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Coronavirus trifft Konjunktur„Wirtschaftliche Folgen stärker als bei Sars“

Das Coronavirus breitet sich in China immer schneller aus. Pekings Maßnahmen sind drastisch. Das könnte die Weltwirtschaft empfindlich treffen, meinen Experten. DIW-Präsident Fratzscher warnt allerdings vor Panikmache. 04.02.2020 - 10:02 Uhr

Nach Einschätzung des Ifo-Konjunkturexperten Timo Wollmershäuser dürften „die wirtschaftlichen Folgen stärker ausfallen als bei der Sars-Epidemie“.

Foto: REUTERS

Airlines fliegen nicht mehr nach China, die Bänder von VW und BMW in dem Land stehen derzeit still, Apple schließt dort vorübergehend seine Geschäfte: Die Sorge vor den wirtschaftlichen Folgen der neuartigen Lungenkrankheit wächst. „Mit der weiteren Ausbreitung des Coronavirus innerhalb Chinas und darüber hinaus in Asien werden auch die wirtschaftlichen Kosten zunehmen“, sagt DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Zwar lassen sich die konjunkturellen Folgen nach Ansicht von Ökonomen derzeit nicht beziffern. Doch dürften sie heftiger ausfallen als bei der Infektionskrankheit Sars vor 17 Jahren, die ebenfalls in China ausgebrochen war.

Die wirtschaftliche Bedeutung des Landes ist seitdem immens gewachsen. Die mittlerweile zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist ein wichtiger Exportmarkt für „Made in Germany“. Zugleich produzieren deutsche Industriefirmen dort, Hersteller beziehen Teile aus dem Land für ihre Produktion. „Was in China heute passiert, hat größere Bedeutung für die Welt als früher“, fasst Ökonom Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank zusammen.

Nach Einschätzung des Ifo-Konjunkturexperten Timo Wollmershäuser dürften „die wirtschaftlichen Folgen stärker ausfallen als bei der Sars-Epidemie“. Sars habe China damals etwa ein Prozent Wachstum des Bruttoinlandsprodukts gekostet. In den deutschen Zahlen habe sich das praktisch nicht niedergeschlagen. „Seitdem ist die wirtschaftliche Bedeutung des Landes gewachsen, die Infektionszahlen sind höher und die chinesische Regierung reagiert härter.“

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Peking kämpft mit drastischen Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus. In der Krisenregion in Zentralchina sind 45 Millionen Menschen in mehreren Städten von der Außenwelt abgeschnitten, indem die Verkehrsverbindungen gekappt wurden. Auch andere Städte in der Volksrepublik haben Überlandverbindungen mit Bussen ausgesetzt sowie die Zahl der Flüge und Züge reduziert.

Das Virus trifft die chinesische Wirtschaft – wie auch die Weltwirtschaft insgesamt – ausgerechnet in einer Schwächephase. „Je länger der Ausnahmezustand – sprich: das Reiseverbot in China – anhält und je weiter sich das Virus ausbreitet, desto gravierender werden die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft sein“, analysieren Volkswirte der Commerzbank. Keine guten Perspektiven also für die exportorientierte deutsche Wirtschaft.

„Sollten die Produktionsstopps in der chinesischen Industrie länger anhalten, wären auch die internationalen Lieferketten bedroht“, erläutert Klaus-Jürgen Gern vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel. „Die Bedeutung Chinas als Lieferant für die übrige Welt ist erheblich“.

Ein längerer Stillstand könnte vor allem Lieferketten in der Chemie, im Fahrzeugbau, in der Textilbranche und der Elektronik unterbrechen, warnen Ökonomen der Allianz. Hersteller auch in Deutschland bekämen benötigte Teile nicht mehr, sie müssten andere Lieferanten finden oder ihre Produktion herunterfahren.

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Zugleich ist China ein wichtiger Exportmarkt für deutsche Produkte. Mittlerweile gehen der Commerzbank zufolge gut 7 Prozent der deutschen Ausfuhren in das Land – hauptsächlich Autos und Autoteile sowie Maschinen. Allein die deutschen Autobauer machen Fratzscher zufolge ein Drittel ihrer Gewinne in China. Umgekehrt importiert Deutschland insbesondere Datenverarbeitungsgeräte sowie elektrische Ausrüstungen.

Bislang scheinen sich die Folgen allerdings in Grenzen zu halten. Wegen der Feiertage rund um das chinesische Neujahrsfest – in diesem Jahr am 25. Januar – war die Produktion ohnehin eingeschränkt. „Der aktuelle Ausbruch des Coronavirus hat zum jetzigen Zeitpunkt nur regional begrenzte Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb von DB Schenker“, sagt beispielsweise eine Sprecherin der Deutschen Bahn.

DIW-Präsident Fratzscher warnt denn auch: „Die größte wirtschaftliche Sorge ist die Panikmache, die wir in Einzelfällen auch in Europa sehen.“ Die Angst vor dem Unbekannten führe bei Konsumenten und Unternehmen - vor allem in China, aber auch global - zu übertrieben starken Reaktionen. Allerdings komme das Coronavirus auch zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, „da die Risiken in der Weltwirtschaft durch Handelskonflikte, Brexit, schwache Banken und geopolitische Konflikte ohnehin schon ungewöhnlich hoch sind“.

dpa
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