Dax und Co.: Der mögliche Durchbruch im Zoll-Streit lässt US-Aktien explodieren
Wird vielleicht alles doch nicht so schlimm? Am Wochenende haben sich hochrangige Delegationen aus den USA und aus China in Genf getroffen, um über Lösungen für die handelspolitischen Spannungen zu sprechen. Seit Donald Trumps „Liberation Day“ liefern sich die beiden Supermächte ein Wettrüsten um immer höhere Zölle.
Das Spitzentreffen in Genf war offenbar erfolgreich. Beide Seiten sprechen von „substanziellen Fortschritten“. Die USA und China senken einen Teil ihre Zölle für 90 Tage, und zwar deutlich. Für die meisten chinesischen Importe soll der Zollsatz von 145 auf 30 Prozent sinken. China reduziert die Zölle von 125 auf zehn Prozent.
Anleger fragen sich: Ist damit das Schlimmste im zuletzt immer weiter eskalierenden Handelsstreit überwunden?
Die Hoffnungen der Finanzmärkte sind groß. An der Wall Street kam es zum Handelsstart zu Kursexplosionen. Der Dow Jones legte 2,4 Prozent zu, der Standardwerteindex S&P 500 gewann 2,8 Prozent und der US-Technologieindex Nasdaq sogar 3,7 Prozent. Vor allem Technologiewerten legten zu. Die Aktie des Chipkonzerns Nvidia legte 4,5 Prozuent zu, Apple fast sieben Prozent, Tesla sechs Prozent und Amazon sogar acht Prozent.
Die Erleichterung der Aktionäre hat einen guten Grund: Wenn die USA und China eine Lösung im Zoll-Streit finden, minimiert sich ein Hauptbelastungsfaktor für viele Unternehmen. Der Smartphone-Hersteller Apple etwa hat in den ersten drei Monaten des Jahres 17 Prozent seines Umsatzes in China verdient, Tesla sogar 22 Prozent.
Erholungsrally im Dax dürfte weitergehen
Zuvor waren die asiatischen Börsen verhalten positiv in die neue Handelswoche gestartet. Noch besser lief es zunächst in Frankfurt: Zur Eröffnung knackte der Dax ein neues Rekordhoch bei über 23.900 Punkten, gab aber bis zum Mittag die Gewinne größtenteils wieder ab und notierte etwa auf dem Niveau vom Freitag. Ein zusätzlicher Stimulus ist das mögliche Treffen zwischen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und Russlands Staatschef Wladimir Putin am Donnerstag in Istanbul.
Nachdem Trumps Zoll-Ankündigungen die Märkte Anfang April hatten einbrechen lassen, erholten sich die Kurse schnell wieder. Viele Indizes liegen etwa auf dem Niveau von vor dem „Liberation Day“, der Dax sogar knapp vier Prozent darüber. Die weitere Kursentwicklung hängt nun davon ab, was der Deal tatsächlich beinhaltet. „Jeder erwartet, dass die Zölle gesenkt werden“, sagt Michael O'Rourke, Chefmarktstratege bei JonesTrading. „Ob dieses Wochenende als Erfolg oder Misserfolg gewertet wird, wird davon abhängen, wie diese Zahlen ausfallen werden“, führt er mit Blick auf die Verhandlungen in Genf aus.
Davon hängt jetzt alles ab
Anders gesagt: Optimismus ist vielleicht angebracht, aber noch ist vieles unklar. Laut Matt Maley, Chefmarktstratege bei Miller Tabak + Co, haben Börsianer eine klare Erwartungshaltung: „Der Aktienmarkt rechnet mit Zöllen von etwa 20 Prozent oder sogar noch niedriger gegenüber China. „Wenn es also so aussieht, als würden die USA auf etwas viel Höheres bestehen, wird das dem Markt Probleme bereiten“, sagte Maley. Von diesem Niveau sind die Zölle auf chinesische Einfuhren nicht mehr weit entfernt. Nun steht und fällt die Lage auch damit, ob dieser Zollsatz nach der 90-tägigen Frist noch gilt. Die Börse erwartet von den Volkswirtschaften nun also nachhaltige Ergebnisse – ansonsten könnten die jüngsten Gewinne wieder verpuffen.
Hinzu kommt: Selbst wenn Trump nun einen Deal mit China schließt, ist es weiterhin fraglich, wie es handelspolitisch mit anderen Staaten weitergeht. Vor wenigen Wochen hatte Trump für alle Länder außer China ein 90-tägiges Zoll-Moratorium verkündet, um mit den Ländern in Verhandlungen zu treten. So oder so, der globale Zoll-Streit ist noch nicht beendet.
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