Bayer: Heute PCB, demnächst wieder Glyphosat
Bayer muss nach einer Entscheidung des Obersten Gerichts im US-Bundesstaat Washington 185 Millionen Dollar Schadenersatz wegen des Giftstoffs PCB in einer Schule zahlen. Der Washington Supreme Court hob am Donnerstag eine anderslautende Entscheidung der Vorinstanz auf. Bayer erklärte, der Konzern sei mit der jüngsten Entscheidung nicht einverstanden.
In dem Fall geht es um eine mutmaßliche Verseuchung an einer Schule, dem Sky Valley Education Center in Monroe. Mehr als 200 Schülerinnen und Schüler, Angestellte und Eltern führen nach eigenen Angaben Krebserkrankungen, Schilddrüsenleiden, neurologische Schäden und andere Gesundheitsprobleme darauf zurück, dass polychlorierte Biphenyle (PCB) aus den Leuchten der Schule entwichen seien.
Die Chemikalien wurden von Monsanto hergestellt, das 2018 von Bayer übernommen wurde. Mit dem Zukauf hatte sich Bayer zahlreiche Klagen eingehandelt. Aus dem Umfeld der Schule, die als besonders klagefreudig gilt, stehen noch acht weitere Verfahren an. Mit dem Großteil der Klagenden aus dem Sky Valley Education Center hatte Bayer im August eine Vergleichsvereinbarung getroffen.
Monsanto hat die Herstellung von PCB bereits in den Siebzigerjahren eingestellt. Bayer weist darauf hin, dass Monsantos frühere PCB-Kunden schon 1972 einer Vereinbarung zugestimmt haben, für mögliche Rechtsstreitkosten aufzukommen. Zu den früheren Kunden zählt etwa der Rasierklingenhersteller Gillette. Die ehemaligen Kunden haben jedoch offensichtlich eine andere Sicht der Dinge oder können sich nicht recht erinnern – jedenfalls ist es Bayer bislang nicht gelungen, die Verträge einzuklagen. Um seine Interessen besser durchzusetzen, hat Bayer inzwischen den bekannten Klägeranwalt Mark Lanier, der bereits für viele andere Pharmaunternehmen erfolgreich tätig war, engagiert.
Noch entscheidender für Bayer dürfte ein Urteil werden, das der Oberste Gerichtshof der USA in den kommenden Monaten in Bezug auf Glyphosat fällen wird. Seit der Übernahme von Monsanto zählt der Unkrautvernichter-Wirkstoff ebenfalls zum Portfolio von Bayer. Der Rechtskomplex ist noch bedeutender als PCB. Zehntausende Klagen sind noch offen, Bayer hat bereits mehr als zehn Milliarden Dollar für Vergleiche gezahlt. Die Klägerinnen und Kläger werfen Bayer vor, dass Glyphosat Krebs verursacht. Der Konzern bestreitet das anhand zahlreicher Studien.
Bei der Grundsatzentscheidung vor dem Obersten Gerichtshof geht es um die Frage, inwieweit Bayer vor möglichen Risiken von Glyphosat hätte warnen müssen – auch wenn dem Bundesgesetze entgegenstehen und die US-Umweltbehörde EPA Glyphosat als sicher bewertet. Ein für Bayer positives Urteil könnte den jahrelangen, teuren Rechtsstreit beenden. Allerdings will der Gerichtshof dazu zunächst eine Stellungnahme der US-Regierung abwarten. Der zuständige Generalanwalt wird sich dazu voraussichtlich im Herbst äußern. In der Regel folgt der Gerichtshof dann der Empfehlung der US-Regierung. Ein finales Urteil könnte dann 2026 erfolgen.
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