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Stelter strategischIst jetzt die Zeit, Bankaktien zu kaufen?

Nicht nur die Deutsche Bank ist unter Druck. Der gesamte Bankensektor steht vor erheblichen Herausforderungen. Nur wenige Banken dürften den Investoren in den kommenden Jahren Freude machen.Daniel Stelter 05.10.2016 - 13:07 Uhr

Banken waren in den vergangenen Jahren kein gutes Investment

Foto: dpa

Letzte Woche habe ich an dieser Stelle bei der Kommentierung der aktuellen Entwicklungen bei der Deutschen Bank darauf hingewiesen, dass ich Banken prinzipiell nicht kaufe. Dies ist auch der Grund, weshalb ich trotz der günstigen Kosten – die bekanntlich für mich im Umfeld von Null- und Negativzins der alles entscheidende Faktor bei der Geldanlage sind – keine Indexfonds kaufe, sondern die direkte Anlage in Qualitätsaktien bevorzuge. Wertmäßig macht der Finanzsektor immerhin zehn Prozent des breiten europäischen Aktienindex Stoxx Europe 600 aus. Wer diesen Index kauft oder in einen Fonds investiert, der sich an diesem orientiert, wird deshalb zwangsläufig Banken im Portfolio haben. Ob es einem passt oder nicht.

Die Wirkung der Banken auf das Portfolio war seit Ausbruch der Finanzkrise keineswegs ein guter. Seit Anfang 2009 ist der Stoxx Europe 600 um 70 Prozent gestiegen, während der Stoxx Banks Index im selben Zeitraum 37 Prozent verlor. Allein dieses unterstreicht schon, was für ein schlechtes Investment Banken gewesen sind. Laut Citigroup war in den letzten zehn Jahren die Kombination „Bank“ und „Europa“ die mit der schlechtesten Performance von allen 285 analysierten Kombinationen aus Sektoren und Regionen.

Trotz einer deutlichen Erholung um 11,2 Prozent im vergangenen Quartal ist die Stimmung zu den Banken unter Anlegern ausgesprochen negativ. Zu offensichtlich sind die Probleme des Sektors. Diese negative Stimmung macht Banken jedoch auch interessant. Wie regelmäßige Leser meiner Kolumne wissen, reizen mich Anlagestrategien, die entgegen der Mehrheitsmeinung laufen. Meine daraus abgeleitete Empfehlung Gold zu kaufen (als die Banken Kursziele von 750 US-Dollar ausriefen) und nicht auf eine weitere Euro-Abschwächung zu setzen (als alle Banken einen Kurs von eins zu eins zum Dollar prognostizierten), haben sich als richtig herausgestellt. So gesehen müsste man heute Bankaktien kaufen, denn viel schlechter kann es doch nicht mehr werden, könnte man meinen.

In den Jahren bis 2007 lief es rund bei Deutschlands größter Bank: Das Geldhaus verdiente Milliarden und Vorstandschef Josef Ackermann erwuchs zum staatsmännischen Vorstandschef, der es schaffte, dass die Kanzlerin zu seinem 60. Geburtstag ins Kanzleramt lud.

Das Bild zeigt Ackermann und Kanzlerin Angela Merkel im Jahr 2006 in Berlin.

Foto: AP

Rückblick

Die Deutsche Bank hatte es nach der Übernahme der US-Großbank Bankers Trust zur Jahrtausendwende in den Olymp der großen Investmentbanken der Welt geschafft. Das lästige deutsche Privatkundengeschäft sollte zwischenzeitlich als „Deutsche Bank 24“ vom Rest gelöst werden – man spielte in einer anderen Liga. Der Plan wurde zwar kassiert und zurück blieb die „24“ am Ende der Deutsche-Bank-Bankleitzahlen. Doch der globale Anspruch des Instituts blieb bestehen.

Das Bild zeigt den damaligen Bankchef Rolf-E. Breuer nach der Verkündung der Bankers-Trust-Übernahme im Jahr 1998.

Foto: dpa Picture-Alliance

Die Finanzkrise

Als ab 2006 der US-Immobilienmarkt kollabierte und in der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 und einer globalen Finanzkrise gipfelte, gelang es der Deutschen Bank zwar ohne Staatshilfe durch zu kommen. Eine Fußnote der Geschichte war aber: Milliardenforderungen gegenüber dem US-Versicherer AIG waren der Bank nur dank US-Staatshilfen zugeflossen. Und Missetaten aus der Zeit vor der Finanzkrise verfolgen die Bank noch heute.

Bild: Lehman-Brothers-Mitarbeiter nach der Kündigung 2008 in London.

Foto: REUTERS

Die Folgen der Immobilienkrise

Die USA werfen der Deutschen Bank vor, das Risiko von Immobilienwertpapiere in den Jahren vor der Finanzkrise verschleiert und gutgläubigen Investoren angedient zu haben. Ein Verfahren läuft seit Jahren und ist ein Grund dafür, dass die Aktie am Montag ein neues Allzeittief erreichte. Denn in den Vergleichsverhandlungen fordert das US-Justizministerium umgerechnet wohl 12,5 Milliarden Euro von der Bank (bei einem Börsenwert von 16 Milliarden Euro) – und das nach einem Milliardenverlust 2015 und gebildeten Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten von 5,5 Milliarden Euro. Die Bank selbst hofft, mit eher zwei Milliarden Euro im Immobilienstreit auszukommen.

Foto: dpa

Schwaches Kerngeschäft

Nach der Finanzkrise gab es zwei wesentliche Entwicklungen unter globalen Großbanken. Die in den USA beheimateten Institute (Bild: New Yorks Finanzdistrikt) – mit zwangsweiser Staatshilfe versorgt – konnten die Krise beschleunigt hinter sich lassen. Sie wuchsen gar zu neuer Größe. Die andere Gruppe stutzte das Investmentbanking, dass weniger lukrativ wurde und mit weniger Mitarbeitern zu leisten war – und fokussierte sich auf die hauseigene Vermögensverwaltung. Die Deutsche Bank suchte den Mittelweg aus eigener Kraft: keine Staatshilfe, kein großer Strategieschwenk. Die Folge: Dutzende Strafzahlungen etwa wegen Zinsmanipulationen schlugen ins Kontor, während gleichzeitig das Kerngeschäft litt.

Foto: dpa

Riskante Finanzierung

Sowohl der Internationale Währungsfonds als auch die US-Einlagensicherung halten die Bank für das riskanteste Institut der Welt. Im Verhältnis zum Eigenkapital ist die Deutsche Bank hochverschuldet. Die sogenannte „Leverage Ratio“ ist die niedrigste unter den globalen Großbanken. Zwar hat die Bank in den vergangenen Jahren Kapitalerhöhungen durchgezogen. Doch an dieser weltweit beachteten Kennziffer hat sich wenig geändert.

Foto: dpa

Wenig Reserven

Die Deutsche Bank rühmt sich zwar eines hohen Polsters an Liquidität, also stets zu veräußernder Wertpapiere in ihren Büchern. Das soll zeigen: Wir haben Reserven, auf die wir zugreifen können. Doch die drohenden Justizstrafen lassen Analysten vermuten, dass eine Kapitalerhöhung nötig werden könnte. Das würde den Aktienkurs noch weiter schwächen – in vorauseilendem Gehorsam fällt der Kurs.

Foto: dpa

Verzweifelter Umgang mit der Postbank

Mit dem Ausbruch der Finanzkrise kaufte die Deutsche Bank die Postbank mit allein mehr als fünf Millionen Girokonto-Kunden in Deutschland. Zunächst galt der Deal als raffinierter Schachzug des damaligen Chef Ackermanns, das Institut unabhängiger vom Kapitalmarkt zu machen – dank der Einlagen von Sparer auf Sparbüchern und Konten. Doch das Geschäft bindet auch viel Eigenkapital etwa bei den Immobilienfinanzierungen. Und so sollte die Postbank verkauft werden. Doch der Konkurrenzdruck ist hart und wohl kein akzeptabler Preis zu erzielen. Es drohen Abschreibungen.

Foto: REUTERS

Großaktionär Katar

Großaktionär der Deutschen Bank ist die katarische Herrscherfamilie über zwei Investmentvehikel – knapp unter zehn Prozent inklusive Optionen. Die Aktie hat allerdings extrem gelitten und wie eng die Bande zwischen Arabien und Frankfurt sind, ist unbekannt. Die Kataris senden zwar einen deutschen Anwalt als Vertreter in den Aufsichtsrat. Dennoch ist unklar, wie langfristig das Investment sein wird.

Bild: Aufsichtsratschef Paul Achleitner.

Foto: dpa

Schwäche im Kerngeschäft

Vorstandschef John Cryan (Bild) will das Investmentbanking schrumpfen und auf lukrative Bereiche beschränken. Dieser Übergangsprozess läuft just in dem Moment, da die Verhandlungen mit der US-Justiz eskalieren und die Postbank zum Bilanz-Sorgenkind mutiert. Die Aussage eines Sprechers, dass das dritte Quartal 2016 gut gelaufen sei, lässt noch nicht wirklich den Schluss zu, dass dieser Strategieschwenk bald Früchte trägt. In wichtigen Rankings der globalen Investmentbanken rutschen die Deutschen ab.

Foto: dpa

Debatte um Staatshilfen

In der Finanzkrise hatte die Deutsche Bank in Berlin für Staatshilfen in der Branche geworben, selbst aber dann keine in Anspruch nehmen wollen. Das säte Zwietracht zwischen Regierung und Geldhaus. Die prekäre Entwicklung des Aktienkurses lässt jetzt die Debatte aufkochen, ob Deutschland im Zweifelsfall bereit wäre, die Bank zu stützen. „Die Deutsche Bank ist fest entschlossen, ihre Herausforderungen alleine zu lösen", sagt ein Banksprecher. Und Investoren sind gewiss, dass im Fall der Fälle der Staat bereitstünde – schließlich trägt die Bank das „Deutsche“ im Namen. Doch es gibt eben auch die europäischen Regeln, wie Gläubiger an Rettungen beteiligt werden müssen. Das schürt Unsicherheit.

Foto: REUTERS

Offene Opposition

Mehrere Hedgefonds sind Wetten auf einen Fall des Aktienkurses der Deutschen Bank eingegangen. Der britische Fonds Marshall Wace setzt beispielsweise mit einer Position von 0,88 Prozent der ausstehende Papiere (etwa 12 Millionen Aktien) auf fallende Kurse (Stand: 23. September) – immerhin hat zumindest Investorenlegende George Soros (Bild) seine Wette auf den Sturz der Bank inzwischen unter die meldepflichtige Marke von 0,5 Prozent gesenkt.

Foto: REUTERS

Das Problem an dieser Sicht ist jedoch, dass die Banken wie keine andere Branche in die Zange genommen werden.

Altlasten des Schuldenbooms

Da sind zunächst die noch immer unbewältigten Altlasten des Verschuldungsbooms der Jahre bis 2008. In diesem Zeitraum haben die Banken eine wahre Schuldenorgie in den heutigen Krisenländern finanziert. Bekanntlich sind die Folgen bis heute noch nicht bereinigt. Die Schulden liegen überall höher als im Jahre 2008 und nur dank Nullzinsen ist das Schuldengebäude bis jetzt nicht in sich zusammengebrochen.

Da jene Banken in der Boomphase von den Kapitalmärkten am höchsten bewertet wurden, die das größte Risiko eingingen, also mit möglichst wenig Eigenkapital arbeiteten, haben die Banken insgesamt mit zu wenig Eigenkapital ein zu großes Rad gedreht. Als die Krise ausbrach konnten sie den Anschein der Solvenz nur dadurch aufrecht erhalten, dass sie ihren Schuldnern halfen, durch günstige Zinsen und Verzicht auf Tilgungen am Leben zu bleiben. Eine Abschreibung der faulen Forderungen hätte zur sofortigen Insolvenz des ganzen Sektors geführt.

Stelter strategisch

Die Deutsche Krise

von Daniel Stelter

Die Financial Times spricht deshalb treffend vom Aufstieg der Zombies. Gemeint sind die Unternehmen, die nur noch in der Lage sind die Zinsen zu bezahlen, nicht jedoch zu tilgen, geschweige denn in neue Produkte und Maschinen zu investieren. Gemeint sind aber auch die Banken, die nur so einen Offenbarungseid verhinderten.

Görlachs Gedanken

Steuergelder für die Deutsche Bank? Ja!

Wer jetzt mit Blick auf den jüngsten Stresstest der EZB darauf verweist, dass die Banken doch gesund seien, der sei an die Ergebnisse der neuesten ZEW Studie erinnert. Darin kommen die Experten zu dem Schluss, dass die 34 größten börsennotierten Banken, die laut EZB-Test einen Kapitalbedarf von Null haben, bei der Anwendung der US-amerikanischen Testmethode einen Kapitalbedarf von 93 Milliarden Euro hätten.

Unter der Anwendung eines echten Stresstest-Szenarios im Falle einer „systemischen Krise“ würden denselben Banken immerhin 675 Milliarden Euro fehlen – ein beindruckender Wert. Wir sprechen hier von nur 32 Banken und eine einfache Hochrechnung auf den gesamten Bankensektor ist sicherlich nicht zulässig. Dennoch dürfte der Kapitalbedarf in die Billionen gehen. Solange diese Unsicherheit besteht, bleiben Banken eine reine Spekulation.

Hinzu kommen noch die anderen Spätfolgen des Booms: die Strafzahlungen für Fehlverhalten in den guten Jahren. Marktmanipulation (Gold, Währungen), Irreführung von Kunden (Subprime) und alle möglichen weiteren größeren und kleineren Betrügereien.

Rettungspolitik schadet Banken

Die Euro-Rettungspolitik verschärft die Probleme für die Banken weiter. Die Weigerung der Politik, die Grundprobleme der Eurozone – Überschuldung und divergierende Wettbewerbsfähigkeit – anzugehen, hat die Last der Euro-„Rettung“ alleine der EZB übertragen. Dieser bleibt letztlich gar keine andere Wahl, als die Zinsen unter Null zu treiben und den Banken die als sicher eingestuften Anleihen abzukaufen. Damit sinkt jedoch die Ertragskraft der Banken, die bis dato gehofft hatten über die Zeit über einbehaltene Gewinne die Kapitalbasis zu stärken. Stattdessen waren die Banken immer mehr von Kapitalerhöhungen abhängig, die sie über hohe Dividendenzahlungen als attraktiv erscheinen lassen wollten. In der Folge gelang es nicht, die Kapitalbasis zu stärken.

Deutsche Bank

Dieser Anlageprofi hat jetzt Deutsche-Bank-Aktien gekauft

von Heike Schwerdtfeger

So richtig tiefe Zinsen aus Sicht der EZB und der Politiker sind, um die Realwirtschaft und vor allem die Staaten zu entlasten, so schlecht sind sie für das Bankensystem. Hier zeigen sich erneut die Folgen einer Politik, die statt sich der Ursachen anzunehmen an den Symptomen herumdoktert, auf Zeit spielt und auf ein Wunder hofft. „Hope is not a strategy“ ist nicht umsonst das Bonmot erfolgreicher Manager

Richtige Regulierung zum falschen Zeitpunkt

Eine der richtigen Schlussfolgerungen der Politik aus der Finanzkrise war eine stärkere Regulierung der Banken, vor allem eine Erhöhung der Kapitalanforderungen. Dies ist natürlich richtig. Doch trifft es die Banken zu einem Zeitpunkt, wo sie schon Schwierigkeiten damit haben ihre Solvenz wieder herzustellen. Jede Erhöhung der Kapitalanforderungen wirkt da wie eine Erhöhung der Hürde, über die die Banken springen müssen.

WirtschaftsWoche Club-Event am 17.11. in Frankfurt
Seien Sie dabei, wenn Dr. Daniel Stelter von Stefan Hajek zum Thema "Geldanlage in Zeiten der ungelösten Schuldenkrise" interviewt wird. Im Anschluss wird das Thema unter Einbeziehung des Publikums diskutiert.Wir stecken in der schwersten Finanz- und Wirtschaftskrise seit dem 2. Weltkrieg, meint Makroökonom, Strategieberater und Autor Dr. Daniel Stelter. Er war von 1990 bis 2013 führender Unternehmensberater bei der internationalen Strategieberatung The Boston Consulting Group (BCG), zuletzt als Senior Partner, Managing Director und Mitglied des BCG Global Executive Committee.Er gründete einen Thinktank, der Politik, Konzerne und Investmentfirmen berät. Zuletzt schrieb er einige viel beachtete Bücher zu den drängendsten ökonomischen Themen unserer Zeit; als Redner und Kolumnist beschäftigt sich Stelter regelmäßig mit dem Thema Schulden. Seine Analyse der Weltlage bietet mehr als nur die Vogelperspektive, Anleger können auch konkrete Rückschlüsse für ihre eigene Geldanlage ziehen.Top-Speaker: Dr. Daniel Stelter, Gründer und Leiter des Thinktanks „beyond the obvious“, Stefan Hajek, Redakteur Geld, WirtschaftsWocheIhr Club-Vorteil: Exklusive kostenlose Veranstaltung für Club-Mitglieder.Zum WirtschaftsWoche Club-Event.

Angesichts der schwachen Ertragskraft bedeutet dies nichts anderes, als dass der externe Kapitalbedarf noch größer wird. Doch welcher Investor ist schon bereit Aktien und Anleihen von Unternehmen zu kaufen, die bei ordentlicher Betrachtung insolvent sind? Natürlich trifft diese Behauptung nicht auf alle Banken zu. Da die Qualität der Bilanz und die Wechselwirkungen zwischen den Banken für Außenstehende jedoch nicht zu durchschauen sind, macht man lieber einen Bogen um den ganzen Sektor.

Erschwerend kommt die ebenfalls im Prinzip richtige Bail-in-Regel hinzu, die klarstellt, dass bei zukünftigen Bankenkrisen zunächst die Aktionäre und Gläubiger haften, bevor der Staat einspringt. Eine solche Regel kann im Boom disziplinierend wirken, in dem die Kapitalgeber bei besonders risikoreichem Geschäftsgebaren die Verzinsungsanforderungen erhöhen. Im heutigen Umfeld kommen sie einer Enteignung mit Vorankündigung gleich, weil die Banken das Kapital nur erhöhen, um Löcher zu stopfen, und unklar ist, ob die Löcher damit wirklich gestopft sind. Die italienische Bank Monti die Paschi hat in mehreren Kapitalerhöhungen während der vergangenen Jahre Milliarden eingesammelt und hat heute nur eine Marktkapitalisierung von etwas mehr als 500 Millionen Euro. Kein gutes Geschäft.

Die Amerikaner haben zu Beginn der Krise ihre Banken zwangskapitalisiert. Sicherlich stehen auch die dortigen Banken bei einer objektiven Betrachtung nicht so gut da. Auf jeden Fall jedoch besser als ihre europäischen Wettbewerber.

Geschäftsmodelle nicht mehr wettbewerbsfähig

Als hätten die Banken nicht schon genug Probleme, werden sie nun auch mit voller Wucht vom technologischen Wandel getroffen. Neue Technologien ermöglichen es Zahlungsverkehr, Kreditvergabe und Vermögensverwaltung deutlich kostengünstiger abzuwickeln, als dies derzeit bei den Banken der Fall ist. Wer braucht schon noch eine pompöse Filiale, die mit ihren Säulen an die Wechselstuben in den Tempeln des Altertums erinnert? Wer will schon Cappuccino und Kekse, wenn er den gleichen Anlageerfolg deutlich günstiger über einen Internetanbieter realisieren kann?

Die Banken mit ihren erheblichen Überkapazitäten und veralteten Geschäftsmodellen trifft das hart. Wie schon in anderen Branchen dürften auch hier die Verteidiger des Alten gegenüber den neuen Angreifern den Kürzeren ziehen. Die Banken können gar nicht schnell genug ihre Kostenbasis und Struktur an die neue Welt anpassen.

Angeschlagene Dinosaurier

Die europäischen Banken werden wie wohl keine andere Branche in jüngerer Geschichte – vielleicht sind nur die Energieversorger damit vergleichbar – von mehren Seiten gleichzeitig in die Zange genommen. Da ist es wenig tröstlich, dass die Aktien schon weit gefallen sind. Bekanntlich kann man sich unendlich oft halbieren.

Kaufen kann man Bankaktien deshalb aus meiner Sicht nur taktisch. Zum Beispiel wenn man davon ausgeht, dass die Inflation und die Zinsen im Euroraum wieder anziehen. Wäre dies der Fall, würde es für einige Zeit den Druck von den Banken nehmen, jedoch nichts an den grundlegenden Problemen ändern. Ich selbst sehe allerdings noch keine Zinswende im Euroraum.

Oder man macht sich die Mühe und findet heraus, welche Banken die Gewinner der bevorstehenden Bereinigung sind. Banken, die gut aufgestellt sind und ihre Hausaufgaben gemacht haben. Banken, die - nachdem der Markt bereinigt ist - wieder in der Lage sind, gutes Geld zu verdienen. Das dürften jene Banken sein, die auch heute noch Gewinne machen, bereits ein starkes Bein in den neuen Geschäften haben und bereits früher ein solides Geschäftsgebaren an den Tag gelegt haben. Die Suche nach diesen Banken dürfte sich lohnen. Für all jene, die den Weg der mühsamen Suche nicht gehen können oder wollen, bleibe ich bei meiner Empfehlung: Hände weg.

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