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  4. Boom bei Luxusreisen: „Manche Buchungen kosten über 600.000 Euro“

Anbieter von Luxusreisen„Wer allein in der Sixtinischen Kapelle sein möchte, muss bis zu 10.000 Euro zahlen“

Das Luxusreisesegment boomt. Ein Anbieter für teure Reisen erzählt, welche Sonderwünsche Luxusurlauber haben, welches Trendziel überrascht und wie viel Geld Reiche für Reisen ausgeben.Svenja Gelowicz 24.02.2024 - 14:41 Uhr

Luxus, aber naturnah: Dinner mit Bergpanorama in Thimphu (Bhutan).

Foto: Six Senses Bhutan

WirtschaftsWoche: Reisen sind deutlich teurer geworden, viele Urlauber müssen ihr Budget genau kalkulieren. Dennoch boomen Luxusreisen. Woran liegt das?
Dirk Gowin: Luxus geht immer, auch in schlechten Zeiten. Hochpreisige Reisen werden nach Corona nachgeholt. Auffällig ist, dass viele Menschen länger reisen und auch bereit sind, deutlich mehr Geld auszugeben.

Was erwarten Reiche bei Reisen?
Es geht vor allem um bequemes Reisen, gut fliegen, schön wohnen und Erlebnisse. Die Gäste wollen dabei unter sich sein, auch an Orten, die viele Besucher anziehen. Viele der Reisenden wollen Künstlern, Musikern oder Designern begegnen. Wir arrangieren deshalb häufig Treffen, in unserem Job geht es viel um Details und Beziehungen zu bestimmten Persönlichkeiten.

Wo wollen Ihre Gäste zum Beispiel unter sich sein?
Beispielsweise wollen Gäste in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan oder auf der Akropolis alleine sein. Wir organisieren dann einen Besuch außerhalb der üblichen Zeiten und spenden beispielsweise eine entsprechende Summe an den Vatikan, damit wir das ermöglichen können.

Dirk Gowin

Foto: PR
Zur Person
Dirk Gowin ist Gründer und Geschäftsführer der Select Luxury Travel GmbH, einem Veranstalter von Luxusreisen mit Sitz in Berlin.

Wie viel kostet das?
Wer allein in der Sixtinischen Kapelle sein möchte, muss ungefähr 7000 bis 10.000 Euro zahlen. Wir verbinden das in der Regel mit den Vatikanischen Gärten. Dafür müssen Schließzeiten verändert werden, ein Sicherheitsdienst wird benötigt. Das müssen wir langfristig planen. Doch immer mehr Gäste wollen sehr kurzfristig entscheiden, wo sie ihr Geld ausgeben wollen.
Das war früher anders?
Früher haben unsere Gäste oft mit einem Vorlauf von acht Monaten gebucht, heute sind es eher acht Wochen. Ich vermute, es liegt an der weltweiten Situation, die Unsicherheit durch Kriege und Inflation.

Was für Sonderwünsche können Sie noch erfüllen?
Es geht häufig um Reservierungen in den angesagtesten Restaurants, beispielsweise in Tokio oder Kyoto, wo es nur sechs bis acht Plätze gibt – und Gäste wollen unbedingt dort essen. Also: Kulinarik ist auf jeden Fall ein Thema. Auf Safaris wollen manche Gäste mittendrin sein, wenn Wanderungsbewegungen der Tiere stattfinden, da müssen wir aber aufpassen, genug Abstand zu den Wildtieren zu haben. Abtauchen per U-Boot ist auch ein Thema, da könnte das Unglück der Titanic-Kapsel aber dafür sorgen, dass das Interesse nachlässt.

Lesen Sie auch: Wo verantwortungsbewusste Reisende ihren Urlaub buchen

Wo setzen Sie Grenzen? Würden Sie für Gäste teure Lebensmittel einfliegen lassen, wie es manche Anbieter machen?
Nein, sowas machen wir nicht. Wir hatten Gäste, die wollten auf den Seychellen unbedingt einen speziellen Thunfisch, der dort nicht vorkommt. Aber das wollen wir nicht leisten, das ist nicht nachhaltig. Auf den Seychellen wird nun mal serviert, was vorbeischwimmt. Umgekehrt sind unsere Gäste sehr sensibel, wenn es um Umweltsünden geht, sie wollen nirgends sein, wo Plastikmüll herumliegt.

Was (Luxus-)Touristen nicht sehen wollen: Eine Schildkröte inmitten angestrandeten Plastikmülls auf der Seychelleninsel Aldabra.

Foto: imago images

Über welche Budgets verfügt Ihre Klientel?
Ganz unterschiedlich, letzte Woche hatten wir eine Buchung für 240.000 Euro, für die Gäste geht es nach Tansania, Mosambik und Sansibar. Buchungen für mehrere Personen kosten manchmal über 600.000 Euro. Aber häufig liegen wir bei 15.000 bis 20.000 Euro pro Person.

Wer sind Ihre Kunden?
Sie sind jünger als früher, im Schnitt Mitte 50 Jahre alt. Viele Unternehmer, Industrielle, Anwälte, auch Persönlichkeiten, die wir aus den Medien kennen. Zwischendurch auch jüngere Familien, die mit ihren Kindern kommen. Sie wollen den Luxusurlaub oft sehr naturnah verbringen. Wir haben viele Buchungen für Costa Rica, das Land ist total im Trend, gerade bei den Mittvierzigern. Da bekommen wir gar nicht alle unter, weil die Infrastruktur der Boutiquehotels und Lodges nur beschränkte Kapazitäten hat. Viele Gäste wollen natürlich wohnen und nah dran sein: Am Vulkan, im Regenwald, an der Küste, am Nordpol.

Touristen an Bord eines Eisbrechers am Nordpol.

Foto: imago images

Am Nordpol?
Ich plane seit 30 Jahren Luxusreisen und habe noch nie so viele Gäste an den Nordpol gebucht wie zuletzt. Die Zahl konnte ich sonst an zwei Händen abzählen, aber das zieht gerade total.

Was sind noch Trends bei den Reichen?
Galapagos, Patagonien, Karibik, Ägypten. Im Highend-Bereich haben wir Boutique-Schiffe mit eigenen Landungspunkten, und wenn wir über den Nil fahren haben wir an Bord dann einen eigenen Ägyptologen und bieten wieder Exklusivität an – Gräber öffnen, die sonst nicht zugänglich sind zum Beispiel. Außerdem boomt Ostafrika mit Safaris und ökologischen Reisen beispielsweise nach Kenia, Tansania, Ruanda. Da geht es beispielsweise zu den Berggorillas. Aber auch Nordamerika mit den Rocky Mountains und seinen Nationalparks läuft gut. Und wir haben ein wahnsinnig starkes Japan-Jahr, nachdem das Land wegen Corona so lange geschlossen war. Dann wollen viele nach Chile, Argentinien und Bolivien, aber auch nach Skandinavien.

Luxuriöses Camping in Boliviens Salzwüste.

Foto: Michael Poliza

Gibt es Orte, die an Bedeutung verlieren?
Südostasien zum Beispiel, ja. Auch Dubai ist schwächer denn je, denn das Land konnte man auch während Corona bereisen.

Welche Annehmlichkeiten bieten Sie Ihren Kunden bei der An- und Abreise?
Wir übernehmen die Check-ins, und an bestimmten Flughäfen gibt es für diejenigen, die mit dem Privatjet oder in den Premium-Klassen fliegen, VIP-Lounges.

Mit Bibliothek und fernab von Hektik: In der neuen VIP-Lounge des Flughafens Frankfurt können Fluggäste gegen einen Aufpreis hier vor ihrem Abflug puren Luxus genießen.

Foto: dpa

Unsere Gäste müssen sich nicht an Kontrollschlangen anstellen. Sie haben nichts mit dem normalen Flughafentrubel zu tun, stattdessen kommen Zollbeamte und Kontrolleure einfach vorbei. Genauso dann bei der Ankunft, sie werden am Flugzeug empfangen und von Limousinen abgeholt.

Transparenzhinweis: Dieses Interview mit Dirk Gowin, Veranstalter von Luxusreisen, wurde im August 2023 geführt. Wir zeigen es aufgrund des hohen Leserinteresses erneut.

Lesen Sie auch: Luxus-Abenteuer – „Tiefsee-U-Boote sind das nächste große Ding

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