die Rechnung für einige Modelle des Volkswagen-Konzerns aus, deren finale Montage im US-Werk des Konzerns in Chattanooga, Tennessee, stattfindet. So besteht das Modell Atlas, ein SUV speziell für den US-Markt, den Dokumenten zufolge zu immerhin 50 Prozent aus US-Teilen, der Zoll betrüge entsprechend nur rund 12,5 Prozent. Das Elektroauto ID.4 besteht demnach gar zu mindestens 70 Prozent aus amerikanischen Teilen, der Zoll läge demnach maximal bei vergleichsweise humanen 7,5 Prozent.
Ein Trost für die deutschen Autohersteller mag zudem sein, dass auch einige der verkaufsstärksten Modelle der US-Konkurrenten stark von den Zöllen betroffen sein dürften. So besteht der F-150 von Ford, das 2024 am häufigsten verkaufte Auto überhaupt, nur zu 32 Prozent aus US-amerikanischen Teilen. Auch der Chevrolet Silverado, Nummer zwei der Hitliste, kommt nur auf 36 Prozent US-Teile. Relativ profitieren würde hingegen Teslas Model Y, das auf Platz 3 der Verkaufscharts liegt. 70 Prozent seiner Teile sind dem Dokument zufolge US-amerikanischer Herkunft, gleiches gilt für den viertplatzierten RAV4 des japanischen Herstellers Toyota. Insgesamt haben die japanischen Konzerne einige Modelle mit hohem US-Anteil an der Wertschöpfung im Angebot, Hondas im Ranking folgendes Modell CR-V wird ebenfalls zu 60 Prozent in den USA hergestellt.
Die Daten zeigen: Die neuen Zölle werden tiefgreifende Auswirkungen auf den gesamten US-Automarkt haben. Wie genau diese aber ausfallen werden, wer profitiert und wer verliert, das lässt sich noch kaum pauschal prognostizieren.
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