Geldanlage: So bewegen die US-Inflationsdaten die Börsen
Die Verbraucherpreise in den USA sind im Juli um 0,20 Prozent gestiegen, die Kernrate (ohne Lebensmittel und Energie) ging um 0,3 Prozent nach oben. Auf Jahressicht blieb die Inflation bei 2,7 Prozent. Die Preissteigerung ist damit marginal geringer als erwartet. So hatte etwa die Investmentbank Goldman Sachs mit einem Anstieg der Verbraucherpreise um 0,27 Prozent gerechnet. Bei der Jahresinflation ging die Mehrzahl der Volkswirte von plus 2,8 Prozent aus.
An den amerikanischen Bondmärkten kommt es als erste Reaktion zu einem schnellen, vorübergehenden Rückgang der Renditen zehnjähriger Staatsanleihen von 4,30 Prozent auf 4,26 Prozent. Entscheidend für die Börsen ist dabei nicht die kurzfristige Bewegung, sondern die Bestätigung der bisherigen Zinstendenz: Seit dem Hoch im Januar bei 4,80 Prozent und dem nachfolgenden Hoch im Mai bei 4,60 Prozent setzt sich insgesamt die moderate Abwärtsbewegung der Zinsen fort.
Geht es nach den Bondmärkten, hat sich durch die jüngsten Inflationsdaten die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung durch die Fed im September, die bisher schon auf mehr als 80 Prozent getaxt wurde, noch einmal ein Stück erhöht. Zugleich dürfte dies auch die Position von Fed-Chef Jerome Powell schwächen, der sich bisher klar gegen die von Präsident Trump geforderten Zinssenkungen wehrt.
Der Dollar reagiert auf die Inflationszahlen erst einmal mit weiteren Verlusten. Schon in der vergangenen Woche kam der Dollarindex DXY, der die Entwicklung des Greenbacks im Vergleich zu den wichtigsten Weltwährungen zeigt, nur mühsam über dem Stand von 98 Punkten voran. Angesichts der erhöhten Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung dürfte diese Schwäche anhalten. Erst ein nachhaltiger Anstieg des DXY über die Marke von 100 Punkten wäre ein Zeichen für ein Comeback des Dollars.
Gold nach Rückschlag mit mühsamer Stabilisierung
Der Goldpreis kann sich nach den Inflationsdaten etwas stabilisieren und von seinem jüngsten Tief bei 3340 Dollar zunächst Boden gutmachen. In den vergangenen Tagen war es im Gold zu einem deutlichen Rücksetzer nach den Entspannungshoffnungen durch das angesetzte Treffen zwischen Präsident Trump und dem russischen Staatschef Putin gekommen, bei dem es um einen möglichen Frieden in der Ukraine gehen soll.
Zusätzlich unter Druck kam der Goldpreis durch die Nachricht, dass es nun doch keine amerikanischen Zölle auf eingeführte Edelmetalle gäbe. Befürchtungen, es könnten Goldbarren mit einem Gewicht von einem Kilo mit hohen Zöllen belegt werden, hätten vor allem Schweizer Gold-Exporteure getroffen. Ein-Kilo-Barren machen den Großteil der Schweizer Goldexporte in die USA aus.
Die Schweiz hat eine Schlüsselstellung im internationalen Goldhandel. Vor allem geht es darum, die in London üblichen Barren von 12,5 Kilogramm in die in New York gängigen Größen von einem Kilo umzugießen. Wäre der Goldzufluss aus der Schweiz durch hohe Zölle erheblich verteuert worden, hätte das auch einen treibenden Effekt auf den Goldpreis an den Terminbörsen in den USA gehabt. Ein guter Teil der zuletzt hohen Zugewinne an den amerikanischen Gold-Futures-Märkten ging auf diese Angst zurück.
Nun muss der Goldpreis dieses Auf und Ab erst einmal verarbeiten. Dieser Prozess könnte sich über mehrere Wochen hinziehen. Kurzfristig könnte dabei, wie die Experten vom Wiesbadener Edelmetallhändler Solit sagen, ein Rückgang der Notierungen bis in Richtung 3000 Dollar möglich sein. Spätestens das allerdings sollte dann vor allem für Goldminenaktien eine Nachkaufgelegenheit werden.
Wie gut die hier führenden Unternehmen derzeit angesichts deutlich gestiegener Edelmetallpreise verdienen, zeigt die kanadische Barrick Mining. Der kanadische Bergbaukonzern erhöhte seinen Umsatz im zweiten Quartal von 3,16 auf 3,68 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie sprang um 124 Prozent auf 0,47 Dollar. Darin spiegelt sich der Rentabilitätsschub, den die Minenkonzerne dank massiv gestiegener Edelmetallpreise erleben. Barrick könnte damit seinen Gewinn in diesem Jahr auf 3,5 Milliarden Dollar erhöhen – das wäre etwa dreimal so viel wie 2023.
China-Zölle verschoben, Friedenshoffnung gedämpft
US-Präsident Trump verlängert die Aussetzung hoher Zölle auf chinesische Waren um weitere 90 Tage bis zum 10. November. Chinesische Aktien setzen zugleich ihre Aufwärtsbewegung fort. Der Shanghai Composite Index erreicht mit mehr als 3660 Punkten den höchsten Stand seit Ende 2021. Seit dem Tief von September 2024 hat er 35 Prozent gewonnen – und ein Ende dieser Aufwärtsbewegung ist nicht in Sicht.
Gemischte Nachrichten gibt es zum Thema China und Nvidia. Zum einen muss der US-Chiphersteller Exportzölle von 15 Prozent zahlen, wenn er Chips nach China verkauft. Ein Novum, bei dem sich die Frage stellt, ob der Präsident eigentlich einen solchen Eingriff in die Wirtschaft vornehmen kann. Zum anderen bekommen chinesische Unternehmen von der eigenen Regierung die Anweisung, bestimmte Chips von Nivdia überhaupt nicht zu kaufen. Nvidia-Aktien sind allerdings unbeeindruckt auf Rekordniveau.
Die Aussicht auf ein für Freitag angesetztes Treffen von US-Präsident Donald Trump und dem russischen Staatschef Wladimir Putin hat an den Börsen zu einer kurzen Hoffnungsrally geführt. Nun warnt Trump selbst vor zu hohen Erwartungen. An seiner Grundposition, den Krieg in der Ukraine nicht mehr mitfinanzieren zu wollen, dürfte sich auf absehbare Zeit nichts ändern. Andererseits steht Putin angesichts der russischen Gebietsgewinne nicht unter Druck, den Krieg zu beenden.
An den Börsen dürfte es schon gut ankommen, wenn mit dem Treffen überhaupt Gespräche auf höchster Ebene eingeleitet werden. Gut möglich, dass Rüstungsaktien dabei zunehmend in eine mittelfristige Korrektur übergehen. Eine große Trendwende der Branche nach unten ist indes nicht in Sicht. Dazu sind die vorhandenen Aufträge zu üppig und zu langfristig.
Europäische Aktien auf hohem Niveau, Nasdaq auf Rekordkurs
Europäische Aktien stecken seit Mai in einer Konsolidierung. Dennoch hält sich der marktbreite Stoxx 600, in dem auch britische und Schweizer Aktien verrechnet sind, deutlich über der wichtigen Untergrenze von 530 Punkten. Ein Anstieg über die Zone 550 bis 560 Punkte wäre ein starkes, prozyklisches Kaufsignal.
Der Dax kann in diesem Umfeld die Marke von 24.000 Punkten verteidigen. Für die mittelfristige Entwicklung ist es wichtig, dass er sich weiter über dem jüngsten Tief vom 1. August bei 23.426 Punkten hält. Der jüngste deutliche Rückfall des Stimmungsindex ZEW, der im vierten Monat in Folge gesunken ist, zeigt, dass von der viel befürchteten Euphorie hierzulande keine Rede sein kann.
Dax-Wert Hannover Rück schnitt im zweiten Quartal mit einem Nettogewinn von 833 Millionen Euro (plus 38 Prozent) besser ab als erwartet. Allerdings müssen die Hannoveraner wie schon Marktführer Münchener Rück bei Vertragserneuerungen Preisrückgänge hinnehmen. Aktien der Hannover Rück geben in einer ersten Reaktion knapp zwei Prozent nach.
Aktien der Münchener Rück, die sogar ihre Umsatzprognose für 2025 kürzen musste, verloren in einer ersten Reaktion in der vergangenen Woche kurzfristig neun Prozent und machten damit den starken Anstieg der vorangegangenen vier Tage zunichte. Beide Aktien könnten auf erhöhtem, aber nicht überteuertem Niveau in eine Konsolidierung übergehen.
Fazit für die Börsen: Trotz enormer Unsicherheit über die Zollpolitik in den USA und nur vager Hoffnungen auf einen möglichen Friedensprozess in der Ukraine dürften die tendenziell moderat nachgebenden Zinsen die Aktienmärkte weiterhin stützen. Die innere Stärke der Börsen spricht derzeit weniger für eine akute Absturzgefahr, sondern eher für fortgesetzte Schwankungen auf hohem Niveau. Verlieren die Börsen in den nächsten Wochen nicht zu viel an Boden, könnten diese Schwankungen womöglich ab der zweiten Septemberhälfte Basis für eine Rallyphase werden.