Für den Krisenfall: Verstärken soziale Medien das Risiko eines Bank-Runs? Bundesbankpräsident wünscht sich Taskforce
Bundesbankpräsident Joachim Nagel.
Foto: PR, Frank RumpenhorstBundesbankpräsident Joachim Nagel hat vor den Gefahren eines Banken-Ansturms durch Fake News gewarnt und eine Ausweitung der Bankenaufsicht auf soziale Medien ins Spiel gebracht. Die Aufseher könnten dann frühzeitig erkennen, ob dadurch das Risiko eines sogenannten Bank-Runs besteht, sagte Nagel dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Bei einem Bank-Run holen Sparer in großer Zahl gleichzeitig ihr Geld von einer Bank. Im schlimmsten Fall droht dann der Zahlungsausfall des Geldinstituts.
Der Fall der Silicon Valley Bank habe gezeigt, dass man schneller werden müsse, sagte Nagel. Dort hätten Äußerungen in den sozialen Medien dazu beigetragen, einen Bank-Run zu beschleunigen. Die Frage sei, ob auch Fake News so etwas auslösen könnten. Die US-Bank war im März kollabiert.
Er habe von einem Kollegen aus Südkorea gehört, dass dort eine Task Force der Bankenaufsicht systematisch die sozialen Medien überwache, sagte Nagel. Diese sehe dann frühzeitig, wenn sich so etwas abzeichne. „Darüber könnten wir in Europa auch nachdenken”, sagte er: „Wir dürfen uns nicht ausruhen, sondern müssen genau hinschauen und bei „blinden Flecken” in der Aufsicht nachschärfen.”
Auch der Chef der Bafin, Mark Branson, sieht Social Media als eine Art Brandbeschleuniger für Bankenkrisen an. „Binnen Sekunden lassen sich über die sozialen Medien Informationen und Gerüchte verbreiten. Und übers Online-Banking Einlagen abziehen. Zu jeder Tageszeit und an fast jedem Ort der Welt. So gerieten einige Banken in kurzer Zeit in eine Liquiditätskrise“, sagt Branson der Deutschen Presse-Agentur.
Die Silicon Valley Bank war eine der Banken, die das US-Bankenbeben nicht überstanden haben. Bei einem überraschenden Notverkauf von Staatsanleihen hatte sie einen Verlust von knapp zwei Milliarden Dollar erlitten. Nachdem SVB-CEO Greg Becker in einem Konferenzgespräch dazu aufgefordert hatte „keine Panik zu zeigen“, verbreitete die Nachricht sich über Social Media wie ein Lauffeuer. Die Folge: Zu viele Kunden wollten ihr Geld gleichzeitig und schnellstmöglich Sicherheit bringen und standen in Schlangen vor den Filialen oder machten dies digital über das Smartphone. Insgesamt wurden 42 Milliarden US-Dollar abgezogen. Das verstärkte das Liquiditätsproblem der Bank bis hin zur Zahlungsunfähigkeit und brachte sie schließlich zum Fall.
„Es gab ein paar Tweets und dann ging das Ding schneller unter als je zuvor in der Geschichte“, beschreibt Citigroup-Chefin Jane Fraser den Fall der Silicon Valley Bank bei einer Veranstaltung in Washington. Weitere Bank-Runs wie bei der Silicon Valley Bank bei anderen Banken konnten schlussendlich nur durch ein Statement des US-Präsidenten Joe Biden gestoppt werden. Nach der Garantie, dass die Kunden der betroffenen Banken trotz des Zusammenbrauchs vollständigen Zugriff auf ihre Konten haben würden, beruhigte sich die Lage.
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