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Gesunde ErnährungDeutschland sucht das Nährwert-Logo

Mit neuen Aufdrucken auf der Vorderseite von Lebensmittelpackungen soll gesunde Ernährung einfacher werden. Doch wie genau soll so eine Kennzeichnung aussehen? 05.07.2019 - 17:24 Uhr

Erste Produkte mit dem in Frankreich eingeführten "Nutri-Score" können schon in Deutschland gekauft werden.

Foto: imago images

Was würde Ihnen am Supermarktregal am meisten helfen? Da wäre ein farbiges Logo mit Buchstaben von A bis E. Ein grün-weißes Siegel mit einem Schlüsselloch. Ein Aufdruck mit fünf Kreisen. Oder doch lieber einer mit blaugrün gefärbten Waben? Vier Modelle stehen zur Auswahl, wenn es jetzt über den Sommer um die Suche nach einer klareren Kennzeichnung für Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten geht. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) startet dafür eine Verbraucherbefragung, die auch den jahrelangen Streit um ein Nährwert-Logo klären soll. Im Herbst dürfte die Entscheidung fallen.

Trotz der unterschiedlichen Modelle ist das Ziel klar: Es geht um gesündere Ernährung und weniger Übergewicht nicht nur bei Kindern. Doch wie leicht können Supermarktkunden erkennen, welche Joghurts, Müslis oder Tiefkühlpizzen potenzielle „Dickmacher“ sind?

Pflicht sind auf dem europäischen Markt bisher schon Nährwerttabellen mit Angaben auch zur Kalorienzahl. Sie stehen aber meist klein gedruckt auf der Rückseite oder noch versteckteren Stellen der Packung. Eine Kennzeichnung, mit der man Produkte auf einen Blick vergleichen kann, sei daher ein Muss, argumentiert der Präsident des bundeseigenen Max-Rubner-Instituts für Ernährungsforschung (MRI), Pablo Steinberg.

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Verbraucherschützer fordern dafür seit Jahren farbliche Logos auf der Vorderseite der Packungen. Lange drehte sich der Streit um eine aus Großbritannien stammende Ampel mit mehreren separaten Symbolen in rot, gelb oder grün für Zucker, Fett und Salz. Ebenso lange wehrte die Lebensmittelbranche das aber scharf ab. Nun sind beide Seiten im Boot, wenn es um die engere Auswahl eines künftigen Nährwert-Logos geht. „So weit waren wir noch nie“, sagt Klöckner. Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass die Favoriten beider Lager im Rennen sind.

Im Juli und August sollen die Modelle erst in Gruppenbefragungen und dann in einer großen Umfrage mit mindestens 1000 Teilnehmern auf Verständlichkeit und Akzeptanz hin getestet werden. Das Ergebnis wird für September erwartet – und soll laut Klöckner auch maßgeblich dafür sein, welches Modell die Bundesregierung zur freiwilligen Nutzung auf Packungen empfiehlt. Konkret geht es um diese vier Kennzeichnungen:

Nutri-Score:

Für das in Frankreich eingeführte System trommeln Verbraucherschützer und die SPD. Es bezieht neben dem Gehalt an Zucker, Fett und Salz empfehlenswerte Bestandteile wie Ballaststoffe oder Proteine in eine Bewertung ein und gibt dann einen einzigen Wert an – in einer fünfstufigen Skala von „A“ auf dunkelgrünem Feld für die günstigste Bilanz über ein gelbes „C“ bis zu einem roten „E“ für die ungünstigste. Das zutreffende Feld wird hervorgehoben. Erste Produkte damit sind schon in deutschen Supermärkten zu kaufen.

Keyhole:

In Skandinavien genutzt wird ein Logo, das die schwedische Lebensmittelbehörde vor 30 Jahren entwickelte. Es zeigt ein weißes Schlüsselloch auf grünem oder schwarzem Grund und ist eine reine Positivkennzeichnung - ausgewiesen werden also nur Produkte mit günstiger Nährwertbewertung. Desserts oder Süßigkeiten kommen daher gar nicht in Frage, wie das MRI in einer Untersuchung erläuterte.

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Wirtschafts-Modell:

Nur im Computer existiert ein Modell, das der Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft BLL vorlegte. Es hat fünf Kreise, in denen die Kalorien sowie der Gehalt an Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz pro 100 Gramm stehen. Ähnlich wie bei einer Tortengrafik zeigt eine hervorgehobene Fläche in jedem Kreis an, wie viel Prozent der täglichen Zufuhr der Verzehr von 100 Gramm bedeutet – je mehr, desto größer die Fläche. Basis ist eine EU-weit festgelegte Referenzmenge von insgesamt 2000 Kalorien pro Tag für einen durchschnittlichen Erwachsenen. Diese farbliche Fläche soll im Kreis zur Kalorienzahl hellblau sein, in den anderen Kreisen lila.

Forscher-Modell:

Auf Bitten des Ministeriums hat auch das MRI ein System entwickelt. Es zeigt Salz, Zucker und Fett pro 100 Gramm in separaten Waben an, die bei niedrigem Gehalt jeweils blaugrün gefärbt sind. Das soll Menschen etwa mit Diabetes oder Bluthochdruck auch eine speziellere Orientierung geben. Daneben zeigt eine große Wabe eine Gesamtbewertung. Je günstiger sie ausfällt, desto mehr von fünf Flächen haben einen schwarzen Stern und sind blaugrün ausgefüllt.

Wie das Verbraucher-Votum ausfällt, ist offen. Klöckner betont: „Wir haben keine Präferenz.“ SPD-Fraktionsvize Matthias Miersch hofft auf ein klares Ergebnis, das allseits anerkannt wird. „Voraussetzung ist eine transparente und faire Befragung ohne Einflussnahme von wem auch immer.“ Die Lebensmittelbranche mahnt differenzierte Blicke an – auf Normalgewichtige, aber etwa auch auf Menschen mit Erkrankungen.

Die Verbraucherzentralen dringen auf eine definitive Entscheidung im Herbst, um die Einführung eines Logos nicht weiter zu verzögern. Dabei hebt die Organisation Foodwatch auch hervor, eines Tages zu einer EU-weiten Pflichtkennzeichnung zu kommen – wofür Nutri-Score die besten Chancen biete. Überhaupt kommt es darauf an, dass das freiwillige Logo auf einigermaßen breiter Front in den Regalen auftaucht, wie MRI-Präsident Steinberg deutlich machte. Ein Modell mit einer Marktdurchdringung von 10 bis 20 Prozent wäre kein Erfolg.

dpa
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