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Mehr Erfolg mit EnglischSind englische Serien und Filme ein gutes Sprach-Training?

Wenn Sie mit Netflix & Co. Ihre Englischkenntnisse verbessern wollen, machen Sie es wie unser Kolumnist: Statt sich auf Dialoge zu konzentrieren, liest er englischsprachige Untertitel – besonders dann, wenn niemand spricht!Peter Littger 08.10.2022 - 14:29 Uhr

Schauspielerin Emma Corrin in der Rolle der Diana, "The Crown" Season 4

Foto: imago images

Dass dem Erlernen von Englisch kaum Grenzen gesetzt sind, wurde in der September-Ausgabe dieser Kolumne deutlich, für die der neue König von England herhalten musste. Dabei versteht sich von selbst, dass mir Charles III. keine Audienz gewährt hat. Meine Quellen waren Videos – so wie auch dieses Video, das in der Zwischenzeit verbreitet wurde. Es zeigt, wie der Monarch das f-word vermeidet: Statt fucking empört er sich mit stinking.

Diese königliche Formulierung können Sie sich gleich für den Büroalltag merken! Wenn auch Ihr Stift mal wieder tropft oder Sie wegen anderer Pannen die Fassung verlieren, rufen Sie einfach: „That stinking pen/projector/printer!

Ganz generell führt mich die Szene zur Frage, die mir immer wieder gestellt wird: Wie gut eignen sich Filme – die eigentlich gar nicht davon handeln – für den Spracherwerb? Der Gedanke drängt sich auf, je mehr wir alle möglichen englischsprachigen Videoportale nutzen oder mit Netflix & Co. haufenweise Serien in der Originalversion schauen – oder „bingewatchen“. (Apropos „Netflix“: Net + Flix kommt von flicks – eine Umschreibung für „Filme“.)

Passend zum Thema bekam ich neulich eine E-Mail der Sprachschule „Preply“. In der Betreffzeile stand: „Die besten Hollywood Movies, die Ihr Business Englisch voranbringen“. Das Unternehmen hatte tausende von Wörtern in verschiedenen Filmen gezählt, zum Beispiel „The Wolf of Wall Street“ oder „Prakti.com“ – eine bemerkenswert „stonk“-artige Übersetzung von „The Internship“.

Nachdem ich die Zusammenfassung der statistischen Übung gelesen habe, bin ich mir aber nicht sicher, ob sich der Aufwand gelohnt hat: „Der 2957 Wörter umfassende Wortschatz von Leo DiCaprio, Jonah Hill und Co. lehrt Begriffe wie diversification, stock broker oder hedge.“ Was bringt es? Entweder kennt man solche (Fach-)Begriffe bereits – oder nicht. Dann wird man sie sich durch beiläufige und oft schnell gesprochene Erwähnungen in einem Filmdialog nicht auf einmal merken!

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Das gilt umso mehr, wenn sich Beschreibungen für ein und dieselbe Sache in englisch- und in deutschsprachigen Filmversionen unterscheiden. Ich erinnere mich an den Film „Saving Private Ryan“, in dem Soldaten um einen „Jackpot“ spielen, der in der Originalversion allerdings pool genannt wird.

Wie irre Filmdenglisch darüber hinaus sein kann, brachte einst der Klassiker „Casablanca“ mit dem Dialog eines alten deutschen Pärchens auf den Punkt, das in die USA auswandern will:
Professor Leuchtag: „Liebchen, Sweetnessheart. What watch?“
Frau Professor: „Ten watch.“
Herr Professor: „Such much!“

Um von Filmdialogen wirklich effektiv zu lernen, sind entweder persönliche Sprachlehrerinnen und -lehrer erforderlich – also language tutors, die übrigens auch zum Geschäft von Preply zählen. Sie könnten einem den konkreten Inhalt erklären – also, was bedeutet etwa hedging oder foreclosure?

Oder man nutzt Untertitel! Denn sie beschreiben, erklären und unterstreichen, was wir sehen. Statt die Untertitel von Filmen und Serien auszublenden, rate ich ausdrücklich dazu, sie stehenzulassen. Ihr Lernfaktor beginnt bereits dann, wenn noch kein einziges Wort gesprochen wurde. Sie kennen das vielleicht, wenn die Textzeilen Geräusche beschreiben, die Menschen, Tiere oder Gegenstände machen:

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Pen scribbles
Music swells
dog whimpers

Wer das liest, hat im Zweifel drei neue englische Verben gelernt. Die Lernkurve steigt an, je mehr Geräusche hinzukommen (oder wieder verschwinden):

indistinct chattering – undeutliches Geplapper
inaudible voices – unverständliche Stimmen
engine revving/car revs – Auto/Motor heult auf
footsteps approaching/receding – Schritte kommen/gehen
wind whistling – pfeifender Wind
breath shuddering – zitternder/fröstelnder Atem

Die Beispiele führen mich übrigens wieder zum englischen König, weil sie aus der Netflix-Serie „The Crown“ stammen, und zwar aus der vierten Staffel, in der Charles seinen ersten großen Auftritt im Leben hatte. Sie beginnt im Jahr 1979 und handelt nicht nur von den großen Unruhen im Land (und in Irland), sondern auch vom Liebesleben des damals dreißigjährigen Thronfolgers. Es war vielseitig und unverkrampft, bis er sich (auf Drängen der Familie) zwang, Diana zu heiraten.

Die musikalischen Zwischentöne, die per Untertitel erklärt werden, zeugen von der wechselreichen Stimmung und sind so vielseitig, dass man mit ihnen ein halbes musikwissenschaftliches Studium vortäuschen könnte:

1. ominous music – Musik, die nichts Gutes erahnen lässt
2. suspenseful music – Musik, die Spannung ausdrückt
3. mischievous music (gesprochen: miss tschi wöss) –Musik, die schelmisch und schadenfroh klingt
4. tense music = Musik voller Krämpfe und Anspannung
5. somber music = traurige Musik

Bereits die allererste Szene der vierten Staffel zeugt von der sprachlichen Kraft und sogar der Schönheit mancher Untertitel. Die Königin tritt 1979 vor ein Pferd, das sie in Zeiten großer Proteste in Irland reiten wird:

snorts slightly – (Das Pferd) schnaubt ein wenig
shushes softly – (Die Queen) macht leise „sh-sh“ (um das Pferd zu beruhigen)
Horse nickers softly – Das Pferd wiehert leise
Crowd clamoring in distance – Das Geschrei der Menge (= protestierender Iren) ist aus der Entfernung zu hören

Besonders viel lernen für den englischsprachigen Alltag kann man schließlich von den vielen, immer wiederkehrenden Regieanweisungen:

(person) chuckles – die Person kichert/schmunzelt/lacht in sich hinein
clears throat – … räuspert sich
breathes deeply – … atmet tief ein/aus
exhales – … atmet auf (oder bloß aus)
mutters – … murmelt
grunts – … grummelt/knurrt/grunzt
scoffs – … macht einen herablassenden Ton

Die Liste könnte ich ich mit vielen weiteren Beispielen fortsetzen. Ich selbst habe auf diese szenische Weise viele englische Verben und Adjektive gelernt, die ich seitdem immer wieder benutze. Zum Beispiel:

he speaks robotically – er spricht monoton,
unenthusiastically – … ohne Begeisterung
with a wavering voice – … mit bebender Stimme

Zu meinem festen Wortschatz zählen unterdessen die folgenden – häufigen wie meist ziemlich lauten – Wörter:

moaning und groaning – Gemotze und Gestöhne; Gejammer
panting und gasping – keuchen und hecheln; lechzen und schnaufen; Anstrengung
hooting und honking – Johlen und Hupen; Aufhebens, Geschrei
bleeping und blaring – Piepsen und Plärren; Gequäke
mumbling und mouthing – Nuscheln und Brabbeln; Gestammel
stammering und slurring – Stottern, Stammeln und Beschimpfen; Trunkenheit
weeping und sobbing – Weinen und Schluchzen; Verzweiflung
growling und howling – Knurren, Brummen und Gejohle, Geheule; alles auf einmal

Eine besonders schöne szenische Beschreibung stammt unterdessen nicht aus „The Crown“, sondern aus einem meiner englischen Lieblingsfilme: „Bedazzled“ von Peter Cook und Dudley Moore. Der Begriff bildet sogar die Schlüsselszene dieser herrlichen Faust-Story aus dem Jahr 1967. Mit Sicherheit gehört sie auch zum Repertoire von Charles:

to blow (somebody) a raspberry – in englischen Wörterbüchern ist verzeichnet: to make a rude sound by putting out the tongue and blowing in order to show contempt or insult someone.

Doch warum das alles mit komplizierten Worten erklären? Man sieht ja im Film, was gemeint ist – das ist es, was englischsprachige Filme und Serien zu einem guten Language Training macht!

Unser Kolumnist ist unter anderem Autor des Bestsellers „Hello in the Round! Der Trouble mit unserem Englisch und wie man ihn shootet“. Das Buch ist bei C.H. Beck erschienen.

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