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KryptowährungenBis zu minus 30 Prozent: Am Kryptomarkt crashen die Altcoins

Nach der Klageflut der US-Börsenaufsicht werfen Tradinganbieter viele kleinere Kryptowährungen aus ihren Portfolios. Die Kurse von Altcoins brechen zweistellig ein. Bei Anlegern wächst die Verunsicherung.Philipp Frohn 12.06.2023 - 09:49 Uhr

Am Kryptomarkt kommt es wieder zu Verwerfungen.

Foto: REUTERS

Der Blick auf die Kursentwicklung dürfte Kryptoanleger derzeit wieder verzweifeln lassen: Nach einem guten halben Jahr positiver Vorzeichen drehen die Kurse zurzeit ins Minus. Der Bitcoin als älteste und bekannteste Kryptowährung notiert auf Wochensicht zwar mit einem Minus von 3,8 Prozent bei etwa 25.800 Dollar nur leicht in der Verlustzone. Deutlich krasser sieht es aber bei Altcoins aus – alternative und kleinere Kryptrowährungen: Im selben Zeitraum verbuchen sie Verluste von bis zu 30 Prozent.

Der neue Hardliner-Kurs der Regulatoren setzt dem Kryptomarkt zu. Vergangene Woche reichte die US-Börsenaufsicht SEC mehrere Klagen gegen die zwei größten Kryptobörsen der Welt ein. Binance und Coinbase wird unter anderem vorgeworfen, Kryptoassets zum Handel anzubieten, die als zulassungspflichtige Wertpapiere gelten würden – ohne eine entsprechende Lizenz zu haben. Branchenführer Binance werfen die Aufseher darüber hinaus sogar vor, Umsätze zu manipulieren und Kunden zu täuschen.

Dass die Verluste beim Bitcoin deutlich moderater ausfallen als bei Altcoins, überrascht nicht. In den Klagen gegen die Handelsplätze stuft die SEC nämlich nicht etwa Bitcoin und Ether als erlaubnispflichtige Wertpapiere ein, sondern Kryptowährungen wie Polygon (MATIC), Solana (SOL) und Cardano (ADA). Diese drei Coins haben am stärksten an Wert eingebüßt.

Krypto-ABC: Die wichtigsten Begriffe verständlich erklärt
Der Fokus am Kryptomarkt liegt klar auf dem Bitcoin. Unter Altcoins versteht man Kryptowährungen, die nach der ältesten Digitalwährung erfunden wurden und eine Alternative zum Bitcoin darstellen. Beispiele dafür sind Ethereum, Cardano oder Solana.
Der Bitcoin ist nicht nur die dem Volumen nach größte, sondern auch die älteste Kryptowährung der Welt. Schon im Oktober 2008 skizzierte Satoshi Nakamoto, das Pseudonym des Bitcoin-Erfinders, in einem Whitepaper mit dem Titel „A Peer-to-Peer Electronic Cash System“, wie so eine virtuelle Währung aussehen könnte. Kurz darauf, im Januar 2009, wurden die ersten Bitcoin geschürft. Weil Nakamoto unter einem Pseudonym agierte, ist bis heute unklar, wer genau den Bitcoin ins Leben gerufen hat.
Transaktionen von Kryptowährungen werden auf der Blockchain dokumentiert. Die Blockchain ist eine öffentliche, dezentrale Datenbank. Die Informationen werden nicht auf einem einzelnen Server, sondern auf vielen tausenden Rechnern gespeichert. „Chain“ kommt aus dem Englischen und bedeutet „Kette“.Jede Transaktion wird in einem Block gespeichert und an eine Kette der bereits vorhandenen Datensätze angehängt. Deshalb wird die Blockchain auch digitales Kassenbuch genannt. Die gespeicherten Daten können im Nachgang nicht mehr oder nur mit Zustimmung des Netzwerkes geändert werden. So soll ein fälschungssicheres Protokoll entstehen.
Ether ist hinter dem Bitcoin die zweitgrößte Kryptowährung und basiert auf der Ethereum-Blockchain. Im Vergleich zur Bitcoin-Blockchain gilt diese als moderner und leistungsfähiger und soll in Kürze auf das energiesparendere Proof-of-Stake-Verfahren umgestellt werden. Auch Smart Contracts können über Ethereum gehandelt werden. Beliebt ist die Kryptowährung auch, weil NFTs (non fungible Token) oft auf Ethereum basieren und deshalb mit Ether bezahlt werden.
Mining ist das Erzeugen (Schürfen) neuer Coins. Bei diesem Prozess stellen Miner im Fall des Bitcoin die Rechenleistung ihrer Computer zur Verfügung, um komplexe mathematische Aufgaben zu lösen. So werden Transaktionen verifiziert und auf der Blockchain gespeichert. Die Miner werden fürs Bereitstellen der Rechenleistung mit neu generierten Bitcoin belohnt.Bei einigen anderen Kryptowährungen basiert das Mining dagegen nicht auf Rechenleistung, sondern auf den Anteilen der Netzwerk-Teilnehmer an der jeweiligen Kryptowährung (siehe Proof of Stake). In diesem Fall wird das Mining deshalb auch oft als Staking bezeichnet. Auch dafür bekommen Teilnehmer eine Prämie, also quasi eine Art Verzinsung für ihren Anteil.
Minten bezeichnet das Erstellen eines NFTs (non fungible Token). Mit dem „Prägen“ des Bildes ist in diesem Fall das Hochladen in die Blockchain gemeint.
Die Abkürzung NFT steht für non-fungible Token, also nicht austauschbare Wertmarken. NFTs sind virtuelle Güter, die über die Blockchain gehandelt werden. Oft sind es etwa digitale Bilder oder Sammelkarten. Jeder NFT ist einzigartig. Wer einen kauft, wird in der Blockchain als Eigentümer registriert und kann so beispielsweise ein Echtheitszertifikat für ein virtuelles Bild oder ein digitales Kunstwerk vorweisen.
Mit dem Proof-of-Work-Verfahren werden neue Münzen einiger Kryptowährungen wie dem Bitcoin geschaffen. Dafür stellen die Miner die Rechenleistung des Systems zur Verfügung, um komplexe Aufgaben zu lösen. Wer es zuerst schafft, die Aufgabe zu lösen, darf den Block an die Blockchain anhängen und erhält eine Belohnung in Form digitaler Münzen. Der Proof-of-Work-Ansatz gilt als besonders energieintensiv.
Einige Blockchains basieren auf dem Proof of Stake-Verfahren. Anders als bei Proof of Work werden dabei fürs Mining keine umfangreiche Hardware und große Mengen an Rechenleistung benötigt. Proof of Stake gilt daher als wesentlich energieschonender.Statt dessen dürfen diejenigen Transaktionen und neue Coins freigeben, die einen besonders hohen Anteil an einer Kryptowährung halten. Sie werden dann Validatoren genannt. Der Prozess beruht auf einem Konsensmechanismus. Je höher der Preis, desto höher die Anzahl der Coins, um am Prozess teilzunehmen.
Smart Contracts sind virtuelle Verträge, die über die Blockchain getauscht werden. Diese treten unter bestimmten zuvor festgelegten Bedingungen selbstständig in Kraft. Insbesondere Banken und andere Finanzinstitute sehen in Smart Contracts einen großen Nutzen. Sie könnten zum Beispiel beim Börsenhandel Intermediäre – also zwischengeschaltete Stellen wie Wertpapierbroker– überflüssig machen.
Die Wallet ist eine Art digitale Geldbörse für Kryptowährungen. Sie ermöglicht es Nutzern, Kryptoguthaben zu kaufen und zu verschicken. Es gibt mehrere Arten von Wallets. Die Hardware-Wallet ist quasi ein USB-Stick, auf dem das Kryptovermögen und die Zugänge eines Nutzers gespeichert sind. Eine Paper-Wallet wird auf Papier ausgedruckt.Dafür wird ein QR-Code generiert, den man einscannen muss, um Transaktionen zu tätigen. Eine Software-Wallet kommt ohne externe Geräte oder Papierausdrucke aus. Hier werden die Daten in einem Computerprogramm gespeichert. Nutzer dürfen ihre Zugangsdaten nicht vergessen: Sonst bliebe ihnen der Zugriff auf ihr Kryptovermögen verwehrt.
Dieses Krypto-ABC entstammt dem großen Krypto-1x1 der WirtschaftsWoche: Das vollständige Dossier finden Sie hier zum Download

Die Klagewelle der Börsenaufsicht hatte dem Kryptosektor bereits Mitte vergangener Woche zugesetzt. Besonders stark abwärts ging es bei den Altcoins aber am Wochenende. Kein Wunder, denn am Freitag erreichte sie die nächste Hiobsbotschaft: Der Smartphonebroker Robinhood teilte mit, den Handel von Polygon, Solana und Cardano ab dem 27. Juni einzustellen.

Altcoins drohen weitere Risiken

Nutzern drohen hohe Verluste. Nach Ablauf der Frist werden die Coins nämlich verkauft – und zwar zum dann aufgerufenen Marktpreis. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter lässt Robinhood seine Kunden wissen, dass sie bis dahin „detaillierte Anweisungen zum Verkauf und/oder Abheben“ ihrer Münzen bekommen. Wer eine eigene Wallet besitzt, eine digitale Geldbörse, kann die Coins auch dorthin transferieren. Robinhood hat unlängst ein eigenes Wallet-Produkt eingeführt. Somit müssten Kunden keine Verluste realisieren, sondern könnten ihre Coins einfach verschieben. Allerdings ist die Verwahrung auf eigene Faust etwas aufwendiger als die Verwahrung über eine Kryptobörse.

Hinzu kommt: Das Delisting der Altcoins bei Robinhood, quasi dem amerikanischen Trade Republic, birgt weitere Risiken. Wenn Anleger bei dem Smartphonebroker nicht mehr mit den Kryptowerten handeln können, droht sich deren Liquidität zu verringern. Ohne den Marktplatz wird die Zugänglichkeit der Assets für Anleger eingeschränkt. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass weitere Tradinganbieter auf Abstand zu den Altcoins gehen.

Binance und Coinbase wollen die Vorwürfe der SEC nicht auf sich sitzen lassen. Aus ihrer Sicht handelt es sich bei den Kryptowerten nicht um zu registrierende Wertpapiere. Vielmehr entsprächen deren Eigenschaften einem Rohstoff, und damit fielen sie unter eine andere Regulierung. Die Kryptobörsen haben bereits angekündigt, gegen die Klagen vorzugehen. „In der Zwischenzeit werden wir unsere Geschäfte wie gewohnt weiterführen“, sagte jüngst Paul Grewal, der die Rechtsabteilung bei Coinbase leitet. Für Kryptoanleger beginnt also eine neue Zitterpartie.

Lesen Sie auch: Erst Binance, jetzt Coinbase: Die Klageflut der SEC bedroht den Kryptosektor

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