Möglicher Opel-Verkauf: Was ein PSA-Opel-Deal für den Automarkt bedeutet
Opel Adam
Werk: Eisenach
Plattform: GM-SCCS (Small Common Components and Systems), 2005 von Opel und Fiat gemeinsam entwickelt
Schwestermodelle: Opel Corsa D/E, Alfa Romeo MiTo, Fiat Qubo, Fiat Grande Punto (in einer Abwandlung der Plattform auch der Jeep Renegade, Fiat 500X und Fiat 500L)
Opel Karl
Werk: Changwon (Südkorea)
Plattform: GM Gamma II
Schwestermodelle: Opel Mokka, Chevrolet Spark, Chevrolet Aveo, Chevrolet Trax
Opel Corsa E
Werk: Eisenach und Saragossa (Spanien)
Plattform: GM-SCCS (Small Common Components and Systems), 2005 von Opel und Fiat gemeinsam entwickelt
Schwestermodelle: Opel Corsa D, Opel Adam, Alfa Romeo MiTo, Fiat Qubo, Fiat Grande Punto (in einer Abwandlung der Plattform auch der Jeep Renegade, Fiat 500X und Fiat 500L)
Opel Mokka
Werk: Bupyeong-gu (Südkorea) und Saragossa (Spanien)
Plattform: GM Gamma II
Schwestermodelle: Opel Karl, Chevrolet Spark, Chevrolet Aveo, Chevrolet Trax
Opel Ampera-e
Werk: Orion (USA)
Plattform: GM BEV II
Schwestermodelle: Chevrolet Bolt
Opel Astra K
Werk: Ellesmere Port (England) und Gliwice (Polen)
Plattform: GM D2XX, eine Weiterentwicklung der Delta-Plattform
Schwestermodelle: Chevrolet Cruze, Chevrolet Volt, Buick Envision, Buick Verano (für den chinesischen Markt), GMC Terrain, Chevrolet Equinox
Opel Cascada
Werk: Gliwice (Polen)
Plattform: GM Delta II, Vorgänger der D2XX-Plattform
Schwestermodelle: Opel Astra J, Opel Zafira Tourer, Opel Ampera, Chevrolet Volt, Chevrolet Orlando, Cadillac ELR
Opel Crossland X
Werk: Saragossa (Spanien)
Plattform: PSA PF1
Schwestermodelle: Citroën C3 Picasso, Peugeot 2008
Opel Grandland X (wird noch 2017 vorgestellt)
Werk: -
Plattform: PSA PF2
Schwestermodelle: Citroën C4, Citroën DS4, Peugeot 3008
Opel Zafira Tourer
Werk: Rüsselsheim, künftig im PSA-Werk Sochaux
Plattform: GM Delta II, Vorgänger der D2XX-Plattform
Schwestermodelle: Opel Astra J, Opel Zafira Tourer, Opel Cascada, Chevrolet Volt, Chevrolet Orlando, Cadillac ELR
Opel Insignia Grand Sport
Werk: Rüsselsheim
Plattform: GM E2XX, Weiterentwicklung der Epsilon-II-Plattform
Schwestermodelle: Chevrolet Malibu, Chevrolet Impala
„Wir werden weiter rücksichtslos in unseren Entscheidungen sein und nicht Geschäfte, Märkte oder Gelegenheiten verfolgen, die für uns keinen überzeugenden Gewinn abwerfen.“ Als der General-Motors-Aufsichtsratschef Dan Ammann diesen Satz vor einigen Wochen sagte, war es wohl als Begründung gedacht, warum sich GM 2015 aus Russland zurückgezogen und die Produktion in Australien gekappt hatte.
Rückblickend klingt es auch wie eine an Opel gerichtete Drohung. Erst vor wenigen Tagen musste Opel-Chef Karl-Thomas Neumann einen erneuten Verlust von 241 Millionen Euro nach Detroit melden.
Und Ammann meint seine Aussage ernst. Wie sich abzeichnet, verhandelt General Motors bereits seit dem Frühjahr 2016 mit der französischen PSA-Gruppe. Die „strategischen Maßnahmen“, von denen GM und PSA noch am Dienstag gesprochen hatten, sind offenbar bereits sehr konkret. Laut „Handelsblatt“ ist bereits eine US-Kanzlei beauftragt, die Vertragsdetails auszuarbeiten. Bei ihrem Besuch in Rüsselsheim am Mittwoch soll GM-Chefin Mary Barra vor Opel-Führungskräften den Verkauf als erklärtes Ziel der Verhandlungen genannt haben.
Für Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries ist die Übernahme des deutschen Autobauers Opel durch Peugeot ausgemachte Sache. "Ich gehe davon aus, dass das stattfindet", sagte Zypries. Sie wolle aber nicht von Übernahme, sondern von einem Zusammenschluss sprechen, fügte sie hinzu. Gespräche mit den Firmenchefs von GM und Peugeot habe es inzwischen gegeben. "Ich persönlich nicht, aber es wurden Gespräche geführt", sagte sie.
Rentable Geschäfte statt schiere Größe um jeden Preis – damit liegen Ammann und der potenzielle Opel-Käufer Carlos Tavares auf einer Linie. Der Portugiese, der den Gemeinschaftskonzern von Peugeot und Citroën seit 2014 führt, hat den damals verlustreichen Autobauer umgebaut und voll auf Effizienz getrimmt:
- Überkapazitäten in der Produktion wurden abgebaut, dem fiel unter anderem das Werk Aulnay mit über 3.000 Beschäftigten zum Opfer.
- Auch in der Verwaltung wurden Arbeitsplätze abgebaut. In der Summe sind 10.000 Jobs verschwunden.
- Das Modellangebot von Peugeot und Citroën hat Tavares neu aufgestellt. In Deutschland und Frankreich beliebte Cabrios wie der Peugeot 207 CC wurden ersatzlos gestrichen. Cabrios sind fast nur in Europa gefragt und laut Tavares könne es sich PSA nicht leisten, Modelle nur für einen Kontinent zu entwickeln.
- Übermäßig teure Investitionen, die sich nicht schnell rentieren – etwa in die Elektromobilität – hat Tavares dabei hinten angestellt.
Das Ergebnis: Nach drei Verlustjahren schreibt PSA wieder schwarze Zahlen, alleine im ersten Halbjahr 2016 lag der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn bei 1,8 Milliarden Euro – die Bilanz für das Gesamtjahr liegt noch nicht vor.
Wenn Tavares jetzt bei Opel zugreift, dürfte dabei aber nicht der Effizienzgedanke im Vordergrund stehen: Im ersten Halbjahr 2016, als Opel vor dem Brexit-Votum noch auf Gewinnkurs war, verdienten die Rüsselsheimer laut dem CAR-Institut 190 Euro pro Auto – bei Peugeot und Citroën waren es hingegen 840 Euro.
Stattdessen hat Tavares ein anderes Ziel: Nach drei Jahren der Sanierung will er auf Expansionskurs gehen – und die Machtverhältnisse auf dem europäischen Automarkt verschieben.
Der sich anbahnende Verbund aus PSA und Opel dürfte auf mehr als vier Millionen Fahrzeuge pro Jahr kommen. Hinter dem Marktführer Volkswagen hätte Tavares eine neue Nummer zwei in Europa erschaffen – und seinen früheren Arbeitgeber und französischen Dauerkonkurrenten Renault-Nissan überholt.
Die neue Generation des Opel Insignia wird Anfang März auf dem Genfer Autosalon im Doppelpack Premiere feiern. Neben der bereits vorgestellten Limousinen-Variante Grand Sport (rechts) zeigen die Rüsselsheimer außerdem den Sports Tourer.
Foto: OpelAuf 4,99 Meter ist der bis zu 200 Kilogramm leichtere Kombi gewachsen. Dank der neuen Proportionen wirkt das Fahrzeug stämmiger als bisher, die an Charakterlinien reiche Blechhaut straffer. Markant ist in der Seitenansicht eine von der A-Säule unterhalb der Dachlinie bis in die C-Säule verlaufende Chromleiste, die von den Rückleuchten aufgenommen wird. Die LED-Lichter erstrecken sich zweigeteilt von der C-Säule bis in die angeschrägte Heckklappe.
Foto: OpelDank Größenzuwachs und des um neun Zentimeter verlängerten Radstands kann der Insigina Fahrgästen und Gepäck deutlich mehr Entfaltungsspielraum als bisher bieten. So fasst der um zehn Zentimeter auf über zwei Meter Länge gewachsene und auch etwas breitere Kofferraum mit 1640 Liter gut 100 Liter mehr als bisher. Damit schlägt der Insignia auch den deutlich kleineren Astra Sports Tourer, der mit 1630 Liter bisher der geräumigste Kombi der Blitzmarke war.
Foto: OpelLaut Opel soll sich das Beladen des Insignia künftig leichter gestalten, da der Überhang zwischen Stoßfänger und Laderaum verkleinert wurde. Auch das Öffnen der Heckklappe geht künftig leichter von Hand, da ein Öffnen und Schließen per Fußbefehl möglich ist. Die Öffnungshöhe der Klappe kann dabei sogar programmiert werden. Der Kofferraum kann wie bisher optional mit dem Schienen-Arretierungssystem Flex Fix ausgestattet werden. Die per Knopfdruck entriegelbare Rückbanklehne lässt sich dreiteilig im Verhältnis 40:20:40 umklappen.
Foto: OpelIm Cockpitbereich präsentiert sich die neue Insignia-Generation aufgeräumt. Auffällig ist die stark horizontale Betonung des Armaturenbretts. In der Mitte befindet sich der rahmenlose Touchscreen des Infotainmentsystems. Chromzierrat, Klavierlackoberflächen und feines Leder sorgen zudem für Edel-Flair.
Foto: OpelAls besondere Innovationen bietet der neue Insignia Sports Tourer unter anderem den Abstandstempomat ACC in Kombination mit einem Kollisionsverhinderer, ein Head-up-Display, einen aktiven Spurhalte-Assistenten mit Gegenlenk-Funktion, eine vor Querverkehr warnende Rückwärtsausparkhilfe, sowie ein neues LED-Matrixlicht. Ein solches bietet Opel bereits im neuen Astra, allerdings hier mit 16 LED-Segmenten, während im Insignia eine Variante mit 32 Segmenten zum Einsatz kommt.
Foto: OpelAntriebsseitig verspricht Opel effizientere Motoren und einige kleinere Innovationen. Wie bisher wird es den Insignia ausschließlich mit aufgeladenen Benzin- und Dieselmotoren geben, die zwischen 110 und 250 PS leisten.
Foto: OpelNeu ist eine Achtstufen-Automatik, die vorerst ausschließlich in Kombination mit Allradantrieb angeboten werden soll. Der 4x4-Antriebsstrang verfügt zudem über ein Torque-Vectoring, welches eine radselektive Momentverteilung erlaubt.
Foto: OpelBestellstart für den Sports Tourer ist der 17. Februar 2017. Preise nennen die Rüsselsheimer noch nicht, doch vermutlich wird sich die Neuauflage am Niveau des Vorgängers orientieren. Derzeit kostet der Insignia Kombi in der Basisversion knapp unter 26.000 Euro.
Foto: Opel
Offensichtlich folgt Tavares jetzt jener Logik, die Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn seit Jahren vorantreibt: Nach einer grundlegenden Sanierung der beiden kränkelnden Firmen Ende der 1990er Jahre, ist Renault-Nissan zu einem Global Player expandiert, der mit ähnlichen Modellen unterschiedlicher Marken international vertreten ist.
Kein Wunder, dass der PSA-Vorstoß in Frankreich deutlich positiver aufgenommen wird als in Deutschland, wo die erneute Furcht um Opel und die Arbeitsplätze groß ist. In Frankreich wird die Annäherung als sinnvoll betrachtet, da Opel in Deutschland und die Opel-Schwestermarke Vauxhall in Großbritannien gut verankert seien. Zudem habe man bei PSA Vertrauen in die Fähigkeiten des Chefs und „Zauberers“ Carlos Tavares, die Opel-Fabriken in Geld-Maschinen zu verwandeln, schreibt die Tageszeitung „Le Monde“. Ohne harte Einschnitte an den Standorten Rüsselsheim, Kaiserslautern, Eisenach und den anderen europäischen Werken wird das aber nicht gehen. Als Vorteil gilt auch, dass sich PSA und die Opel-Muttergesellschaft GM seit Jahren kennen.
Einwände gibt es natürlich auch in Frankreich. Der Griff über den Rhein werde an der Schwäche von Peugeot Citroën auf den Märkten außerhalb Europas nichts ändern, lautet die Kritik. Außerdem dürfte es schwierig werden, die ganzen Marken der Gruppe nebeneinander zu führen, ohne dass diese sich gegenseitig Konkurrenz machten. „500.000 Fahrzeuge könnten verschwinden“, zitiert „Le Monde“ einen Automobilexperten, der die Verkäufe des neuen Verbundes im Blick hat. Eine Sorge, die geteilt wird.
Die Marke mit dem Blitz - Opel
Opel könnte nach jahrelangen Verlusten in die Hände von Peugeot geraten. Der Detroiter Mutterkonzern General Motors befindet sich in Gesprächen über eine Zusammenlegung seiner Rüsselsheimer Tochter mit dem französischen Konkurrenten. Die über 150 Jahre dauernde Firmengeschichte des deutschen Autobauers ist sowohl von technischen Innovationen und Rekorden, als auch von Erfolgen maßgeblich geprägt. Doch insbesondere in den vergangenen 30 Jahren hat sich diese Erfolgsgeschichte gedreht.
Foto: dpaAnfang mit Nähmaschinen
1862 beginnt Adam Opel in der väterlichen Schlosserwerkstatt mit dem Bau von Nähmaschinen. Hier zu sehen: Adam Opels erste handgefertigte Nähmaschine aus selbigem Jahr.
Foto: PROpels Markenlogo 1862
Noch keine Spur vom Opel-Blitz: Das erste Opel-Markenzeichen, 1862 - die Initialen Adam Opels. Das Unternehmen, das inzwischen in sehr unruhiges Fahrwasser geraten ist, versucht auch heute noch ein Image von Traditionalität abzuliefern.
Foto: PRFahrrad „Velociped“
Bald folgen Fahrräder. 1886 verlässt das erste „Velociped“ die Fabrik. Die Räder aus Rüsselsheim sind populär. Mitte der 1920er Jahre ist Opel größter Zweiradproduzent der Welt. Längst stellt Opel auch Motorräder her. Hier leistet Wilhelm Opel einem Sportskameraden Starthilfe.
Foto: PR„Patent Motorwagen System Lutzmann“
Die Geschichte des Automobilbaus beginnt 1899. Opel ist damit – nach Daimler-Benz – der zweitälteste Autohersteller Deutschlands. Der „Patent Motorwagen System Lutzmann“ macht den Anfang.
Foto: PRErste Eigenkonstruktion: Modell 10/12PS
Im Herbst 1902 präsentiert Opel dann mit dem Modell 10/12 PS seine erste Eigenkonstruktion. Die Autos finden reißenden Absatz: Bis 1906 haben bereits über 1000 Fahrzeuge die Werkshallen verlassen (Bild ist von ca. 1930).
Foto: PRZweizylinder-Luxus-Motorrad
Opels Zweizylinder-Luxus- Motorrad mit 3 1/2 PS und elektromagnetischer Zündung aus dem Jahr 1905.
Opel-Werk in Rüsselsheim 1906
Auto-Produktion bei Opel anno 1906: Blick in die Große Montagehalle in Rüsselsheim.
Foto: PROpels „Doktorwagen“
1914 hat Opel alle Konkurrenten überflügelt und ist der größte Autoproduzent in Deutschland. Schon früh macht sich die Marke als Hersteller erschwinglicher Erfolgsmodelle einen Namen: „Doktorwagen“ (1909, im Bild) und „Puppchen“ (1914) begründen den bis heute gültigen Anspruch, technisch hochklassige und zuverlässige, aber auch bezahlbare Automobile für breite Käuferschichten anzubieten.
Foto: PROpel im Rennsport
Auch im Motorsport engagierte sich Opel bereits früh. Hier zu sehen: Opel 110 PS Grand-Prix-Rennwagen von 1913.
Foto: PRDer „Laubfrosch“
Die 1920er Jahre symbolisieren den bis heute anhaltenden Innovationsgeist der Marke. Sie sind das Zeitalter der Laubfrösche und Raketen. Mit dem Kleinwagen 4/12 PS, wegen seiner grasgrünen Farbe im Volksmund bald liebevoll „Laubfrosch“ genannt (im Bild), nimmt Opel 1924 als erster deutscher Hersteller die Fließbandproduktion auf.
Furore durch Raketenantrieb
Außerdem macht das Unternehmen mit spektakulären Versuchen zum Raketenantrieb Furore, unter anderem 1928 auf der Berliner Avus: Fritz von Opel erreicht dort mit einem Raketenauto das damals fast unvorstellbare Spitzentempo von 238 km/h.
Foto: PROpel in der Luft - Sander RAK 1
Ein Jahr später erhebt sich Opel sogar in die Lüfte: Mit dem Opel-Sander RAK 1 startet im September 1929 vom Frankfurter Rebstockgelände der - wenn auch kurze - erste öffentliche bemannte Raketenflug der Welt. In Essen auf der Techno Classica 2012 wurde der Flugapparat von „Raketen-Fritz“, wie der Volksmund Fritz von Opel nannte, noch einmal gezeigt und bestaunt.
Foto: PRNutzfahrzeug „Koloss von Rüsselsheim“
Im Bild: Das erste Nutzfahrzeug von Opel auf Basis des Patent-Motorwagens. Im Volksmund auch „Koloss von Rüsselsheim“ genannt. 1929 brechen für die Autoindustrie harte Zeiten an. Die Weltwirtschaftskrise macht Millionen arbeitslos, die Konjunktur bricht wie ein Kartenhaus zusammen. Opel hat jedoch vorgesorgt und mit dem amerikanischen Konzern General Motors (GM) einen starken Partner gefunden. Der Rüsselsheimer Hersteller kann seine Marktposition festigen und baut 1935 erstmals über 100.000 Fahrzeuge im Jahr, unter anderem den „Blitz“ in einem neuen Lkw-Werk in Brandenburg.
Foto: PROpel: Technisch innovativ
Zeitgleich präsentieren die Rüsselsheimer eine technische Innovation: Der Olympia ist der erste deutsche Serienwagen mit selbsttragender Ganzstahlkarosserie. Hier zu sehen: Cabriolet- Limousine von 1935.
Foto: PRGrundstein des Erfolgs: Der Kadett
Ein Jahr später legt das Unternehmen den Grundstein für eine 80-jährige Erfolgsstory in der Kompaktklasse: Vom ersten Kadett spannt sich eine fast lückenlose Ahnenreihe bis zur populären Astra-Familie der Gegenwart. Mit einer Jahresproduktion von über 120.000 Autos ist Opel 1936 der größte Fahrzeughersteller Europas.
Foto: PROpel Kadett seit 1936
Die ersten Opel Kadett laufen 1936 von den Rüsselsheimer Bändern.
Foto: PROpel im Wiederaufbau
Nach der kriegsbedingten Unterbrechung der zivilen Produktion nimmt Opel in den Jahren des Wiederaufbaus rasch wieder Fahrt auf. Zu den erfolgreichen Modellen zählt etwa der Olympia Rekord (Zeichnung von 1955).
Foto: PR100-jähriges Bestehen 1962
Zum 100-jährigen Bestehen im Jahr 1962 eröffnet das Unternehmen in Bochum ein zweites Werk. Dort läuft der neue Kadett vom Band.
Foto: PRSportlich: Opel Manta
In den 1960er Jahren entstehen zudem zahlreiche Modelle, die den sportlichen und emotionalen Ruf der Marke festigen, darunter legendäre „Kultautos“ wie Manta.
Foto: PRErfolge in den 1970er Jahren
Opel Commodore GS/E, 1972 bis 1977. Auch die Commodore-Reihe wurde schnell zum Erfolg. 1971 läuft der zehnmillionste Opel vom Band. Im selben Jahr erreicht Georg von Opel in einem Versuchs-GT mit Batterieantrieb einen Geschwindigkeitsrekord von 188 km/h.
Foto: PRMarktführerschaft in Deutschland
Opel GT, 1969. Im Marketing versuchte Opel, einen gewohnt grundsoliden Eindruck zu erwecken. Mit Erfolg: Opel hatte Anfang der 1970er Jahre die Marktführerschaft in Deutschland errungen.
Foto: PRGeschwindigkeitsrekord durch Batterieantrieb
1971 läuft der zehnmillionste Opel vom Band. Im selben Jahr erreicht Georg von Opel in einem Versuchs-GT mit Batterieantrieb einen Geschwindigkeitsrekord von 188 km/h. Das Thema Elektromobilität hat Opel somit schon auf der Agenda, lange bevor es Jahrzehnte später in aller Munde ist.
Foto: PRSicherheit, Verbrauch, Umweltfreundlichkeit
1972 ist Opel Deutschlands erfolgreichster Autoproduzent. In Rüsselsheim entsteht ein neues Modellprogramm, das die Themen Sicherheit, Verbrauch und Umweltfreundlichkeit verstärkt in den Blick nimmt. Die fünfte Kadett-Generation, erstmals mit Frontantrieb, zählt 1979 mit einem Luftwiderstandsbeiwert (cw-Wert) von 0,39 zu den aerodynamischsten Kompaktwagen. Autos wie Omega A (cw 0,28) und Calibra (cw 0,26) setzen die Reihe später mit weiteren Rekordwerten fort.
Foto: PRGespür für Trends
In den 1980er Jahren rückt das Thema Abgasreinigung in den Fokus. Opel gehört auch hier zu den Pionieren. Als erste deutsche Marke können die Rüsselsheimer eine komplette Katalysator-Flotte vorweisen und rüsten ab 1989 alle Modelle serienmäßig damit aus.
1991 debütiert im Astra das Opel Safety System mit Seitenaufprallschutz, Stützrampen in den Sitzen und Gurtstraffern. Mit dem Frontera beweist die Marke abermals Gespür für Trends: Das geländegängige Freizeitauto ist einer der Vorreiter der SUV-Bewegung und wird aus dem Stand Marktführer.
1999: 50 Millionen Opel-Autos
1992 nimmt mit dem Opel-Werk Eisenach die damals modernste Automobil-Produktionsstätte der Welt ihren Betrieb auf. Danach geht es Schlag auf Schlag: 1997 stellt Opel im Kleinwagen-Bestseller Corsa als erster europäischer Hersteller einen verbrauchsgünstigen Dreizylindermotor vor. 1999 rollt das 50-millionste Auto mit dem Blitz-Logo aus den Werkshallen. Allerdings entwickelte sich GM in den Folgejahren immer mehr zum Sorgenkind im GM-Konzern. Der Marktanteil von Opel sinkt deutlich.
Foto: PRFehlgeschlagene Trennung von General Motors
2009 war General Motors infolge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise schwer angeschlagen. Die deutsche Opel-Führung arbeitete damals gemeinsam mit dem Betriebsrat an einem Konzept zur Trennung von dem Mutterkonzern. Im Sommer 2009 hatten sich Bund, Länder, GM und das US-Finanzministerium nach langem Poker mit dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna auf ein Rettungskonzept geeinigt – im November dann beschloss GM, Opel doch zu behalten.
Foto: dpaErste Allianz mit Peugeot
Später ging man den Bund mit Peugeot ein. Von Plänen für eine breit angelegte Allianz verabschiedete man sich jedoch kurze Zeit später wieder. Beide Unternehmen arbeiten noch bei der Produktion von SUV und Minivans zusammen.
Foto: dpaStellenabbau bei Opel
Im Dezember 2014 nach monatelangen Verhandlungen gegen den massiven Protest der Belegschaft sein Werk in Bochum mit mehr als 3000 Beschäftigten.
Foto: APOpel-Chef Karl-Thomas Neumann
Seit März 2013 leitet der frühere VW-Manager Karl-Thomas den Autobauer. 2016 wollte er den Autobauer zurück in die Gewinnzone führen. Zwar konnte Opel dieses Ziel nicht erfüllen und schrieb auch im vergangenen Jahr rote Zahlen. Jedoch konnte dieses Minus binnen Jahresfrist um zwei Drittel verringert werden.
Foto: REUTERSFrischer Wind durch neue Modelle
Unter Neumann investierte Opel kräftig in neue Modelle und brachte mit dem Mokka einen kleinen Geländewagen auf den Markt. Die GM-Tochter legte nach Meinung von Experten jedoch nicht schnell genug nach, um stärker vom Trend zu SUV zu profitieren. Nun könnte der Verkauf an Peugeot der Schlussstrich der Amerikaner unter das Kapitel Opel sein.
Foto: dpa
Auch der deutsche Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer schätzt, dass PSA von Opel „nicht viel mehr als eine Hülle“ übriglassen werde. Sprich: Die Opel-Werke werden in den PSA-Produktionsverbund eingegliedert und können am Ende beliebige Autos der Konzern-Plattformen bauen – egal ob Opel, Peugeot, Citroën oder DS.
Für Fiat-Chrysler zählt vor allem die Größe
Während sich die deutsche Politik angesichts des drohenden Rotstifts bei Opel im Zweckpragmatismus übt und von einer möglichen „Win-Win-Situation“ (Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee) spricht, dürfte die Konkurrenz die Machtverschiebung auf Europas Automarkt nicht so einfach hinnehmen.
Da ist zum einen der potenziell entthronte Branchenvize Renault-Nissan, der die innerfranzösische Konkurrenz nicht von dannen ziehen lassen will – aktuell wird Carlos Ghosn aber keine akute Expansionslust nachgesagt.
Anders sieht es bei Fiat-Chrysler (FCA) aus. Dessen italo-kanadischer Chef Sergio Marchionne gilt – anders als GM-Aufsichtsrat Ammann – als Verfechter des „size matters“-Ansatzes. Marchionne hat in der Finanzkrise die Chance genutzt, seinen Fiat-Konzern mit der Chrysler-Fusion auf die internationale Bühne zu bringen. Laut Marchionne werden langfristig nur „vier oder fünf“ globale Autokonzerne bestehen können – der Rest wird aufgekauft oder verschwindet vom Markt.
Bei General Motors ist Marchionne mehrfach mit seinen Fusionsgedanken zu einem amerikanischen Super-Autobauer abgeblitzt. Locker lässt der FCA-Chef aber noch lange nicht. Er will seine Ideen eine Nummer kleiner umzusetzen: Zuletzt gab es in Frankreich Gerüchte um eine mögliche Autoehe zwischen Fiat-Chrysler und PSA. Da Opel und FCA laut den Zahlen des europäischen Branchenverbands ACEA beide einen Marktanteil von 6,7 Prozent haben, hätte PSA auch mit den Italienern zur Nummer zwei aufsteigen können – und sich über das Chrysler-Geschäft auch Zugang zum amerikanischen Markt gesichert.
Doch Tavares hat sich für die sichere Variante mit dem langjährigen Kooperationspartner General Motors entschieden. Gerüchten zufolge könnte das wiederum Marchionne dazu veranlassen, seinerseits für Opel zu bieten. Damit könnte Fiat-Chrysler seinerseits mit dann 13,4 Prozent zur Nummer zwei Europas aufsteigen. Einige Punkte, die bei einer Übernahme für PSA ein Vorteil wären – etwa der Marktzugang in Deutschland und Großbritannien – gilt auch für FCA. Noch ist allerdings von einer solchen Offerte nichts bekannt.
Wie groß die Chancen eines zweiten Angebots für Opel an General Motors wären, ist unklar. Zahlen-Mensch Ammann wäre einem Bieter-Duell sicher nicht abgeneigt – solange der Preis steigt. Doch dann müsste es schnell gehen: Angeblich soll in den kommenden zwei Wochen der Rahmen für die PSA-Übernahme geschaffen werden.