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Im Mittelpunkt der G7-Chefs: Donald Trump. Foto: IMAGO/dts Nachrichtenagentur

G7-Gipfel in KanadaUnd alles kreist um Mount Trump

Sechs gegen einen? Eher einer im Zentrum, und alle anderen am Rand. Der G7-Gipfel offenbart, wie Weltpolitik derzeit funktioniert – allein nach dem Willen des US-Präsident Donald Trump.Max Haerder 17.06.2025 - 06:52 Uhr

Mark Carney holt sofort die Blumen raus, besser keine Zeit verlieren. Nicht mit dem da, nicht jetzt, nicht hier. Nachträglich die herzlichsten Glückwünsche zum Geburtstag, sagt der kanadische Premier also zu Donald Trump, kaum dass die beiden sich die Hand geschüttelt haben. Und alles Gute auch für das amerikanische Militär, das gerade mit Pomp seinen 250. gefeiert hat. Happy, Happy Birthday!

Die Strategie geht nur leider nicht auf. Der US-Präsident schaut direkt ein bisschen säuerlich. Er wird sich umgehend auf seine Art bei dem Land revanchieren, das ihn offenbar immer wieder triggert. G7 sei ein Fehler, ruft Trump den Reportern zu, die ihre Fragen zu ihm in den Raum schreien. Man kann es wirklich nur schreien nennen. Russland sitze nicht mehr am Tisch, nur deshalb habe der Ukrainekrieg begonnen, und Schuld daran seien Barack Obama und, natürlich, Justin Trudeau.

G7 statt G8, tja, big mistake! Das geht ja gut los.

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Nun muss man wissen: Trudeau war Carneys Vorgänger und der Gastgeber des letzten kanadischen G7-Gipfels. 2018 war das und Russland schon vier Jahre raus aus dem Kreis der Mächtigen. Damals widerrief Trump das Abschlusskommuniqué auf dem Rückflug in die Staaten, weil ihm eine Pressekonferenz Trudeaus nicht passte. Das Verhältnis erholte sich davon nie wieder.

Trump und Kanada, das ist seitdem eine sehr heikle Angelegenheit. Nun ist er wieder hier. Erstmals, seitdem er in seiner zweiten Amtszeit den Nachbarn mit Zöllen überzog und von einem Anschluss des Landes an die USA fantasierte. Es hat wirklich schon deutlich einfachere Gipfel der sieben großen, demokratischen Industrienationen gegeben.

Ein paar Stunden später wird dann klar, dass auch diese Ausgabe nicht ohne plötzliche Wende bleibt: Trump reist vorzeitig ab. Die Lage im Nahen Osten erfordere seine Aufmerksamkeit, lässt das Weiße Haus am Montagabend mitteilen. Dass am heutigen Dienstag noch Wolodymyr Selenskyj oder Narendra Modi anreisen wollten? Nebensache, wenn Trump es so will.

Ohne Trump geht nichts

Von G6 gegen 1 war im Vorfeld immer wieder einmal die Rede gewesen, auch wenn man diese Lesart gerade im Kanzleramt nicht unterstützen wollte. Vielleicht wäre G1 und 6 drumherum ohnehin passender. Ohne den Amerikaner geht eigentlich nichts. Die Frage den ganzen Montag über war: Was geht mit ihm?

Auch hier weiß man nun nach seiner Abreise: tatsächlich herzlich wenig. Immerhin zu Israel und Iran finden die sieben am Ende eine gemeinsame Sprache, einigen sich auf ein kurzes Statement, in dem Israels Recht auf Selbstverteidigung bekräftigt wird. Aber weder zu Russland noch einem der anderen sensiblen Dossiers, etwa zu kritischen Rohstoffen, sollte es einen schriftlichen Konsens geben. Die Gastgeber stehen mit ziemlich leeren Händen da.

Mount Kidd heißt übrigens der Hausberg von Kananaskis, dem spektakulären Gastgeberort in den kanadischen Rocky Mountains. Vielleicht sollte man ihn in Mount Trump umbenennen. Alles kreist nur um ihn.

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Dabei hatte der Gipfel durchaus hoffnungsvoll begonnen. Noch am Sonntagabend, kurz nach seiner Ankunft, trifft Merz im Gipfelhotel die anwesenden Europäer. Mit Emmanuel Macron, Ursula von der Leyen, Keir Starmer und Giorgia Meloni sitzt er noch ganz inoffiziell zusammen, um Positionen abzustimmen, Standpunkte festzuzurren. Die Begrüßung von Merz und Macron, sie könnte herzlicher kaum sein. Die Gespräche enden erst gegen elf Uhr abends an der Bar des Luxusresorts, das als Tagungsort dient.

Was ist schließlich Jetlag, wenn die Weltpolitik drängt?

Die fortwährende Eskalation zwischen Israel und Iran, das Schicksal der Ukraine, Russlandsanktionen, der Zollkonflikt innerhalb des Westens – es steht ja auch sehr viel auf dem Spiel in einer Zeit, in der sich Westen in ziemlich ramponierter Verfassung befindet. Nun, nach einem kurzfristig halbierten Gipfel, umso mehr.

Man hätte es wohl ahnen können.

„It's up to the boss“

Am Montagmorgen, dem eigentlichen Starttag, demonstriert Friedrich Merz trotz der sich auftürmenden Probleme noch Optimismus. Hinter ihm ragen passend die stolzen Berge in den eisblauen Himmel. Er hat ja seine Gründe. Die Europäer hätten in den wesentlichen Fragen dieses Gipfels eine „weitgehend übereinstimmender Auffassung“, sagt Merz. Man habe „sehr gute“ Gespräche geführt.

Dann trifft Merz – als Einziger außer Carney – den US-Präsidenten auch noch für 20 Minuten vor dem eigentlichen Gipfelbeginn. Der Auftakt, er könnte schlechter laufen für den deutschen Kanzler.

Die wichtigsten Berater der Staats- und Regierungschef, die so genannten Sherpas, hatten sich zuvor weiter über mögliche Abschlusspapiere gebeugt, wie schon die Tage zuvor. Aber alles steht eben unter dem Vorbehalt eines Mannes. „It’s up to the boss“, sagt ein Diplomat. Wohlgemerkt kein amerikanischer.

Der Reiz der Gruppendynamik

So ein G7-Gipfel bezieht üblicherweise seinen Reiz aus einer schwer zu prognostizierenden Mischung. Da sind die hoch formalen, durchchoreografierten Arbeitssitzungen, das Ende eines langen, oft mühsamen Prozesses auf Arbeitsebene. Und zugleich besteht immer die Chance auf eine produktive, spontane Gruppendynamik, die sich vor, während oder nach diesen Runden am kreisrunden Tisch entwickeln kann.

So passiert es dann auch diesmal, zumindest am Anfang. In der ersten Sitzung geht es um die Weltwirtschaft. Ob geplant oder ungeplant, die Runde der Staats- und Regierungschefs findet dort schnell einen gemeinsamen Nenner. Oder besser: ein Problem, auf das sich alle einigen können – China. Italiens Premierministerin hat sogar eigens Karten vorbereitet, die zeigen, wie sehr China auf Kosten anderer in den vergangenen Jahrzehnten ökonomisch zugelegt hat. Sie weiß, dass Donald Trump so etwas gefällt.

In dieser Runde bleibt er dann auch ganz ruhig und sachlich, heißt es später aus deutschen Regierungskreisen. Es gibt keinen Eklat, keine Provokationen, keinen Ärger. Selbst das Abendessen, bei dem der Präsident noch anwesend ist, läuft überwiegend harmonisch ab. So etwas steht heutzutage schon auf der Habenseite.

Dann, nach dem Dinner, reist Trump ab. Es gibt Wichtigeres zu tun für ihn. Die G7 können nicht ohne ihn. Aber er kann jederzeit ohne die G7.

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