Goldpreis auf Rekordhoch: Kommt jetzt unser Gold zurück nach Deutschland?
Noch vor wenigen Monaten wirkt der ehemalige Bundesbanker tiefenentspannt. Die deutschen Goldreserven in New York, gelagert in den Tresoren der US-Notenbank Federal Reserve? Natürlich seien die dort sicher, sagt er am Telefon. Schließlich sei die Fed eine altehrwürdige Institution. Sorge um deren Unabhängigkeit müsse man sich nun wirklich nicht machen.
Seit diesem Gespräch ist einiges passiert. US-Präsident Donald Trump hat seinen Kampf gegen Fed-Chef Jerome Powell und die Unabhängigkeit der Notenbank vehement fortgesetzt. Mit Stephen Miran ist nicht nur sein eigener Wirtschaftsberater Fed-Gouverneur geworden, sondern auch noch ein ausgewiesener Kritiker der Fed, der sich für niedrigere Leitzinsen und mehr Einfluss seitens der Regierung einsetzen dürfte.
Wie sicher sind die Tresore der Fed also tatsächlich?
Noch immer lagert die Deutsche Bundesbank mehr als 98.000 Goldbarren in New York, was 1236 Tonnen entspricht. Im Rahmen einer Rückholaktion wurden zwischen 2013 und 2017 bereits 300 Tonnen Gold von der Fed zurück nach Frankfurt verlagert. Zudem wurden damals 374 Tonnen Gold aus Paris zurückgeholt, sodass insgesamt 50,6 Prozent der deutschen Goldreserven wieder in Deutschland gelagert wurden, wie die Bundesbank im August 2017 mitteilte. Derzeit liegt die Quote bei 49 Prozent.
Damals waren es unter anderem Politiker wie Peter Gauweiler, die der Bundesbank vorwarfen, das im Ausland lagernde Gold nicht oft genug zu überprüfen, und dessen Existenz anzweifelten. Am Ende verlangte auch der Bundesrechnungshof eine Bestandsaufnahme des Goldes.
Dass das Gold überhaupt im Ausland, an den wesentlichen Handelsplätzen, lagert, hat historische Gründe: Die hohen Reserven in den USA resultieren wesentlich aus dem Goldstandard und waren nach dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr so bedeutend. Und eine Rückholaktion ist teuer, wie sich bereits bei den bisherigen Transporten zeigte. Die Verlagerung kostete mehrere Millionen, jeder Barren musste transportiert, gewogen und neu eingeschmolzen werden.
Trotzdem mehren sich nun erneut die Forderungen, das restliche Gold müsse auch noch verlagert werden und sei bei der Fed nicht mehr sicher. Michael Jäger, Präsident des europäischen Steuerzahlerbundes, hat der Bundesbank und dem Bundesfinanzministerium deshalb per Brief empfohlen, es heimzuholen: „Es ist höchste Zeit dafür, das Gold zurückzuholen.“
Grund dafür seien nicht nur Trumps Fehde mit Powell und die Sorge um die Unabhängigkeit der Fed. „Auch die hohe Staatsverschuldung der USA bereitet uns große Sorgen“, sagt Jäger. Die USA haben mittlerweile Schulden in Höhe von rund 37 Billionen Dollar angehäuft. Die Möglichkeit, dass die US-Regierung deshalb in Notsituationen auf ausländische Goldreserven zugreifen könnte, findet Jäger deshalb „naheliegend“.
Auf seinen Brief hat Jäger nur vom Bundesfinanzministerium eine Antwort erhalten. Zufrieden stimmt sie ihn nicht. Das Ministerium, so Jäger, habe nur auf die „Unabhängigkeit der Notenbank“ verwiesen. Neben Jäger fordern auch Politiker die Bundesbank dazu auf, das Gold aus den USA zurückzuholen, darunter zum Beispiel der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber.
Die Bundesbank dagegen erklärt auf Anfrage, sie schicke regelmäßig Inspektionsteams nach New York und hat nach eigenen Angaben „keinen Zweifel daran, dass wir mit der Fed einen vertrauenswürdigen, verlässlichen Partner bei der Aufbewahrung unserer Goldbestände haben“. Die Lagerstätten würden regelmäßig anhand verschiedener Kriterien wie Sicherheit und Handelbarkeit bewertet. Für die Überprüfung vor Ort habe es zu keiner Zeit Beschränkungen gegeben.
Hinzu kommt ein Punkt, den die Bundesbank zwar nicht benennt, den sie aber im Hinterkopf haben dürfte: Würde Deutschland die Reserven tatsächlich abziehen, käme das einem Misstrauensvotum gegen die US-Regierung gleich und könnte ungewollte diplomatische Konsequenzen haben.
Unterdessen bringt sich China bereits in Position, um von einem theoretischen Gold-Abzug aus den USA zu profitieren. Das Land will laut eines Bloomberg-Berichts andere Staaten dafür gewinnen, ihr Gold in der Volksrepublik zu lagern, und damit seine eigene Position am Goldmarkt weiter stärken. Aus Sicht der Bundesbank dürfte das aber vermutlich keine sinnvolle Alternative zur Fed darstellen.
Kritiker Jäger ist trotz aller Beschwichtigungen sicher: „Das Thema der Verlagerung muss immer wieder auf die Tagesordnung.“