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  4. Silvio Berlusconi Tod: So geht es mit dem Imperium weiter

Tod von Ex-RegierungschefVillen, Medien, Sport – das könnte aus Berlusconis Milliarden-Imperium werden

Fünf Kinder, 16 Enkel, doch keiner hat die gleiche Statur wie er: Nach dem Tod von Berlusconi wird über die Zukunft seines Imperiums spekuliert. Es geht um viel Geld, Immobilien und ein kompliziertes Holding-System.Gerhard Bläske 13.06.2023 - 11:57 Uhr

Silvio Berlusconi, ehemaliger italienischer Ministerpräsident, ist tot.

Foto: dpa

Nicht nur in der Politik mischte der ehemalige italienische Premierminister Silvio Berlusconi als Chef der Regierungspartei Forza Italia bis zuletzt mit. Auch in der Wirtschaft übte der jetzt im Alter von 86 Jahren Verstorbene, der ein Staatsbegräbnis im Mailänder Dom erhält, Einfluss aus.

Spekulationen um sein Erbe ließen am Montag die Kurse der von ihm kontrollierten Konzerne deutlich steigen: Media for Europe (Mfe)-Papiere der Kategorie A gewannen fast sechs Prozent, die Papiere des Verlagskonzerns Mondadori legten um rund zwei Prozent zu. Beide Unternehmen werden von Kindern Berlusconis geführt. An der Spitze von MfE (früher Mediaset), mit fast 30 Prozent der Anteile größter Aktionär von ProSieben.Sat1, steht Piersilvio Berlusconi, Sohn aus erster Ehe. Zu Mediaset gehören neben dem Fernsehgeschäft in Italien auch andere Aktivitäten außerhalb Italiens, etwa in Spanien sowie Engagements in den Bereichen Radio und Kino. Chefin von Mondadori und Präsidentin der Berlusconi-Familienholding Fininvest ist Marina Berlusconi, sine Tochter aus erster Ehe.

Wer künftig den Gesamtkonzern führen wird, ist unklar. Keiner der insgesamt fünf Kinder aus zwei Ehen sowie der 16 Enkel, die noch keine operativen Funktionen ausüben, drängt sich auf. Vater bzw. Großvater Silvio, der nach einem Jurastudium und Episoden als Sänger auf Kreuzfahrtschiffen und Staubsaugerverkäufer einst als Bauunternehmer begann und dann in den Mediensektor einstieg, hielt bis zuletzt die Zügel in der Hand. Er besaß 61 Prozent der Anteile von Fininvest, die wiederum 50 Prozent von Mediaset, 30 Prozent der Bank Mediolanum, 53 Prozent von Mondadori, das Teatro Manzoni in Mailand und den Serie-A-Fußballclub AC Monza kontrolliert. Die Fininvest-Beteiligungen kommen auf einen Umsatz von mehr als fünf Milliarden Euro und zählen rund 20.000 Beschäftigte.

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Silvio Berlusconi im Alter von 86 Jahren gestorben

Zu Berlusconis Imperium, das über eine Reihe von Holdings in einem komplizierten System geführt wird, gehört auch eine Immobiliengesellschaft innerhalb von Fininvest sowie eine große Zahl von Villen und Wohnsitzen. Die teilweise riesigen Anwesen befinden sich vor allem an der Costa Smeralda in Sardinien, nördlich von Mailand, darunter der langjährige Wohnsitz in Arcore, aber auch am Lago Maggiore, in Rom, im südfranzösischen Cannes und in der Karibik (Antigua). Ein genauer Überblick über sämtliche Besitzungen ist schwierig.

Es ist zu früh, darüber zu spekulieren, ob dieses umfangreiche Firmengeflecht zerschlagen werden soll. Berlusconi wird darüber sicher Regelungen getroffen haben, zumal er seit Jahrzehnten mit einer Riege enger Vertrauter zusammenarbeitet. Berlusconis Kinder aus erster Ehe, Piersilvio und Marina, kontrollieren bisher jeweils 7,65 Prozent der Fininvest-Anteile. Die drei Kinder aus zweiter Ehe, Barbara, Eleonara und Luigi halten über ihre gemeinsame Holding H14 insgesamt 23 Prozent.

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Allein der Wert der Vermögensteile, die Silvio Berlusconi hielt, wird auf bis zu sieben Milliarden Euro geschätzt, denn dazu gehörten auch noch Barmittel, Gemälde, Autos und Ähnliches. Sein Fininvest-Anteil allein war zuletzt etwa 3,1 Milliarden Euro wert, der jedes einzelnen seiner Kinder etwa 350 Millionen Euro. Die Anteile am Fußballclub AC Mailand, der unter Berlusconis Eigentümerschaft fünf Champions-League-Titel und acht Meisterschaften holte, hat der viermalige Regierungschef vor etlichen Jahren an den chinesischen Investor Yonghong Li verkauft, der sie dann an Elliott weitergab.

Eine so starke Führungspersönlichkeit wie Silvio Berlusconi ist in der Familie jedenfalls nicht vorhanden. Denn die Rolle des Verstorbenen als Unternehmer war zumindest seit Anfang der 90er-Jahre nicht zu trennen von seiner Rolle als Politiker. Nachdem er zunächst den Sozialisten Bettino Craxi unterstützt hatte, gründete er später eine eigene Partei und wurde 1994 erstmals Premierminister. Er führte insgesamt vier Regierungen. Ein Grund für seinen Einstieg in die Politik waren Bestrebungen der damaligen Regierung, die Macht seines Medienkonzerns Mediaset zu begrenzen. Als Regierungschef lockerte er beispielsweise Bestimmungen gegen die Medienkonzentration und verabschiedete auch sonst Gesetze, von denen er selbst profitierte. Seine Karriere als Premierminister endete im November 2011, als er zurücktreten musste, weil Italiens Position wegen der hohen Schulden und des massiven Zinsanstiegs untragbar geworden war.

Zwar war Berlusconi in eine Vielzahl von Skandalen verwickelt und wurde viele Male etwa wegen Bestechung, Bilanzfälschung oder Schmiergeldzahlungen angeklagt. Viele Fälle verjährten jedoch oder er wurde freigesprochen. Nachdem er zeitweise wegen Steuerhinterziehung keine politischen Ämter mehr hatte ausführen dürfen, war der mit der 33-jährigen „Parteikollegin“ Marta Fascina liierte Berlusconi erst im Herbst wieder in den Senat gewählt worden. Berlusconi vertrat im Kern ultraliberale Positionen, hielt aber bis zum Schluss an politisch heiklen Freundschaften, etwa mit Ungarns Premier Victor Orban und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyit Erdogan, fest. Treue fand er auch für Russland Präsident Wladimir Putin.

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