USA als wankelmütiger Partner: Die G7 sind wieder die G6 plus 1

Vor sieben Jahren gab es das schon mal und danach in abgewandelter Form immer wieder. Einer gegen alle und dieser eine ist unberechenbar. G6 plus 1. Damals 2018, auch bei einem G7-Gipfel, wie heute in Kanada, entstand jenes berühmte Foto, das die Lage einfing. Es zeigt die Gruppe der G7 in La Malbaie bei Charlevoix in Quebec. Die damalige deutsche Kanzlerin Angela Merkel stützt sich im Kreise anderer Staats- und Regierungschefs auf einen Tisch. Sie redet auf den sitzenden US-Präsidenten Donald Trump ein, der mit verschränkten Armen trotzig schaut.
Die G7, die westlichen Wirtschaftsmächte, sind bei ihrem Treffen in den kanadischen Rocky Mountains wieder eine Gruppe der G6 plus 1. Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien, Deutschland und Japan plus die Vereinigten Staaten. Donald Trump mag in seiner ersten Amtszeit schlecht vorbereitet gewesen sein. Unberechenbar und immer wieder narzisstisch agiert er heute ebenfalls auf internationaler Bühne. Auch bei seinem nun abgebrochenen Besuch im kanadischen Kananaskis.
Lieber loben
Darauf müssen sich die übrigen Regierungen einstellen. In doppelter Hinsicht. Solche Gipfel sind zum einen kein Ort der Konfrontation. Also geht es darum, Trump menschlich einzubinden und vielleicht vor laufenden Kameras einen Tick zu großzügig zu loben. In den Verhandlungsräumen braucht es Klarheit in der Sache und Einigkeit der sechs anderen. Dort haben die Delegationen mit ihren meist vernünftigen Fachleuten mehr Gewicht. Lösungen im Zollstreit, Bewegung bei den Friedensbemühungen in der Ukraine und in Nahost werden auf Gipfeln bestenfalls vorbereitet, aber nicht erreicht.
Solche Gipfel beweisen zum anderen ihren Wert, wenn sie gemeinsame Ergebnisse erreichen. Das gelang dieses Mal auf der Zwischenetappe. Alle sieben veröffentlichten unerwartet eine Erklärung zum Krieg zwischen Israel und Iran. In dem von Gastgeber Kanada veröffentlichten Text wird der Iran als „die Hauptquelle regionaler Instabilität und des Terrors" bezeichnet und Israels Recht auf Selbstverteidigung betont.
Die vorzeitige Abreise – reloaded
Wir erinnern uns: Der letzte G7-Gipfel 2018 in Kanada endete mit einem Eklat. Trump reiste ebenfalls vorzeitig ab und zog, noch im Flieger, seine Zustimmung für das mühsam ausgehandelte Abschlusskommuniqué zurück. Diesmal sind die Gründe wohl andere und haben nichts mit der Dynamik der G7 zu tun.
G6 plus 1 bedeutet nicht Sechs gegen den Einen, den Mächtigsten. G6 plus 1 bedeutet in heutigen Zeiten, dass sechs Staaten zusammen agieren und dem siebten Staat immer wieder anbieten, ebenfalls mitzumachen.
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