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Höhenflug der BundesanleihenUmlaufrendite ist erstmals negativ

Das hat es noch nie gegeben: Erstmals verdient der deutsche Staat unterm Strich Geld mit dem Schuldenmachen. Und ein Ende dieses Trends, der für Bürger wie ein Märchen klingt, ist nicht in Sicht. 07.06.2016 - 12:36 Uhr Quelle: Handelsblatt

Eine deutsche Euromünze mit der Abbildung des Bundesadlers steht auf einem Tisch: Der Bund verdient nun unterm Strich mit Schuldenmachen Geld, die Umlaufrendite ist erstmals negativ.

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Schon seit Jahren profitiert der deutsche Staat bei der Schuldenaufnahme von sehr niedrigen Zinsen. Doch dieser Tage dürfte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) seinen Augen kaum trauen: Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik ist die sogenannte Umlaufrendite in den negativen Bereich gefallen. Nach Angaben der Bundesbank rutschte die Umlaufrendite von plus 0,01 Prozent am Freitag auf minus 0,02 Prozent.

Jeden Werktag gibt die Deutsche Bundesbank per Fax die sogenannte Umlaufrendite bekannt. Die Zahl gibt die durchschnittliche Rendite, also quasi die Verzinsung, der im Umlauf befindlichen Staatspapiere mit einer Laufzeit von drei bis 30 Jahren wieder. Eigentlich handelt es sich um ein Standard-Fax, aber am Montag passierte etwas Ungewöhnliches: Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik rutschte die Rendite in den negativen Bereich, auf minus 0,02 Prozent. Im Klartext heißt das: Statt für die Schuldenaufnahme Zinsen zahlen zu müssen, bittet der Staat die Gläubiger zur Kasse. Und: Je mehr sich der Staat leiht, desto mehr verdient er. Beim Finanzministerium in Berlin will man die Entwicklung nicht kommentieren.

Geldpolitik der EZB: Belastungen durch Niedrigzinsen
In Deutschland beliebte Sparformen wie Tages- und Festgeld werfen kaum noch etwas ab. Die niedrige Inflation gleiche die negativen Effekte der niedrigen Zinsen allerdings aus, betont EZB-Präsident Mario Draghi. Derzeit liege die Verzinsung minus Inflation höher als im Durchschnitt der 1990er Jahre. „Zu der Zeit hatten Sie höhere Zinsen auf dem Sparbuch, aber zugleich meist Inflation, die weit darüber lag und alles auffraß“, sagte Draghi jüngst in einem Interview. Im Mai lagen die Verbraucherpreise in Deutschland nach vorläufigen Berechnungen gerade einmal um 0,1 Prozent über dem Vorjahresniveau.Stand: 07.06.2016
Finanzinstitute müssen Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken. Für den durchschnittlichen Privatkunden sind Strafzinsen bislang kein Thema. Man werde „alles tun, um die privaten Sparer vor Negativzinsen zu schützen - in Teilen auch zu Lasten der eigenen Ertragslage“, sagte jüngst der Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon. Wenn die aktuelle Niedrigzinsphase aber lange andauere, würden die Sparkassen die Kunden letztlich nicht davor bewahren können. Zudem könnten Geldhäuser nach Angaben des Präsidenten des Bundesverbandes der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Uwe Fröhlich, gezwungen sein, an der Gebührenschraube zu drehen: „Jeder muss in seiner Bank überlegen, wie er über Konditionen-Gestaltung gegen die Ertragsverluste anarbeitet, die ohne Zweifel da sind.“
Lebensversicherern fällt es immer schwerer, die hohen Zusagen der Vergangenheit zu erwirtschaften. Die Folge: Die Verzinsung des Altersvorsorge-Klassikers sinkt seit geraumer Zeit. Auch Betriebsrenten leiden, Firmen müssen wegen der Zinsschmelze immer mehr Geld für die Pensionsverbindlichkeiten zurücklegen. Viele Unternehmen versprechen bei Neueinstellungen daher keine konkreten Leistungen mehr, sondern sagen lediglich zu, einen bestimmten Betrag pro Monat in Vorsorgekassen einzuzahlen. Das Zinsrisiko tragen die künftigen Pensionäre.

Mittlerweile werden alle Bundesanleihen mit einer Laufzeit von bis zu neun Jahren im negativen Bereich gehandelt. Die Spanne reichte zum Beginn der Woche von minus 0,529 Prozent in der Laufzeit von einem Jahr bis zur Rendite von minus 0,064 Prozent in der neunjährigen Laufzeit. Nur bei Papieren mit Laufzeiten von zehn bis 30 Jahren liegen die Zinssätze noch im positiven Bereich - wenn auch mittlerweile deutlich unter der Marke von einem Prozent.

Das bedeutet: Im Schnitt verdient der Fiskus mit der Schuldenaufnahme Geld. Eine extrem lockere Geldpolitik rund um den Globus, schlechte Signale aus den USA und die Angst vor einem Brexit zeigen Wirkung. Doch Grund zum Jubeln haben die Deutschen deshalb nicht.

Kein Grund zum Jubeln

Was für den Bürger nach einem Märchen klingt, ist für den Staat Realität. Das liegt vor allem an der extrem lockeren Geldpolitik der wichtigsten Notenbanken der Welt mit Negativzinsen und milliardenschweren Anleihekäufen. Rund um den Globus befinden sich die Leitzinsen auf Rekordtiefs und drücken dadurch die Renditen in den Keller. Und zu allem Überfluss sind dieser Tage auch noch Spekulationen geplatzt, es könnte bald wieder in eine andere Richtung gehen

Geldpolitik der EZB: Entlastungen durch Niedrigzinsen
Verbraucher sparen bei Darlehen, ob für den neuen Fernseher oder für die eigenen vier Wände. Hausbauer können sich zu historisch günstigen Konditionen Geld leihen. Nach Angaben des Bankenverbandes BdB sind Hypothekendarlehen mit zehn Jahren Zinsbindung derzeit zu Effektivzinsen von durchschnittlich etwa 1,4 Prozent zu haben. 2007 lagen sie noch bei mehr als fünf Prozent.
Billiger ist es auch geworden, das eigene Konto zu überziehen. Vor fünf Jahren lagen die Dispozinsen nach Angaben der Finanzberatung FMH im Schnitt noch bei 11,26 Prozent. Mittlerweile sind es demnach durchschnittlich 9,51 Prozent.
Seit Jahren ist günstiges Notenbankgeld der zentrale Treibstoff für die Börsen. Aktionäre können von steigenden Kursen profitieren. Zuletzt wagten sich die eher börsenscheuen Deutschen wieder stärker an den Aktienmarkt. Knapp 9,01 Millionen Menschen besaßen nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts im vergangenen Jahr Aktien und/oder Anteile an Aktienfonds - das ist der höchste Stand seit 2012.
Mit der Ausgabe von Anleihen finanziert die öffentliche Hand - neben Steuereinkünften - einen Großteil ihrer Ausgaben. Am Montag fiel die sogenannte Umlaufrendite, die ein durchschnittliches Maß für die „Verzinsung“ von Staatspapieren mit einer Laufzeit von drei bis 30 Jahren ist, in Deutschland erstmals seit der Gründung der Bundesrepublik in den negativen Bereich. Der Bund „verdient“ in einer solchen Situation somit an seiner eigenen Schuldenaufnahme, anstatt den Gläubigern - den Käufern der Anleihen - einen Zins zu zahlen.Stand: 7. Juni 2016

Denn an den Finanzmärkten ist man sich einig: Die einzigen, die eine weltweite Abkehr von den Niedrigzinsen ernsthaft vorantreiben könnten, sind die mächtigsten Währungshüter der Welt bei der US-Notenbank Fed. Immerhin hatten sie im Dezember erstmals seit der Finanzkrise die Zinsen von der Nulllinie angehoben. Zuletzt hatten Experten und Anleger denn auch auf eine weitere Zinsanhebung in Kürze spekuliert. Doch dann kam der jüngste Arbeitsmarktbericht aus den USA am Freitag, der düsterer kaum hätte sein können.

Im Mai wurden in den USA so wenige Jobs geschaffen wie seit fast sechs Jahren nicht mehr. In diesem wirtschaftlichen Umfeld werde die Fed bei der Zinswende kaum weiter vorpreschen, heißt es nun an den Finanzmärkten. Eine Zinsanhebung bei der kommenden Sitzung diesen Monat sei „voraussichtlich vom Tisch“, sagt Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank.

Die Haushaltsreferate der einzelnen Bundesministerien planen ihre Haushalte für die folgenden Jahre, der Finanzminister trägt die Vorhaben zusammen. Die Bundesregierung beschließt im Kabinett den Haushalt für den Bund – in der Regel im Sommer für das jeweilige folgende Jahr.

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Mittlerweile müssen die nationalen Haushalte auch bei der EU-Kommission vorgelegt werden. Die Behörde in Brüssel prüft im Herbst, ob etwa die Höhe vorgesehener Schulden den Regeln der Europäischen Union entspricht.

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Das Parlament hat die Hoheit: Der Bundestag beschließt endgültig über den Haushalt des Bundes. Übersteigen die von den Parlamentarieren beschlossenen Ausgaben die erwarteten Einnahmen, müssen zusätzliche Schulden gemacht werden („Netto-Neuverschuldung“).

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Seitdem Finanzminister Wolfgang Schäuble 2014 die „Schwarze Null“ durchgebracht hat, spart sich der Bund die Netto-Neuverschuldung. Neue Kreditpapiere bringt der Bund trotzdem auf den Markt– um alte Kredite abzulösen.

Zur Fälligkeit muss der Staat den Nennwert begebener Anleihen und Geldmarktpapiere inklusive Kuponverzinsung an die Investoren zurückzahlen. Das Geld dafür beschafft er sich, indem er kurz vorher neue Anleihen begibt. An welchem Tag welche Bundeswertpapiere begeben werden legt die Finanzagentur – der oberste Schuldenmanager des Bundes – jeweils im Dezember für das Folgejahr fest.

Im Juni 2015 teilte die Finanzagentur mit, dass angesichts der guten Kassenlage des Bundes in den folgenden Monaten insgesamt fünf Milliarden Euro weniger Anleihen begeben werden müssten.

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„Ja, der Bund zahlt das Geld für Zinsen und Tilgung an die Käufer von Anleihen immer fristgerecht zurück“, sagt Jörg Müller von der Deutschen Finanzagentur. Die Regierung könne kurzfristig eingreifen, ist seit Jahren liquide und werde von allen drei Rating-Agenturen regelmäßig mit einem „Triple A“ (AAA)-Status ausgezeichnet.

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Neben Standard & Poor's geben regelmäßig Moody's und Fitch Urteile über Deutschlands Kreditwürdigkeit ab. Wegen des Top-Ratings ist der deutsche Staat so beliebt im Geschäft mit Bundesanleihen. Nachdem das Finanzministerium entschieden hat, welche Anleihen-Art er genau begeben will, wird die Deutsche Finanzagentur tätig. Sie berät das Finanzministerium, wie es die Anleihen möglichst günstig und gleichzeitig kurzfristig auf dem Markt anbieten kann.

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Jens Weidmann ist der Präsident der Bundesbank, die in Schritt 3 des Schuldenmachens ein ausführendes Organ ist. Die Bundesbank organisiert gemeinsam mit der Finanzagentur die Bieterauktionen für die begebenen Schuldtitel.

Die Auktionen finden in der Regel zwei Mal die Woche statt. Montags werden kurzlaufende Geldmarktpapiere mit Laufzeiten von sechs oder zwölf Monaten, mittwochs Anleihen mit Laufzeit von zwei, fünf, zehn oder 30 Jahren versteigert.

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Die Vorschau auf die anstehenden Auktionen ist seit Dezember 2013 noch detaillierter geworden. Für das komplette Jahr steht fest an genau welchem Tag welches Bundeswertapier versteigert wird. Dazu gibt es Angaben zu Volumina, Fälligkeit und den Zinsterminen.

Außen vor bleiben in der Vorschau lediglich Anleihen, deren Zins- und Tilgungszahlungen an die Inflationsrate gekoppelt sind. Für diese Papiere gibt es lediglich grobe Ankündigungen, hier hält sich die Finanzagentur flexibel. Im Jahr 2014 gab es insgesamt 49 reguläre Auktionen und 29, die speziell für Geldmarkt-Papiere vorgesehen waren.

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Bei den Auktionen wird nie das gesamte Volumen einer Anleihe zugeteilt. Die Finanzagentur behält stets einen Teil ein und verkauft diesen nach und nach. Mit dieser sogenannten Marktpflegequote sorgt die Finanzagentur mit dafür, dass die Anleihen gut handelbar, also liquide bleiben.

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Es gibt eine beschränkte Bietergruppe, die an den Auktionen von Bundesbank und Finanzagentur teilnehmen darf. Von 8.30 Uhr bis 11 Uhr gehen die 37 Kreditinstitute, die sich an dem Gefecht beteiligen ins Rennen um die Papiere.

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Zu der Bietergruppe gehört unter anderem die Commerzbank, die 2014 im Kauf von Bundesanleihen besonders engagiert war. Bereits zum Halbjahr hatte die Commerzbank den ersten Platz der Bieter-Rangliste erklommen, was sich Ende 2014 bestätigt hat.

Seit 1998 gibt es die von der Deutschen Bundesbank eingeführte, „Bietergruppe Bundesemissionen“. Eine Bewerbung um Aufnahme können die Banken bei der Finanzagentur einreichen. Es bedarf dann einer Prüfung der Liquidität sowie einer Einrichtung von technischen Möglichkeiten.

Mitglied können „gebietsansässige Kreditinstitute, Wertpapierhandelsunternehmen und Wertpapierhandelsbanken sowie inländische Niederlassungen ausländischer Unternehmen“ werden – soweit sie die Erlaubnis zum Betreiben des Emissionsgeschäfts haben. Eine wichtige Voraussetzung ist, dass die Belieferung über ein Depotkonto bei der Clearstream Banking AG Frankfurt mit Geldverrechnung über das System Target2 erfolgen kann.

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Neben der Commerzbank gehört ebenfalls die Deutsche Bank zur Bietergruppe um Bundesanleihen, genauso wie unter anderem Goldman Sachs, Barclays, die Royal Bank of Scotland, die ING Bank oder die Rabobank International. Zudem kaufen die Landesbanken von Baden-Württemberg und Hessen-Thüringen Bundesanleihen. Auf dem letzten Platz der Rangliste nach Bietvolumen ...

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... steht die Frankfurter BHF Bank. In der Regel gibt es pro Auktion 30 bis 70 Einzelgebote, bei den Geldmarktanleihen liegt die Beteiligungsquote bei durchschnittlich 25 Banken pro Papier.

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Innerhalb der letzten Minuten der Auktionen für Bundesanleihen entscheiden die Bieter, welche Summen sie für welche Anleihen bieten wollen. Anschließend erfolgt die Zuteilung der jeweiligen Käufe zu der jeweiligen Summe von Finanzagentur und Bundesbank. Jörg Müller von der Finanzagentur erklärt: „Während der Auktion sehen die Bieter im Sekundärmarkt, wie der Kurs von Anleihen mit gleicher Laufzeit steigt und fällt. Gleiches gilt für die Anleihe, für die gerade geboten wird.“

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Nach dem Abschluss jeder Auktion folgt Papierkram: Die Finanzagentur hält jeden Verkauf von Bundesanleihen im Bundesschuldenbuch fest. Dies ist maßgebend für den Haushaltsabschluss am Ende des Jahres und gibt somit Aufschluss für das kommende Jahr.

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Im vergangenen Jahr hatte der Bund Anleihen im Wert von 212 Milliarden verkauft und den Haushalt so refinanziert. Dafür hatte die Bietergruppe insgesamt 304,5 Milliarden Euro geboten. „Die Bundeswertpapieremissionen waren im Jahresdurchschnitt um 44 Prozent überzeichnet.

Insgesamt zeigt sich eine stärkere Nachfrage in kürzeren Laufzeiten“, sagt Jörg Müller von der Finanzagentur. Vom gesamten Emissionsvolumen seien rund 177,9 Milliarden Euro direkt in den Auktionen zugeteilt und 34,1 zunächst als Marktpflegequote zurückbehalten worden, „um sie später im Sekundärmarkt platzieren zu können.“

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Und dann ist da auch noch der Brexit. Das Risiko eines Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) ist zuletzt gestiegen, denn jüngste Umfragen sehen die Brexit-Befürworter vorne. Das macht die Anleger nervös, treibt sie in als sicher geltende Staatspapiere und drückt dadurch zusätzlich ganz besonders auf die deutschen Renditen.

Angesichts der Gefahren eines möglichen Brexit auch für Deutschland scheint es geradezu paradox, dass der Fiskus bei der Schuldenaufnahme von der derzeitigen Gemengelage profitiert. Aber Grund zum Jubeln haben die Deutschen wegen der Niedrigzinsen ohnehin nicht.

Kritiker sprechen von einer Enteignung der Sparer

Denn des einen Freud ist des anderen Leid. Während sich Schuldner in Zeiten niedriger Zinsen billig Geld leihen können, leiden alle diejenigen, die Geld auf die hohe Kante legen wollen. Von einer „Enteignung der Sparer“ sprechen daher Kritiker der lockeren Geldpolitik. Die Altersvorsorge wird schwieriger und institutionelle Anleger wie Versicherungen ächzen, denn sie haben Schwierigkeiten, bestehende hohe Zinsversprechen aus Vorkrisenzeiten zu erwirtschaften.

Und ein Ende ist nicht in Sicht. An den Finanzmärkten fragt man sich: Wenn schon die Amerikaner nicht die Zinsen anheben, wer denn dann? Mit der Europäischen Zentralbank (EZB) ist dabei jedenfalls nicht zu rechnen. Nach der jüngsten Zinsentscheidung Anfang des Monats verkündete EZB-Chef Mario Draghi, die Zinsen dürften für längere Zeit auf dem aktuellen oder sogar auf einem niedrigeren Niveau bleiben. Und: Statt eine Anhebung in Aussicht zu stellen, betonte Draghi, dass man für den Notfall sogar noch weitere geldpolitische Lockerungen in petto habe.

dpa
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