Renate Pilz: „Übernahmen aus China machen mir keine Sorgen“
Renate Pilz ist Vorsitzende der Geschäftsführung der Pilz GmbH & Co. KG.
Foto: PRWirtschaftsWoche: Frau Pilz, seit einigen Jahren schaut der deutsche Mittelstand vermehrt nach Fernost – mal hoffnungsvoll wegen der neuen Geschäftsmöglichkeiten, mal besorgt bis ängstlich wegen der drohenden Übernahmen durch finanzstarke Investoren aus China. Zu welcher Gruppe gehören Sie?
Renate Pilz: Auf keinen Fall ängstlich! Wir haben seit über 20 Jahren eine Vertriebsgesellschaft in China, seit anderthalb Jahren auch eine eigene Produktion. Kurzum: Wir sind sehr zufrieden.
Zuletzt hat das Veto der USA im Falle der Aixtron-Übernahme hohe Wellen geschlagen. Sollen solche unternehmerischen Entscheidungen in diesem Ausmaß von der Politik beeinflusst werden dürfen?
Aus meiner Sicht ist es die Aufgabe der Politik, Protektionismus zu verhindern. Wir brauchen offene Märkte. Für diesen Rahmen hat die Politik zu sorgen, sollte sich aber nicht weiter in die Wirtschaft einmischen. Den Rest müssen die Unternehmen selbst lösen. Der Fall Aixtron muss aber mit einem anderen Blick betrachtet werden, da die USA befürchten, dass die Produkte für militärische Zwecke genutzt werden können.
Müssen Rahmenbedingungen nicht auf Gegenseitigkeit beruhen?
Unbedingt. Wenn man sich die Fortschritte anschaut, die China kulturell und auch politisch gemacht hat, wäre das sicher nicht ohne die wirtschaftliche Öffnung der letzten Jahrzehnte gegangen.
Sie hatten selbst ein Angebot aus China. Warum haben Sie sich dagegen entschieden?
Wir haben im Laufe der Zeit immer wieder Angebote von anderen Unternehmen bekommen. Nicht nur aus China, auch Firmen aus anderen Ländern hätten uns gerne in ihrem Portfolio gesehen. Aber wir sind ein familiengeführter Mittelständler und wollen das Unternehmen auch in Familienbesitz weiterführen – und das unabhängig. Es ist also unsere Firmen-Philosophie und nicht speziell gegen chinesische Investoren gerichtet.
Und außerhalb des eigenen Unternehmens?
Deutsche und europäische Firmen übernehmen andere Unternehmen ja auch. Man kann niemandem das verwehren, was man anderen zugesteht. Es muss nur fair zugehen. Dass chinesische Unternehmen jetzt deutsche Firmen übernehmen, macht mir keine Sorgen, solange es fair zugeht und die Arbeitsplätze erhalten bleiben. Die Mitarbeiter sind für uns das Wichtigste.
Was ist für Sie fair?
Die Marktmechanismen müssen für alle gelten und alle müssen sich daran halten.
Um in der digitalen Welt und einer vernetzten Industrie mithalten zu können, sind hohe Investitionen notwendig. Schafft Pilz das ohne einen externen Investor?
Wir haben externe Investoren noch nie in Anspruch genommen. Wir investieren seit Jahren 20 Prozent unseres Umsatzes in Forschung und Entwicklung – nicht erst seit Industrie 4.0, sondern seit der Gründung unseres Unternehmens. Mit diesen Investitionen ist es uns gelungen, in unserer Branche immer wieder Standards zu setzen. Als klassischer Mittelständler müssen wir uns jeden Tag gegen die Großen behaupten. Und das geht am besten, wenn wir selbst entscheiden und investieren können. Und das wird auch weiter so bleiben.
Platz 20: Schöck AG
Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 119,0 Millionen Euro
durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 14,1 Prozent
durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 13,3 Prozent
durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 33,1 Prozent
Die Unternehmensberatung Munich Strategy Group (MSG) hat die Mittelständler mit dem größten Wachstum bei Umsatz und Erträgen in den letzten fünf Jahren gekürt. Die Top 20 eröffnet die Schöck Aktiengesellschaft aus Baden-Baden, einem Spezialisten für Fertigbauteile zur Wärme- und Lärmdämmung für Tritte.
Quelle: Munich Strategy Group: "TOP 100 Ranking des Mittelstands 2015 - Deutschlands Wachstums-und Ertragsstars"
Für ihr jährliches Unternehmensranking hat die Unternehmensberatung MGS rund 3.500 Mittelständler mit Umsätzen von 15 bis 600 Millionen Euro analysiert, um daraus die wachstums- und ertragsstärksten Unternehmen herauszufiltern.
Das Ranking ergibt sich aus einem Score, der sich aus durchschnittlicher Ertragsquote, durchschnittlichem Ertragswachstum und durchschnittlichem Umsatzwachstum im Zeitraum 2010 bis 2014 ergibt. Ertragsquote und -wachstum fließen mit je 25 Prozent in den Gesamtscore ein, das Umsatzwachstum wird mit 50 Prozent gewichtet.
Platz 19: Heinzmann
Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 72,8 Millionen Euro
durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 16,1 Prozent
durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 10,8 Prozent
durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 36,1 Prozent
Heinzmann baut, entwickelt und betreut Verbrennungsmotoren, Generatoren und Turbinen, die etwa in Lokomotiven und Schiffen eingesetzt werden.
Foto: ScreenshotPlatz 18: Vemag Maschinenbau GmbH
Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 86,5 Millionen Euro
durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 15,2 Prozent
durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 12,6 Prozent
durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 33,1 Prozent
Die Vemag Maschinenbau GmbH stellt Maschinen und Geräte für die Nahrungsmittelindustrie her. Dazu zählen Würstchenfüller und Teigportionierer. Einen Schwerpunkt bildet hier die Entwicklung eines Convenience Systems, das dem Anwender ein flexibles System zum Portionieren und Formen von Produkten bietet.
Foto: PressePlatz 17: Wenglor Sensoric GmbH
Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 55,9 Millionen Euro
durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 15,8 Prozent
durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 12,6 Prozent
durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 43,9 Prozent
Wenglor entwickelt, produziert und vertreibt seit 30 Jahren Produkte zur berührungslosen Objekterkennung. Das Produktspektrum umfasst Sensoren, Bildverarbeitungsprodukten, Barcode-Scanner und Sicherheitstechnik. Zu den Kunden zählen kleine und mittelständische Unternehmen wie auch internationale Industriekonzerne.
Foto: PressePlatz 16: Delo
Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 57,9 Millionen Euro
durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 20,0 Prozent
durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 15,4 Prozent
durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 21,7 Prozent
Das Unternehmen aus Windach bei München ist mit Spezialklebstoffen erfolgreich. So hat Delo etwa ein Verfahren entwickelt, um RFID-Chips zu verkleben. Die elektrischen Signale werden dabei zuverlässig weitergeleitet.
Foto: PressePlatz 15: HAZET-WERK
Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 79,0 Millionen Euro
durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 12,8 Prozent
durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 13,0 Prozent
durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 178,6 Prozent
Die Hazet-Werk Hermann Zerver GmbH & Co. KG ist ein deutscher Werkzeughersteller mit Sitz in Remscheid. Der Markenname Hazet steht verkürzt für die Anfangsbuchstaben Ha und Zett des Namens des Gründers Hermann Zerver.
Foto: WirtschaftsWochePlatz 14: Getriebebau Nord
Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 460,0 Millionen Euro
durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 15,4 Prozent
durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 11,6 Prozent
durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 80,2 Prozent
Die Getriebebau Nord ist einer der größten Getriebemotoren-Hersteller der Welt. Das Unternehmen ist international für seine mechanische und elektronische Antriebstechnik bekannt.
Foto: PressePlatz 13: Strama-MPS Maschinenbau
Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 115,7 Millionen Euro
durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 29,0 Prozent
durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 7,8 Prozent
durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 64,3 Prozent
Strama-MPS ist im Sondermaschinenbau tätig. Das Unternehmen hat sich auf die Fertigung spezialisiert und kann die komplette Prozesskette vom Rohteil bis zum fertigen Produkt aus einer Hand abbilden.
Foto: PressePlatz 12: Datron AG
Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 33,5 Millionen Euro
durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 22,8 Prozent
durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 7,6 Prozent
durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 154,2 Prozent
Datron aus dem hessischen Mühltal verdient sein Geld rund um automatisierte Fräsmaschinen. Neben den reinen Fertigungsmaschinen bietet Datron auch die Werkzeuge und spezielle Dental-Maschinen an.
Foto: WirtschaftsWochePlatz 11: LPKF Laser & Electronics
Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 129,7 Millionen Euro
durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 20,7 Prozent
durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 16,8 Prozent
durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 27,8 Prozent
LPKF entwickelt und produziert seit 1976 Maschinen zur Materialbearbeitung. In einigen Bereichen der Mikromaterialbearbeitung mit dem Laser gehört das Unternehmen zur Weltspitze. Für LPKF mit Sitz im niedersächsischen Garbsen bei Hannover arbeiten weltweit 750 Mitarbeiter.
Foto: PressePlatz 10: Deprag Schulz GmbH
Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 45,4 Millionen Euro
durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 14,0 Prozent
durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 17,9 Prozent
durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 119,6 Prozent
Die Deprag Schulz GmbH u. Co. ist ein weltweit führender Anbieter für Schraubtechnik, Automation, Druckluftmotoren und Druckluftwerkzeuge. Das Unternehmen hat Produktionsstandorten in Deutschland, Tschechien und China sowie Vertriebs-und Servicegesellschaften in Frankreich, Schweden, den USA und im Vereinigten Königreich.
Foto: ScreenshotPlatz 9: 2G energy AG
Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 126,1 Millionen Euro
durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 36,7 Prozent
durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 8,4 Prozent
durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 83,1 Prozent
Die 2G energy AG wurde 1995 in Heek im Münsterland gegründet. Sie ist heute einer der führenden Hersteller von Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen in Europa und beschäftigt weltweit rund 520 Mitarbeiter.
Foto: PressePlatz 8: BHS Sonthofen
Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 85,7 Millionen Euro
durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 20,1 Prozent
durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 16,5 Prozent
durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 36,4 Prozent
BHS Sonthofen ist ein international führender Produzent im Bereich der mechanischen Verfahrenstechnik. In den Bereichen Misch-, Zerkleinerungs-, Recycling-, und Filtrationstechnik gehört BHS zu den international führenden Unternehmen. Die Anlagen des Unternehmens werden in den verschiedensten Branchen eingesetzt, unter anderem in der Bau- und Baustoffindustrie oder der Nahrungs-und Futtermittelindustrie.
Foto: ScreenshotPlatz 7: Beckhoff Automation
Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 510,0 Millionen Euro
durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 20,0 Prozent
durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 20,0 Prozent
durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 42,7 Prozent
Beckhoff Automation baut und entwirft Automatisierungssysteme für die Industrie und die Gebäudeautomation. Die Beckhoff Automation GmbH ist Teil der Beckhoff-Gruppe aus Verl – der hier gemessene Umsatz gilt für die gesamte Gruppe.
Foto: PresserbPlatz 6: Coroplast Fritz Müller GmbH & Co. KG
Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 213,0 Millionen Euro
durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 19,9 Prozent
durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 14,4 Prozent
durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 70,2 Prozent
Coroplast ist auf die Fertigung von Klebebändern, Kabel und Leitungen und Leitungssatzsystemen spezialisiert. Das Unternehmen aus Wuppertal gilt als Branchenmarktführer und arbeitet vor allem als Automobilzulieferer.
Foto: Creative CommonsPlatz 5: Otto Spanner GmbH
Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 49,6 Millionen Euro
durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 66,1 Prozent
durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 7,6 Prozent
durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 404,0 Prozent
Die in dritter Generation geführte Otto Spanner GmbH hat sich auf Press-, Stanz- und Ziehteile aus Metall spezialisiert.
Foto: ScreenshotPlatz 4: J. Schmalz GmbH
Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 73,6 Millionen Euro
durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 16,7 Prozent
durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 13,1 Prozent
durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 488,9 Prozent
Nach Platz 30 im Vorjahr stürmt die J. Schmalz GmbH aus Glatten in Baden-Württemberg auf Rang 4 nach vorne. 1910 als Rasierklingenfabrik gegründet, gilt das Unternehmen mittlerweile als Spezialist für Vakuumtechnologie.
Foto: PressePlatz 3: RIB Software
Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 57,0 Millionen Euro
durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 21,1 Prozent
durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 28,4 Prozent
durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 51,6 Prozent
Die Stuttgarter haben sich erfolgreich auf Software für Bauunternehmen spezialisiert – von der Tragwerksplanung bis zur Kostenanalyse.
Foto: PressePlatz 2: KTG Agrar
Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 164,9 Millionen Euro
durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 50,9 Prozent
durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 22,6 Prozent
durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 33,8 Prozent
KTG Agrar zählt zu den führenden Agrarbetrieben in Europa und bewirtschaftet rund 40.000 Hektar Ackerland in Deutschland und Litauen. Das Unternehmen baut Getreide, Kartoffeln und Raps an, ist aber auch an der Erzeugung von Bioenergie beteiligt und produziert Tiefkühlkost sowie Frischwaren. Das Motto des Hamburger Mittelständlers: "Vom Feld auf den Teller".
Foto: Andreas Chudowski für WirtschaftsWochePlatz 1: Rimowa
Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 272,9 Millionen Euro
durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 33,9 Prozent
durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 14,6 Prozent
durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 71,9 Prozent
Die Rimowa GmbH ist einer der führenden Hersteller von Reisegepäck in Europa. Die meisten der rund 200 Arbeitsschritte zur Fertigung eines Koffers erfolgen dabei in Handarbeit – zur Einhaltung der selbst gesetzten Qualitätsmaßstäbe. Die Produkte werden weltweit über autorisierte Händler und eigene Geschäfte vertrieben.
Foto: dpa
Haben Sie im Haus bereits das Knowhow und die Ausrüstung bei der Sie sagen würden: „Damit sind wir für die Herausforderungen gut gerüstet“?
Ja. Wir haben bereits vor knapp zehn Jahren Jahren ein dezentrales Automatisierungssystem für vernetzte Anlagen auf den Markt gebracht, als noch gar nicht über Industrie 4.0 gesprochen wurde. In der Automatisierungstechnik spielen Steuerungen und Sensoren nicht erst seit 2011 eine große Rolle, daran arbeiten wir schon lange. Dazu kommt natürlich, dass wir unsere Entwicklungen auch in der eigenen Produktion einsetzen und erproben können.
Der Länderindex der Stiftung Familienunternehmen untersucht 18 Volkswirtschaften in Zwei-Jahres-Abständen im Hinblick auf ihre langfristige Standortqualität für Familienunternehmen. Die Erhebungen gehen bis auf das Jahr 2006 zurück und bewerten die Voraussetzungen der jeweiligen Staaten für Unternehmensinvestitionen bis zum Ende des Jahres 2014. Untersucht wurden insgesamt neun Faktoren, die den Unternehmenserfolg von außen beeinflussen, darunter Steuern, Arbeitskosten, Finanzierung und öffentliche Infrastruktur. Zum ersten Mal wurden die Standorte zusätzlich auf die internationale Verbreitung der dualen Ausbildung untersucht und hinsichtlich der Förderung von Forschung und Entwicklung verglichen.
Foto: dpaSchlusslichter Italien & Spanien
Das Ergebnis zeigt: Italien ist aus Sicht von Familienunternehmen zurzeit der schlechteste der betrachteten Standorte und kann weder in der Langfristbetrachtung seit 2006 noch in den letzten beiden Jahren nennenswerte Fortschritte vorweisen. Ähnlich schlecht ist es um die Länder bestellt, die im Mittelpunkt der europäischen Schuldenkrise standen - insbesondere Spanien ist seit 2006 deutlich abgestiegen und landet aktuell gerade noch vor Italien auf dem vorletzten Platz. Vor allem im "Subindex Steuern" fällt der Punktwert von 48,10 im Jahr 2012 zwei Jahre später auf 41,12 Punkte. Grund dafür ist die deutliche Erhöhung des Steuersatzes für Dividenden sowie eine 2013 neu eingeführte Zinsschranke.
Foto: FotoliaPlatz 12: Deutschland
Die Bundesrepublik kann ihre Position des nachträglich ermittelten Länderindex 2012 in der aktuellen Rangliste beibehalten. Zudem hat sich der Punktwert von 44,69 auf 47,59 verbessert, sodass Deutschland sehr nah an das unmittelbar davor platzierte Österreich heranrückt. Trotzdem heißt es im Länderindex, dass "die derzeit herrschende Selbstzufriedenheit der deutschen Wirtschaftspolitik fehl am Platz sein dürfte". Die Analyse der Studie zeigt, dass es Deutschland im Standortwettbewerb nicht gelungen ist, sich hinsichtlich der Steuern, Regulierung, Infrastruktur und Energie nach vorne zu arbeiten. Insbesondere aufgrund der hohen Erbschaftssteuerbelastungen haben andere Länder bei der Steuerpolitik die Nase vorn. Die positiven Entwicklungen im Hinblick auf den ausgezeichneten Zugang zu Finanzierungsmitteln und die Fortschritte in den Leistungen des deutschen Bildungssystems spricht dafür für Deutschland als Standort für Familienunternehmen. Insgesamt Platz zwölf.
Foto: DPAPlatz 11: Österreich
In Sachen Erbschaftssteuer schneidet unser Nachbarstaat Österreich dagegen sehr gut ab. Genau wie in Luxemburg, Schweden und der Slowakischen Republik bleiben Erbschaften in Österreich steuerfrei. Einen weiteren Grund zur Freude haben Familienunternehmen an diesem Standort hinsichtlich der Regelungen für grenzüberschreitende Geschäftstätigkeiten, für die keine Zinsschranke gilt. Ein weiteres Plus: Die Kriminalitätsrate ist gering und die Politik sehr stabil. Auch in diesem Bereich gehört Österreich zusammen mit Finnland, Luxemburg und der Schweiz zu den Spitzenreitern. Um ganze 13 Punkte verbesserte sich der Durchschnittswert zudem im Bereich der Bildung, was laut Studie vor allem auf eine gestiegene Lese- und Mathematikkompetenz der Schüler zurückzuführen ist. Die deutlichste Verschlechterung ist in der Rangliste der „Gas- und Kraftstoffpreise“ zu konstatieren - der Anstieg der Gas- und Kraftstoffpreise lässt Österreich um drei Plätze auf Rang sechs fallen. Insgesamt bleibt Österreich - genau wie im Vorjahr - auf Platz elf.
Foto: dpaPlatz 10: Belgien
Trotz eines im Vergleich zu 2012 höheren Wertes von 50,21 Punkten fällt Belgien um einen Platz auf Rang zehn. Der Länderindex lässt dafür verschiedene Rückschlüsse zu. Zum einen landet Belgien im Subindex „Steuern“ aufgrund der hohen effektiven Erbschaftssteuerbelastungen, die unabhängig von der persönlichen Beziehung zwischen Erblasser und Erben erhoben werden, auf dem vorletzten Platz. Zum anderen schneidet der belgische Arbeitsmarkt schlecht ab - Gründe dafür sind die ohnehin schon hohen Arbeitskosten in der Industrie (41,91 Euro pro Stunde), die seit der letzten Erhebung 2012 nochmals um 2,60 Euro gestiegen sind, sowie geringer Kündigungsschutz und hohe Einstellungsbarrieren. Dafür haben sich sowohl Energiekosten als auch Gaspreise positiv entwickelt und hinsichtlich der Transportinfrastruktur landet Belgien unter den besten Drei. Auch im Subindex „Finanzierung“ konnte Belgien sich aufgrund der besseren Ergebnisse hinsichtlich der Verschuldung und in der Dimension „Kreditmarkt“ um drei Ränge verbessern.
Foto: REUTERSPlatz 9: USA
Gegenüber der Rangliste von 2012 hat die USA als Standort für Familienunternehmen am meisten an Attraktivität einbüßen müssen - sie fällt um ganze drei Ränge ab auf Platz neun. Zurückzuführen ist dies weniger auf die Situation in den USA selbst, dessen Punktwert sich von 49,77 auf 50,38 sogar etwas verbessert hat, sondern auf die besseren Ergebnisse der in der Rangliste 2012 unmittelbar hinter den USA platzierten Länder. Das zeigen auch die Ergebnisse der verschiedenen Subindexe. Nicht nur führen die USA zusammen mit Irland die Rangliste im Themenfeld „Arbeitskosten, „Produktivität, Humankapital“ an, auch in puncto „Regulierung“ haben die Vereinigten Staaten die Nase vorn, was unter anderem auf das geltende Tarifrecht und die gute Bewertung des Arbeitsmarkts zurückzuführen ist. Für Familienunternehmen bergen die vergleichsweise niedrigen Arbeitskosten (25,87 Euro pro Stunde) einen weiteren Standortvorteil.
Dafür stehen die USA in anderen Bereichen schlecht da: Insbesondere der Belastungsanstieg der effektiven Erbschaftssteuer von 26 auf 29,7 Millionen Euro macht den Standort für Unternehmer unattraktiv. Während Übertragungen an den Ehegatten steuerfrei sind, unterliegen Übertragungen an Kinder der im Vergleich höchsten effektiven Erbschaftssteuerbelastung. Zudem wurde der tarifliche Spitzensteuersatz von 35 auf 40 Prozent erhöht.
Platz 8: Irland
Irland hat sich im Vergleich zum letzten Erhebungszeitpunkt um zwei Plätze verbessert und landet im aktuellen Länderindex mit einem Punktwert von 50,88 auf Platz acht. Neben Deutschland konnte nur noch Irland eine stärkere Steigerung der Standortqualitäten vorweisen. Die Schuldenkrise, die Spanien und Italien bis zum letzten Erhebungszeitraum zurückgeworfen hat, hat in Irland zuletzt keine deutlichen Spuren mehr hinterlassen, was zu deutlich besseren Ergebnissen in den Bereichen „Arbeit und Regulierung“ geführt hat als in den zwei Jahren zuvor. Familienunternehmer können sich an diesem Standort außerdem an dem günstigen Verhältnis von Arbeitskosten und Produktivität sowie den positiven Ergebnissen der beiden Indikatoren zum Bildungsniveau, den PISA-Ergebnissen und dem größten Anteil Erwerbsfähiger mit tertiärem Bildungsabschluss erfreuen, was Irland im Subindex „Arbeitskosten, Produktivität und Humankapital“ die Spitzenposition verschafft. Auch was das Personal angeht, sind die Kosten hier nicht allzu hoch - wie der durchschnittliche Stundenlohn von 29,07 Euro in der Industrie zeigt.
Foto: FotoliaPlatz 7: Schweden
Seit Beginn der Erhebungen rutscht Schweden das erste Mal um einen Platz nach unten. Mit insgesamt 51,15 Punkten reicht es aktuell nur noch für Platz sieben. Insbesondere Personalkosten müssen Familienunternehmen hier fürchten: Neben der Schweiz zahlt Schweden Arbeitnehmern in der Industrie die höchsten Stundenlöhne. Sie liegen aktuell - nach Kostensteigerungen von 6,76 Euro - bei durchschnittlich 43,99 Euro. Dementsprechend überrascht die fünfzehnte Platzierung im Subindex „Arbeitskosten“ nur wenig.
Laut Studie stimmt dafür aber immerhin auch die Produktivität, die im Vergleich zu 2010 hier im Vergleich zu allen anderen Volkswirtschaften am meisten gestiegen ist. Außerdem zählt Schweden neben Luxemburg zu den steuerfreundlichsten Volkswirtschaften - vor allem durch die Senkung des Körperschaftssteuersatzes von 26,3 auf 22 Prozent hat sich der Punktwert und damit auch die Position in der Rangliste erheblich erhöht. Erbschaften sind in Schweden auch steuerfrei. Während die Bewertungen im Bereich der Eigentumsrechte nur mittelmäßig ausfallen, fällt Schweden durch die Effizienz des Rechtssystems und die Unabhängigkeit der Justiz außerdem positiv auf.
Platz 6: Niederlande
Wie die Studie vermuten lässt, haben die Niederlande sich im Laufe der Zeit zu einem immer attraktiveren Standort für Familienunternehmen gemausert. Von Rang elf im Jahr 2006 rutschen sie 2014 auf Platz fünf. Im Vergleich zu 2012 fallen vor allem die Verbesserungen in den Bereichen Steuern und Regulierung auf. Die Vorteile für Familienunternehmer liegen auf der Hand: Wie der Teilindikator „Doing Business“ zeigt, spielen ihnen geringere Regulierungshemmnisse im Bereich der Geschäftsgründung in die Hände. Außerdem sind die betrieblichen Mitbestimmungsrechte bei unternehmerischen Entscheidungen in keiner anderen (im Rahmen der Studie betrachteten) Volkswirtschaft so hoch wie in den Niederlanden. Zudem können sich die öffentliche Infrastruktur - insbesondere die Teilbereiche „Straßen-, Informations- und Kommunikationsinfrastruktur “ sehen lassen, die für den vierten Platz sorgen. Auch die Rechtssicherheit ist - nicht zuletzt wegen der guten Bewertung der Polizeidienstleistung - überdurchschnittlich gut bewertet.
Foto: FotoliaPlatz 5: Dänemark
Das skandinavische Dänemark besticht durch die beste Kreditversorgung, eine hohe Kernkapitalquote und ein robustes Finanzsystem. Die hohen Arbeitskosten, die bei durchschnittlich 38,13 Euro pro Stunde liegen, kann die Volkswirtschaft zum einen durch herausragende Ergebnisse bei den Bildungsindikatoren kompensieren. Nirgendwo sonst ist der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt so hoch wie hier (acht Prozent). Zum anderen stärkt es seine Gesamtposition durch ein deutliches Heranrücken (52,68 Punkte) an den Viertplatzierten Finnland im Länderindex (54,31 Punkte). Ein Problem stellt vor allem die exorbitant hohe Verschuldung der privaten Haushalte (fast 270 Prozent des verfügbaren Einkommens) dar. Aufgrund der schlechteren Bewertung des rechtlich-institutionellen Umfelds fällt Dänemark im Subindex „öffentliche Infrastruktur“ zudem von Platz drei runter auf Platz neun.
Foto: FotoliaPlatz 4: Finnland
Im Gegensatz zu Dänemark kann Finnland seine Platzierung nicht halten und fällt um einen Rang runter auf Platz vier. Die Verschlechterung ist vor allem auf das schlechte Ergebnis im Subindex „Steuern“ zurückzuführen - mit Rang 10 ergibt sich eine um drei Platzierungen schlechtere Position als im Länderindex 2012. Gründe für diese Verschlechterungen sind laut Studie die Anhebung der Einkommenssteuersätze sowie des tariflichen Steuersatzes für die Erbschaftssteuer. Hinzu kommen die neben Schweden höchsten Energiekosten, die ihre Ursache in den hohen Gaspreisen finden. Dafür kann Finnland die Spitzenposition in gleich drei Subindizes für sich beanspruchen. In der neuen PISA-Studie befinden sich Finnlands Schüler erneut an der Spitze und auch im Handel schneidet keine Volkswirtschaft besser ab, genauso wie bei der Korruptionskontrolle. Zudem herrscht in Finnland eine der höchsten Regulierungsintensitäten auf dem Arbeitsmarkt. Insgesamt kommt das nördlichste Land Skandinaviens damit auf 54,31 Punkte.
Foto: FotoliaPlatz 3: Luxemburg
Noch etwas besser schneidet Luxemburg ab. Mit insgesamt 55,18 Punkten landet das Großherzogtum auf Platz drei und besticht in besonderem Maße durch den Kreditmarkt, der sich durch gute Ergebnisse bei den Risikokennziffern auszeichnet. Der zweite Platz im Subindex „Sovereign Ratings“ ist auf die Spitzennote zurückzuführen, die Luxemburg neben Finnland und der Schweiz von den Ratingagenturen erhalten hat. Für Familienunternehmen ist zudem die gute Bewertung der öffentlichen Infrastruktur, die politische Stabilität und die höchste Arbeitsproduktivität für die Gesamtwirtschaft von Vorteil. Auch in puncto Steuern landet Luxemburg unter den drei besten Standorten. Der Staat befreit Ehegatten von der Erbschaftssteuer, wenn diese ein gemeines Kind haben und Kinder erben den gesetzlichen Erbteil steuerfrei.
Foto: FotoliaPlatz 2: Vereinigtes Königreich
Das Vereinigte Königreich bleibt mit einer Gesamtpunktzahl von 59,04 im Länderindex auf Platz zwei. Während es in den Subindizes „Regulierung“ und „Finanzierung“ zu den drei besten untersuchten Standorten zählt, ist das Vereinigte Königreich absoluter Spitzenreiter hinsichtlich der grenzüberschreitenden Geschäftstätigkeit. In Bezug auf die Steuern hat sich das Vereinigte Königreich um drei Plätze auf Rang sechs verbessert. Lediglich in den angelsächsischen Staaten ist die Erbschaftsteuer als Nachlasssteuer ausgestaltet. Im Zeitablauf hat sich die Platzierung des Vereinigten Königreichs von der Spitzenposition auf Rang zwei verschlechtert.
Foto: dpaPlatz 1: Schweiz
Das dritte Jahr in Folge führt die Schweiz den Länderindex für Familienunternehmen mit einer Gesamtpunktzahl von 59,82 an. Im Vergleich zum Länderindex 2012 haben die Schweiz und Dänemark die Plätze getauscht, sodass die Schweiz nun zum Spitzenreiter im Subindex „Arbeitsmarkt“ wird. Sie zeichnet sich zudem durch die Erreichung der höchsten Punktzahl in den Dimensionen „Erbschaftsteuer“ und „Steuerkomplexität“ aus. Die Spitzenposition hat das deutsche Nachbarland außerdem in Bezug auf die Arbeitskosten, die nirgendwo sonst so hoch sind: Ganze 46,55 Euro pro Stunden erhalten Arbeitnehmer in der Industrie. Dafür ist die Arbeitsproduktivität für die Gesamtwirtschaft im Vergleich aber auch am zweithöchsten. Der größte Nachteil für Familienunternehmer: In der Schweiz ist die Regulierungsintensität im Bereich der betrieblichen Mitbestimmung verglichen mit den anderen 18 Volkswirtschaften gering.
Foto: FotoliaWo fehlt es noch?
Industrie 4.0 kann noch gar nicht vollständig umgesetzt sein, denn es ist ein laufender Prozess. Die Auswirkungen durch die Digitalisierung werden enorm sein, hier stehen wir erst ganz am Anfang. Genauso wichtig wie die technische Entwicklung ist es jedoch, die Mitarbeiter mitzunehmen. Das geht am allerbesten, wenn die Mitarbeiter in ihrer tagtäglichen Arbeit sehen können, wohin die Entwicklung geht, welche Vorteile und Aufgaben sie bietet. Das kommt in großen Schritten.
In der Automation spielen Software und Daten bereits seit Jahren eine wichtige Rolle, das Thema ist für Sie nicht neu. Bei einigen Ihrer Kunden aber schon. Was ist Ihr Eindruck: Haben Daten im deutschen Maschinenbau bereits den Stellenwert, den sie in einer digitalen Wirtschaft verdienen?
Das ist sehr unterschiedlich. Wir spüren aber ein großes Interesse daran, viele fragen nach den neuen Möglichkeiten. Ob sie es dann auch in ihrem Unternehmen und ihrer Produktion umsetzen, ist eine andere Frage. Aber die Grundlagen sind gelegt und die vernetzte Industrie ist auf dem Weg.
Wie etabliert man eine Sensibilität in einem Unternehmen?
Im Unternehmen muss Transparenz herrschen. Wenn solche Schritte für alle nachvollziehbar, weil sichtbar sind, man sich Zeit für Schulungen und Diskussionen nimmt, ist das sehr wertvoll. Wir müssen unsere Ziele intensiv mit den Mitarbeitern durchsprechen und sind umgekehrt auch dankbar für deren Impulse.
Gibt es bei Ihnen einen Digitalisierungs-Beauftragten pro Abteilung, eigenständige Digital-Teams oder ein paar Querdenker, die abseits der gewohnten Struktur nach neuen Chancen forschen?
Wir setzen auf die bestehenden Teams. Bei dem Neubau unseres Produktions- und Logistikzentrums haben wir ganz bewusst die IT räumlich direkt neben die Produktionstechnik gesetzt. Das waren bislang getrennte Welten, sie müssen sich aber bei einer vernetzten Produktion austauschen und voneinander lernen. Ähnliches gab es auch früher mit der Elektronik und der Mechanik – früher spinnefeind, heute kommt keiner mehr ohne den anderen aus. Weil die Mitarbeiter in ihrer Arbeit die Vorteile aus dem anderen Bereich gesehen haben, haben wir Dinge erreicht, die sonst nicht möglich gewesen wären. Das erwarte ich auch bei der Digitalisierung.
Beschäftigung…
Insgesamt arbeiten bei den 678 deutschen Familienunternehmen, die einen Jahresumsatz von mindestens 300 Millionen Euro erzielen, fünf Millionen und sechshundertneunundfünfzigtausend Beschäftigte – Stand Ende 2014. Das waren 191.048 Angestellte mehr als ein Jahr zuvor.
Mehr zu Deutschlands Familienunternehmen finden Sie in unserer interaktiven Tabelle.
Foto: dpaNachhaltig…
Die für Familienunternehmen typischen Attribute von Kontinuität und langfristiger Planung scheinen sich auszuzahlen: 73 Prozent der Unternehmen konnten 2014 ihren Umsatz gegenüber 2013 steigern, immerhin 63 Prozent meldeten steigende Mitarbeiterzahlen.
Foto: dpaOld Economy…
Deutschland wird seinem Ruf gerecht: Die meisten Familienunternehmen gibt es in der Industrie. 116 Firmen sind in der „Old Economy“ tätig. Es folgen die Branchen Lebensmittel (71), Handel (59) und Automobil (56).
Foto: dpaNordrhein-Westfalen…
beheimatet 197 Familienunternehmen mit mindestens 300 Millionen Euro Umsatz. Mehr gibt es in keinem anderen Bundesland.
Foto: dpaHamburg….
zählt 34 große Familienunternehmen. In keiner Stadt sind mehr angesiedelt. Mit weitem Abstand folgen Düsseldorf (16), München 15) und Stuttgart (13).
Foto: dpaAuto…
Die Automobilindustrie beschäftigt die meisten Mitarbeiter. 1,185 Millionen Menschen arbeiten bei Familienunternehmen in der Autobranche.
Foto: APDie Autobranche erzielt auch den höchsten Umsatz mit insgesamt 447 Milliarden Euro. Weit dahinter folgen der Handel (246 Millionen Euro) und die Industrie (144 Millionen Euro).
Foto: dpaDas größte Unternehmen...
Deutschlands größtes Familienunternehmen ist Volkswagen. Das von den Familien Porsche und Piëch geführte Unternehmen erwirtschaftet über 200 Millionen Euro Jahresumsatz und beschäftigt 610.000 Mitarbeiter, davon 278.685 in Deutschland.
Foto: dpaBörse…
72 der 678 deutschen Familienunternehmen mit einem Umsatz von mindestens 300 Millionen Euro sind börsennotiert. Die Größten sind Volkswagen mit den Familien Piech und Porsche und BMW mit der Quandt-Familie.
Foto: dpaDas älteste Unternehmen..
Deutschlands ältestes Familienunternehmen mit einem Jahresumsatz von 300 Millionen Euro sind die BGH Edelstahlwerke Freital. Die Boschgotthardshütte (BGH) produziert Edelstahl und Sonderlegierungen und hat eine über 500-jährige Geschichte. Schon 1467 wurde BGH als „Hammer an der Ferndorf“ erwähnt - vor den Toren der Stadt Siegen. Heute ist die BGH Edelstahl Freital ein in der Stahl- und Montanindustrie tätiges Unternehmen mit Sitz in Freital bei Dresden und beschäftigt rund 600 Mitarbeiter.
Foto: dpaZuletzt wurde auch über Informatik als Pflichtfach in Schulen diskutiert. Wie zufrieden sind Sie mit der digitalen Vorbildung der jungen Menschen, die in Ihr Unternehmen kommen?
Ich fände es gut, wenn auf den weiterführenden Schulen Programmieren gelehrt werden würde. Wir haben Partnerschaften mit Schulen in der Umgebung und kommen so regelmäßig in den Austausch mit interessierten Schülern, etwa bei Elektronikkursen. Das wird von Jungen und Mädchen gleichermaßen gut angenommen. Der Bedarf ist da – bei den Schülern und natürlich auch bei den Unternehmen.
Also Programmieren als zweite Fremdsprache?
Ich plädiere nach wie vor für eine breite Allgemeinbildung. Die Spezialisierung darf nicht zu früh kommen. Auch die Persönlichkeit muss sich erst entwickeln, man hat früher beim Abitur nicht umsonst von der Reifeprüfung gesprochen. Wenn sie in höheren Klassen von sich aus ein Interesse entwickeln, müssen wir dieses echte Interesse auch bedienen können.
Zu den beliebtesten Arbeitgebern bei jungen Fachkräften gehören vor allem die großen IT- und Autokonzerne. Und wenn der Weg in die Selbstständigkeit führt, gründen sie lieber ihr eigenes kleines IT-Unternehmen. Was muss der deutsche Maschinenbau-Mittelstand machen, um hier wieder attraktiver zu werden?
Es kommt auf die Einstellung des jeweiligen Bewerbers an, ob er lieber zu einem großen Konzern oder einem Familienunternehmen geht. Das kann man nur schwer beeinflussen. Wenn wir aber über Gründungen sprechen, gibt es eine einfache Möglichkeit, das attraktiver zu machen: Die Finanzierung muss viel einfacher werden. Diesen mutigen Menschen wird zu wenig Kapital zur Verfügung gestellt, mit dem sie ein Unternehmen aufbauen können. Die Banken sollten hier mehr Anschubfinanzierung leisten. Deshalb bleibt vielen Gründern oft nichts anderes übrig, als ihr Unternehmen und ihre Idee früh an ein größeres Unternehmen zu verkaufen anstatt es eigenständig zu führen.
Schaut sich Pilz auch nach Start-ups um, ob da eine interessante Idee dabei ist?
Wir schauen uns immer an, was am Markt Neues passiert. Aber wir machen das nicht mit dem Ziel der Übernahme. Wir haben vor einigen Jahren eine Gruppe übernommen, da der Eigentümer mit dem Anliegen auf uns zugekommen ist, einen Teil seines Unternehmens zu veräußern, und weil sie zu uns gepasst hat.
Bei Ihnen sind die Kinder selbst in der Unternehmensführung aktiv. War das immer Ihr Ziel oder hat es sich über die Jahre einfach ergeben?
Meine Kinder sind nach dem Studium erst einmal hinaus in die Welt. Mein Sohn ist in die USA gegangen. Dann musste er allerdings bei unserer US-Tochtergesellschaft einspringen und ist auch so früh ins Unternehmen gekommen. Meine Tochter hat in den USA und in England bei verschiedenen Unternehmen gearbeitet. Ausbildung und Erfahrung sind das eine, doch man muss auch das Herz für das Unternehmen haben. Es muss das eigene Ziel sein. Und da bin ich unendlich dankbar, dass es bei beiden Kindern von sich aus so gekommen ist.
Würden Sie Ihren Enkeln empfehlen, im Maschinenbau neu zu gründen?
Die sollen ihren Weg selber finden. Wenn es dann soweit sein sollte und wenn sie Fragen haben, werde ich ihnen aufzeigen, was die Konsequenzen sind. Aber entscheiden muss jeder selbst. Ich wünsche meinen Enkeln, dass sie dann die Kraft haben, selbst zu entscheiden und die notwendige Unterstützung erfahren.