Verkauf an Edeka: Tengelmann will Kaiser's loswerden
Eine weiße Kaffeekanne auf rotem Hintergrund – das Logo der deutschen Supermarktkette Kaiser's Tengelmann.
Foto: dpaAls Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub im Juli die Bilanz seiner Unternehmensgruppe vorstellte, merkten Beobachter auf: Die Geschäfte beim Textildiscounter Kik und der Baumarktkette Obi liefen zwar gut, doch die Supermärkte Kaiser’s Tengelmann bereiteten ihm Sorge. Er kündigte Entlassungen, Filialschließungen und eine Analyse zu den Optionen an. Ein Komplettverkauf sei aber das, „was die Familie am wenigsten gerne in Erwägung ziehen würde", so Haub damals.
Seit heute ist der Komplettverkauf beschlossene Sache. 451 Filialen mit knapp 16.000 Mitarbeitern sollen ab Sommer 2015 zum Reich von Deutschlands größtem Lebensmittelhändler Edeka gehören.
„Wir sehen leider keine Perspektive mehr, unsere Supermärkte aus eigener Kraft zu einem profitablen Unternehmen zu machen“, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. „Mit einem Marktanteil von nur 0,6 Prozent sind wir mit unseren Supermärkten zu klein, um weiterhin im Markt eine Chance zu haben.“
Bundeskartellamt muss entscheiden
Dennoch ist die Entscheidung ein Paukenschlag für den ohnehin stark konzentrierten deutschen Lebensmittelhandel. Nachdem Haub schon 2008 den Discounter Plus verkauft hat, zieht sich die Unternehmensgruppe nun endgültig aus dem traditionsreichen Geschäftsfeld zurück.
Die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen, sagt Haub: „Zu erkennen, dass der Verkauf unseres Supermarktunternehmens letztlich unausweichlich wurde, war für meine Familie und mich persönlich sehr schwer. Mit diesem Schritt können wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern immerhin eine Zukunftsperspektive bieten“, sagt Haub dazu.
Ob der Verkauf tatsächlich wie geplant stattfinden kann, hängt allerdings vor allem vom Bundeskartellamt ab. Die Behörde hatte schon den Verkauf von Plus an Edeka nur widerwillig und mit hohen Auflagen – etwa der Abgabe zahlreicher Standorte an Rewe – genehmigt. Ähnliches droht nun auch bei der Veräußerung der Supermärkte, heißt es in der Branche.
Bereits zum vierten Mal veröffentlicht Interbrand die Studie Best Retail Brands, die sich dem Einzelhandelssektor widmet. Der Report listet die wertvollsten europäischen Retail-Marken auf. Es folgen die zehn ersten Plätze des Rankings.
Platz 10: Sephora
Das französische Unternehmen Sephora schafft es mit einem Marktwert von 2,1 Milliarden US-Dollar auf den zehnten Platz im Ranking. Der 1970 gegründete Kosmetikkonzern verkauft über 100 verschiedene Marken. Seit 1998 erobert er auch den amerikanischen Markt.
Foto: imago imagesPlatz 9: Aldi
Der einzige deutsche Einzelhändler in den Top Ten ist Aldi. Die Einzelhandelskette konnte ihren Markenwert nach den hohen Markenwertverlusten der letzten Jahre wieder leicht steigern und rangiert mit 2,9 Milliarden US-Dollar auf Platz neun.
Foto: dpaPlatz 8: Boots
Mit einem Marktwert von 3,3 Milliarden US-Dollar schafft es Boots auf den achten Platz. Der Konzern ist einer der bedeutendsten Pharmagroßhändler Europas. In Großbritannien ist er der größte Konzern, der Pharmazieprodukte verkauft.
Foto: dapdPlatz 7: Auchan
Auchan belegt den siebten Platz mit einem Marktwert von 3,6 Milliarden US-Dollar. Die Warenhauskette aus Frankreich ist noch in 13 weiteren Ländern vertreten.
Auchan ist in Frankreich mit seinem Drive-Through-Format sehr erfolgreich. Und um noch näher am Kunden sein zu können, haben in den letzten Jahren Anbieter wie Rewe oder die Hypermarktanbieter Carrefour, Auchan und Casino zudem kleinere Stores meist in zentraler Lage eröffnet – meist in zentraler Lage. Der Trend geht zu „Markenshops“, die das Unternehmen selbst zelebrieren. Auch gemischte Konzepte wie etwa ein Laden inklusive eines Cafés entstehen vermehrt.
Foto: rtrPlatz 6: Marks & Spencer
Die Supermarktkette Marks & Spencer rangiert auf dem sechsten Platz mit einem Marktwert von 5,6 Milliarden US-Dollar. In ganz Großbritannien betreibt das Einzelhandelsunternehmen mehr als 375 Einkaufsläden.
Foto: dapdPlatz 5: Tesco
Rund neun Milliarden US-Dollar ist Tesco wert. Die britische Supermarktkette ist mittlerweile weltweit vertreten und beschäftigt insgesamt mehr als 530.000 Mitarbeiter. Außerhalb des Landes sind Tesco-Märkte unter anderem in Polen, Irland, Tschechien, USA und der Türkei zu finden.
Foto: dpaPlatz 4: Carrefour
Der Marktwert von Carrefour beträgt 10,2 Milliarden Euro, was dem Einzelhändler den vierten Platz im Ranking beschert. Das französische Unternehmen ist Europas größtes Einzelhandelsunternehmen und nach Wal-Mart das zweitgrößte der Welt. In zahlreichen Ländern betreibt der Konzern insgesamt knapp 15.000 Filialen.
Foto: REUTERSPlatz 3: Zara
Zara hat einen Marktwert von 10,8 Milliarden US-Dollar vorzuweisen, womit es unter den Top Drei landet. Das Textilunternehmen ist die bekannteste Produktions- und Verkaufskette des spanischen Inditex-Konzerns.
Die Best Retail Brands zeigen deutlich, dass die erfolgreichsten Retailer ihr bisheriges Geschäftsmodell gezielt ausweiten, um sich größere Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Vor allem soll mittels Innovationen im Onlinegeschäft die Kluft zwischen dem Erlebnis im Geschäft und online überbrückt werden, um so ein nahtloses Kundenerlebnis in allen Bereichen zu schaffen. Von Mobile-Shopping bis zu virtuellen Umkleidekabinen, die wertvollsten Einzelhandelsmarken der Welt digitalisieren zunehmend ihren Verkauf. Damit machen sie auch den großen Online-Versandhändlern Konkurrenz: Die Online-Shops von zum Beispiel Zara, Carrefour oder Tesco zählen mittlerweile zu den meistbesuchten Seiten im Netz.
Foto: dpaPlatz 2: Ikea
Ikea belegt mit 13,8 Milliarden US-Dollar den zweiten Platz. Mit 17 Jahren gründete Ingvar Kamprad 1943 das Unternehmen in Schweden. Das Wort „Ikea“ setzt sich übrigens aus den Anfangsbuchstaben von Ingvar Kamprad, des elterlichen Bauernhofs Elmtaryd und des Dorfes Agunnaryd zusammen, in dem der Hof lag.
Foto: dpaPlatz 1: H&M
Der schwedische Modekonzern hat einen Marktwert von stolzen 18,1 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen bietet in Läden und in Onlineshops weltweit Bekleidung, Accessoires und Schuhe für Damen, Herren und Kinder sowie Wohnaccessoires im unteren Preissegment an.
Foto: dpaWährend es nur ein deutscher Konzern unter die Top Ten schafft, finden sich unter den 50 wertvollsten Einzelhändler immerhin noch ein paar weitere deutsche Unternehmen im „Best Retail Brands 2014“-Ranking von Interbrands.
Platz 13: Lidl
1,7 Milliarden US-Dollar umfasst der Marktwert von Lidl und rangiert damit auf dem 13. Platz. Die Discounterkette wurde 1930 von Josef Schwarz in Heilbronn ins Leben gerufen. In den 70er Jahren gab es in Deutschland bereits 30 Filialen, heute beschäftigt der Konzern 150.000 Mitarbeiter weltweit.
Foto: ZBPlatz 15: Edeka
Edeka nimmt mit einem Marktwert von 1,5 Milliarden US-Dollar den 15. Platz ein. Eigentümer der Edeka-Gruppe sind Genossenschaften.
Foto: dpaPlatz 22: Media Markt
Media Markt muss zwar Verluste von 14 Prozent hinnehmen und liegt mit einem Wert von 1,1 Milliarden US-Dollar auf Rang 22, ist damit aber immer noch die wertvollste Elektronikmarke in Europa. Die Metro-Tochter baut derzeit ihre Onlinepräsenz verstärkt aus, kämpft jedoch weiter gegen den hohen Preisdruck, der durch reine Online-Shops entsteht.
Foto: dpaPlatz 33: dm
Ein weiteres deutsches Einzelhandelsunternehmen, das es in das Ranking schafft, ist der Dm-Drogerie-Markt mit einem Marktwert von 548 Millionen US-Dollar. Der deutsche Drogeriekonzern ist der größte seiner Art in Europa.
Foto: APPlatz 34: Rewe
Der Handelskonzern mit Sitz in Köln schafft es auf den 34. Platz mit einem Marktwert von 518 Millionen US-Dollar. Die Rewe-Gruppe ist der zweitgrößte Lebensmittelhändler in Deutschland.
Foto: dpa
Erst vor wenigen Tagen hatte das Amt eine Untersuchung zur „Nachfragemacht im Lebensmitteleinzelhandel“ vorgelegt. „Der Lebensmitteleinzelhandel ist hochkonzentriert. Die Marktstruktur droht sich noch weiter zu verschlechtern“, heißt es darin. Die Wettbewerbsbedingungen würden demnach von vier zentralen Unternehmen – darunter Edeka – dominiert. Ihr Anteil in Deutschland beträgt sowohl beim Absatz als auch beim Einkauf rund 85 Prozent.
Um die entsprechenden Vorteile der Branchenriesen zu kompensieren, soll „die strenge Linie in der Fallpraxis des Bundeskartellamtes“ fortgesetzt werden, heißt es in dem Bericht.
Bedeutet im Klartext: „Jeder wesentliche Erwerb eines Lebensmitteleinzelhändlers in Deutschland durch eines der großen Handelsunternehmen Edeka, Rewe und Schwarz Gruppe wird vertieft geprüft.“