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Negativrendite bei BundesanleihenWas es mit dem Renditetief auf sich hat

Es ist eine historische Zäsur: Erstmals bezahlen Anleger dafür, dem deutschen Staat für zehn Jahre Geld leihen zu dürfen. Warum sind die Zinsen auf Tauchstation? Alle wichtigen Antworten zur zehnjährigen Bundesanleihe.Andreas Toller, Saskia Littmann 14.06.2016 - 17:15 Uhr

Zehnjährige Bundesanleihen auf Tauchstation: Rendite fällt unter null Prozent

Foto: Getty Images, Marcel Stahn

In der Vorwoche hatte es sich abgezeichnet: An diesem Dienstag wurde die wichtigste deutsche Staatsanleihe – die Bundesanleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren - zeitweise mit einem negativen Zins von minus 0,003 Prozent gehandelt. Wer dem Staat derart langfristig Geld leihen will, muss dafür also noch etwas drauflegen. Verdienen kann er daran nicht.

Was für Privatanleger nach verkehrter Welt klingt, hat seine Ursachen in der Anlagestrategie der Profi-Investoren, der Geldpolitik der Notenbanken und in der Bedeutung von Bundesanleihen auf dem Kapitalmarkt. Alle wichtigen Antworten auf Fragen rund um die staatlichen Wertpapiere.

Was ist eine Bundesanleihe und wie funktioniert sie?

Anleihen sind Schuldverschreibungen. Mit einer Bundesanleihe leihen Anleger dem deutschen Staat für eine bestimmte Zeit Geld. Beispielsweise gibt die Bundesrepublik seit Anfang der Sechziger Jahre mehrmals im Jahr neue Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit an Anleger aus.

09. Januar 2012

Negativ verzinste deutsche Staatspapiere: Erstmals gelingt es Deutschland, kurzfristige Geldmarktpapiere  mit Gewinn zu verkaufen. Wer an diesem Tag Anleihen mit einer Laufzeit von sechs Monaten kauft, bekommt am Ende der Laufzeit weniger vom Fiskus überwiesen, als er am Anfang investiert hat.

Die Gründe sind vielfältig: Weil die Anleihen der Krisenstaaten vom Ausfall bedroht sind, flüchten alle in deutsche Titel. Gleichzeitig pumpt die EZB über großzügige Sonder-Kredite an die Banken frisches Geld in die Märkte, das die Unternehmen gar nicht ausleihen wollen. Die Nachfrage nach Krediten ist klein, das Angebot an Geld groß. Das drückt auf die Renditen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt zu diesem Zeitpunkt bei 1,85 Prozent.

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26. Juli 2012

„Whatever it takes.” Investoren sind wenige Monate nach dem griechischen Schuldenschnitt in Panik. Die Kurse der Anleihen aller Euro-Randländer fallen, ihre Renditen steigen. Da spricht EZB-Chef Mario Draghi bei einer Konferenz in London ein Machtwort. „Die EZB wird innerhalb ihres Mandats alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir, es wird ausreichen.“ Damit leitet Draghi eine Erholung der Anleihen der Euro-Randländer ein. Doch auch Bundesanleihen bleiben gefragt. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt bei 1,32 Prozent – und sinkt immer weiter.

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11. Juni 2014

Zentralbankzins für Einlagen unter null: Die Euro-Zone kommt wirtschaftlich noch immer nicht vom Fleck. Obwohl die EZB die Leitzinsen immer weiter gesenkt hat, bleibt die Kreditvergabe schwach. Die Notenbank geht also noch einen Schritt weiter: Sie senkt den Leitzins auf 0,05 Prozent, der Einlagezins fällt auf minus 0,1 Prozent. Geschäftsbanken, die ihr Geld bei der EZB parken und nicht verleihen wollen, zahlen jetzt Strafe. Im September 2014 erhöht die EZB diesen „Strafzins“ auf 0,2 Prozent.

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17. September 2014

Der Bund verdient Geld mit Anleihen. Die Negativzinsen fressen sich bei Bundeswertpapieren weiter durch. Deutschland stockt erstmals eine Anleihe mit zwei Jahren Laufzeit zu einer Minusrendite auf. Diese liegt bei minus 0,07 Prozent. Aufgestockt wird die Anleihe um 3,3 Milliarden Euro. Begeben worden war sie am 20. August 2014 mit einem historisch niedrigen Zinsschein von null Prozent und einer Rendite von ebenfalls null Prozent.

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16. Januar 2015

Die Schweiz schreibt Geschichte am Anleihemarkt: Erstmals sinkt in einem Land  die Rendite einer Anleihe mit der Laufzeit von zehn Jahren unter null Prozent. Grund dafür war die überraschende Entscheidung der Schweizer Notenbank vom Vortag, den Euro-Mindestkurs zum Franken aufzuheben. Die Folge: Der Franken wertet drastisch auf, die Aktienkurse brechen ein – und Anleger fliehen in Anleihen. 

Am 9. April profitieren die Schweizer Steuerzahler von den Minuszinsen. Die Schweiz stockt die die zehnjährige Anleihe, die einen Zinsschein von 1,5 Prozent hat, zu einem Kurs von 116 Prozent auf. Daraus errechnet sich bei der Auktion eine negative Rendite von minus 0,055 Prozent. Anleger versuchen damit, den Strafzins von 0,75 Prozent zu umgehen, den die Schweizer Notenbank für kurzfristige Einlagen von Banken  festgelegt hat.

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22. Januar 2015

Die EZB macht Ernst. Die Notenbank kündigt ein massives Kaufprogramm für Wertpapiere – vor allem Staatsanleihen an. Bis mindestens September 2016 will sie öffentliche Anleihen – sprich Staatsanleihen, Anleihen von nationalen Förderbanken sowie supranationalen Institutionen kaufen. Dazu kommen die schon länger laufenden Programme für gedeckte Bankenanleihen (Covered Bonds) und Verbriefungen (ABS). Insgesamt wollen die EZB und vor allem die nationalen Notenbanken monatlich Wertpapiere über 60 Milliarden Euro erwerben – also insgesamt 1,14 Billionen Euro. Die zehnjährige Bundesanleihe wirft für Neueinsteiger nur noch 0,45 Prozent Rendite ab.

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25. Februar 2015

Der Bund verdient jetzt Geld mit einer Fünfjahres-Anleihe. Deutschland stockt erstmals eine Anleihe mit fünf Jahren auf, für die das Land von Anlegern Gebühren bekommt, statt Zinsen zu zahlen. Eingenommen werden zu einer Rendite von minus 0,08 Prozent 3,3 Milliarden Euro. Seit der Emission am 21. Januar hat auch diese fünfjährige Anleihe einen Kupon von null Prozent.

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9. März 2015

Die EZB legt los. Die Europäische Zentralbank beginnt mit ihrem im Januar angekündigten Anleihekaufprogramm. Die Investoren an den Anleihemärkten haben schon im Vorfeld der EZB-Käufe kräftig zugegriffen – und jetzt fallen die Renditen noch weiter.

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17. April 2015

Selbst die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe bringt jetzt fast gar keine Rendite mehr. Der Kurs des nominal mit 0,5 Prozent verzinsten Bundesbonds steigt auf 104,43 Prozent. Die Folge: Die Rendite sackt im Tagesverlauf auf historisch niedrige 0,05 Prozent ab. Bundesanleihen im Umfang von 312 Milliarden Euro und damit 80 Prozent aller ausstehenden Bundesbonds rentieren im negativen Bereich.

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21. April 2015

Anleihe-Guru Bill Gross twittert, dass seine Wette gegen die zehnjährige Bundesanleihe eine „einmalige Chance sei“, die Frage des Zeitpunktes lässt er aber offen. Das Timing hänge vom EZB-Kaufprogramm ab. Gross selbst wettet aber noch nicht gegen Bundesanleihen – ein Fehler wie sich später herausstellt.

Am 28. April 2015 sagt Anleihe-Investor Jeffrey Gundlach – in den USA ebenso bekannt wie Bill Gross – abends in einem Interview, dass sich eine riskante, gehebelte Wette gegen zweijährige Bundesanleihen lohnen könne. Wie Gross sagt aber auch Gundlach nichts zum Timing. Der Renditeanstieg der zehnjährigen Bundesanleihe beginnt.

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29. April bis 7. Mai 2015

Die Verbraucherpreise sind in Deutschland im April gegenüber dem Vorjahresquartal um 0,4 Prozent gestiegen, etwas stärker als Ökonomen erwartet hatten. Eine Rückkehr der Inflation scheint damit möglich. Eine steigende Inflation schürt auch die Hoffnung auf steigende Zinsen. Der Renditeanstieg verstärkt sich, und das hat auch technische Gründe. Viele Investoren hatten sich falsch positioniert und müssen jetzt automatisch verkaufen, weil bestimmte Kursuntergrenzen gerissen wurden.
Am 7. Mai steigt die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe im Tagesverlauf auf bis zu 0,8 Prozent. So deutlich in so kurzer Zeit ist sie noch nie nach oben geschnellt – auch wenn sie später wieder etwas zurückfällt.

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10. Juni 2015

Rendite über einem Prozent. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen steigt im Tagesverlauf auf bis zu 1,05 Prozent. Das ist keine hohe Rendite – aber mehr haben Investoren seither nicht mehr gesehen. Das liegt auch daran, dass die Investoren an den Aktienmärkten nervös werden. Die Aktienbörsen fallen seit Mitte April – und langsam schichten Investoren wieder in sicherere Anleihen um. Verunsichert sind die Investoren durch den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine und seit Juni fallen zudem die Aktienbörsen in China. Auch der Ölpreis sinkt seit Juni – und das rasant.
Dazu kommen neue Sorgen um Griechenland. Athen verweigert neue Reformen, Griechen ziehen Geld von ihren Bankkonten ab. Ende Juni ruft Ministerpräsident Alexis Tsipras ein Referendum über die von den Gläubigern verlangte Reformpolitik aus.

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05. Juli 2015

Am Rande des Grexit. 61 Prozent der griechischen Bürger sprechen sich beim Referendum gegen die Sparvorgaben der Gläubiger aus. Faktisch scheint damit das Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro-Raum beschlossen. Doch später reicht Athen neue Reformvorschläge ein – am 12. Juli stimmen die Staats- und Regierungschefs nach einem 17-stündigen Verhandlungsmarathon zu. Griechenland bekommt ein drittes Hilfspaket.

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24. August 2015

Schwarzer Montag an den Börsen: Die Furcht der Aktieninvestoren erreicht einen neuen Höhepunkt. Der Dax bricht um 7,8 Prozent ein und verzeichnet damit den größten Tagesverlust seit dem Jahr 2008. Dabei machen sich die Anleger vor allem Sorgen um das Wirtschaftswachstum in China. Dort fallen die zuvor massiv gestiegenen Aktien seit Mitte Juni. Verstärkt werden die Sorgen dadurch, dass die Regierung den Yuan gegenüber dem Dollar abwertet. Die Flucht in Bundesanleihen setzt sich vor diesem Hintergrund fort.

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29. September 2015

Dax auf Jahrestief. Mit 9.325 Zählern erreicht der Dax den tiefsten Stand des Jahres. Seit seinem Allzeithoch von 12.391 Punkten am 10. April hat er damit mehr als 3.000 Punkte oder knapp 25 Prozent verloren. Die Themen China, Ölpreis und allgemeine Sorgen um die Weltkonjunktur machen den Anlegern weiter zu schaffen. Der Dax steigt zwar bis Ende November wieder etwas, doch das ist nicht nachhaltig. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt Ende September bei 0,59 Prozent.

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3. Dezember 2015

Die EZB legt nach. Die Notenbanker kündigen an, den Zeitraum ihrer Anleihekäufe um sechs Monate bis März 2017 zu verlängern – mit einem Kaufvolumen von weiterhin etwa 60 Milliarden Euro pro Monat. „Wir machen mehr, weil es wirkt“, sagt EZB-Chef Mario Draghi. Zugleich senkt die EZB den Einlagenzins auf minus 0,3 Prozent. Die zehnjährige Bund-Rendite steigt zunächst auf 0,67 Prozent – hält sich aber nicht lange auf diesem Niveau.

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16. Dezember 2015

Die Fed erhöht die Zinsen. Die US-Notenbank Fed erhöht zum ersten Mal seit zehn Jahren den Leitzins. Da der Schritt so lange erwartet war, zieht er weder die Renditen der zuvor wieder gestiegenen US-Staatsanleihen, noch der Bundesanleihen weiter nach oben.

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20. Januar 2016

Ölpreis auf Zwölfjahrestief. Der Preis für ein Fass (159 Liter) des Nordseeöls Brent fällt auf bis zu 29,31 Dollar. Der rasante Ölpreisverfall schürt neue Sorgen um die Banken, Schuldner von US-Hochzinsanleihen aus der Energiebranche gehen reihenweise pleite. Die zehnjährige Bundesanleihe wirft nur noch 0,48 Prozent Rendite ab.

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9. Februar 2016

Japan schreibt Geschichte am Anleihemarkt. In Tokio fällt die Rendite der zehnjährigen japanischen Anleihe unter null Prozent. Damit durchbricht erstmals eine zehnjährige Anleihe einer G7 Nation diese wichtige Marke nach unten. Wenige Wochen später gelingt es Japan erstmals eine neue zehnjährige Anleihe mit einer Negativrendite am Markt zu platzieren. Niedrig sind die Anleiherenditen im lange von der Deflation geplagten Japan seit dem Ende der 1990er Jahre. Seit gut 15 Jahren kauft die Bank of Japan zudem Anleihen auf. Aktuell erwirbt sie jährlich Bonds im Umfang von 80 Billionen Yen (630 Milliarden Euro).

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11. Februar 2016

Der Dax fällt auf den tiefsten Stand seit November 2011. Seit Dezember ist auch der Dax wieder auf Talfahrt und fällt bis zum 11. Februar auf 8.699 Punkte. Damit hat er allein seit Jahresanfang 22 Prozent eingebüßt – und damit den schlechtesten Jahresstart aller Zeiten hingelegt. Inzwischen machen sich Investoren auch wieder Sorgen um die Konjunktur in den USA – die nächsten Leitzinserhöhungen der Fed scheinen in weite Ferne zu rücken.

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29. Februar 2016

Zehnjährige Bund-Rendite nähert sich ihrem Rekordtief. Mit 0,10 Prozent rentiert die zehnjährige Bundesanleihe erneut nur ganz knapp über der Null-Linie. Inzwischen rentieren 80 Prozent aller Bundeswertpapiere im negativen Bereich. Im ganzen Euro-Raum sind es 46 Prozent. Auch viele Pfandbriefe und einige Unternehmensanleihen rentieren im Minus.

In den folgenden Tagen steigen die Anleiherenditen zunächst wieder etwas. Die Sorgen um die Konjunktur legen sich etwas, der Ölpreis steigt wieder und auch der Dax legt wieder zu.

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3. März 2016

Die EZB zieht alle Register. Sie senkt den Leitzins von 0,05 auf null Prozent und erhöht den Einlagenzins für Übernachteinlagen der Banken auf minus 0,4 Prozent. Das bis März 2017 Anleihekaufprogramm wird pro Monat um 20 Milliarden auf 80 Milliarden Euro erhöht. Die EZB nimmt zudem erstmals Unternehmensanleihen von Unternehmen abseits der Finanzindustrie in das Anleihekaufprogramm auf. Schließlich bietet sie den Banken neue zweckgebundene Langfristkredite (TLTROs) deren Verzinsung an den Einlagensatz gekoppelt ist. Die Anleiherenditen steigen zunächst - fallen bereits aber bereits ab dem nächsten Tag wieder.

Hintergrund der EZB-Entscheidung sind die gesenkten Inflationsprognosen. 2016 erwartet wie EZB jetzt nur noch eine Teuerungsrate von 0,1 Prozent nach zuvor 1,0 Prozent, für 2017 senkt sie den Ausblick um 0,3 Prozentpunkte auf 1,3 Prozent. Die erstmals veröffentlichten Projektionen für 2018 sehen eine Inflationsrate von 1,6 Prozent vor. Eigentliches Ziel der EZB ist eine Inflationsrate von im Schnitt um die zwei Prozent pro Jahr.

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5. April 2016

Zehnjährige Bund-Rendite nähert sich Rekordtief. Die Maßnahmen der EZB lassen die Anleiherenditen wieder kräftig fallen. Am 5. April fällt die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf bis zu 0,08 Prozent. Danach steigt sie wieder etwas, aber nur leicht. Außer den Anleihekäufen der EZB spielen die weiter stark schwankenden Aktienmärkten, die neuen politischen Unruhen um Griechenland und die steigende Nervosität vor einem Ausscheiden Großbritanniens aus der EU eine Rolle bei der Flucht der Anleger in sichere Bundesanleihen.

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14. Juni 2016

Der Zins ist weg. Um kurz vor halb 10 ist es soweit. Erstmals in ihrer Geschichte fällt die Rendite selbst der zehnjährigen Bundesanleihe auf null Prozent. Banker rechnen damit, dass die Rendite bald auch leicht negativ werden wird. Als Dauerzustand sehen Banken das aber nicht. Doch die Banken haben mit ihren Prognosen schon oft daneben gelegen.

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Die Vergabe der Papiere erfolgt per Auktion im sogenannten Tenderverfahren unter institutionellen Investoren wie Banken, Versicherungen, Pensionsfonds und Fondsgesellschaften. Die Bundesanleihen haben eine Laufzeit, einen Nennwert und einen festen Nominalzins, den sogenannten Coupon. Bis zum Ende der Laufzeit zahlt der Bund jährlich nur den Coupon auf den Nennwert an den Anleger. Am Ende der Laufzeit muss der Staat dem Anleger dann den Nennwert zurückzahlen.

Allein die Größe der deutschen Volkswirtschaft verleihe Bundesanleihen Gewicht, sagt Folker Hellmeyer, Chef-Analyst der Bremer Landesbank. "Außerdem haben die deutsche Regierung und die Bundesbank immer eine Stabilitätspolitik verfolgt." Unter den Staatsanleihen gilt die Bundesanleihe daher als eine der sichersten.

Wie groß ist der Markt für Bundesanleihen?

Die zehnjährige Bundesanleihe ist das mit Abstand wichtigste Instrument zur Finanzierung des Schuldenberges des Bundes. Dieser hatte zum Ende des ersten Quartals eine Höhe von 1,08 Billionen Euro, also mehr als tausend Milliarden Euro. Knapp die Hälfte der Schulden besteht aus zehnjährigen Bundesanleihen. Daneben begibt die Bundesregierung auch Anleihen mit Laufzeiten zwischen wenigen Monaten und 30 Jahren. Insgesamt bestehen fast 98 Prozent der Schulden des Bundes und seiner Nebenhaushalte aus börsenfähigen Wertpapieren.

Das Volumen bei einer Neuemission des Bundes beträgt anfangs oft fünf Milliarden Euro, kann sich durch Aufstockungen jedoch auf mehr als 20 Milliarden Euro erhöhen. Wie viel Geld sich der Bund leihen darf, wird im Bundeshaushalt festgelegt. Die Bundesregierung nimmt zwar seit 2014 keine neuen Schulden mehr auf ("schwarze Null"). Allerdings muss sie jedes Jahr rund 20 Prozent der Altschulden umfinanzieren, weil alte Anleihen auslaufen und durch neue ersetzt werden müssen.

Negativzins

Handeln statt Jammern!

von Daniel Stelter

Wie funktioniert der Börsenhandel mit Bundesanleihen?

Am Anleihemarkt der Börse sind Bundesanleihen jederzeit handelbar – und das macht sie für Großanleger wie Fonds und Versicherungen so praktisch. Der Börsenkurs der Anleihe wird dabei in Prozent vom Nennwert berechnet. Steigt eine Anleihe über 100 Prozent und der Anleger muss somit mehr als nur den Nennwert investieren, senkt das umgekehrt die Rendite im Verhältnis zum Börsenkurs. Fällt eine Anleihe unter 100 Prozent, erhöht das die Rendite aus der nominellen Verzinsung. Die an der Börse oder auf Börsenseiten im Internet angezeigte Rendite bezieht sich also immer auf den aktuellen Börsenpreis und verhält sich stets dazu: Steigt der Kurs, fällt die Rendite und umgekehrt.

Dass die zehnjährige Bundesanleihe nun Negativzinsen bietet und somit Geld kostet anstatt welches abzuwerfen, liegt am hohen Kurs der Anleihen an der Börse aufgrund der großen Nachfrage. In Frankfurt notieren die zehnjährigen „Bunds“ aktuell bei 104,6 Prozent. Deshalb liegt ihre Rendite mit 0,02 Prozent deutlich unter dem Nominalzins von zuletzt nur noch 0,5 Prozent.

Die Haushaltsreferate der einzelnen Bundesministerien planen ihre Haushalte für die folgenden Jahre, der Finanzminister trägt die Vorhaben zusammen. Die Bundesregierung beschließt im Kabinett den Haushalt für den Bund – in der Regel im Sommer für das jeweilige folgende Jahr.

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Mittlerweile müssen die nationalen Haushalte auch bei der EU-Kommission vorgelegt werden. Die Behörde in Brüssel prüft im Herbst, ob etwa die Höhe vorgesehener Schulden den Regeln der Europäischen Union entspricht.

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Das Parlament hat die Hoheit: Der Bundestag beschließt endgültig über den Haushalt des Bundes. Übersteigen die von den Parlamentarieren beschlossenen Ausgaben die erwarteten Einnahmen, müssen zusätzliche Schulden gemacht werden („Netto-Neuverschuldung“).

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Seitdem Finanzminister Wolfgang Schäuble 2014 die „Schwarze Null“ durchgebracht hat, spart sich der Bund die Netto-Neuverschuldung. Neue Kreditpapiere bringt der Bund trotzdem auf den Markt– um alte Kredite abzulösen.

Zur Fälligkeit muss der Staat den Nennwert begebener Anleihen und Geldmarktpapiere inklusive Kuponverzinsung an die Investoren zurückzahlen. Das Geld dafür beschafft er sich, indem er kurz vorher neue Anleihen begibt. An welchem Tag welche Bundeswertpapiere begeben werden legt die Finanzagentur – der oberste Schuldenmanager des Bundes – jeweils im Dezember für das Folgejahr fest.

Im Juni 2015 teilte die Finanzagentur mit, dass angesichts der guten Kassenlage des Bundes in den folgenden Monaten insgesamt fünf Milliarden Euro weniger Anleihen begeben werden müssten.

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„Ja, der Bund zahlt das Geld für Zinsen und Tilgung an die Käufer von Anleihen immer fristgerecht zurück“, sagt Jörg Müller von der Deutschen Finanzagentur. Die Regierung könne kurzfristig eingreifen, ist seit Jahren liquide und werde von allen drei Rating-Agenturen regelmäßig mit einem „Triple A“ (AAA)-Status ausgezeichnet.

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Neben Standard & Poor's geben regelmäßig Moody's und Fitch Urteile über Deutschlands Kreditwürdigkeit ab. Wegen des Top-Ratings ist der deutsche Staat so beliebt im Geschäft mit Bundesanleihen. Nachdem das Finanzministerium entschieden hat, welche Anleihen-Art er genau begeben will, wird die Deutsche Finanzagentur tätig. Sie berät das Finanzministerium, wie es die Anleihen möglichst günstig und gleichzeitig kurzfristig auf dem Markt anbieten kann.

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Jens Weidmann ist der Präsident der Bundesbank, die in Schritt 3 des Schuldenmachens ein ausführendes Organ ist. Die Bundesbank organisiert gemeinsam mit der Finanzagentur die Bieterauktionen für die begebenen Schuldtitel.

Die Auktionen finden in der Regel zwei Mal die Woche statt. Montags werden kurzlaufende Geldmarktpapiere mit Laufzeiten von sechs oder zwölf Monaten, mittwochs Anleihen mit Laufzeit von zwei, fünf, zehn oder 30 Jahren versteigert.

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Die Vorschau auf die anstehenden Auktionen ist seit Dezember 2013 noch detaillierter geworden. Für das komplette Jahr steht fest an genau welchem Tag welches Bundeswertapier versteigert wird. Dazu gibt es Angaben zu Volumina, Fälligkeit und den Zinsterminen.

Außen vor bleiben in der Vorschau lediglich Anleihen, deren Zins- und Tilgungszahlungen an die Inflationsrate gekoppelt sind. Für diese Papiere gibt es lediglich grobe Ankündigungen, hier hält sich die Finanzagentur flexibel. Im Jahr 2014 gab es insgesamt 49 reguläre Auktionen und 29, die speziell für Geldmarkt-Papiere vorgesehen waren.

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Bei den Auktionen wird nie das gesamte Volumen einer Anleihe zugeteilt. Die Finanzagentur behält stets einen Teil ein und verkauft diesen nach und nach. Mit dieser sogenannten Marktpflegequote sorgt die Finanzagentur mit dafür, dass die Anleihen gut handelbar, also liquide bleiben.

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Es gibt eine beschränkte Bietergruppe, die an den Auktionen von Bundesbank und Finanzagentur teilnehmen darf. Von 8.30 Uhr bis 11 Uhr gehen die 37 Kreditinstitute, die sich an dem Gefecht beteiligen ins Rennen um die Papiere.

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Zu der Bietergruppe gehört unter anderem die Commerzbank, die 2014 im Kauf von Bundesanleihen besonders engagiert war. Bereits zum Halbjahr hatte die Commerzbank den ersten Platz der Bieter-Rangliste erklommen, was sich Ende 2014 bestätigt hat.

Seit 1998 gibt es die von der Deutschen Bundesbank eingeführte, „Bietergruppe Bundesemissionen“. Eine Bewerbung um Aufnahme können die Banken bei der Finanzagentur einreichen. Es bedarf dann einer Prüfung der Liquidität sowie einer Einrichtung von technischen Möglichkeiten.

Mitglied können „gebietsansässige Kreditinstitute, Wertpapierhandelsunternehmen und Wertpapierhandelsbanken sowie inländische Niederlassungen ausländischer Unternehmen“ werden – soweit sie die Erlaubnis zum Betreiben des Emissionsgeschäfts haben. Eine wichtige Voraussetzung ist, dass die Belieferung über ein Depotkonto bei der Clearstream Banking AG Frankfurt mit Geldverrechnung über das System Target2 erfolgen kann.

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Neben der Commerzbank gehört ebenfalls die Deutsche Bank zur Bietergruppe um Bundesanleihen, genauso wie unter anderem Goldman Sachs, Barclays, die Royal Bank of Scotland, die ING Bank oder die Rabobank International. Zudem kaufen die Landesbanken von Baden-Württemberg und Hessen-Thüringen Bundesanleihen. Auf dem letzten Platz der Rangliste nach Bietvolumen ...

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... steht die Frankfurter BHF Bank. In der Regel gibt es pro Auktion 30 bis 70 Einzelgebote, bei den Geldmarktanleihen liegt die Beteiligungsquote bei durchschnittlich 25 Banken pro Papier.

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Innerhalb der letzten Minuten der Auktionen für Bundesanleihen entscheiden die Bieter, welche Summen sie für welche Anleihen bieten wollen. Anschließend erfolgt die Zuteilung der jeweiligen Käufe zu der jeweiligen Summe von Finanzagentur und Bundesbank. Jörg Müller von der Finanzagentur erklärt: „Während der Auktion sehen die Bieter im Sekundärmarkt, wie der Kurs von Anleihen mit gleicher Laufzeit steigt und fällt. Gleiches gilt für die Anleihe, für die gerade geboten wird.“

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Nach dem Abschluss jeder Auktion folgt Papierkram: Die Finanzagentur hält jeden Verkauf von Bundesanleihen im Bundesschuldenbuch fest. Dies ist maßgebend für den Haushaltsabschluss am Ende des Jahres und gibt somit Aufschluss für das kommende Jahr.

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Im vergangenen Jahr hatte der Bund Anleihen im Wert von 212 Milliarden verkauft und den Haushalt so refinanziert. Dafür hatte die Bietergruppe insgesamt 304,5 Milliarden Euro geboten. „Die Bundeswertpapieremissionen waren im Jahresdurchschnitt um 44 Prozent überzeichnet.

Insgesamt zeigt sich eine stärkere Nachfrage in kürzeren Laufzeiten“, sagt Jörg Müller von der Finanzagentur. Vom gesamten Emissionsvolumen seien rund 177,9 Milliarden Euro direkt in den Auktionen zugeteilt und 34,1 zunächst als Marktpflegequote zurückbehalten worden, „um sie später im Sekundärmarkt platzieren zu können.“

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Warum ist die zehnjährige Anleihe so wichtig?

Banken müssen als Puffer für schlechte Zeiten Wertpapiere in ihrem Portfolio haben, die sie notfalls rasch zu Geld machen können. Logischerweise sind Verlustrisiken bei einer solchen Geldanlage unerwünscht. Versicherungen und Pensionsfonds sind zudem ebenso wie besonders konservative Anlagefonds dazu verpflichtet, überwiegend in sichere Wertpapiere zu investieren. Bundesanleihen erfüllen diese Kriterien perfekt: Der deutsche Staat gilt als zuverlässiger und zahlungskräftiger Schuldner, das Risiko einer Staatspleite und somit der Verlust des investierten Kapitals ist besonders gering.

Gleichzeitig ist die Bundesanleihe an der Börse stets liquide handelbar. Es finden sich immer genügend Käufer und Verkäufer für die Papiere, die Kursschwankungen an der Börse sind vergleichsweise gering. Weil die Bundesanleihen ein derart großes Finanzierungsvolumen darstellen, wirken sie sich außerdem auf andere Geschäfte als Orientierungs- und Bezugsgröße aus. Die Verzinsung der Bundesanleihe hat somit indirekten Einfluss auf die Höhe der Zinsen für Kredite, Sparverträge, oder auch private Altersvorsorgeprodukte wie etwa Lebensversicherungen.

Anleihen

Rendite 10-jähriger Bundesanleihen fällt auf null Prozent

Warum gelten Bundesanleihen als besonders sichere Geldanlage?

Für den Analysten Michael Schulz von der NordLB sind die Papiere ebenfalls ein fast risikoloses Investment. "Der deutsche Staat ist über jeden Zweifel erhaben. Das ist fundamental begründet durch das robuste Wirtschaftswachstum, die niedrige Arbeitslosigkeit und die vergleichsweise gesunden Staatsfinanzen." Alle großen Ratingagenturen bewertet deshalb die Bonität Deutschlands mit der Bestnote AAA.

Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren sind rund um die Welt zum wichtigsten Finanzierungsinstrument institutioneller Anleger avanciert. Ein Grund hierfür sei, dass die durchschnittliche Laufzeit aller ausgegebenen Papiere noch bei etwa acht Jahren liege, sagt Chef-Ökonom Hellmeyer. Anleger können die Papiere also entweder wieder verkaufen oder noch lange im Portfolio liegen lassen. Bundesanleihen sind somit flexibel und trotzdem langfristig kalkulierbar.

Warum werden Bundesanleihen trotz Zinstief noch so stark nachgefragt?

Dafür sorgt der riesige und liquide Markt: An einem durchschnittlichen Handelstag wechseln Bundeswertpapiere in Höhe von rund 20 Milliarden Euro den Besitzer. Die derzeit im Umlauf befindlichen zehnjährigen Bundesanleihen haben einen Wert von fast 500 Milliarden Euro. Am Sekundärmarkt - etwa europäische Wertpapierbörsen, elektronische Handelsplattformen und außerbörslich - wird aber pro Jahr ein Volumen von etwa 2,5 Billionen Euro gehandelt, also rund das Fünffache. Nur der Markt für US-Staatsanleihen ist noch liquider. Das bedeutet, dass Besitzer ihre Papiere praktisch jederzeit - selbst größere Bestände - zu Geld machen können.

Das bevorstehende Brexit-Referendum macht die Anleger nervös, sichere Häfen sind gefragt und so rutscht die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen zum ersten Mal überhaupt ins Minus und auch der Dax setzt seine Talfahrt fort.

Wie kommt es zum Negativzins?

Europa hangelt sich seit Jahren von Krise zu Krise. Von der Finanz- zur Staatsschulden- und Griechenland- bis hin zur Flüchtlingskrise. Akut ist derzeit vor allem die Gefahr eines EU-Abschieds von Großbritannien, sollte sich beim Referendum am 23. Juni eine Mehrheit der Briten dafür aussprechen. Kommt es dazu, steht die Zukunft der gesamten Europäischen Union auf dem Spiel.

Die Profianleger sehen daher die Gefahr eines weltweiten Börsenbebens. Auch eine Rezession in Großbritannien und bei wichtigen Handelspartnern sagen einige Ökonomen voraus. Investoren müssen solche Risiken einkalkulieren. "In Zeiten erhöhter Verunsicherung greifen Anleger zu den Papieren mit der geringsten Ausfallwahrscheinlichkeit", erklärt Schulz. "Und das sind nun einmal die Bundesanleihen." Die starke Nachfrage treibt ihren Kurs nach oben und lässt die Rendite sinken – sogar bis ins negative. Um ihr Geld sicher aufbewahrt zu wissen, nehmen Anleger also – zumindest vorrübergehend – eine Null- oder Negativverzinsung in Kauf.

Geldpolitik der EZB: Belastungen durch Niedrigzinsen
In Deutschland beliebte Sparformen wie Tages- und Festgeld werfen kaum noch etwas ab. Die niedrige Inflation gleiche die negativen Effekte der niedrigen Zinsen allerdings aus, betont EZB-Präsident Mario Draghi. Derzeit liege die Verzinsung minus Inflation höher als im Durchschnitt der 1990er Jahre. „Zu der Zeit hatten Sie höhere Zinsen auf dem Sparbuch, aber zugleich meist Inflation, die weit darüber lag und alles auffraß“, sagte Draghi jüngst in einem Interview. Im Mai lagen die Verbraucherpreise in Deutschland nach vorläufigen Berechnungen gerade einmal um 0,1 Prozent über dem Vorjahresniveau.Stand: 07.06.2016
Finanzinstitute müssen Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken. Für den durchschnittlichen Privatkunden sind Strafzinsen bislang kein Thema. Man werde „alles tun, um die privaten Sparer vor Negativzinsen zu schützen - in Teilen auch zu Lasten der eigenen Ertragslage“, sagte jüngst der Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon. Wenn die aktuelle Niedrigzinsphase aber lange andauere, würden die Sparkassen die Kunden letztlich nicht davor bewahren können. Zudem könnten Geldhäuser nach Angaben des Präsidenten des Bundesverbandes der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Uwe Fröhlich, gezwungen sein, an der Gebührenschraube zu drehen: „Jeder muss in seiner Bank überlegen, wie er über Konditionen-Gestaltung gegen die Ertragsverluste anarbeitet, die ohne Zweifel da sind.“
Lebensversicherern fällt es immer schwerer, die hohen Zusagen der Vergangenheit zu erwirtschaften. Die Folge: Die Verzinsung des Altersvorsorge-Klassikers sinkt seit geraumer Zeit. Auch Betriebsrenten leiden, Firmen müssen wegen der Zinsschmelze immer mehr Geld für die Pensionsverbindlichkeiten zurücklegen. Viele Unternehmen versprechen bei Neueinstellungen daher keine konkreten Leistungen mehr, sondern sagen lediglich zu, einen bestimmten Betrag pro Monat in Vorsorgekassen einzuzahlen. Das Zinsrisiko tragen die künftigen Pensionäre.

Was hat die Europäische Zentralbank (EZB) mit den niedrigen Renditen zu tun?

Seit März vergangenen Jahres kauft die EZB jeden Monat massenhaft Staatsanleihen. Zunächst startete das Anleihekaufprogramm mit einem monatlichen Kaufvolumen von 60 Milliarden Euro. Mittlerweile hat EZB-Chef Mario Draghi das Programm auf 80 Milliarden Euro ausgeweitet, zudem kauft die Zentralbank mittlerweile nicht nur Staatsanleihen, sondern auch Unternehmensanleihen. Durch die Käufe der EZB ist die Nachfrage nach Bonds deutlich gestiegen und hat den Markt verzerrt. Folglich sind die Renditen zahlreicher Bonds bereits in den negativen Bereich gerutscht. Schon vor einigen Wochen rutschte die Umlaufrendite, also die Rendite über deutsche Staatsanleihen aller Laufzeiten, erstmals in den negativen Bereich.

Geldpolitik der EZB: Entlastungen durch Niedrigzinsen
Verbraucher sparen bei Darlehen, ob für den neuen Fernseher oder für die eigenen vier Wände. Hausbauer können sich zu historisch günstigen Konditionen Geld leihen. Nach Angaben des Bankenverbandes BdB sind Hypothekendarlehen mit zehn Jahren Zinsbindung derzeit zu Effektivzinsen von durchschnittlich etwa 1,4 Prozent zu haben. 2007 lagen sie noch bei mehr als fünf Prozent.
Billiger ist es auch geworden, das eigene Konto zu überziehen. Vor fünf Jahren lagen die Dispozinsen nach Angaben der Finanzberatung FMH im Schnitt noch bei 11,26 Prozent. Mittlerweile sind es demnach durchschnittlich 9,51 Prozent.
Seit Jahren ist günstiges Notenbankgeld der zentrale Treibstoff für die Börsen. Aktionäre können von steigenden Kursen profitieren. Zuletzt wagten sich die eher börsenscheuen Deutschen wieder stärker an den Aktienmarkt. Knapp 9,01 Millionen Menschen besaßen nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts im vergangenen Jahr Aktien und/oder Anteile an Aktienfonds - das ist der höchste Stand seit 2012.
Mit der Ausgabe von Anleihen finanziert die öffentliche Hand - neben Steuereinkünften - einen Großteil ihrer Ausgaben. Am Montag fiel die sogenannte Umlaufrendite, die ein durchschnittliches Maß für die „Verzinsung“ von Staatspapieren mit einer Laufzeit von drei bis 30 Jahren ist, in Deutschland erstmals seit der Gründung der Bundesrepublik in den negativen Bereich. Der Bund „verdient“ in einer solchen Situation somit an seiner eigenen Schuldenaufnahme, anstatt den Gläubigern - den Käufern der Anleihen - einen Zins zu zahlen.Stand: 7. Juni 2016

Welche Anleihen kauft die EZB?

Grundsätzlich kaufen die nationalen Notenbanken der Euro-Zone Staatsanleihen für die EZB. Gekauft wird nach dem Kapitalschlüssel der Zentralbank, auf Deutschland, als größtem Geldgeber des Euro-Zentralbanksystems, entfällt der höchste Anteil. Lediglich griechische Staatsanleihen werden im Rahmen des als PSPP (Public Sector Purchase Programme) bezeichneten Kaufprogramms nicht gekauft, da die EZB sie nicht als Sicherheiten akzeptiert.

Gekauft werden die Staatsanleihen am Sekundärmarkt. Die jeweilige Laufzeit muss beim Kaufdatum noch mindestens zwei Jahre und weniger als 31 Jahre betragen.

Höhenflug der Bundesanleihen

Umlaufrendite ist erstmals negativ

Hat die EZB irgendwann alle verfügbaren Anleihen aufgekauft?

Theoretisch ist das denkbar. Die Notenbank darf nur Anleihen kaufen, die über dem negativen Einlagezins von minus 0,4 Prozent rentieren. Mittlerweile sind die Zinsen für alle kurzfristigen Bundesanleihen negativ, selbst erst 2021 fällige Anleihen rentieren unter dem Einlagezins und sind somit für die EZB nicht kaufbar. Die Bundesbank, welche für Deutschland die Anleihen kauft, muss also stärker ins Risiko gehen und länger laufende Anleihen kaufen.

Wie löst sie das Problem?

Im März 2016 hat die EZB angekündigt, nun im Rahmen ihres Anleihekaufprogramms auch Unternehmensanleihen zu kaufen. Damit haben die nationalen Notenbanken in der vergangenen Woche begonnen, bisher hat die EZB Unternehmensbonds für 348 Millionen Euro in ihren Büchern. Nach den ersten Käufen hieß es aus Händlerkreisen, dass unter anderem Anleihen vom Versorger RWE unter den Einkäufen war sowie Papiere von Siemens, Anheuser Busch InBev und Generali.

Kritiker befürchten nun, dass am Markt für Unternehmensanleihen ähnliche Verzerrungen entstehen wie bei Staatsanleihen. "Sie tritt damit in fast allen Anleihemärkten als größter Käufer auf", sagt Schulz. "Diese große Nachfrage führt im Umkehrschluss zwangsläufig zu niedrigen Zinsen." Schon jetzt können sich viele Unternehmen fast zum Nulltarif refinanzieren. Die EZB kauft Anleihen von Nicht-Banken, die ihren Sitz in der Euro-Zone haben und deren Anleihen über mindestens ein Investmentgrade-Rating verfügen, also von den Ratingagenturen als kreditwürdig eingestuft werden.

Welche Konsequenzen hat der Negativzins für Anleger?

Negative Renditen verhageln vielen Banken die Bilanz. Sie sind nicht nur eine Belastung für das Anlagevermögen. Wegen der geringeren Handelsumsätze verdienen die Institute auch weniger Provisionen. Für Privatanleger am auffälligsten sind die fallenden Garantiezinsen auf Lebens- und Rentenversicherungen. Weil die Finanzkonzerne mit Anleihen kein Geld mehr verdienen, haben sie Schwierigkeiten, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Zudem sorgen die niedrigen Anleihezinsen dafür, dass Anleger für mehr Rendite in riskantere Anlageklassen wie Aktien, vermietete Immobilien oder Rohstoffe ausweichen müssen. Je länger die Zinsen nahe der Nulllinie verharren, umso größer wird die Gefahr durch Spekulationsblasen.

Gibt es auch andere Staatsanleihen mit negativer Rendite?

Auch für zehnjährige Staatsanleihen der Schweiz und Japans nehmen Anleger Negativrenditen in Kauf. Bei Schweizer Papieren liegt diese bei aktuell minus 0,46 Prozent, bei japanischen Staatsanleihen bei minus 0,17 Prozent.

Davon abgesehen sind vor allem Bundesanleihen mit kürzerer Laufzeit seit einigen Jahren im Bereich negativer Rendite. Die Bundesanleihe mit zwei Jahren Laufzeit etwa ist bereits seit 2014 ein Minusgeschäft für Anleger.

Wer profitiert vom Zinstief?

Besonders freut sich darüber Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Zwar haben die an den Börsen gezahlten Zinssätze keinen direkten, sehr wohl aber einen indirekten Effekt auf die Kosten des Bundes als Emittent der Anleihen. Um eine neue zehnjährige Bundesanleihe am Markt loszuschlagen, muss Schäuble wegen der großen Nachfrage nur noch einen festen jährlichen Kupon von 0,5 Prozent anbieten - vor zehn Jahren waren es noch vier Prozent.

Weil auch die vom Bund gezahlten Garantiezinsen für seine anderen Wertpapiere stark gesunken sind, hat Schäuble bereits Milliarden gespart: In diesem Jahr sind im Bundeshaushalt Zinsausgaben von 21,1 Milliarden Euro geplant, im Entwurf für den Etat 2017 sogar nur 19,1 Milliarden Euro. 2008 waren die Zinsausgaben mit 40,2 Milliarden Euro mehr als doppelt so hoch.

Mit Material von Reuters.

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