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Riester-ProdukteDie meisten Riester-Verträge sind zu teuer

Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat sich Riester-Produkte vorgeknöpft. Ergebnis: Die Kosten sind oft zu hoch. Was es für eine effektive private Altersvorsorge braucht.Andreas Toller 03.01.2018 - 17:39 Uhr

Riestern ist Verbraucherschützern zufolge häufig zu teuer - und lohnt sich nur für bestimmte Haushalte.

Foto: dpa

Die Kosten für die Riester-Rente sind laut einer Untersuchung von Verbraucherschützern in den meisten Fällen zu hoch – und das schmälert die Rendite mitunter erheblich. Die Experten von der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hatten insgesamt 18 Produkte - klassische Rentenversicherungen und fondsgebundene Modelle - mit Laufzeiten von zwölf, 20, 30 und 40 Jahren Laufzeit anhand der Produktinformationsblätter für Musterverträge verschiedener Anbieter unter die Lupe genommen.

Für den Vergleich wurden zunächst Referenzwerte errechnet, der die Annahmen aus dem Alterssicherungsbericht der Bundesregierung zugrunde legt. Dort unterstellt die Regierung eine durchgängige Verzinsung der eingezahlten Beiträge und staatlichen Zulagen bis zum Ende der Laufzeit mit vier Prozent jährlich. Für den gleichen Zeitraum sollen insgesamt Kosten in Höhe von zehn Prozent der eingezahlten Summe anfallen. Daraus ergaben sich je nach Laufzeit folgende Referenz-Effektivkosten ermitteln. Anschließend wurden die Referenzwerte mit den Effektivkosten einzelner Riester-Produkte verglichen, wie sie aus den gesetzlich vorgeschriebenen Produktinformationsblättern hervorgehen.

Das Ergebnis: Die Effektivkosten – anders ausgedrückt: die Wertminderung durch Kosten - lagen in den meisten Fällen deutlich über den Referenzwerten der der Bundesregierung. „Im Extremfall sind die Kosten um das Fünffache höher“, konstatieren die Verbraucherschützer. Günstiger waren je nach Laufzeit keines oder maximal nur zwei der 18 Angebote für das staatlich geförderte Zusatzplus im Alter.

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„Wir sind bei der Vielzahl der Produkte angesichts des Kosten weit davon entfernt, ausreichend Kapital für die private Absicherung neben der gesetzlichen aufzubauen“, kritisierte die Leiterin des vzbv-Finanzmarktteams, Dorothea Mohn. Von wenigen Ausnahmen abgesehen würden Produkte angeboten, „die die Erwartungen der Politik an kosteneffiziente Angebote zur kapitalgedeckten Altersvorsorge nicht erfüllen“, kritisierten die Verbraucherschützer.

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Das Bundesarbeitsministerium wies zwar darauf hin, dass es sich bei den Zahlen im Alterssicherungsbericht um modellhafte Berechnungen handele und nicht um Prognosen. Andererseits ist dem Gesetzgeber daran gelegen, eine solide und attraktive Form der privaten Altersvorsorge zu fördern, die tatsächlich hilft, die Lücke füllen, die durch Reformen in der gesetzlichen Rentenversicherung und das sinkende Rentenniveau drohen.

Die Kosten der Riester-Verträge sind jedoch häufig so teuer, dass sich die Riester-Rente trotz der inzwischen von 154 Euro auf 175 Euro erhöhten staatlichen Grundzulage für große Teile der Bevölkerung schlicht nicht lohnt. Vor allem Normal- und Besserverdienende mit weniger als zwei Kindern haben meist keinen signifikanten Vorteil durch die staatlichen Riester-Zulagen, profitieren können hingegen vor allem Geringverdiener und kinderreiche Familien.

Eigenständiges, diszipliniertes Wertpapiersparen ist in den meisten Fällen rentabler als Riester. Darüber hinaus muss in jedem Einzelfall und abhängig von der bereits bestehenden Altersvorsorge geprüft werden, ob Riester-Zulagen und Steuervorteile unter dem Strich lohnen.

Insbesondere wegen der Vertriebskosten sei es offenbar nicht möglich, kosteneffiziente Produkte anzubieten. Verbraucherschützerin Mohn schlägt daher vor, einen Vorsorgefonds einzuführen, der sich am schwedischen Modell orientiert und ohne eigene Gewinninteressen die Kapitalanlage organisiert – ein sogenannter Non-Profit-Vorsorgefonds. Schwedens Staatsmacht hat nach dieser Art einen staatlich organisierten Aktienfonds und einen Rentenfonds für die private Altersvorsorge aufgelegt, die Geldanlage übernehmen nach Ausschreibungen private Investoren. In diesen Fonds zahlen alle schwedischen Arbeitnehmer automatisch ein, sofern sie nicht ausdrücklich widersprechen. Dadurch ist der Aufwand für den Vertrieb geringer, so dass die Vertriebs- und Nebenkosten deutlich niedriger als bei hiesigen Riester-Produkten ausfallen.

Die Stiftung Warentest gab jüngst nur zwei klassischen Riester-Rentenversicherungen beim Thema „Rentenzusagen und Kosten“ die Note „gut“. Einschließlich weiterer Kriterien wie Anlageerfolg oder Flexibilität kam keines der neun getesteten Produkte über ein „befriedigend“ hinaus (Finanztest 10/2017). Dennoch könne sich Riestern lohnen. „Hier gibt es staatliche Zulagen und Steuerersparnisse, die alleine schon für eine gewisse Rendite sorgen“, argumentierten die Tester. Der Kostenvergleich zeigt aber, das der Anbieter mit Bedacht gewählt und die Renditeaussichten mit spitzem Bleistift - am besten mit einem unabhängigen Finanzprofi - berechnet werden müssen. Pauschale Aussagen wie "Riester lohnt sich für jeden" sollten Verbraucher skeptisch stimmen.

Das Problem: Die Auswahl schrumpft. Es gibt immer weniger Versicherer, die klassische Riester-Rentenverträge mit Garantiezins anbieten. Dieses Modell sei jedoch ein Garant für eine planbare Altersvorsorge, argumentierte Stiftung Warentest. Vor fünf Jahren waren den Angaben zufolge noch 29 Riester-Klassiker im Test.

Mit Material von dpa.

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